Man kann eine Reise durch die muslimische Welt mit dem Geräusch eines Marktes beginnen: dem Rufen der Händler, dem Klappern von Teegläsern, einem Moped in einer engen Gasse.
(iz). In Marrakesch liegt diese Welt zwischen den roten Mauern der Medina, den Werkstätten und dem Platz Djemaa el Fna. Wer Zeit mitbringt, wird merken: Die Stadt erschließt sich nicht als bloße Sehenswürdigkeit, sondern im Wechsel von Bewegung und Pause – auf einer Dachterrasse oder in einem Innenhof beim Tee.
Timbuktu repräsentiert eine andere Form des Reisens: für die Geschichte von Gelehrsamkeit, Karawanen und Handschriften. Die Stadt am Rand der Sahara war über Jahrhunderte ein intellektuelles Zentrum Westafrikas.
Grafik: IZ
Kairo wiederum ist überwältigend, auch weil Vergangenheit und Gegenwart so dicht nebeneinanderliegen. Zwischen Moscheen, Madrasa-Portalen, Cafés und Verkehr lässt sich erahnen, warum die Stadt lange zu den prägenden Metropolen der islamischen Welt gehörte.
Stone Town auf Sansibar erzählt von Handelsrouten über den Indischen Ozean. In den verwinkelten Straßen, an geschnitzten Türen und am Hafen treffen ostafrikanische, arabische, indische und europäische Einflüsse zusammen.
Maskat im Oman wirkt dagegen zurückhaltender: weiße Häuser, das Hadschar-Gebirge in der Ferne, das Meer und die sorgfältig gepflegten Moscheen. Es ist ein Ort für lange Abende an der Corniche und für Reisende, die nicht jede Stunde verplanen wollen.
Grafik: IZ
Istanbul braucht keine große Einführung, aber einen zweiten Blick. Die Stadt ist nicht nur Hagia Sophia, Blaue Moschee und Bosporus. Sie liegt ebenso in den Fähren zwischen Europa und Asien, in kleinen Tekken, Buchläden – und in den stilleren Vierteln abseits der bekannten Routen.
Im indischen Agra zeigt das Taj Mahal, wie Architektur Erinnerung bewahren kann: ein Mausoleum aus weißem Marmor, gebaut im Mogulreich und bis heute ein Werk von großer formaler Ruhe.
Samarkand und Buchara führen weiter entlang der alten Handelswege Zentralasiens. In der Rezidenz von Amir Timur leuchten die Fliesen des Registan, in Buchara bleiben Gassen, Höfe und Medresen Teil eines Stadtbildes, das nicht wie eine Kulisse wirkt. Beide Orte laden dazu ein, die islamische Geschichte nicht nur wegen Dynastien und Daten zu lesen, sondern über Räume, Muster, Inschriften und Begegnungen.
Grafik: IZ
Kuala Lumpur schließlich zeigt eine gegenwärtige, südostasiatische Seite muslimischen Lebens: Großstadt, Mehrsprachigkeit und moderne Architektur. Das Islamic Arts Museum Malaysia bietet hierfür einen guten Zugang zu Kunst aus vielen Regionen der islamischen Welt.
Wer die Reise um zwei weitere Orte ergänzen möchte, könnte nach Fès fahren, in eine der großen historischen Städte Marokkos. Oder nach Granada: Die Alhambra und das Viertel Albayzín erinnern dort an das maurische Andalusien.
Diese Ziele sind keine Checkliste. Sie lohnen sich, weil sie zeigen, wie vielfältig muslimische Gesellschaften waren und sind – in Afrika, Asien und Europa, zwischen Wüste und Ozean, alten Bibliotheken und modernen Metropolen.
Die Hajj wird kostspieliger. In den letzten Jahren stiegen die Kosten für eine große Pilgerfahrt um ein Vielfaches an. (iz). Die Hajj ist für Muslime auf der ganzen Welt eine […]
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Auf dem Pferd: Drei spanischen Muslime legten den Weg ihrer Pilgerfahrt auf dem Rücken ihrer Reittiere zurück.
