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Ein Palästinenser und ein Israeli leben den Frieden vor

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Ein Palästinenser und ein Israeli: Maoz Inon und Aziz Abu Sarah entschieden sich, aufeinander zuzugehen. Jetzt veröffentlichten sie über ihre Geschichte ein Buch, das Mut macht.

Jerusalem (KNA/IZ). Der Hamasangriff vom 7. Oktober 2023 und der nachfolgende Gazakrieg haben den Nahen Osten verändert. Trauma, Angst, Vertrauensverlust und Rachegefühle ließen viele nach rechts abdriften.

Der jüdische Israeli Maoz Inon und der muslimische Palästinenser Aziz Abu Sarah entschieden sich trotz persönlicher Verluste für einen anderen Weg. Ihr Buch „Die Zukunft ist Frieden“ erscheint am 17. September in deutscher Übersetzung. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit den Autoren und Friedensaktivisten in Jerusalem.

Hintergrund: Der Gaza-Krieg verschiebt die öffentliche Meinung in Europa weiter zugunsten der Palästinenser. Das zeigt das HU-EF-Barometer der Hebräischen Universität Jerusalem, für das in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen je mindestens 1.000 Personen befragt wurden.

In Deutschland sind 19 Prozent nach eigener Aussage „pro-palästinensischer geworden“ (2024: 14), nur 8 Prozent „pro-israelischer“. Am stärksten war der Anstieg in Polen, von 14 auf 30 Prozent. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien hält eine klare Mehrheit den Antisemitismus im eigenen Land für ein Problem.

Aziz Abu Zahra (Foto: Zezu450/Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0)

„Ohne den 7. Oktober wäre das alles nicht passiert“

Frage: Der 7. Oktober 2023 und das Buch: Wie passt das zusammen?

Maoz Inon: Ohne den 7. Oktober wäre das alles nicht passiert, unsere Freundschaft, unsere Brüderlichkeit. Und natürlich gäbe es kein Buch. Wir alle haben uns verändert – nicht nur mein persönliches Leben, sondern auch der Lauf der Geschichte. Das ist der Auslöser.

Aziz Abu Sarah: Der 7. Oktober hat viele Leute dazu gebracht, sich weiter nach rechts zu bewegen, während andere zu Friedensstiftern geworden sind. Es hat also alles verändert.

Frage: Warum haben Sie sich entschieden, aufeinander zuzugehen?

Inon: In den letzten 20 Jahren sind wir parallele Wege gegangen. Wir hatten uns bereits für Frieden und Versöhnung entschieden sowie dafür, die Sichtweise der anderen Seite anzuerkennen, zum Beispiel für Aziz im Rahmen von „Dual narrative tours“, Führungen, die beiden Narrativen Raum geben, oder für mich mit der Eröffnung eines Gästehauses in Nazareth, der wichtigsten palästinensischen Stadt Israels, was mich aus meiner Komfortzone geholt hat.

Das ist intensiver geworden. Ich hätte keinen anderen Weg wählen können. Für mich war klar, dass ich das Erbe meiner am 7. Oktober 2023 ermordeten Eltern weiterführe und Menschlichkeit wähle statt Eskalation oder Rache.

„Der 7. Oktober ist das Drama, das ihre politischen Ansichten rechtfertigt oder ihren fehlenden Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit“

Abu Sarah: Ich spreche viel mit Leuten aus der Linken. Sie sind nach dem 7. Oktober skeptischer gegenüber dem Frieden geworden und sagen, man könne Arabern, Muslimen oder Palästinensern nie wieder vertrauen.

Manchen dient es als Ausrede: Der 7. Oktober ist das Drama, das ihre politischen Ansichten rechtfertigt oder ihren fehlenden Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit.

Dann sage ich: Es ist nicht in deiner Familie passiert, sondern in der Familie von Maoz und anderer Freunde, die am 7. Oktober Angehörige verloren haben. Wenn wir, die wir unsere Liebsten verloren haben, diesen Weg wählen, könnt ihr vielleicht darüber nachdenken, auf welchen Werten eure Entscheidungen basieren.

Frage: Zeigt Ihr Beispiel Wirkung?

Abu Sarah: Auf jeden Fall. Es gibt eine echte Nachfrage, unsere Vision zu hören. Als Maoz sich wenige Tage nach dem 7. Oktober gegen den Krieg aussprach, hielten ihn die meisten für verrückt. Auch mich hielt man für verrückt.

