Österreichs Muslime: Zu einer Gefahr gemacht

Unter dem Deckmantel des vorgeblichen Kampfes gegen den „politischen ­Islam“ beschloss die neue Regierungskoalition einschneidende Maßnahmen. (iz). Während die „Süddeutsche Zeitung“ es mit Verweis auf den langjährigen islamophoben Populismus der […]

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Die größte Tragödie des Jahres 2017

Göttingen (GfbV). Als größte Flüchtlingstragödie des Jahres 2017 bezeichnete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die systematische Vertreibung der Rohingya-Minderheit aus Burma (Myanmar). Vier Monate nach Beginn des Flüchtlingsdramas forderte die GfbV dringend mehr humanitäre Hilfe für die 655.000 Geflüchteten und mehr Anstrengungen für eine politische Lösung der Krise. „Die Rohingya sind die Verlierer des Jahres. Sie haben nicht nur ihr Hab und Gut und ihre Heimat verloren, sondern auch zu spüren bekommen, dass kein Staat bereit ist, ihnen langfristig Schutz zu gewähren“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am 26. Dezember in Göttingen. „Die Rohingya-Krise ist noch nicht gelöst. Dringend muss der internationale Druck auf Burmas Regierung und Militär erhöht werden, damit grundlegende Menschenrechte der Minderheit anerkannt und Bedingungen für eine menschenwürdige Rückkehr der Flüchtlinge erfüllt werden.“
Nachdrücklich wies die Menschenrechtsorganisation auf die katastrophale humanitäre Lage der Rohingya hin. „Ein Großteil der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Mindestens ein Viertel dieser Flüchtlinge sind unterernährt. Viele leiden unter Durchfall und Erkrankungen der Atemwege. Auch in den Flüchtlingslagern in Bangladesch fehlt es oft an frischem Trinkwasser. Rund 84 Prozent aller geflohenen Kinder bekommen nicht die Ernährung, die sie für ein angemessenes Wachstum benötigen“, erklärte Delius.
Eine Rückführung dieser Flüchtlinge ist nach GfbV-Informationen nicht absehbar. Zwar wollen Burmas Behörden mit der Repatriierung bis zum 23. Januar 2018 beginnen. „Doch angesichts anhaltender Menschenrechtsverletzungen wird niemand freiwillig zurückkehren wollen“, sagte Delius. Auch will Burma täglich nicht mehr als 300 Geflüchtete zurücknehmen. So würde es mehr als fünfeinhalb Jahre dauern, alle Geflüchteten zu repatriieren.
Die UN-Vollversammlung hat am Heiligabend in New York mit überwältigender Mehrheit  die Vertreibung der Rohingya in einer Resolution verurteilt und Burma aufgefordert, Angehörigen der Minderheit volle Bürgerrechte einzuräumen. Auch verlangten 122 der 193 in der Vollversammlung vertretenen Staaten freien Zugang von Helfern zur Not leidenden Zivilbevölkerung im Norden des Rakhine-Staates in Burma. Nur zehn Staaten (China, Russland, Laos, Kambodscha, Philippinen, Syrien, Vietnam, Weißrussland, Simbabwe, Myanmar) stimmten gegen die Resolution. In der Abstimmung wurde UN-Generalsekretär Antonio Guterres aufgefordert, angesichts der katastrophalen Menschenrechtslage einen Sonderbeauftragten für Burma zu ernennen. Bislang gab es nur eine Burma-Beauftragte des UN-Menschenrechtsrates, die Koreanerin Yanghee Lee. Ihr wurde letzte Woche von Burmas Behörden bis zum Ende ihrer Amtszeit die Einreise verweigert.

