Sarajevo ist für Sejfuddin Dizdarević kein bloßes Reiseziel, sondern ein biografischer Punkt: Der Bosnier, der als Jugendlicher vor dem Krieg nach Düsseldorf kam, kehrt seit Jahren als Brückenbauer zwischen seinen Welten zurück.
(iz). Dort entwickelt er Bildungsreisen, in denen Schüler, Studierende und Berufsgruppen die Spuren des Genozids, das vielschichtige religiöse Leben und die fragile Nachkriegsrealität Bosniens kennenlernen – immer mit der Frage, welche Lehren sich daraus für das Zusammenleben in Deutschland ziehen lassen.
Aus dieser Arbeit ist ein neuer Reiseführer entstanden, der weit mehr sein will als eine Sammlung touristischer Tipps: Dizdarević führt seine Leser durch Städte, Dörfer und Erinnerungsorte, verwebt Landschaftsbeschreibungen mit politischen Einsichten und persönlicher Erfahrung und lädt dazu ein, das Land als Labor europäischer Zukunft zu entdecken.
Foto: Marjola Rukaj
Sarajevo „in einer ungewöhnlichen Art und Weise“
Islamische Zeitung: Nach zwei Übersetzungen haben Sie jetzt mit „Sarajevo: eine Liebeseklärung“ ihren ersten eigenen Text veröffentlicht. Worum geht es bei dem Buch?
Sejfuddin Dizdarević: Es geht darum, das Land Bosnien im Allgemeinen und die Stadt Sarajevo im Speziellen dem Leser vorzustellen; allerdings in einer ungewöhnlichen Art und Weise, was es interessanter machen sollte, sich mit dem Text auseinanderzusetzen.
Drei Tassen Kaffee
Islamische Zeitung: Der Text orientiert sich an den drei Tassen des bosniakischen Kaffeerituals – Begrüßung, Austausch und Abschied. Warum ist es bedeutsam in der Behandlung Bosniens?
Sejfuddin Dizdarević: Wir sagen in Bosnien, dass wir nur Tee trinken, wenn wir krank sind. Hier wird man von klein auf an den Kaffee herangeführt.
Diese Tradition des dreimaligen Kaffeeservierens ist zwar ein bisschen im Rückgang. Aber es war bis vor einigen Jahren üblich, dass man durch dieses Ritual dem Besucher signalisierte, wo man sich im Gespräch befindet.
Foto: Sejfuddin Dizdarević
Ich habe versucht, diese drei Arten von Kaffee, die du eben erwähnt hast – Begrüßungs-, Plauder- und Abschiedskaffee – auf den Text zu übertragen. Zur Einführung, als Begrüßungskaffee, erzähle ich im Buch etwas von der Geschichte Bosniens und Sarajevos. Der Plauderkaffee ist dann die Hauptführung durch die Stadt.
Ich orientiere mich dabei an einem Spaziergang. Das heißt, der Leser kann einfach das Buch nehmen, entlang Sarajevo spazieren und sich das alles live anschauen, wo er gerade ist. Und der dritte Kaffee, der Abschiedskaffee, ist der Teil, in dem ich das Tempo etwas verlangsame und auf die nachdenklichen Themen eingehe.
„Bosnien ist interessant“
Islamische Zeitung: Was möchtest du mit dem Reiseführer über Sarajevo, aber darüber hinaus auch Bosnien vermitteln?
Sejfuddin Dizdarević: Ich merke generell, dass es ein großes Interesse an diesem Land gibt, besonders unter den Muslimen in Westeuropa. Bosnien ist für viele, die dort aufwuchsen und sozialisiert sind und teilweise zum Islam konvertierten, interessant, weil es keinen so krassen Bruch mit den gewohnten Gepflogenheiten darstellt, wie man es aus Westeuropa kennt.
Gebetsruf zum Abendgebet und Fastenbrechen in Sarajevo, Bosnien. Foto: Ammar Asfour
Trotzdem ist es ein muslimisches Land. Mit dem Buch möchte ich dem muslimischen Leser sagen, dass man Islam und Muslime nicht nur mit dem Nahen oder Fernen Osten bzw. mit Afrika verbinden muss. Vielmehr, dass es auch europäische Muslime gibt, die keine Konvertiten sind, sondern von Geburt dem Islam angehören.
Und nichtmuslimischen Lesern möchte ich zeigen, dass es möglich ist, in einem geografisch kleinen Rahmen über Jahrhunderte hinweg so zusammenzuleben, dass verschiedene Menschen neben- und miteinander leben können – wenn die Bedingungen stimmen.
Sarajevo ist eine Stadt, die immer wieder beweist, dass die Leute es miteinander schaffen können. Ich versuche, den Leser dazu anzuregen, es in seinem Leben zu implementieren.