Heute sind viele, die nach dem 7. Oktober schreckliche Kommentare auf Facebook schrieben, unsere größten Unterstützer. Die Menschen brauchten eine Erinnerung, eine Vision. Sie brauchen jemanden, der in diesen schweren Zeiten sagt: Lasst uns nicht aus den Augen verlieren, wer wir sind.

Wo immer wir hinkommen, sagen Menschen, sie seien hoffnungslos gewesen, bis sie uns gehört haben. Das liegt nicht an uns. Es geht um das Vorleben. Wir zeigen, wie die Zukunft aussehen könnte.

Inon: Einer der wichtigsten Wendepunkte war unser Auftritt bei der „Arena des Friedens“ im Mai 2024 in Verona, als wir das Privileg hatten, vor Papst Franziskus und 13.000 Friedensstiftern zu sprechen. Vor der Veranstaltung wurden wir gefragt, ob Frieden möglich ist. Danach lautete die Frage, einschließlich von Papst Franziskus: Wie können wir euch helfen?

Maoz Inon (Foto: HananCohen/Wikimedia Commons | Lizenz: Creative Commons

„Träumt mit uns von einer besseren Zukunft“

Frage: Und wie kann man helfen?

Inon: Träumt mit uns von einer besseren Zukunft. Verstärkt unsere Stimmen und unsere Botschaft. Legitimiert uns Friedensstifter. Diejenigen, die glauben, dass Bomben Ruhe bringen, dass Krieg verteidigt und Sicherheit schafft, haben in der Geschichte der menschlichen Zivilisation immer versagt.

Nur durch Diplomatie, durch Dialog und durch Verhandlungen können wir einen dauerhaften Frieden erreichen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die EU und insbesondere Deutschland, ihre Politik ändern müssen.

Frage: Was muss anders werden?

Inon: Es braucht Unterstützung durch die Förderung von Dialoggruppen und Versöhnungsprojekten. Und Sanktionen gegen die, die sich für ethnische Säuberungen, Besatzung und Gebietsannektierung entscheiden. Deutschland sollte eine viel bedeutendere Rolle spielen. 

Wer Pläne der israelischen Regierung kritisiert, zwei Millionen Menschen aus dem Gazastreifen umzusiedeln, ist kein Antisemit. Es geht um moralische Klarheit. Es ist wichtig, dass die Menschen das von mir hören, von jemandem, der am 7. Oktober beide Elternteile verloren hat. 

Jetzt ist es an der Zeit, dass auch Deutschland sich engagiert und sich an die Werte und Versprechen erinnert. Wir haben uns nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gemeinsam für Gleichheit, Würde, Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt.

Foto: thauwald-pictures, Adobe Stock

„Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind wichtige Themen in Europa“

Abu Sarah: Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind wichtige Themen in den USA und in Europa. Im pro-israelischen und im pro-islamischen Lager gibt es Menschen, die Hass gegen den jeweils anderen verbreiten. 

Diese Menschen gewinnen vielleicht eine Debatte. Wir verlieren unser Leben. Es lastet eine enorme Verantwortung auf den Deutschen, den Christen, den Muslimen und den Juden, zusammenzukommen und sich für Gerechtigkeit, Frieden und Gleichheit einzusetzen, um uns dabei zu helfen, den Konflikt zu lösen. Europa investiert zu wenig in Frieden.

Frage: Wie geht man gegen Hass vor?

Abu Sarah: Mit Taten, nicht nur mit Worten. Eines der wichtigsten Projekte, an denen wir in den letzten Monaten gearbeitet haben, ist der Aufbau einer Koalition aus Organisationen und Einzelpersonen für die bevorstehende Olivenernte in Palästina.

Zusammen haben wir eine Initiative namens „Protect the Harvest“ ins Leben gerufen. Bislang haben sich mehr als 200 Menschen angemeldet. Es gibt eine Warteliste.

Es ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie wir als friedliche Menschen verstehen müssen, dass Frieden und Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Es gibt keine Grenze zwischen der Unterstützung der Menschen vor Ort, humanitärer Hilfe und friedlichem Engagement.

* Aziz Abu Sarah und Maoz Inon: Die Zukunft ist Frieden. Eine palästinensisch-israelische Reise durch das Heilige Land, Verlag Altneuland. 250 Seiten, 24 Euro. Erscheint am 17. September. 

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Palästinenser scheitert mit Klage gegen Rüstungsexporte in Karlsruhe

gewalt gaza Palästinenser

Ein Palästinenser hatte sich gegen Genehmigungen für Rüstungsexporte nach Israel gewandt. Dadurch sah er eine Schutzpflicht des deutschen Staates verletzt. Diese ergebe sich aus dem im Grundgesetz verankerten Recht auf Leben.