(TMO). Drei spanische Muslime haben einen jahrhundertealten Weg zur Hajj wiederbelebt, der seit über 500 Jahren nicht mehr benutzt worden war. Von Kanza Emaan
Abdelkader Harkassi, Abdallah Hernandez und Tariq Rodriguez haben eine 8.000 km lange Reise zu Pferd von Südspanien nach Saudi-Arabien zurückgelegt und dabei eine Route nachgezeichnet, die einst von andalusischen Muslimen in Spanien benutzt wurde.
Ihre Reise, die sie „Hajj zu Pferd“ nannten, begann im Oktober 2024 in der Al-Monaster-Moschee im Süden der Halbinsel. Auf ihren Tieren und mit nur dem Nötigsten ausgestattet, reisten die drei sieben Monate lang durch zehn Länder: Spanien, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, die Türkei, Syrien und Jordanien. Ihr Ziel war es, die Pilgerreise so zu vollziehen, wie es ihre Vorväter einst getan hatten.
Diese Idee entstand aus einem Versprechen, das Abdallah Hernandez gegeben hatte, der vor 35 Jahren zum Islam konvertierte.
„Ich habe mir selbst versprochen, die Hadsch so zu vollziehen, wie es meine andalusischen Vorfahren einst taten, nämlich zu Pferd. Diese Reise ist eine Hommage an dieses Erbe und eine spirituelle Suche“, erklärte Hernandez gegenüber Reportern. „Ich bin Allah dankbar, dass er mich mit Rechtleitung – Hidaya – gesegnet hat.“
Als sie Qurayyat, eine Stadt in der saudischen Provinz Al-Jawf, erreichten, wurden sie mit Freundlichkeit und Respekt empfangen. Mamdouh Al-Mutairi, Leiter des Al-Haditha-Zentrums, begrüßte sie und wünschte ihnen eine sichere und erfolgreiche Hajjj.
Anwohner kamen ebenfalls, um die Gruppe zu begrüßen, Fotos zu machen und ihre Unterstützung zu bekunden. Während der Reise wurden sie von Bouchaib Jadil unterstützt, der ihnen in einem Auto vorausfuhr, um bei der Planung und Versorgung zu helfen. Er half den Reitern bei der Erledigung der Formalitäten an der Grenze und versorgte ihre Pferde.
Foto: Hajj on Horseback / Facebook
Für Harkassi hatte diese Reise eine tiefe Bedeutung. „Wir haben dies aus reiner Überzeugung getan, um die Hadsch auf eine Weise zu vollziehen, die unserer Vergangenheit Ehre macht.“ Die Gruppe hatte jahrelang in Spanien und Portugal trainiert, um Kraft zu sammeln und ihre Pferde vorzubereiten.
„Wir haben diese Reise mit reinen Absichten begonnen“, sagte er. „Wir sind fast am Ziel, und hoffentlich wird der Rest der Reise einfacher.“ Die Reise war voller Schwierigkeiten. Der Transport der Tiere über die Grenzen hinweg erwies sich als kompliziert.
„Das Überqueren der Grenzen war die größte Herausforderung“, sagte Hernandez. „Pferde werden nicht mehr als Transportmittel angesehen, daher mussten wir uns mit komplexen Vorschriften für den Transport von Tieren auseinandersetzen.“
An einem Punkt scheiterte ihr Plan, nach Serbien einzureisen. „Wir haben keine Genehmigung für Serbien bekommen“, erklärte Harkassi. „Die Regierung ist zusammengebrochen (…), daher konnten wir unsere Dokumente nicht bearbeiten.“
Foto: Hajj on Horseback / Facebook
In einigen Fällen mussten sie unterwegs neue Reittiere beschaffen. Als sie in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, ankamen, wurden sie mit Interesse und Unterstützung empfangen. Sie teilten ihre Reise online, was die Aufmerksamkeit von Menschen auf der ganzen Welt auf sich zog.
„Mit dieser Reise wollen wir eine historische Route der Andalusier von Spanien zum Haram von Mekka wiederbeleben. Es ist auch eine Reise voller Herausforderungen … aber auch eine Reise für die Seele“, sagte Hernandez.