Die Widerborstigen: Katalonien will Unabhängigkeit

Barcelona (KNA). „Unabhängigkeit“ – in Spanien fiel dieser Begriff in früheren Jahren meist in Zusammenhang mit dem Baskenland. Vor allem die ETA säte Angst und Schrecken, wollte mit Anschlägen die Loslösung von Madrid herbeibomben. Ausgerechnet am Ende eines Jahres, in dem die Terrororganisation ankündigte, endgültig die Waffen zu strecken, setzte eine andere spanische Region ein Ausrufezeichen: Katalonien. Bei den Regionalwahlen am 21. Dezember konnte sich das Lager der Separatisten, wenn auch nur knapp, durchsetzen.
Der Machtkampf zwischen Zentral- und Regionalregierung geht damit in die nächste Runde. Rohe Gewalt ist in Katalonien – im Gegensatz zu den Basken – nicht im Spiel. Aber beide Regionen blicken auf eine stolze Geschichte zurück. Und die wiederum hält einige Antworten auf die Frage bereit, wie es zu den aktuellen Verwerfungen kommen konnte.
Am Anfang steht, wie es sich gehört, eine Legende. Als Wilfred I. von Barcelona merkte, dass es mit ihm zu Ende ging, benetzte er vier Finger mit seinem eigenen Blut und fuhr damit über den gelben Grund seines Schildes. Auf diese Weise sollen im Jahre des Herrn 897 die katalonischen Landesfarben entstanden sein.
Wilfred, genannt „der Haarige“ – angeblich in Gegensatz zu seinem fränkischen Lehnsherrn Karl dem Kahlen – begründete die Grafschaft von Barcelona. Diese wiederum gilt als „Keimzelle“, das von Wilfred errichtete Kloster Santa Maria de Ripoll als „Wiege“ Kataloniens. Welch lange Schatten Wilfred und seine Nachfolger warfen, zeigte sich an der Tatsache, dass unter der Diktatur von Francisco Franco (1936-1975) der spätere König Juan Carlos mit dem Titel eines Grafen von Barcelona in der Öffentlichkeit auftrat.
Doch zurück ins Mittelalter, wo die Grafen einerseits ihr Territorium Richtung Frankreich ausdehnten, andererseits im Süden die muslimischen Mauren zurückdrängten. Bei ersterem tat sich Ramon Berenguer III. hervor, bei letzterem sein Sohn, Ramon Berenguer IV. Dessen Hochzeit 1137 mit Petronella von Aragonien sicherte den Grafen die Krone Aragons. Beide Reiche blieben nebeneinander bestehen; die katalanischen Interessen genossen im Zweifel den Vorzug.
Das änderte sich erst mit Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Unter der Regentschaft der „Reyes Catolicos“ (Katholischen Könige) endete 1492 die „Reconquista“ (Rückeroberung). Der letzte verbliebene maurische Staat verschwand von der Iberischen Halbinsel. Im selben Jahr landete Kolumbus in Amerika. Kastilien war am Drücker – und Katalonien? „Wenn man auf eine Stadt oder ein Dorf trifft, findet sich in der Umgebung ein wenig Ackerfläche; dann aber kann man wieder meilenweit durch Ödland gehen“, heißt es in einem Reisebericht von 1512.
Zu einem Mittel der weiteren Einigung „Hispaniens“ wollten die Monarchen das ihnen unterstehende Tribunal der Heiligen Inquisition machen – ursprünglich ins Leben gerufen mit dem Ziel, Jagd auf konvertierte Juden zu machen, denen man Abfall vom Glauben vorwarf. Die katalanischen Stände forderten eine Unterordnung des Gerichts unter die eigenen Gesetze. Der Magistrat von Barcelona vermied es sogar grundsätzlich, den Verhandlungen beizuwohnen, wie der Historiker Carlos Collado Seidel schreibt. Mehrfach kam es zu „handfesten Auseinandersetzungen“, Gerichtsverfahren und Haftstrafen.
Das Streben nach staatlicher Einheit kollidierte immer wieder mit dem katalanischen Behauptungswillen. Dann die dunkelste Stunde: der Fall Barcelonas am 11. September 1714. Für den Sieger, König Philipp V., war der Weg frei, Katalonien zu einer simplen Verwaltungsprovinz herabzustufen. Der Tag ist heute Nationalfeiertag in Katalonien – und im Stadion des FC Barcelona hallt seit einigen Jahren exakt bei Spielminute 17 und 14 Sekunden der Ruf „Independencia“ („Unabhängigkeit“) durch das Rund.
Der Club galt vor allem unter Franco als Hort des „Katalanismus“. Dass viele Separatisten heute immer noch mit dem Argument punkten können, Madrid unterdrücke Katalonien, dokumentiert nach Ansicht mancher Beobachter die Versäumnisse bei der Aufarbeitung der Ära Franco. Die Situation ist verfahren. Vielleicht, so hoffen einige, kann die EU vermitteln.