(KNA). Ein im Gazastreifen lebender Palästinenser ist mit seiner Verfassungsbeschwerde gegen die deutsche Genehmigung von Rüstungslieferungen nach Israel gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Beschwerde in einem am 11. Februar veröffentlichten Beschluss für unzulässig.

Zuvor hatten das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main und der Hessische Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass dem Mann die Klagebefugnis fehle, weil er nicht geltend machen könne, in eigenen Rechten verletzt zu sein.

Foto: nitpicker | Shutterstock

Die Karlsruher Richter betonten, aus dem Grundgesetz ergebe sich zwar der Auftrag an den deutschen Staat, das humanitäre Völkerrecht und die internationalen Menschenrechte zu schützen. „Unter bestimmten Bedingungen“ könne aus diesem Auftrag „die Pflicht folgen, im Ausland lebende Menschen zu schützen“.

Die staatlichen Organe entschieden jedoch „grundsätzlich in eigener Verantwortung, wie sie den allgemeinen Schutzauftrag und etwaige konkrete Schutzpflichten erfüllen“, so das Bundesverfassungsgericht. Im Bereich der Außenpolitik überlasse das Grundgesetz der Bundesregierung einen „weit bemessenen Spielraum zur eigenverantwortlichen Aufgabenwahrnehmung“.

Die von dem Palästinenser erhobene Beschwerde richtete sich konkret gegen die Erteilung von Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel. „Seine Ehefrau und seine Tochter wurden am 20. Februar 2024 bei einem israelischen Luftangriff getötet. Sein Vater und drei seiner Brüder kamen am 4. Dezember 2024 bei einem israelischen Luftangriff ums Leben“, heißt es im Karlsruher Beschluss.

Am 11. und 16. Oktober 2024 habe das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die hier angegriffenen Genehmigungen erteilt. Diese hätten nach Angaben der Bundesregierung zusammen einen Wert von rund 4,5 Millionen Euro aufgewiesen und etwa Gehäuse für Panzergetriebe zum Gegenstand gehabt. 

Diese Genehmigung erfolgte damit rund ein Jahr nach dem 7. Oktober 2023, an dem die Terrororganisation Hamas Israel überfiel und rund 1.200 Menschen tötete – worauf eine Militäroffensive Israels im Gazastreifen mit wohl mehreren Zehntausenden Toten folgte.

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Foto: Shutterstock, Anas-Mohammed

Der Kläger argumentierte, mit den Ausfuhrgenehmigungen werde eine Schutzpflicht des deutschen Staates verletzt, die sich aus dem Recht auf Leben ergebe, das in Artikel 2 des Grundgesetzes verankert ist.

Laut Karlsruher Beschluss haben die Fachgerichte jedoch „in nicht zu beanstandender Weise“ festgestellt, dass in Deutschland die Voraussetzungen vorlägen, „um den Risiken des Rüstungsexports mit Blick auf den Schutz der Menschenrechte und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts wirksam zu begegnen“.

Az: 2 BvR 1626/25 – Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 3. Februar 2026 Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 19. September 2025 – 6 B 2457/24 Beschluss des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main vom 16. Dezember 2024 – 5 L 3799/24.F

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Kanada: Ärger im Idyll

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Kanada genießt mit einigem Recht bei Diversität und Bürgerrechten einen besseren Ruf als die gegenwärtigen USA. Trotzdem gibt es auch hier Probleme. (The Conversation). Im April 2024 kursierte im Internet […]

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Der Krieg im Spiegel der Titelseiten

krieg cover titelseiten

Der Krieg in Nahost findet auf den Covern von Spiegel, Focus und Stern kaum statt. Palästinensisches Leid ist nahezu unsichtbar, Empathie gibt es nur mit Israelis. Ein Titelseiten-Check ab dem 7. Oktober 2023.

(iz). 700 Tote in nur drei Tagen, darunter über 200 Kinder. Mit einem kaum vorstellbaren Maß an Gewalt hat Israel die „Waffenruhe“ im Gazastreifen beendet. Im starken Kontrast zum Ausmaß des Massakers:

Die Gleichgültigkeit der deutschen Öffentlichkeit. Während die israelische „Haaretz“ vom „größten Massaker an Kindern in der Geschichte Israels“ schreibt, ist das auch mit deutscher Unterstützung begangene Verbrechen hierzulande kaum ein Thema.