Einmalig bis zur Moderne: Der Reisende, Abenteurer und Gelehrte Ibn Battuta hat eine unvorstellbare Strecke zurückgelegt. Der berühmteste Entdecker der muslimischen Welt, Ibn Battuta, reiste mehr als jeder andere Entdecker […]
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Reiseblog: Über die Geschichte einer Reise mit dem Pferd nach Mekka, die Millionen Zuschauer fasziniert.
(iz). Auf einer Plattform in den sozialen Medien verfolge ich eine Reisegeschichte: die „Pilgerreise auf dem Pferderücken“. Ein Bekannter von mir, Abdalqadir Harkassi, reitet zurzeit mit seinen muslimischen Freunden von Sevilla – auf dem Landweg – Richtung Mekka.
Mit dem Pferd nach Mekka – das Wagnis einer Odysee
Nach jahrelangen Vorbereitungen wagt die Gruppe eine Odyssee, die sie zunächst quer durch Europa führt. Ihre Geschichten – einer ihrer Clips erreichte über eine Million Zuschauer – zeigen die alltäglichen Erfahrungen, die wenig mit den heute üblichen Flugreisen zu tun haben. Hier müssen Pläne geändert, Herausforderungen bestanden und Strapazen auf sich genommen werden, um das ferne Ziel zu erreichen. Warum fasziniert diese Reise ein so großes Publikum?
Foto: Léon Belly, gemeinfrei
Aus muslimischer Sicht findet sich die Antwort in den Reiseberichten Ibn Battutas aus dem 14. Jahrhundert. Aus Mekka schreibt er: „Zu Gottes wunderbaren Werken gehört es, dass in er in die Herzen der Menschen den Wunsch, sich an die Erhabenen Städten zu begeben, und die Leidenschaft, sich an die ehrwürdigen Stätten einzufinden, eingepflanzt hat.“
Wenn wird diesen kühnen Reiseplan der Muslime aus Andalusien verfolgen, sind uns die heiligen Orte selbst stets gegenwärtig. Darüber hinaus wird uns bewusst, dass die Pilgerreise in der Vergangenheit nicht etwa Ausdruck eines hektischen Lifestyles war, sondern Symbol einer Lebensreise mit ungewissem Ausgang.
Ibn Battuta erinnerte an die Gefahren und den Segen dieser Expeditionen: „Wie viele Kranke hatten nicht schon den Tod vor Augen oder sahen auf der Reise ihren Untergang kommen! Als aber Gott seine Gäste dort sämtlich versammelt hatte, waren sie zufrieden und glücklich, als hätten sie auf ihrer Anreise nicht die geringsten Bitternisse erfahren noch Unbill und Strapazen erlitten.“
Faszination nicht nur für Gläubige
Die ungewöhnliche Pilgerreise fasziniert nicht nur Gläubige. Auf ihrem Weg begegnen den Reitern aus Andalusien Menschen aus Europa, die Anteil nehmen an dem Vorhaben, oft ihre Hilfe anbieten.
Es ist einer der heute selten gewordenen Fälle der Wahrnehmung von Muslimen als Individuen in der Öffentlichkeit. Sie erscheinen nicht – wie so oft in den sozialen Medien – nur als Repräsentanten eines abstrakt definierten Kollektivs.
Man bewundert in diesem Fall den Versuch, trotz zahlreicher bürokratischer Hürden, im Stil der Reisenden der Vergangenheit, eine Metamorphose vorzuleben. Die Wahl des Verkehrsmittels täuscht nicht darüber hinweg, dass die Reise nach Mekka unter den Bedingungen der Moderne stattfindet. Der Landweg zum Ziel ist heute, man denke an die geopolitischen Zerwürfnisse in der Welt und die Straßen- und Wegverhältnisse in Europa, eine Herausforderung.
Foto: A. Rieger
Erinnerungen an einen Besuch bei Montaigne
Mich erinnert das Motiv des Reisens mit dem Pferd an einen eigenen Ausflug im Jahr 2018 zum Chateau Montaigne in Frankreich. Der weltberühmte Philosoph (1533-1592) schrieb dort seine berühmten „Essais“ in Zeiten des Bürgerkriegs.