Gesund durch die nasskalte Jahreszeit

Der Winter ist eine wunderbare Zeit für Ruhe und innere Einkehr. Die kürzeren Tage sind ein Signal, dass wir unsere tägliche Routine an diese Jahreszeit anpassen sollten. Er bringt viele wunderbare Dinge, aber für viele auch die gefürchtete Erkältungssaison.
(Sisters Magazine). Ich kenne viele Menschen, die sich jeden Winter eine Erkältung oder einen grippalen Infekt zuziehen – verlässlich wie ein Uhrwerk. Wenn sie kommen, bleiben sie Tage und Wochen, ohne sich zu legen. Natürlich macht das Krank-Sein keinen Spaß. Daher sind einige Vorbeugungsmaßnahmen ratsam. Die üblichen Viren und Bakterien sind immer da. Aber wenn unser Immunsys­tem gut funktioniert, dann sollten wir uns die Grippe vom Leibe halten ­können oder uns zumindest schneller erholen. Einige Dinge helfen uns dabei, diesen Winter gesünder zu sein.
Passen sie ihre ­Gewohnheiten an
Der Geist und der Körper sind ein System und arbeiten zusammen. Unser Gefühlshaushalt und unser Geisteszustand beeinflussen die Gesundheit; ­zwischen Stress und Grippe besteht ein Zusammenhang. Nehmen sie sich die Zeit und denken einmal darüber nach, wann sie das letzte Mal eine Erkältung hatten: Waren sie gestresst oder lastete etwas auf ihnen? Schien Ihnen alles zu viel zu werden?
Das mag ein Zufall gewesen sein, aber in meiner Berufserfahrung gehören Stress und Erkältung zusammen. Viele folgen im Winter den gleichen Gewohnheit wie im Sommer. Das Problem ist dabei, dass unser Körper im Winter aus natürlichen Gründen langsamer wird. Unser Lymph­system verlangsamt sich und die langen Nächte beeinflussen unseren Schlafryth­mus. Fahren wir wie im Sommer fort, dann belasten wir unser System. Stress schwächt bekanntermaßen das Immunsystem und dahinter kann dann eine Erkältung lauern. Es ist ein wichtiger Schritt, unsere Gewohnheiten den Wintermonaten anzupassen.
Beenden sie ihren Tag ein bisschen früher und nehmen sie ihr Abendessen ebenfalls ein wenig früher ein. Geben sie sich Zeit zur Ruhe und zum Nachdenken. Dann sind sie gewappnet, wenn der Frühling wieder kommt.
Bewegung
Es scheint ein Widerspruch zu sein, wenn wir hier gleichzeitig von Ruhe und von Bewegung sprechen, aber beide spielen eine wichtige Rolle für unsere Ge­sund­heit. Bewegung und Sport kräftigen das Immunsystem, weil sie dabei mithil­fen, jene Chemikalien zu neutralisieren, die durch Stress freigesetzt werden. Wäh­len sie eine Bewegungsform, die es ihnen ermöglicht, körperlich und geistig zu ­entspannen.
Leichte Bewegungen, an der man seine Freude hat, sind oft nützlicher als belas­tende Erschöpfung. Yoga oder Tai Chi sind wunderbar für den Körper und für den Geist. Auch leichte Märsche und ähnliche aerobe Übungsformen halten unser Lymphsystem in Bewegung. Es ist ein wichtiger Teil für die Entgiftungsme­chanismen des Körpers und körperliche Bewegung hält sie reibungslos am ­Laufen. Insbesondere, weil es im Winter zur Verdickung neigt.
Viel Wasser trinken
Dies könnte möglicherweise eine der wichtigsten Dinge sein, um unsere allge­meinen Körperfunktionen zu beflügeln. Obwohl wir mehrheitlich aus Wasser bestehen, vergessen wir oft, diese wichtige Ressource aufzufüllen. Wasser hilft sowohl, Giftstoffe auszuscheiden, als auch sämtliche chemischen Reaktionen ­unsere Körper zu unterstützen, die in jedem Augenblick ablaufen.
Wenn wir dehydrieren, dann können unsere Zellen nicht mehr richtig funktio­nieren, was unseren Körper gewisserma­ßen in einen Alarmzustand versetzt. Über längere Zeit kann dies zu Unruhe und vielen weiteren Symptomen führen. Wasser zu trinken ist eine Sache, die sich ganz leicht bewerkstelligen lässt. Andere Ge­tränke wie Saft, Tee und Kaffee haben aber nicht die gleiche Wirkung.