Islamische Zeitung: Vielen lieben Dank für das Gespräch.
Robert Rigney über die Resilienz von Sarajevo im Krieg und die Frage, wie sich während einer Belagerung in Würde leben lässt. (iz). Mein Vater scherzte, dass ich im Leben immer […]
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Belagerung: Am 5. April eines jeden Jahres jährt sich der Beginn des Beschusses von Sarajevo durch Serben. Dabei starben zwei Friedensdemonstranten. Sie waren die ersten Opfer einer 1.425-tägigen Belagerung der […]
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Immer wieder beeindruckend ist die Hauptstadt Sarajevo – vor allem, wenn man sich für den Islam in Europa interessiert. Die bosnische Metropole verändert, erinnert und inspiriert den Gast.
(iz). Zu den schönsten Büchern in der Welt der Reiseliteratur gehört zweifellos „Die italienische Reise“ von Johann Wolfgang von Goethe. Der Schriftsteller erklärt darin nichts weniger als den eigentlichen Sinn des Reisens. Beinahe zwei Jahre lang reflektierte er in Oberitalien, Rom, Neapel und Sizilien die Natur, die Kunst und die Menschen, denen er auf seinem Weg begegnete.
Er erwartete von seiner Reise in die Fremde eine Veränderung, eine Metamorphose seiner Persönlichkeit. Die Sehnsucht nach seinen (griechischen) Idealen versuchte er stets zu aktualisieren, weil ihm bewusst war, dass er in Weimar in einer anderen Raumzeit lebt. Seine Inspiration war es, nach der Rückkehr, seine Erkenntnisse in eine neue Alltäglichkeit einfließen zu lassen.
Ein Besuch in Sarajevo ist fruchtbar
Mit dieser Absicht der Aktualisierung ist ein Besuch in Bosnien fruchtbar. Immer wieder beeindruckend ist die Hauptstadt Sarajevo – vor allem, wenn man sich für den Islam in Europa interessiert. Blickt man von den Bergen auf die Stadt, erzählt die lokale Architekturgeschichte, mit ihren, wie an einer Perlenkette aufgereihten Manifestationen, vom Leben und Schicksal der Menschen. In der Stadt erlebt man eine einmalige Gastfreundschaft und wird schnell Teil eines gelassenen Lebensstils.
Nach den Schrecken des Bosnienkrieges in den 1990er Jahre wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Die Metropole verändert, erinnert und inspiriert den Gast. Und selbstverständlich mahnt die Geschichte des Landes den aktiven Austausch mit den Nachbarn zu suchen, gerade wenn sie anderen Kulturen oder Konfessionen angehören.
Die Ghazi-Husrev-beg-Moschee, Mittelpunkt der osmanisch geprägten Altstadt, mit ihren für alle Besucher offenen Türen, wirkt wie eine Einladung in einen geistigen Innenraum, der das bunte Treiben der Gassen vergessen lässt. Man darf nicht vergessen, dass der sakrale Raum Teil einer größeren Anlage ist. Die Infrastruktur rund um das Gebäude besteht aus öffentlichen, sozialen und ökonomischen Einrichtungen.
Gebetsruf zum Abendgebet und Fastenbrechen in Sarajevo, Bosnien. Foto: Ammar Asfour
Das Phänomen der Stiftungen
Es ist das Phänomen der Stiftungen, das die höheren Absichten der Muslime bezeugt. Im Moscheemuseum lese ich das Testament des Ghazi-Husrev-beg aus dem Jahr 1531. Es ist ein Aufruf zur Großzügigkeit, ein Bekenntnis zum Sinn und Zweck der Stiftungen, die auf Dauer angelegt sind und ausdrücklich der politischen Einflussnahme oder Instrumentalisierung entzogen werden. Der Gründer lebte in einer anderen, vergangenen Zeit – aber, diese soziale Idee bleibt bestehen. Eine friedliche Gesellschaft ist nur denkbar, wenn den Armen und Bedürftigen ein würdevolles Leben und Zugang zum Wissen ermöglicht wird.
Mich persönlich fasziniert die Konstellation von religiöser, sozialer und ökonomischer Infrastruktur rund um das ehrwürdige Gebäude; ein Zusammenspiel, das die Möglichkeit einer Balance birgt. Hier besichtigt man kein Museum. Man erkennt vielmehr ein Modell, das Muslime und Touristen aus aller Welt daran erinnert, dass die islamische Praxis nicht auf Politik reduziert werden kann. Auf unserer Reise geht es nicht darum, die Vergangenheit zu romantisieren, sondern eher darum, die Grundprinzipien dieses städtebaulichen Ansatzes zu verstehen.