Krieg auf den Titelseiten: Tote Palästinenser werden kaum wahrgenommen

Knapp anderthalb Jahre nach Beginn des Krieges in Nahost nehmen die meisten deutschen Medien tote Palästinenser kaum noch wahr. Auch in den großen deutschen Nachrichtenmagazinen sind die jüngsten israelischen Angriffe kein Thema.

Weder „Spiegel“, noch „Stern“ oder „Focus“ erwähnen den Angriff in ihren aktuellen Ausgaben auch nur mit einem Wort. Ihre Titelseiten widmen die Magazine Buchempfehlungen („Der Spiegel“), Reisetipps („Focus“) und einer Debatte rund um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr („Der Stern“).

Ich wollte wissen: Wie berichten Deutschlands wichtigste Nachrichtenmagazine auf ihrer wichtigsten Seite über eines der wichtigsten Nachrichtenthemen der letzten anderthalb Jahre? Ist das Desinteresse gegenüber dem aktuellen Massaker in Gaza nur die Ausnahme von der Regel oder ignorieren Spiegel, Stern und Focus konsequent das Leid in Nahost?

Um das herauszufinden, habe ich mir die Cover aller Ausgaben, die zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 21. März 2025 erschienen sind, genauer angeschaut. Insgesamt kommen Spiegel (75), Focus (74) und Stern (76) in dieser Zeit auf 225 Ausgaben. Jede Menge Platz also, um den zahllosen einschneidenden Ereignissen im Nahen Osten der letzten anderthalb Jahre gerecht zu werden.

Auf den Covern spielt der Krieg keine große Rolle

Das könnte man zumindest meinen. Doch der Krieg in Nahost findet auf den Titelseiten der großen deutschen Nachrichtenmagazine kaum statt. Insgesamt 15 Titelgeschichten beschäftigen sich im weitesten Sinne mit dem Thema – Ausgaben mit innenpolitischem (z.B. Antisemitismus in Deutschland) oder symbolischem (Kufiya-tragender Islamist) Bezug zum Thema mit eingerechnet. Das von Israel in der Region verursachte Leid wird sogar nur auf 3 Covern sichtbar gemacht.

Mit 7 Titelseiten räumte der „Der Spiegel“ Ereignissen rund um den Krieg im Nahen Osten am meisten Platz ein, „Focus“ und „Stern“ kamen auf je 4 Cover. Zum Vergleich: Allein Olaf Scholz schaffte es in dem Zeitraum 8-mal auf das Spiegel-Cover.

Der US-Wahlkampf und seine Protagonisten fand dort sogar 10-mal statt. Im „Focus“ kamen unterdessen auf jede Titelseite mit Nahost-Bezug sechs mit Themen rund um Gesundheit und Ernährung (24).

Ungleichgewichte bei der Darstellung

Große Unterschiede gibt es, schaut man sich an, worüber genau die großen Nachrichtenmagazine berichten – und worüber nicht. Mitfühlende Titelbilder, beispielsweise von weinenden Menschen, gibt es in „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ fast nur dann, wenn die Opfer Israelis oder Juden sind.

Das Desinteresse der großen deutschen Nachrichtenmagazine verwundert umso mehr, als dass es in anderthalb Jahren Krieg in Nahost eigentlich jede Menge Ereignisse von großem Nachrichtenwert zu berichten gegeben hätte.

Foto: Sharaf Maksumov, Shutterstock

Die Tötung von zehntausenden Menschen, das systematische Aushungern und Vertreiben von Millionen, die Zerstörung ganzer Städte, die unzähligen Massaker und Brüche des Völkerrechts, der Einmarsch Israels in den Libanon und nach Syrien, die Vorwürfe des Völkermordes… all das fand auf den Titelseiten der großen deutschen Nachrichtenmagazine nicht statt.

Es liegt nicht an der Konkurrenz von Themen

Man kann einwenden, dass der Krieg in Nahost nicht das einzige nachrichtlich wichtige Ereignis ist. Das stimmt. Krieg in der Ukraine, Wahlkampf in den USA, Neuwahlen in Deutschland, Migrationsdebatte, Klimakrise… In den vergangenen anderthalb Jahren gab es viele Themen, über die berichtet werden konnte und musste.

Doch „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ interessierten sich selbst dann nicht für den Krieg in Nahost, wenn nachrichtlich kaum Konkurrenz bestand.