Nehmen sie Wasser zu sich, das Raum- oder Körpertemperatur hat. Dies ist wichtig, da der Körper ansonsten ­Energie aufwenden muss, um da zugeführte Wasser auf seine eigene Temperatur ­bringen muss. Acht Glass Wasser täglich sind eine gute Richtschnur. Man kann die ­Men­ge jedoch entsprechend der eigenen Bedürfnisse weiter anpassen.
Ab in die Sonne
Das Licht der Sonne verleiht uns nicht nur mehr Optimismus, es ist auch wichtig für unsere zellulären Abläufe. Wir brauchen Licht, um viele unserer Stoffwechselprozesse im Körper durchzuführen. An diesem Punkt werden Licht und Nahrung wichtig. Wegen der kürze­ren Tage kann die Aufrechterhaltung einer positiven Lebenseinstellung schwierig sein. Also, gehen sie raus, wenn sich die Sonne blicken lässt. Nehmen sie sich einige Augenblicke und sitzen sie drau­ßen. Dann können sie feststellen, dass sie sich besser fühlen werden. Das hat na­türlich eine Wirkung auf die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit.
Früchte der Saison
Wir hören die ganze Zeit, wie ­wichtig Früchte und Gemüse seien, aber warum ist das so? Frische Früchte und Gemüse spielen eine große Rolle für unser Immunsystem, weil sie uns mit Minera­li­en und Vitaminen versorgen. Unser Körper bezieht beides aus pflanzlichen Nah­rungsmitteln. Einige von ihnen sind Antioxidantien. Dies sind ­lebenswichtige Substanzen, die es unserem Körper er­mög­lichen, das Immunsystem aufrecht zu erhalten. Dadurch können unangenehme Infektionen abgewandt werden.
Essen sie in diesem Winter Früchte und Gemüse der Saison und erfreuen sie sich an den lokalen Erzeugnissen ihres Wohn­orts. Saisonale Produkte haben Eigenschaften, die sich der Körper in dem jeweiligen Augenblick des Jahres aneignet. Wenn wir uns entsprechend der Jahreszeiten ernähren, kann unser Körper diese Nahrung leichter ­verdauen, weil sie den äußeren Umständen besser entspricht.
Stellen sie sicher, dass ihre Nahrung Nüsse, Samen und Fisch enthält. Sie liefern essenzielle Fettsäuren, die für viele Körperfunktionen wichtig sind. Wenn sie schon mal eine Erkältung oder eine Grippe bekommen haben, sollten sie Lebensmittel meiden, die zur Schleimbil­dung im Körper beitragen, bis sie ­wieder gesund sind. Darunter sind Milchprodukte, Getreide und rotes Fleisch (Rind, Lamm und Wild).
Vitamine und Mineralien
Allah hat uns in der Natur alle Heilmit­tel gegeben, die wir benötigen. Manchmal jedoch bekommen wir nicht alles von unserer Nahrung. An diesem Punkt können Zusätze helfen. Vitamine und Mineralien funktionieren Hand in Hand. Weil beide einem wichtigen Zweck dienen, sollten sie balanciert zugeführt werden. Sinnvolle Vitamin- und Mineralzusätze können eine wichtige Rolle bei der Förderung des Immunsystems und der Gesundheit spiele. Einige Vitamine und Mineralien sind wegen ihrer antioxi­dierenden Wirkung bekannt. Dazu zäh­len die Vitamine A, C, E und B, sowie die Mineralien Zink, Magnesium und Selen, um nur einige wenige zu nennen.
Da nicht alle Präparate gleich sind, lohnt es sich, diejenigen zu benutzen, denen sie vertrauen. Diese Zusätze sind wegen unserer modernen Lebensweise ein wichtiges Element für die Gesundheit. Einen Ersatz für eine vollwertige Ernährung stellen sie aber nicht dar. ­Wollen wir gesund bleiben, dann ist die Beschäftigung mit dem Essen von heraus­ragender Bedeutung.
Sayeda Habib ist Lebensberaterin und organische Ernährungsexpertin. Darüber hinaus tritt sie als Sprecherin und Moderatorin in elektronischen Medien wie einem Radiosender der BBC und muslimischen Kanälen in Großbritannien auf.