Idealerweise ist eine Moscheeanlage nicht nur ein sakraler, geschlossener Raum. Die Bedürfnisse von Menschen, die nach Sinn und Bedeutung suchen, die Pflege der Nachbarschaft, die Nöte der Armen, die Notwendigkeiten der Reisenden oder der Händler werden ebenso erfüllt. Wie wir diese Aspekte in die moderne Stadtentwicklung des 21. Jahrhundert einfließen lassen, ist eine der wichtigsten Fragen an unsere Intelligenz.
IZ-Autor Prof. Dr. Enes Karic auf einer Pressekonferenz. (Foto: YouTube)
Die Geschichten schreiben die Schriftsteller – eine Begegnung mit Prof. Dr. Enes Karic
Es mag ein Vogel sein, der sanft auf einer Mauer landet. Laub, das der Wind über die Gräber fegt. Ein Blick, eine Geste, die man auf der Straße sieht. Die Phänomene, die uns wirklich treffen, bewegen, zum Staunen bringen oder erschrecken, führen uns in einen Moment der Sprachlosigkeit. Wir suchen nach Worten, um das Reale des Schönen oder Schrecklichen zu beschreiben.
Der Schriftsteller, oder die Schriftstellerin, widmen dieser Suche ihr Leben. Sarajevo ist nicht nur eine Stadt, die Geschichten schreibt, sondern auch ein Anziehungspunkt für all diejenigen, die sie aufschreiben, verstehen und lesen wollen. Manchmal findet man Bücher, oder sie finden uns. So treten wir in einen kleinen Buchladen ein und entdecken ein tiefsinniges Werk von Prof. Dr. Enes Karic: „Lieder wilder Vögel“.
Das Buch über die Rolle der Macht, der Liebe und des Glaubens ist historisch im Balkan des 16. Jahrhunderts angesiedelt und ist gleichzeitig eine Aktualisierung religiöser und philosophischer Fragen. Dabei wird klar, dass es zu keinem Zeitpunkt ideale Verhältnisse gab, wohl aber das Bemühen um Gewissheit, Redlichkeit und die Orientierung an moralischen Grundsätzen. In der Nacht lese ich in dem Werk und staune. Jeder hat seine eigenen Helden, ich bewundere das Vermögen des Schreibenden, dem es gelingt, den Reichtum seiner Erfahrungen zur Sprache zu bringen.
Am Morgen besuche ich das Literaturmuseum der Stadt, lese einige Biografien von Männern und Frauen, deren Namen für mich fremd klingen. Einige sind vergessen, andere wie der Nobelpreisträger Ivo Andrić berühmt geworden. Sie alle teilen die gleiche Leidenschaft und schreiben, woran sie geglaubt oder nicht geglaubt haben. Allein die Qualität ist der Maßstab: Ein Ungläubiger, der gut schreibt, wird den Gläubigen nicht verunsichern, sondern nur anregen, sein Wissen zu erweitern und noch tiefer zu glauben.
Man lernt eine andere Perspektive nicht kennen, wenn man sich mit den niedrigsten Ausdrucksformen dieser Kultur beschäftigt. Deswegen lohnt die Beschäftigung mit den Denkern und Dichtern, die in der Lage sind, die andere Sicht, ihre Erfahrungen auf höchster Ebene mitzuteilen. Das heißt nicht, dass man die jeweilige Quintessenz unbedingt teilt, sondern ist Ausdruck, dass man die harte Arbeit im Steinbruch der Wörter respektiert. Leben und leben lassen, als Bedingung der Möglichkeit des friedvollen Umgangs mit den Anderen, basiert nicht auf der Substanzlosigkeit, sondern ist das Ergebnis der Einsicht, dass Menschen unterschiedliche Geschichten erleben.
Diese Unterschiede zu erfahren und nachzuvollziehen, schafft keine Unsicherheit über die eigene Identität, sondern endet vielmehr mit einem Zugewinn für die eigene Substanz. Oft lese ich zum Beispiel die Werke Andersdenkender und erkenne in ihnen die Umschreibung des ersten Teils unseres Glaubensbekenntnisses.
Seit 2014 hat die Gazi-Husrev-beg-Bibliothek ein neues Zuhause. (Foto: O. Dikbakan
Islam ist ein Meer des Wissens
Der Islam ist ein Meer des Wissens. Wir besuchen das Museum der 1537 gegründeten Gazi Husrev-Beg-Bibliothek mit ihrer Sammlung von zehntausenden Büchern. Das älteste vorhandene Manuskript ist eine Abschrift aus dem Jahr 1105 des „Ihya’ Ulum ad-Din“ von Abu Muhammad Al-Ghazali. Darüber hinaus gibt es unzählige Werke in bosnischer, arabischer, persischer und osmanischer Sprache. In dem modernen Gebäude sehe ich aus der Ferne Studenten, die über ihren Schätzen sitzen und ihrem Wissensdrang nachgehen. Was studieren Sie? Es sind unendliche Möglichkeiten.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, ist eine der Einsichten, die wir Sterblichen, die nur über sehr bescheidenes Wissen verfügen, gerne wiederholen. Es sind die Gelehrten, auch die begnadeten Schriftsteller, die uns Zeit sparen können, uns helfen und an ihren Erkenntnissen teilnehmen lassen. Treffen wir sie persönlich, dann ist ein sicheres Zeichen der gelungenen Vermittlung, dass wir verändert aus der Begegnung kommen.