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Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Während Ende Dezember im Gazastreifen bereits über eine Million Menschen auf der Flucht waren, israelische Panzer auf Khan Younis vorrückten und fast täglich Massaker mit über 200 Toten Schlagzeilen machten, erfuhren Spiegel-Leser mehr über „Die Macht des Mondes“ (1/25).

Als am 26. Januar 2024 der Internationale Gerichtshof (IGH) in Israels Kriegshandlungen Anzeichen für einen Völkermord sah, lautete die Titelgeschichte des „Focus“: „Besser Schlafen“ (6/24).

Zerstörung und Leid in Gaza, der Westbank, dem Libanon, Syrien oder Jemen spielt auf den Titelseiten der drei so gut wie keine Rolle. Menschen aus Palästina, Libanon o.a. – sowie ihre Unterstützer – begegnet man auf den Covern aber trotzdem – nicht als Betroffene von Gewalt, sondern als Aggressoren, Feindbilder und Klischees.

„Greta Thunberg und die linken Feinde Israels.“ So lautet am 18. November 2023 die Titelgeschichte im „Spiegel“ (47/23). Einen Monat später blickt ein maskierter Kämpfer sowie Hamas-Chef Sinwar bedrohlich vom Cover des Nachrichtenmagazins: „Lässt sich die Hamas besiegen?“ (51/23). Palästinenser sind auf dem Cover des „Focus“ nur einmal zu sehen.

Unter der Überschrift „Die Schattenkrieger“ blicken Anfang April 2024 mehrere Männer von der Titelseite des Magazins. Zu sehen sind u.a. die seit 20 Jahren in Israel inhaftierte palästinensische Widerstandsikone und in westlichen Medien häufig als „palästinensischer Mandela“ bezeichnete Marwan Barghouti.

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Tatreez – ein Gewebe der Identität

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Tatreez: Über die Tradition und heutige Bedeutung von palästinensischer Stickerei, die die Menschen mit dem Land verbindet. (Amaliah.com). Wie oft haben man schon gehört, Palästina sei vor 1917 ein unfruchtbares […]

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Das UNRWA als Lückenbüßer der Politik

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Das UN-Hilfswerk für die Palästinenser UNRWA leidet seit 75 Jahren an einem Geburtsfehler. (KNA/IZ). Die UN-Organisation für palästinensische Flüchtlinge ist seit jeher Akteurin und Spielball des ungelösten Nahostkonflikts. Jetzt gerät […]

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Dieser Krieg muss enden: Genug ist genug

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Kommentar: Der Krieg muss ein Ende finden und der Logik des universalen Rechts Geltung verschafft werden. (iz). Genug ist genug. Das ist die verbreitete Stimmung in der muslimischen Community angesichts […]

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75. Buchmesse eröffnet: Auftaktredner Slavoj Zizek kritisiert Analyseverweigerung

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75. Buchmesse in Frankfurt: Der Philosoph Slavoj Zizek rief das Publikum auf, die Lage der Palästinenser nicht zu vergessen. Frankfurt (KNA, iz). Überschattet vom Konflikt zwischen der Hamas und Israel […]

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Friedensaufruf aus Hannover. Berliner Imame melden sich zu Wort

hannover

Friedensaufrufe aus Hannover & Berlin: Gemeinsame Stimmen schalten sich in die Debatte ein.

Hannover/Berlin (KNA, iz). Die Initiatoren eines jüdisch-palästinensischen Friedensaufrufs vom Montag in Hannover haben ihre Beweggründe dafür erläutert. 

„Ich möchte der jüdischen Öffentlichkeit sagen: Nicht alle Palästinenser sind Terroristen! Es gibt unter ihnen gute und schlechte Menschen, wie unter Juden und Israelis auch“, so der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hannover, Michael Fürst, in einem Interview der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch).

Foto: Bernd Schwabe in Hannover, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Friedensaufruf zum gemeinsamen Miteinander

Ihr oberstes Ziel derzeit sei, „dass wir in Hannover und Niedersachsen verträglich miteinander auskommen“, so sein palästinensischer Freund Yazid Shammout.

Auf die Frage, warum er an einer Solidaritätskundgebung für Israel nicht teilgenommen habe, nannte Shammout politische Gründe. Für eine „rechtsextremistische Regierung, welche die palästinensische Bevölkerung unterdrückt und die Besatzung aufrechterhält“, könne er „nicht undifferenziert Solidarität bekunden“. Fürst äußerte dafür Verständnis.

Meinungsverschiedenheiten schränken gemeinsamen Einsatz nicht ein.