Palästinensische Hilflosigkeit: „Niemand steht uns bei"

Jerusalem (iz). Alle amerikanischen Präsidenten der neueren Geschichte bezeichneten sich als Freunde Israels, doch er – so Donald Trump während seines Wahlkampfes – würde beweisen, dass er ein wahrer Freund Israels sei.
An diesem Mittwoch, den 06. Dezember, hat er es nun getan. Entgegen aller Warnungen erklärte der US-Präsident, dass die USA Jerusalem als ungeteilte (!) Hauptstadt Israels anerkannten und die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen wollten.
Sofort versammelten sich wütende Demonstranten in der Jerusalemer Altstadt und ein dreitägiger Generalstreik wurde ausgerufen. Schulen, Kindergärten, Büros und Geschäfte blieben geschlossen – wieder einmal. Die Hamas rief zu einer „neuen Intifada“ auf – wieder einmal. Denn leider protestieren und streiken die Palästinenser sehr oft. So oft, dass es außerhalb Palästinas niemanden mehr interessiert und auch niemand darüber berichtet. Israel verstößt permanent gegen sämtliche Regeln des Völkerrechts, doch die Palästinenser fühlen sich zunehmend hilflos.
„Es gibt keine Führung“, sagte ein Journalist aus Bethlehem. „Niemand steht uns bei und wir sollen unsere Söhne jedes Mal in den Tod schicken.“ Denn immer, wenn erneut ein Mauerabschnitt oder eine Siedlung gebaut wird, immer wenn Häuser demoliert werden oder die Beschränkungen an der Al-Aqsa-Moschee zunehmen, sind die Jugendlichen zur Stelle. Junge Männer gehen mit Steinen und Messern auf israelische Sicherheitskräfte los – und sterben. Ein Stein in der Hand und gleich darauf die Kugel im Kopf. „Ich möchte nicht, dass mein Sohn nach Jerusalem geht“, sagt die Mutter eines 14-Jährigen, „ich habe Angst um ihn“.
Die Stimmung ist angespannt. Wird etwas passieren? Trump wurde „gewarnt“ – aber wovor? Saudi Arabien und Ägypten haben seine Entscheidung moniert. Doch laut dem israelischen Fernsehsender „Channel 10“ hätte der US-Präsident sich diesen Schritt nicht getraut, wenn er nicht Saudi Arabien und Ägypten hinter ihm wüsste.
Erst vor einem Monat kehrte Mahmud Abbas aus Saudi Arabien zurück und berichtete, dass der einflussreiche Kronprinz Muhammad ibn Salman ihm einen mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner erarbeiteten „Friedensvertrag“ vorgelegt habe. Demnach sollte er einem palästinensischen Staat ohne Jerusalem als Hauptstadt, ohne Rückkehrrecht und ohne Abzug der Siedlungen zustimmen. Saudi Arabien bestritt diese Meldungen allerdings.
Während Mahmud Abbas immer noch auf ein Wunder seitens der „Internationalen Staatengemeinschaft“ und auf deren Hilfe hofft, werden in den sozialen Netzwerken und Medien Katar und die Türkei als einzige Unterstützer angesehen. Doch jeder weiß, dass auch diese Länder in ihre eigenen Probleme verstrickt sind.
Währenddessen fragen sich die Menschen vor Ort: Wo ist er also, der wahre Freund Palästinas?

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Kübelweise Hass: Was Migranten und Muslime im Briefkasten finden