Ein anderes, wichtiges Kapitel in dieser Stadt beschreiben Bücher, die den Verlauf des Krieges in den 1990er Jahren nachzeichnen. Sie handeln vom Unglaublichen, von ehemaligen Nachbarn, die zu Feinden werden, von Verbrechen, von Heldentaten, von der Hoffnung und der Verzweiflung. Viele dieser Bücher wurden unter Tränen geschrieben und schaffen eine Erinnerungskultur, die in Zeiten des aufkeimenden Nationalismus in Europa, wie eine Mahnung wirken.
Jeden Abend, wenn wir aus der Altstadt hoch hinauf in die Berge in unsere Unterkunft wollen, benutzen wir ein Taxi. Die Gilde hat sich gut abgesprochen, es gilt ein Einheitspreis, der nicht zu verhandeln ist. Auf der Strecke entwickeln sich interessante Gespräche über Land und Leute. Beeindruckend ist zum Beispiel die Fahrt mit einer freundlichen Taxifahrerin, die sehr gut Deutsch spricht.
Als junge Frau, während des Krieges, lebte sie zwei Jahre in Deutschland und kehrte später zurück. Es war eine harte Zeit, seufzt sie. „Ich hatte schreckliches Heimweh und Angst um meine Eltern, die weiter in Sarajevo lebten.“ Ich frage sie, ob sie es für möglich hält, dass sich die schrecklichen Ereignisse eines Tages wiederholen könnten. „Ja, ich glaube das. Wir alle glauben das“, antwortet sie mit einem gequälten Lächeln, das ein Achselzucken begleitet. In ihrem melancholischen Ausdruck spiegeln sich gleichzeitig Sorge und Schicksalsergebenheit.
Wir sprechen über ihre ökonomische Lage. Sie beklagt sich, dass ihre gut ausgebildeten Kinder kaum Arbeit finden. Wir verstehen: Welche Mutter hat schon gerne, dass ihre Lieben die Heimat verlassen? Und sie deutet etwas an, das wir in unseren Gesprächen mit Slowenen, Kroaten und Bosniaken öfters hören: „In Jugoslawien waren die Verhältnisse bescheiden, aber immerhin gab es keine so extremen sozialen Unterschiede.“
Wir glauben nicht, dass es sich hier um Nostalgie handelt, oder gar um eine Sehnsucht nach der Rückkehr des Kommunismus. Die Botschaft ist einfacher: Es gibt in dieser Region nicht nur ökonomische Gewinner, sondern auch Armut und Zukunftsängste. Diese Phänomene – und nicht nur in dieser Region – sind immer der Nährboden für politische Unruhestifter.
Wir verabschieden uns herzlich von der Frau und das Gespräch wirkt nach. Am nächsten Morgen besuchen wir die Markthalle in Sarajevo. Hier sitzen Frauen vor ihren Ständen mit Obst und Gemüse, sie wirken gelangweilt. Die Geschäfte scheinen schleppend zu laufen und es ist ruhig an diesem Morgen. In der Ecke des Marktes sehen wir die Spuren des Einschlages einer Granate. Am 5. Februar 1994 waren hier viele Menschen gestorben. Wie bei jedem Krieg, kann man sich als Außenstehender nicht vorstellen, was eine Belagerung über so lange Zeit und das Leben in ständiger Todesgefahr bedeutet. Man kann hier eigentlich nur schweigend verweilen.
Gründe für einen gesunden Optimismus
Gott sei Dank gibt es gute Gründe für einen gesunden Optimismus. Keine Frage, das Land entwickelt sich: In vielen Städten in Bosnien sieht man Neubauten, moderne Geschäftshäuser und neue Straßen. Neben dem pulsierenden Leben entdeckt man noch immer die Narben vergangener Tage an den alten Häusern. Man lernt hier, dass der Frieden etwas Wertvolles ist und dass man diese Zeit nutzen muss, um Brücken zu schlagen. Selbstredend gesellt sich zu dieser Praxis die Verpflichtung, den Nationalismus und jedes andere Extrem abzulehnen. Die Existenz von Moscheen, Synagogen und Kirchen erzählen von einer Tradition: die Kunst des Zusammenlebens auf engstem Raum. Das ist etwas, was man aus Bosnien mit nach Hause nimmt.