Fast zwei Jahrhunderte nach seinem Tod fand man in einer verschlossenen Truhe des Schlosses ein Manuskript, dass seine Reise nach Rom in den Jahren 1580 und 1581 behandelt. Montaigne wählte damals das schnellste Verkehrsmittel seiner Zeit: Pferde.
In seiner lesenswerten Biografie über den Franzosen beschreibt Volker Reinhardt sein Motiv: „Der höchste Zweck seiner Reise war also der Versuch, sich selbst und eine Zeit zu verstehen, in der das Ich sich fremd und zugleich eingebunden fühlt.“
Montaignes Art des Reisens ähnelt den Reisepraktiken Ibn Battutas. An allen größeren Orten folgte sein Aufenthalt einem festen Rhythmus. Dazu gehörten Besuche bei lokalen Honoratioren, Entgegennahme von Ehrenbezeugungen und Gesprächen mit Gelehrten. Ganz oben stand die Erforschung der konfessionellen Verhältnisse und der damit verbundenen Sitten und Gebräuche.
Montaigne beschäftigt sich auf seiner Reise mit der Beziehung von Philosophie und Religion. Er stellte fest, dass alle Spielarten des Christentums sich auf dieselbe göttliche Offenbarung berufen, aber die Schlussfolgerungen, die sie daraus ziehen, und die Kulturformen, in die sie diese Doktrin umsetzen, von Einflüssen bestimmt werden, die er näher zu erforschen versuchte.
Sein Reisebericht beschreibt demzufolge Landessitten, lokale Traditionen, politische und ökonomische Verhältnisse und nicht zuletzt die unterschiedlichen Mentalitäten. Immer wieder fragt sich der Philosoph, woher der maßlose Hass auf die Andersgläubigen herrührt, obwohl doch zwischen Juden und Christen und den verschiedenen Konfessionen so viel Gemeinsames besteht.
Foto: A. Rieger
Durch das Reisen zur Aufklärung
Montaigne wird zu einer der frühen Stimme der Aufklärung, den der schleichende Übergang von religiösen Überzeugungen zu Wahnvorstellungen schockierte ihn. Die Religionskriege, urteilt er, verdienen diesen Namen nicht, weil niemand für den Glauben kämpft.
Aus Sicht Montaignes schützen nur die offene Rede und der gesunde Menschenverstand, gegen diese Verirrungen. Sein Ideal ist die Einheit von Theorie und Praxis: „Wenn der Strahl des Göttlichen uns überhaupt erreichen würde, würde er aber überall zu sehen sein, nicht nur in unseren Worten, sondern auch unsere Handlungen würden dieses Licht und Erhabenheit in sich bergen. Alles, was von uns ausginge, wäre von dieser edlen Klarheit erleuchtet.“
Im Jahr 2022 erschien in Frankreich eine Publikation des Philosophen Gaspard Koenig: Mit Montaigne auf Reisen. Das Buch, mit dem Bild des Autors auf einem Pferd, der von Bordeaux bis Rom reitet, wurde ein Bestseller.
Die Schwierigkeiten der Umsetzung dieses Planes erinnern an die Probleme, die den Reitern aus Sevilla bekannt vorkommen werden. Die Reiseroute, die eigentlich dem historischen Vorbild folgt, muss immer wieder verändert werden. Es ist ein Kampf mit der Bürokratie, mit Regulären und den unübersichtlichen Grenzbestimmungen. Der Philosoph fragt sich: Wie viele Umwege und Zufälle auf dem eigenen Weg gesteht uns die moderne Welt noch zu?
Auf Reisen das Zusammenleben der Konfessionen erleben
Interessant zu lesen ist in dem Reisebericht die Station Mulhouse. Wie sein Vorbild Montaigne beschäftigt sich König dort mit dem Zusammenleben der Konfessionen.
Im Frankreich des 21. Jahrhunderts ist es vor allem die muslimische Gemeinde, die im Mittelpunkt religionspolitischer Auseinandersetzungen steht. Die Folgen der grausamen Terroranschläge von Nizza und Paris wirken nach. König, der sich als Atheist bezeichnet, erlebt in der Stadt das Misstrauen der alteingesessenen Religionen gegenüber dem Islam. Man beklagt sich in dem Austausch, dass es in der Alltäglichkeit kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander gebe.