Zugleich bekräftigten Fürst und Shammout ihre unterschiedlichen Ansichten über Wege hin zu einer möglichen Konfliktlösung zwischen Israel und den Palästinensischen Gebieten. Dennoch schmälerten diese und andere Meinungsverschiedenheiten zum Nahostkonflikt weder ihre Freundschaft noch ihren Einsatz für ein gutes Zusammenleben in Deutschland, betonten beide.

Am Montag hatten die Palästinensische Gemeinde Hannover und der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen in einer gemeinsamen Erklärung „die barbarischen Ereignisse im Nahen Osten“ verurteilt. Hintergrund war der Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am Samstag. Zugleich riefen sie ihre Mitglieder und Sympathisanten dazu auf, trotz aller Differenzen respekt- und friedvoll miteinander umzugehen.

Die Gemeinden sehen die Gefahr, dass sich in Deutschland antisemitische und ausländerfeindliche Klischees verbreiten könnten. Zugleich fordern sie von der deutschen und europäischen Politik, deeskalierend zu handeln „und eine dauerhaft friedliche Lösung durchzusetzen“.

Ramadan Berlin Imame Rat Leitfaden

Foto: Muslimische DiaLogen

Berliner Imame kritisieren Gewaltverherrlichung

Am Mittwoch wandte sich der Rat Berliner Imame mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit. Darin wurden die „jüngsten Terrorakte im Nahen Osten“ nicht nur „auf das Schärfste“ verurteilt.

Gezielt kritisierte der Zusammenschluss „Äußerungen und Gesten“ bei Demonstrationen in der Hauptstadt. „Mord, Hass und Gewalt dürfen niemals geduldet oder gar bejubelt werden. Pietätlosigkeit mit Opfern und Angehörigen von Mord, Krieg und Terror steht jeder religiösen Botschaft entgegen und sollte in aller Form geächtet werden.“

Opfer von Terror und Mord verdient immer Mitgefühl. „Die Verhöhnung von Toten, ihren Angehörigen sowie die Verherrlichung von Krieg und Gewalt sind inakzeptabel und religiös nicht begründbar.“

Die Imame seien besorgt um die soziale Kohäsion in der Stadt. Die Zivilgesellschaft der Hauptstadt stünde in der Pflicht, die Austragung schrecklicher internationaler Konflikte in Berlin zu verhindern.

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Waffenruhe nach Kämpfen in palästinensischem Lager im Libanon

Libanon

Beirut (dpa) Nach mehr als zwei Tagen bewaffneter Gefechte in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon haben sich die Konfliktparteien am Montag auf einen Waffenstillstand geeinigt. Der zuständige Parlamentarier der Region, Osama Saad, berief am Montagnachmittag ein Treffen mit den Vertretern der beteiligten Gruppierungen ein. „Die Konferenzteilnehmer einigten sich auf einen Waffenstillstand“, so Saad. Alle Parteien seien der Meinung gewesen, die Sicherheit im Lager sollte gewahrt werden.

Mindestens sieben Menschen waren bei den Kämpfen in dem Lager nahe der Küstenstadt Sidon ums Leben gekommen, wie das nahegelegene Krankenhaus Al-Hamshari mitteilte. Es soll außerdem mindestens 35 Verletzte gegeben haben. Auslöser der Gefechte im Lager Ain al-Hilwah war ein mutmaßliches Attentat auf den Fatah-Kommandeur Abu Aschraf al-Armuschi. Laut Saad soll es „eine eingehende Untersuchung“ zu der Ermordung geben.

Die Gewalt war am Samstagabend ausgebrochen und setzte sich bis zum Montag fort. Die Beteiligten haben laut verschiedener Medienberichte und Augenzeugen unter anderem mit Maschinen- und Scharfschützengewehren geschossen. Mindestens 2000 Menschen seien nach Aussagen des Roten Halbmondes seit Beginn der Gefechte aus dem Lager geflohen. 

Ain al-Hilwah im Süden des Landes ist mit rund 80 000 Einwohnern das größte palästinensische Flüchtlingslager im Libanon. Die meisten Bewohner sind Flüchtlinge des ersten arabisch-israelischen Krieges im Jahr 1948 sowie deren Nachkommen. Andere palästinensische Bewohner wurden im libanesischen Bürgerkrieg (1975-90) dorthin vertrieben. In den vergangenen Jahren kamen außerdem Palästinenser aus Syrien wegen des dortigen Bürgerkriegs hinzu. 2015 scheiterte in dem Camp ein Anschlag auf einen Sicherheitsbeauftragten der Fatah.