Der Schriftsteller Dzevad Karahasan schrieb in seinem Buch „Die Schatten der Städte“ allgemein gültige Sätze über seine Heimat: „In Sarajevo ist die kulturelle Identität (…) unverbrüchlich mit einer Art sozialen Unbehagens verbunden, weil der soziale Kontext des Menschen in Sarajevo ständig daran erinnert, dass die Welt voll von andersartigen Leuten ist, dass sein Glaube nur einer von vielen ist, dass er und alles Seine nur eine von unzähligen Möglichkeiten im Ozean der göttlichen Allmacht sind.“
Für den bosnischen Denker hängt es vom Charakter und Erleben des Menschen ab, ob er in dieser Situation eine Chance, eine Verpflichtung zum gegenseitigen Kennenlernen oder eine Gefahr sieht. Diese Herausforderung, ein Klima des von gegenseitigem Respekt getragenen Miteinanderseins zu schaffen, stellt sich heute in allen Städten Europas. Zur Aktualisierung historischer Erfahrung gehört es, sich an die gelungenen und gescheiterten Versuche der Geschichte zu erinnern.
IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Reiseliteratur zwischen Goethe und Karahasan.
(iz). Zu meinen Lieblingsbüchern in der Welt der Reiseliteratur zählt die „Italienische Reise“ von Johann Wolfgang von Goethe. Der Schriftsteller erklärt darin den Sinn des Reisens. Beinahe zwei Jahre lang reflektierte er die Natur, die Kunst und die Menschen, denen er auf seinem Weg begegnete. Er erwartete eine Veränderung, eine Metamorphose seiner Persönlichkeit.
Die Sehnsucht nach den (griechischen) Idealen versuchte er stets zu aktualisieren, weil ihm bewusst war, dass er in einer anderen Raumzeit lebt. Seine Inspiration war es nach der Rückkehr, seine Erfahrungen in eine neue Alltäglichkeit einfließen zu lassen.
Fotos: Autor
In diesem Sinne ist unser Besuch in Bosnien gelungen. Sarajevo ist eine Stadt, die den Gast verändert, erinnert und inspiriert. Aus muslimischer Sicht wurde uns erneut bewusst, wie wichtig die Rolle der Stiftungen war und ist, um das islamische Leben zu entwickeln. Und selbstverständlich mahnt die Geschichte des Landes, den aktiven Austausch mit den Nachbarn zu suchen; gerade, wenn sie anderen Kulturen oder Konfessionen angehören.
Dzevad Karahasan schreibt über seine Heimatstadt: „In Sarajevo ist die kulturelle Identität (…) unverbrüchlich mit einer Art sozialen Unbehagens verbunden, weil der soziale Kontext des Menschen in Sarajevo ständig daran erinnert, dass die Welt voll von andersartigen Leuten ist, dass sein Glaube nur einer von vielen ist, dass er und alles Seine nur eine von unzähligen Möglichkeiten im Ozean der göttlichen Allmacht sind.“
Fotos: Autor
Für den bosnischen Schriftsteller hängt es vom Charakter und Erleben des Menschen ab, ob er in dieser Situation eine Chance, eine Verpflichtung zum gegenseitigen Kennenlernen oder eine Gefahr sieht.
Keine Frage: Meine Leseliste wichtiger Bücher ist wieder einmal angewachsen. Denn das Denken in Sarajevo spricht die Phänomene an, die auch mich beschäftigen. Eine Reise nach Bosnien ist angeraten, für diejenigen, die den Islam in Europa in allen seinen Facetten kennenlernen wollen.
IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Abschiedsbetrachtungen aus Sarajevo und einen bedrohten Frieden.
(iz). Abends, wenn wir aus der Altstadt hoch hinauf in die Berge in unser Camp fahren, benutzen wir ein Taxi. Die Gilde hat sich gut abgesprochen, es gilt ein Einheitspreis, der nicht zu verhandeln ist. Auf der Strecke entwickeln sich interessante Gespräche über Land und Leute.
Beeindruckend ist die Fahrt mit einer freundlichen Taxifahrerin, die sehr gut Deutsch spricht. Als junge Frau während des Krieges lebte sie zwei Jahre in Deutschland und kehrte später zurück. Es war eine harte Zeit, seufzt sie. „Ich hatte schreckliches Heimweh und Angst um meine Eltern, die weiter in Sarajevo lebten.“
Fotos: Autor
Ich frage sie, ob sie es für möglich hält, dass sich die schrecklichen Ereignisse eines Tages wiederholen könnten. „Ja, ich glaube das. Wir alle glauben das“, antwortet sie mit einem gequälten Lächeln, das ein Achselzucken begleitet. In ihrem Ausdruck spiegeln sich Sorge und Schicksalsergebenheit. Wir sprechen über die ökonomische Lage. Sie beklagt sich, dass ihre gut ausgebildeten Kinder kaum Arbeit finden. Wir verstehen. Welche Mutter hat schon gerne, dass ihre Lieben die Heimat verlassen?