Er ist offen dafür, mit den Muslimen vor Ort selbst zu reden und sich ein eigenes Bild zu machen. Vor seinen Gesprächen stimmt ihn ein Satz von Olivier Roy, der ihm einleuchtet: „Es ist nicht so sehr der Islam, der sich radikalisiert, also vielmehr die Radikalität, die sich islamisiert.“ In Moulhouse ist es ein kleiner Teil der Jugend, die in den betreffenden Vierteln gegen die Gesellschaft rebelliert und sich oft hinter dem Islam versteckt.
Ein Imam benennt im Gespräch die Wissensmängel: „Die jungen Muslime in Mulhouse sind nicht mehr in der Lage arabisch zu lesen, und bekennen sich zu einer Art YouTube-Islam, der in der Hauptsache von den verschiedenen Denkschulen, die, seit mehr als einem Jahrhundert komplexe theologische Debatten nähren, keine Ahnung hat.“
Die Rolle der Religionen in der Zivilgesellschaft bleibt eine offene Frage. Das Buch von Gaspard Koenig ist ein Versuch, die Aversionen gegenüber dem Gewaltpotential von Gläubigen, die im europäisch-kollektiven Bewusstsein tief verankert sind, mit der Moderne zu versöhnen. Dabei wusste schon Montaigne, dass es oft die Politik ist, die die Vorurteile über Religionen für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Ohne die Probleme kleinzureden, kommt der Philosoph zu dem Schluss, dass der „Kampflaizismus“ eine offene Tür zum Bürgerkrieg ist: „Wiederholen wir nicht den Fehler, der mit den Hugenotten gemacht wurde.“ Die Aktualität der Überlegungen Montaignes über das Zusammenspiel von Religion und Politik wird in diesem Kontext überdeutlich.
Kehren wir zu der Frage zurück, warum das Bild der andalusischen Reiter die Beobachter aus aller Welt – ob sie gläubig sind oder nicht – fasziniert. Auf ihrem Weg nach Mekka werden sie die religionspolitischen Konflikte und die Spuren der Kriege der letzten Jahrzehnte kaum übersehen.
Der Vollzug des Ritus, im ungewöhnlichen Modus der Langsamkeit, erinnert an die existentielle Grundfrage, die jede religiöse Praxis beantwortet: Wohin führt die Lebensreise? Unter den Verhältnissen unserer Zeit fasziniert die Metapher des Reiters, in Form einer Anspielung auf die Möglichkeit der Individualität in der Moderne.
Volker Reinhardt fasst diesen Traum zusammen: „Das höchste Ziel ist umfassende Freiheit, Freiheit von allen Verpflichtungen, Freiheit, ins Grenzenlose zu reisen, Freiheit sich in der Unendlichkeit zu verlieren, Freiheit, nie mehr zurückzukehren.“
Der Irak will aus der politischen und wirtschaftlichen Krise kommen. Nun besucht Außenministerin Baerbock das Land. Auch die Verbrechen der Terrormiliz IS/Daesh dürften Thema sein.
Bagdad (dpa/iz). Außenministerin Annalena Baerbock reist an diesem Dienstag in den Irak. Nach Angaben des irakischen Außenministeriums wird sich die Grünen-Politikerin in der Hauptstadt Bagdad mit Ministerpräsident Mohammed Schia al-Sudani sowie ihrem Kollegen Fuad Hussein treffen. Deutschland und der Irak wollten bei dem Besuch ihre bilateralen Beziehungen stärken und eine intensivere Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Investitionen erörtern, hieß es in Bagdad weiter. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich dazu zunächst nicht äußern.
Nach Jahren des Krieges gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht Iraks neuer Regierungschef Al-Sudani unter Druck, sein Land aus einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise zu führen. Im Irak leben rund 30 Prozent der Menschen in Armut, seit 2019 kommt es immer wieder zu Massenprotesten im Land.