Kann man sich an Hass von Fremden gewöhnen? Wer für einen Verband arbeitet, der die Interessen von Migranten oder Muslimen vertritt, muss sich ein dickes Fell zulegen.
Berlin (dpa). Deutschland, eine aufgeregte Republik. Kommunalpolitiker, die sich für Flüchtlinge einsetzen wie der CDU-Bürgermeister Andreas Hollstein aus Altena, müssen um ihr Leben fürchten. Auch die Vertreter von Verbänden, die Moscheegemeinden oder die Interessen von Menschen mit Migrationshintergrund vertreten, werden regelmäßig zur Zielscheibe von Pöbeleien und Anfeindungen. Nicht nur im Internet.
Aiman Mazyek (48) scheut die Öffentlichkeit nicht. Der Deutsch-Syrer mit dem markant gestutzten schwarzen Bart ist häufig Gast in Talkshows. Als Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) ist er ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um Terror in Frankreich geht, um die Vollverschleierung, um Integrationsfragen oder um die Ausbildung islamischer Prediger. Einige nennen ihn einen „konservativen Lobbyisten“.
Gökay Sofuoglu (55) leitet einen säkularen Dachverband, die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD). Er ist Sozialpädagoge und SPD-Mitglied. Sein Verband hat sich gegen die Verfassungsänderung ausgesprochen, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mehr Macht beschert hat.
In vielen politischen Debatten ziehen Mazyek und Sofuoglu nicht an einem Strang. Doch eines haben die beiden Männer gemeinsam: Sie und ihre Mitarbeiter erhalten per E-Mail, in sozialen Netzwerken und in Briefform Hass-Botschaften, die beleidigend, rassistisch und manchmal auch bedrohlich sind. „Verpisst Euch ihr schwulen Hassprediger“, schreibt ein Unbekannter in krakeliger Handschrift auf die Grußkarte einer Kinderhilfsorganisation. Die Karte schickte er an die Geschäftsstelle des Zentralrats. Ein anderer droht Mazyek in gedruckter Form: „Ich schneide Dir den Kopf ab“.
Die Aktivitäten der TGD kommentiert ein Facebook-Nutzer mit slawischem Vornahmen mit dem Satz: „Raus mit diesem ganzen Dreckspack“. Besonders viel Hass im Internet erntet Sofuoglu mit der Aussage: „In unseren Zukunftsvisionen für Deutschland hat die AfD keinen Platz“. Selbst vergessen geglaubte Beschimpfungen wie „Kümmeltürken“, die aus der Frühzeit der „Gastarbeiter“-Anwerbung stammen, werden wieder hervorgekramt.
Sofuoglu glaubt: „Durch die Wahl der AfD in den Bundestag haben sich die Hasskommentare verstärkt.“ Diese Kommentare folgen nach seiner Einschätzung immer dem gleichen Muster. Es werde behauptet, die Türkeistämmigen seien entweder nicht bereit oder nicht fähig, sich zu integrieren. Gleichzeitig werde Deutschland „als eine ethnisch-homogene Volksgemeinschaft konstruiert, in der türkeistämmige Menschen keinen Platz haben“.
Anfeindungen kämen aber nicht nur von Rassisten, sagt Sofuoglu, der mit seinen Lachfalten und der sanften Stimme eigentlich keine ideale Projektionsfläche für Hasser bietet. Nachdem sich der Verband gegen die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei ausgesprochen habe, hätten auch die Drohungen von Erdogan-Anhängern zugenommen, berichtet der TGD-Bundesvorsitzende.
In muslimischen Verbänden und bei den Migrantenorganisationen sind Hassbotschaften intern immer wieder Thema. An die Öffentlichkeit gehen die meisten Funktionäre und Ehrenamtlichen damit aber lieber nicht. In sozialen Netzwerken achten die Verbände darauf, dass Fäkal-Botschaften und andere Beleidigungen verschwinden. Die meisten handeln nach der Devise „Don’t Feed the Troll“ und antworten nicht auf Hassbotschaften.
Mazyek sagt, er wolle sich nicht als Opfer in Szene setzen. Und er wolle auch nicht, dass andere ihn so darstellten. Das sei sinnlos, denn „Empathie ist kaum zu verordnen“.
„Wir wenden uns an die Polizei, wenn ein konkretes Bedrohungsszenario vorliegt“, sagt Sofuoglu. Direkte Drohungen an die TGD kämen aber eher selten vor. Bisher habe der Verband noch keine Strafanzeige gestellt.
Dass er 2016 am Rande der offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden von Pegida-Gründer Lutz Bachmann „empfangen“ wurde, der ihn quer durch den Bahnhof verfolgte, ist eine Erinnerung, auf die Mazyek gut verzichten könnte. Er findet, die Polizei hätte in der aufgeheizten Stimmung damals direkt auf dem Gleis präsent sein müssen.
Beim Zentralrat der Muslime gehen laut Mazyek jede Woche Hunderte von Beschimpfungen ein. Der Verband erstattet pro Woche durchschnittlich ein bis drei Anzeigen. Vieles verlaufe im Sande, sagt der Vorsitzende. Die Staatsanwaltschaft Leipzig stellte am 29. September dieses Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen einen Twitter-User ein, der nicht nur schrieb, Mazyek müsse „vernichtet“ werden, sondern auch noch zur Vergewaltigung einer Grünen-Politikerin aufrief.
Zur Begründung führt die Staatsanwaltschaft an, gegen den Beschuldigten seien bereits „wegen einer Vielzahl von ehrverletztenden Äußerungen“ bei Twitter „empfindliche Geldstrafen“ ausgesprochen worden. Die Strafe, die wegen der angezeigten Äußerungen zu Mazyek verhängt werden könnte, „fiele daneben voraussichtlich nicht beträchtlich ins Gewicht“.

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Umgang mit schwarzen Muslimen: Rassisten sind immer die anderen

(iz). Wird im muslimischen Diskurs das Thema Rassismus behandelt, geht es meist um ­Islamfeindlichkeit, die aus den Muslimen eine homogene Gruppe – Rasse – macht, welche als Feindbild fungiert. Ein […]

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Wissen und Handlung gehören zusammen