Und sie deutet etwas an, das wir in Gesprächen mit Slowenen, Kroaten und Bosniaken öfters hören: „In Jugoslawien waren die Verhältnisse bescheiden, aber immerhin gab es keine so extremen sozialen Unterschiede.“
Wir glauben nicht, dass es sich hier um Nostalgie handelt, oder gar um eine Sehnsucht nach der Rückkehr des Kommunismus. Die Botschaft ist einfacher: Es gibt in dieser Region nicht nur ökonomische Gewinner, sondern auch Armut und Zukunftsängste. Diese Phänomene sind immer der Nährboden für politische Unruhestifter.
Wir verabschieden uns herzlich von der Frau und das Gespräch wirkt nach.
Fotos: Autor
Am nächsten Morgen besuchen wir die Markthalle in Sarajevo. Hier sitzen Frauen vor ihren Ständen mit Obst und Gemüse, wirken gelangweilt. Die Geschäfte scheinen schleppend zu laufen und es ist ruhig an diesem Morgen. In der Ecke des Marktes sehen wir die Spuren des Einschlages einer Granate. Am 5. Februar 1994 starben hier viele Menschen. Wie bei jedem Krieg, kann man sich als Außenstehender nicht vorstellen, was eine Belagerung über so lange Zeit und das Leben in ständiger Todesgefahr bedeutet. Man kann hier eigentlich nur schweigen.
Es gibt Gründe für Optimismus. Keine Frage, das Land entwickelt sich: In vielen Städten Bosniens sieht man Neubauten, moderne Geschäftshäuser und neue Straßen. Trotz des pulsierenden Lebens entdeckt man noch immer die Narben vergangener Tage an den alten Häusern.
Man lernt hier, dass Frieden etwas Wertvolles ist und dass man diese Zeit nutzen muss, um Brücken zu schlagen zu den gutwilligen Anderen. Ihre Kultur und Religion ebenso achten sollte, wie die eigene. Selbstredend gesellt sich zu dieser Praxis die Verpflichtung, den Nationalismus und jedes andere Extrem abzulehnen.
Die Existenz von Moscheen, Synagogen und Kirchen an diesem Ort erzählen von einer Tradition: die Kunst des Zusammenlebens auf engstem Raum.
Das ist etwas, was man aus Bosnien mit nach Hause nimmt.
IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Sarajevo ist eine Stadt, die Geschichte schreibt und Geschichten aufschreibt.
(iz). Es mag ein Vogel sein, der sanft auf einer Mauer landet. Laub, das der Wind über die Gräber fegt. Ein Blick, eine Geste, die man auf der Straße sieht. Es sind Phänomene, die uns wirklich treffen, bewegen, zum Staunen bringen oder erschrecken, führen uns in einen Moment der Sprachlosigkeit. Wir suchen nach Worten, um das Reale des Schönen oder Schrecklichen zu beschreiben. Der Schriftsteller oder die Schriftstellerin widmen dieser Suche ihr Leben.
Sarajevo ist nicht nur eine Stadt, die Geschichten schreibt, sondern auch ein Anziehungspunkt für all diejenigen, die sie aufschreiben, verstehen und lesen wollen. Manchmal findet man hier Bücher, oder sie finden uns. So trete ich in einen kleinen Buchladen ein und entdecke ein tiefsinniges Werk von Professor Enes Karic: Lieder wilder Vögel.
Das Buch über die Rolle der Macht, der Liebe und des Glaubens ist historisch im Balkan des 16. Jahrhunderts angesiedelt. Es ist gleichzeitig eine Aktualisierung religiöser und philosophischer Fragen. In der Nacht lese ich darin und staune. Jeder hat seine eigenen Helden. Ich bewundere das Vermögen des Schreibenden, dem es gelingt, den Reichtum seiner Erfahrungen zur Sprache zu bringen.
Fotos: Autor
Am Morgen besuche ich das Literaturmuseum in der Stadt, lese einige Biografien von Männern und Frauen, deren Namen fremd klingen. Einige sind vergessen, andere wie der Nobelpreisträger Ivo Andrić berühmt geworden. Sie alle teilen die gleiche Leidenschaft und schreiben, woran sie geglaubt oder nicht geglaubt haben.
Allein die Qualität ist der Maßstab: Ein Ungläubiger, der gut schreibt, wird den Gläubigen nicht verunsichern, sondern nur anregen, sein Wissen zu erweitern und noch tiefer zu glauben. Oft lese ich solche Werke und erkenne ihn ihnen die Umschreibung des ersten Teils unseres Glaubensbekenntnisses.