Die CDU-nahe Konrad Adenauer-Stiftung bescheinigt Al-Sudani in ihrem jüngsten Länderbericht von Anfang März eine gemischte Bilanz nach 100 Tagen im Amt. „Dem geschickten und gekonnten Navigieren (…) durch die Untiefen der irakischen Politik“ stünden wenige Ergebnisse seines innenpolitischen Reformkurses entgegen. Außenpolitisch positioniere sich der Irak mit einem neutralen Kurs, der eine Diversifizierung seiner Beziehungen und eine Annäherung an europäische Staaten einschließe, allen voran Deutschland und Frankreich.
Bundestagssitzung am 8. Dezember zur Wahl und Vereidigung des Bundeskanzlers. (Foto: Deutscher Bundestag, Tobias Koch)
Al-Sudani war im Januar bei Scholz
Regierungschef Al-Sudani hatte im Januar in Berlin seinen Antrittsbesuch bei Kanzler Olaf Scholz (SPD) absolviert, nachdem er im Oktober nach monatelangen Machtkämpfen eine Regierung gebildet hatte. Scholz machte sich damals auf der Suche nach Ersatz für russisches Gas für eine Energiepartnerschaft mit dem Irak stark.
Kaum ein Land ist so abhängig von Öleinnahmen wie der Irak. Das Land ist nach Angaben der Internationalen Energieagentur fünftgrößter Erdölproduzent. Über ein 2022 eröffnetes LNG-Terminal exportiert Irak auch Gas. Zugleich leidet das Land unter einer notorisch schlechten Stromversorgung mit häufigen Ausfällen. Diese sind neben der schlechten Wirtschaftslage und Korruption einer der Gründe für die Massenproteste, die den Irak seit 2019 in Wellen erschütterten.
Nachdem sich der Irak in der UN-Generalversammlung bei der ersten Resolution zur Verurteilung des russischen Einmarsches in die Ukraine im März 2022 noch enthalten hatte, stimmte Bagdad entsprechenden UN-Resolutionen im Oktober und Ende Februar zu.
Foto: Bundeswehr, Sebastian Wilke
Bundeswehr unterstützt Irak im Kampf gegen Terrormiliz IS
Die Terrormiliz IS kontrollierte noch vor einigen Jahren große Gebiete im Irak und in Syrien. Die Dschihadisten sind zwar mittlerweile militärisch besiegt, IS-Zellen sind im Irak und in Syrien aber weiter aktiv und verüben Anschläge. Der sunnitische IS betrachtet Schiiten als Abtrünnige und verübt immer wieder Anschläge auch auf Angehörige dieser Richtung des Islams. Deutsche Soldaten unterstützen den Irak im Kampf gegen den IS.
Als die IS-Dschihadisten 2014 die Region um das Sindschar-Gebirge im Nordirak überrannten, töteten und verschleppten sie Tausende Menschen. Viele Frauen wurden versklavt. Die Vereinten Nationen sprachen von Völkermord an der ethnisch-religiösen Minderheit der dort lebenden Jesiden. Kurdische Kämpfer vertrieben den IS schließlich aus der Region. Der Bundestag erkannte die Verbrechen des IS im Januar offiziell als Völkermord an.
Berlin (dpa). Der Weltkongress der Uiguren hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dazu aufgefordert, seine für Ende der Woche geplante China-Reise abzusagen. Trotz der scharfen Kritik des UN-Menschenrechtsbüro am Vorgehen der chinesischen Führung gegen die ethnische Minderheit der Uiguren habe Scholz beschlossen, dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping „zu huldigen, und dabei das Leid von Millionen von Menschen völlig außer Acht zu lassen“, sagte der Präsident des Weltkongresses, Dolkun Isa, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Der Besuch zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation zeige, „dass für Deutschland der Profit weiterhin über den Menschenrechten steht“.
Scholz bricht am Donnerstag zusammen mit einer Gruppe von Top-Managern zu seinem Antrittsbesuch nach China auf. Er wird sich wegen der scharfen Corona-Bestimmungen nur einen Tag in der Hauptstadt Peking aufhalten. Er ist der erste westliche Regierungschef, der Xi seit dessen Wiederwahl als Vorsitzender der Kommunistischen Partei besucht.