(iz). Es mag Wissen (arab. ‘Ilm) sein, das einem Menschen einen bestimmten Rang verleiht. Aber es ist nicht das, was die Leute annehmen. Es ist kein Bücherwissen, nicht die Menge der auswendiggelernten Überlieferungen, es sind keine aufgesogenen Informationen, noch die Zeit, die man in Gesellschaft der Leute des Wissens verbracht hat. Das mögen probate Mittel zu seiner Aneignung sein, aber sie sind nicht die Sache selbst. Und eine Person, welche diese Dinge unternommen hat, ist noch nicht notwendigerweise zu einem Wissenden (arab. ‘Alim) geworden.
Jemand mag Akademiker sein, aber trotzdem nicht zu denjenigen gehören, über die unser Herr sagt: „(…) so erhöht auch Allah diejenigen von euch, die glauben, und diejenigen, denen das Wissen gegeben worden ist, um Rangstufen.“ (Al-Mudschadila, 11) Eine Person mag Rohdaten besitzen, bloße Bytes. Aber Information alleine ist nicht genug. Ibrahim Al-Khawwas sagte: „Wissen ist nicht bloß eine Frage der Kenntnis vieler Überlieferungen.“ Es gibt viele nichtmuslimische Orientalisten, die viel mehr über die Gesetze des Islam wissen, aber diese Gelehrsamkeit macht sie nicht zu ‘Ulama.
Wie wird Information zu Wissen? Ibrahim Al-Khawwas führte hierzu weiter aus: „‘Alim ist jemand, der dem folgt, was er weiß, es praktiziert und an der prophetischen Sunna festhält. Selbst, wenn sein Wissen nur wenig ist.“ Mit anderen Worten, wer nur einen einzigen Qur’anvers oder nur eine Regelung im Recht kennt und sie in die Praxis umsetzt, ist mehr ‘Alim als derjenige, der viel weiß, aber nicht danach handelt. Der echte Wissende lehrt durch sein Vorbild genauso wie durch seine Worte. Der wahre Gelehrte will seine Kenntnis in diesem Leben anwenden, bevor er anderen erzählt, was sie tun und nicht tun können.
Allah sagt: „Befehlt ihr denn den Menschen Güte, während ihr euch selbst vergesst, wo ihr doch die Schrift lest? Begreift ihr denn nicht?“ (Al-Baqara, 44) Wahres Wissen findet seinen Ausdruck in den Handlungen eines Menschen, nicht nur in seiner Sprache. Das bloße Gerede ist nicht genug. Je mehr wir über Dinge sprechen, ohne sie zu tun, oder die nötigen Schritte zu ihrer Realisierung zu unternehmen, desto gefährlicher leben wir.
Worte verdünnen unsere Absicht (arab. Nijja) und zerstreuen unser höchstes Streben (arab. Himma), wenn sie nicht von Handlung begleitet werden. Es gibt kaum etwas, das schlimmer ist, als Dinge zu sagen, ohne sie zu tun. Dies ist verhasst in den Augen Allahs und gebiert Heuchelei. Allah sagt im Qur’an: „Oh die ihr Iman habt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Welch schwerwiegende Abscheu erregt es bei Allah, dass ihr sagt, was ihr nicht tut.“ (As-Saff, 1-2) Und ‘Abdullah ibn Al-Mu’tizz sagte hierzu: „Das Wissen des Heuchlers liegt in seinen Worten, während die Kenntnis des Gläubigen in seinen Handlungen zu finden ist.“ Unsere Handlungen werden Erfolg bringen und weniger das, was wir wissen oder sagen. Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Tretet in den Garten wegen eures Handelns ein.“ (An-Nahl, 32)
Muslime studieren nicht, um Gelehrte zu werden. Sondern sie lernen, um ihren Platz zu kennen und um die Pfade zur Zufriedenheit ihres Herrn zu beschreiten. Wissen ist ein Schild, mit dem sich ein Mensch vor sich selbst schützen kann. Aber ein solches ist nur hilfreich, wenn es genutzt wird.
Sein Gebrauch wird Taqwa genannt. Das Wort leitet sich von der Wurzel wiqaja, für schützen, ab. Allah sagt darüber im Qur’an: „(…) bewahrt euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer (…).“ (At-Tahrim, 6) Und Taqwa wird in Hinblick auf Handlung definiert. Sie ist der Gehorsam gegenüber Allah in dem, was Er befohlen hat, und Vermeidung dessen, was Er untersagte. Die Leute des Wissens setzen ihre Kenntnisse in die Praxis um. Für sie sind die Regeln ihres Dins keine Frage der bloßen Neugier. Wir müssen auf unsere eigenen Taten und Handlungen schauen sowie durch unser Vorbild voranschreiten. Dann werden wir dem Wissen gerecht, das Allah unseren Herzen eingibt.