Ein anderes Kapitel in dieser Stadt beschreiben Bücher, die den Verlauf des Krieges in den 1990er Jahren beschreiben. Sie handeln von Unglaublichem, von ehemaligen Nachbarn, die zu Feinden werden, von Verbrechen, von Heldentaten, von der Hoffnung und der Verzweiflung. Viele diese Bücher wurden unter Tränen geschrieben und schaffen eine Erinnerungskultur, die in Zeiten aufkeimenden Nationalismus, wie eine Mahnung wirken. Sie müssen immer wieder gelesen werden.
Fotos: Autor
Der Islam ist ein Meer des Wissens. Ich besuche das Museum der 1537 gegründeten Gazi Husrev-Beg Bibliothek – mit ihrer Sammlung von zehntausenden Büchern. Das älteste vorhandene Manuskript ist eine Abschrift aus dem Jahr 1105 des „Ihya’ Ulum AD-din“ von Abu Muhammad al-Ghazali.
Darüber hinaus gibt es unzählige Werke in bosnischer, arabischer, persischer und osmanischer Sprache. In dem modernen Gebäude sehe ich aus der Ferne Studenten, die über ihren Schätzen sitzen und ihrem Wissensdrang nachgehen. Was studieren Sie? Es sind unendliche Möglichkeiten.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist eine kluge Einsicht, die wir Sterblichen, die nur über sehr bescheidenes Wissen verfügen, gerne wiederholen. Es sind die Gelehrten, auch die begnadeten Schriftsteller, die uns Zeit sparen können, uns helfen und an ihren Erkenntnissen teilnehmen lassen. Treffen wir sie persönlich, dann ist ein sicheres Zeichen der gelungenen Vermittlung, dass wir verändert aus der Begegnung kommen.
Vor 110 Jahren wurden auf dem Balkan die Weichen für den Ersten Weltkrieg gestellt. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar. Ein Besuch in Belgrad, Sarajevo und Wien. (KNA). Wenn der […]
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Die Probleme sind riesig: Ineffiziente Verwaltung, Korruption und Vetternwirtschaft lähmen das Land. In Bosnien regieren seit dem Krieg der 90er-Jahre nationalistische Parteien. Bleibt ihre Macht auch nach dieser Wahl ungebrochen?
Sarajevo (dpa). Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina haben die Nationalisten Verluste erlitten, bleiben aber im komplizierten Macht- und Verwaltungsgefüge des kleinen Balkanlandes bestimmende Kraft. Im Kampf um das dreiköpfige Staatspräsidium fuhren am Sonntag zwei von drei nationalistischen Kandidaten eine Niederlage ein, wie die Wahlkommission am Montag in Sarajevo nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen mitteilte.
Den augenscheinlichsten Erfolg nicht-nationalistischer Reformkräfte feierte der Sozialdemokrat Denis Becirovic. Mit 57 Prozent der Stimmen sicherte er sich den bosniakischen Sitz im Staatspräsidium. Der Vorsitzende der unter den bosnischen Muslimen dominierenden muslimisch-nationalistischen SDA-Partei, Bakir Izetbegovic, unterlag ihm mit 38 Prozent der Stimmen deutlich. Damit wird zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein SDA-Politiker im Staatspräsidium vertreten sein.
Neben dem Staatspräsidium wählten die Bürger am Sonntag auch das Bundesparlament, die Parlamente in den beiden weitgehend selbstständigen Landesteilen, die Präsidentschaft in der Serbischen Republik (RS) und die Kantonsverwaltungen in der bosnisch-kroatischen Föderation (FBiH).
Die Machtkämpfe und die korrupte Klientelpolitik der eingesessenen Nationalparteien verhindern, dass das Land seine eigentlichen Probleme löst: wirtschaftliche Rückständigkeit, schlechte Verwaltung, schwacher Rechtsstaat. Anders als die Ukraine und Moldau hat Bosnien-Herzegowina immer noch keinen EU-Kandidatenstatus. Als Voraussetzung verlangt die Union, dass das Land 14 Missstände in den Bereichen Verwaltung, Rechtsstaatlichkeit und Gleichbehandlung der Bürger beseitigt.
Im Staatspräsidium vermochte der bürgerliche Reformer Zeljko Komsic den kroatischen Sitz gegen eine Kandidatin der nationalistischen HDZ-Partei zu verteidigen. Der serbische Sitz ging klar an eine Nationalistin aus der RS. Zeljka Cvijanovic ist eine Vertraute des starken Mannes in der Serbenrepublik, des Separatisten Milorad Dodik. Er hatte die serbische Position im Staatspräsidium in den letzten vier Jahren besetzt.