In Xinjiang gibt es seit langem Spannungen zwischen den herrschenden Han-Chinesen und ethnischen Minderheiten. Die fast ausschließlich muslimischen Uiguren beklagen kulturelle und religiöse Unterdrückung. Die Führung in Peking wirft ihnen Separatismus und Terrorismus vor. Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen sind Hunderttausende Uiguren und andere Angehörige von Minderheiten in den vergangenen Jahren in Xinjiang in Umerziehungslager gesteckt worden. Es gibt Vorwürfe der Folter, Misshandlung und Indoktrinierung.
Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen hatte im Sommer in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen die chinesische Führung erhoben: „Das Ausmaß der willkürlichen und diskriminierenden Inhaftierung von Angehörigen der Uiguren und anderen überwiegend muslimischen Gruppen (…) könnte internationale Verbrechen, insbesondere Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darstellen“, hieß in einem Ende August veröffentlichten Bericht.
Scholz hatte im September in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung in New York die Regierung in Peking aufgefordert, die Empfehlungen aus dem UN-Bericht umzusetzen. „Das wäre ein Zeichen von Souveränität und Stärke. Und ein Garant für Veränderung zum Besseren“, sagte er. Die chinesische Führung weist die Vorwürfe der UN zurück.
Eine Ramadan-Erfahrung: Unsere Autorin beschreibt die inneren Bedeutung eines Aufenthaltes auf dem Sinai und in Kairo während ihres erste Fastenmonats.
(iz). Meinen ersten Ramadan in einem mehrheitlich muslimischen Land habe ich an einem sehr besonderen Ort verlebt: Am Sinai, dem Ort, an dem der Prophet Moses [arab. Musa] mit Gott sprach. Ein würdevoller und segensreicher Ort.
Hier verfiel der Mosesberg angesichts des Anlitzes des Schöpfers voller Ehrfurcht zu Staub. In jenem Jahr hatte ich spontan meine Freundin in Kairo besucht und wir haben eine kleine Rundreise am Sinai unternommen.
Foto: Orso, Shutterstock
So kam es, dass wir genau am 1. Ramadan den Berg Sinai bestiegen. Eines meiner prägendsten und faszinierendsten Erlebnisse, denn um Mitternacht stiegen wir auf den Mosesberg hinauf und erreichten unter großer Mühe bei klarem Sternenhimmel, einer Lichterkette von Hunderten von Reisenden, und dem Geleit von Kamelen, den hohen Gipfel des Berges.
Mitten in der Wüste bei über 2.400 m über dem Meeresspiegel waren wir vom Anblick des Sonnenaufgangs mehr als überwältigt, ein Augenblick totaler Faszination, Glück und Bewunderung. Hier in der Wüste sinnierte ich über den Allmächtigen, darüber wie der Prophet Moses seinen Schöpfer suchte und Gott zu Moses sprach, darüber, welch gewaltige Aufgabe ihm auferlegt wurde.
Es ist gewiss kein Zufall, dass der Schöpfer die Wüste als Ort der Begegnung auswählte, denn hier ist man Gott näher, einem Ort der Extreme, einem Ort, an dem man seine große Abhängigkeit vom Schöpfer begreift. Hier geht es um Leben und Tod.
Hier inmitten von Sand, Staub und extremer Hitze sind alle drei monotheistischen Weltreligionen entstanden. Hier, wo inmitten von Nichts die Gedanken klarer werden und man darüber reflektieren kann, welcher Sinn sich hinter der eigenen Existenz verbirgt.
In einer Zeit, in der wir gefangen im Tumult und in der Hektik des Großstadtlebens von den vielen Aufgaben des Alltags überwältigt werden und oftmals keine Zeit bleibt, um über unsere Lebensaufgabe zu philosophieren, um unsere Seele zu läutern.
Ramadan-Alltag in Kairo
Anders als ich es bisher aus Deutschland kannte, war der Ramadan im gesellschaftlichen Leben der Ägypter sehr präsent, der ganze Lebensrhythmus wurde gar an ihn angepasst. So wurden die Straßen mit den berühmten Ramadan-Laternen geschmückt und die zahlreichen Läden zur Zeit des Iftars geschlossen, es wurden Qur’anrezitationen in öffentlichen Plätzen abgespielt und eigens für den Fastenmonat ein Fernseh-Programm kreiert.
Anders, als ich es von Deutschland gewohnt war, wo der Ramadan mehr oder weniger in den eigenen vier Wänden, in der Kernfamilie, allenfalls mit der Erweiterung des Familien- und Bekanntenkreises und in der Moschee stattfand, war hier nun das gesamte öffentliche Leben danach ausgerichtet. Ein Zustand, der mich sehr glücklich stimmte, denn so wurde der Fastenmonat ein gemeinsames, öffentlich geteiltes Erlebnis.
Ein Umstand, der das Gemeinschaftsgefühl in der Gesellschaft bedeutend stärkte. Ein weiteres besonderes Erlebnis war das Tarawwih-Gebet in den hiesigen Gärten der stilvoll gebauten Moscheen bei Freiluft zu verrichten. Ich spürte einen Segen in der Atmosphäre…
Mir wurde klar, wie viel mir bisher entgangen war und welch unterschiedlichen Charakter der Ramadan in einem mehrheitlich muslimischen Land annehmen kann. Was mir besonders gefiel, war der Raum, der dem Ramadan eingeräumt wurde, jener, der ihm gebührte.
Zahlreiche Festlichkeiten, wie Freiluft-Aufführungen, Bazarstände und öffentliche Iftars, zelebrierten den Monat und die öffentlichen Gebete stärkten den Gemeinschaftssinn. Ich konnte mich glücklich schätzen, in Deutschland war es mir stets gelungen, den Fastenmonat in meinen Alltag zu integrieren, sei es in Schule, Studium, Ausland oder Beruf. Man begegnete mir mit Neugier, Offenheit und viel Verständnis.
Was mir jedoch fehlte, war das innere Leben und die Spiritualität des Ramadan, das gemeinsame Erleben in der Gesellschaft…
Der tiefere Sinn
Oftmals werden wir gefragt, warum wir fasten. Der Ramadan ist mehr als nur Fasten vom Beginn des Morgenlichts bis Sonnenuntergang. Das Wesentliche besteht für mich darin, sich seinem Schöpfer zu nähern, in einer Zeit, in der Gott oft in Vergessenheit gerät, in einer Gesellschaft, in der der Mensch stets danach trachtet, das Kontinuum materieller Bedürfnisse zu befriedigen und sich von jeglichen Normen zu befreien, um das vermeintliche Glück absoluter Freiheit zu genießen.Im Ramadan geht es um mehr als nur um die Enthaltsamkeit, gewichtiger ist die Enthaltsamkeit von schlechter Rede und schlechtem Handeln.
Foto: Dagmar Schwelle | tafel.de
Er zeigt uns zumindest für einen Tag, wie es um das Schicksal der Ärmsten bestimmt ist, in dem wir deren Leid – wenn auch nur temporär – miterleben. Er bietet die Rückbesinnung auf uns, auf unseren Geist, unsere Seele und unseren Körper. Und in dem Moment der Schwäche und Bodenständigkeit begreifen wir. Wir begreifen, wie zerbrechlich und schwach wir sind, wie sehr unser Leben von unserem Schöpfer abhängt und wie sehr wir aufeinander angewiesen sind zu helfen, wenn Not ist.
Wir begreifen, wie wir mit jedem Atemzug gesegnet sind und doch sehr sparsam in unserer Dankbarkeit sind. Und dann muss ich daran denken, wie gut unser Schöpfer den Menschen kennt, denn Er hat auch den Zustand der Schwäche bedacht und diese vom Fasten ausgenommen: Die Kinder, die Alten, die Kranken, die Reisenden, die Schwangeren, die Stillenden, die Menstruierenden und die Wöchnerinnen.
Nun, wo ich den Fastenmonat bewusster erlebe, ist der Ramadan eine Art spirituelle Reise für mich, gleich einer Oase in der Wüste der Großstadt, in der sonst so wenig Raum und Zeit für Spiritualität bleibt. Raum, dem ich der Seele geben kann.
„Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren (Reittieren), die aus jedem tiefen Passweg daherkommen.“ (Al-Hadsch, 27) Ich […]
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