Dodik selbst hatte sich diesmal um den Posten des Präsidenten der RS beworben. Nach Angaben der Wahlkommission gewann er mit 49 Prozent der Stimmen gegen die konservative Wirtschaftswissenschaftlerin Jelena Trivic mit 43 Prozent. Im Bundesparlament zeichnet sich die fortwährende Dominanz der Nationalparteien ab. Im Landesteil FBiH wurde die SDA mit 25 Prozent der dort abgegebenen Stimmen stärkste Kraft, gefolgt von der kroatischen HDZ mit 19 und den Sozialdemokraten mit 12 Prozent der Stimmen.
In der Serbenrepublik bleibt Dodiks SNSD mit 42 Prozent der Stimmen, die in der RS für das Bundesparlament abgegeben wurden, die stärkste Partei. Die moderat-nationalistische SDS und die konservative PDP folgen mit 19 beziehungsweise 11 Prozent. Für die Mandatsverteilung in der gesamtstaatlichen Volksvertretung lagen zunächst keine Angaben vor.
Ersten Einschätzungen zufolge bleibt die Lage in Bosnien schwierig, weil sich die nationalistischen Kräfte weiterhin gegenseitig blockieren können. Dodik strebt zudem eine Abspaltung der RS von Bosnien an und genießt dabei die Unterstützung Russlands, Serbiens und des EU-Landes Ungarn. Die kroatische HDZ versucht wiederum, den Gesamtstaat zu schwächen, um eine eigene ethnische „Entität“ aus dem Landesteil der bosnisch-kroatischen Föderation herauszulösen. Unterstützt wird sie vom EU-Land Kroatien und einigen westlichen Diplomaten.
Bosnien war 1992 bis 1995 Schauplatz eines von Serbien gestarteten blutigen Kriegs. Rund 100.000 Menschen wurden getötet, an die zwei Millionen vertrieben. Der Friedensvertrag von Dayton schuf auch das Amt eines internationalen Repräsentanten. Zu Zwecke Einhaltung des Vertrags kann er Gesetze erlassen und außer Kraft setzen sowie bosnische Amtsträger absetzen. Seit über einem Jahr bekleidet der frühere deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt das Amt.
Göttingen (GfbV/presseportal.de). Die Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) richtete heute einen Appell an die EU-Mitgliedstaaten, die USA und die internationale Gemeinschaft, unverzüglich entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um eine gewaltsame Eskalation in Bosnien und Herzegowina zu verhindern.
Durch serbisch-nationalistische Hetze und separatistische Drohgebärden scheine sogar ein neuer Krieg möglich: „Die wachsende Radikalisierung in der Republika Srpska und auch in Serbien ist nicht mehr zu übersehen. Seit zehn Jahren droht der serbische Vertreter im bosnischen Staatspräsidium ganz offen mit einer Abspaltung von Bosnien und einer Vereinigung mit Serbien. Die Staaten der EU sowie die USA haben diese Drohungen ignoriert – und das rächt sich jetzt“, erklärte Jasna Causevic, GfbV-Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung.
Milorad Dodik und andere Politiker aus der Republika Srpska hätten das jüngst eingeführte Gesetz gegen Genozid-Leugnung zum Anlass genommen, den gesamten bosnischen Staat zu blockieren.
„Die Gefahr eines neuen Krieges ist real. Es ist höchste Zeit, Dodik und seine Unterstützer mit empfindlichen Sanktionen zu belegen. Dazu zählen die Streichung von Finanzhilfen der EU, Einreiseverbote in Länder der EU sowie das Einfrieren von Geldern im Ausland“, so Causevic. „Die Nationalisten wollen den Vernichtungs-Feldzug gegen alles Nicht-Serbische vollenden, den das Friedensabkommen von Dayton vor 26 Jahren unterbrochen hat. Daran muss die internationale Gemeinschaft sie mit allen Mitteln hindern.“
Begleitend zu den Sanktionen müssten sich die EU, Großbritannien und die USA unmissverständlich gegen die groß-serbischen Bestrebungen positionieren und auch auf Kroatien und kroatische Extremisten in Bosnien einwirken, die den bosnischen Staat zerstören wollen. Es dürfe nicht sein, dass ein EU-Mitgliedsland mit ethno-nationalistischen Praktiken den Frieden in einem Nachbarland und damit gesamten Region unterminiert, heißt es im Appell.
Einige EU-Staaten sähen die Krise in Bosnien und Herzegowina als weiteren Hebel für die Durchsetzung eigener Interessen. Dieses zynische Taktieren könne für die Menschen in Bosnien und Herzegowina tragisch enden. „Wenn die Europäische Union außen- und sicherheitspolitisch ernstgenommen werden will, darf sie die Fehler aus den 1990er Jahren nicht wiederholen. Sie darf Genozid und Kriegsverbrechen nicht zulassen – oder durch Wegsehen dulden“, mahnt Causevic.
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