Schwerster Anschlag in Ägypten seit Jahren: Mindestens 235 Tote

Es ist einer der schwersten Anschläge, den es in den vergangenen Jahren in Ägypten gegeben hat. Mehr als 235 Menschen sterben in einer Moschee auf der Sinai-Halbinsel. Entgegen aller Beteuerungen haben die Sicherheitskräfte die Lage nicht im Griff.
Kairo (dpa). Die Täter kamen zum Freitagsgebet, als sich die meisten Menschen in der Moschee versammelt hatten. Rund um die Al-Rawdah-Moschee im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel hätten die Angreifer mehrere Sprengsätze deponiert, hieß es aus Sicherheitskreisen. Wer nach der Explosion flüchten wollte, auf den sei geschossen worden.
Nannte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kairo zunächst 75 Verletzte, erhöhten sich die Opferzahlen anschließend fast minütlich: Mindestens 235 Menschen starben bei dem schwersten Terroranschlag, den es in den vergangenen Jahren in Ägypten gegeben hat. Etwa 109 Menschen wurden verletzt. Das ägyptische Staatsfernsehen nannte diese Zahlen mit Verweis auf den Staatsanwalt, der die Ermittlungen des Angriffs auf die Moschee rund 40 Kilometer der Provinzhauptstadt Al-Arisch übernommen hat.
Die Stadt am Mittelmeer galt früher einmal als schicker Urlaubsort. Der Angriff zeigt, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte die Situation trotz aller Beteuerungen und Erfolgsmeldungen im Kampf gegen den Terrorismus nicht unter Kontrolle haben.
Denn immer wieder kommt es in der unruhigen Provinz im Norden des Sinai zu Anschlägen und heftigen Schusswechseln zwischen militanten Extremisten und Polizei. Hunderte Polizisten und mutmaßliche Terroristen starben in den vergangenen Jahren bereits bei den Auseinandersetzungen. Seit dem Militärsturz des Präsidenten Mohammed Mursi eskalierte der Konflikt immer mehr. Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu zahlreichen der Anschläge. Große Teile des Nordens der Halbinsel sind militärisches Sperrgebiet.
Auf Bildern, die direkt nach dem Anschlag in den sozialen Netzwerken geteilt wurden, sind zahlreiche Körper zu sehen, die im Innern der Moschee auf dem Boden liegen und teilweise mit Gebetsteppichen oder Kleidungsstücken abgedeckt sind. Der grüne Teppichboden der Moschee ist voller Blutflecken. Auf anderen Fotos werden Menschen in Krankenwagen und auf der offenen Ladefläche von Autos weggefahren. Dutzende Krankenwagen reihen sich vor der Moschee auf.
Die Moschee in dem kleinen Ort sei ein einfaches Ziel gewesen, heißt es aus Sicherheitskreisen auf dem Sinai. Sie liege abseits der größeren Städte und werde von Angehörigen einer Tariqat besucht. Die Terrormiliz IS/Daesh sieht Sufis als „Abtrünnige“ vom Islam an. Im vergangenen Jahr veröffentlichten IS-Anhänger Fotos, auf denen angeblich die Hinrichtung eines 100 Jahre alten Geistlichen der Sufis gezeigt wurde. Er wurde der Hexerei bezichtigt.
Anschläge auf dem Sinai richteten sich zuletzt vor allem gegen Sicherheitskräfte. Im vergangenen Jahr starben bei einer Anschlagsserie auf koptische Christen aber auch mehr als 50 Menschen in Kairo und Alexandria. Zudem reklamierte der IS auch den Absturz eines russischen Passagierflugzeuges über der Sinai-Halbinsel für sich. Bei dem Unglück im Oktober 2015 kamen alle 224 Menschen an Bord ums Leben.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den „barbarischen Terroranschlag“ am Freitag auf Twitter. Großbritanniens Außenminister Boris Johnson zeigte sich „tief erschüttert über den abscheulichen Angriff“ und der israelische Erziehungsminister Naftali Bennett sagte, dass „die mörderische Attacke ein Zeugnis dafür ist, dass eine neue Weltordnung um uns herum geschaffen wird“. Darin werde unterschieden zwischen Terrorunterstützern wie dem Iran und dem IS und Unterstützern der Menschlichkeit, sagte der führende Minister der israelischen Regierungskoalition.
Ägypten verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Präsident Abdel Fattah al-Sisi traf sich am Freitag mit Sicherheitschefs zu einer schleunigst einberufenen Krisensitzung. In einer Fernsehansprache kündigte er noch am Abend eine „harte Antwort“ auf den schweren Anschlag auf der Sinai-Halbinsel an. „Wir werden mit aller Härte auf diesen Akt der Terroristen antworten“, sagte Al-Sisi. „Militär und Polizei werden unsere Märtyrer mit aller Kraft rächen.“
Bisher reagierten die ägyptischen Sicherheitskräfte mit weitreichenden Razzien auf Anschläge und vermeldeten anschließend Ermittlungserfolge. Der Anschlag auf die Al-Rawdah-Moschee zeigt, dass die Täter in der Wüste des Sinai jedoch weiterhin ihre Rückzugsorte haben. Bislang übernahm noch keine Gruppierung die Verantwortung für den Anschlag.
Kirche und Politik erschüttert über Anschlag auf Moschee
Vertreter aus Kirche und Politik haben sich erschüttert über den Anschlag auf eine Moschee in Ägypten gezeigt. „Ich empfinde es als besonders bedrängend, dass gezielt das Leben von Betenden angegriffen und ausgelöscht wurde“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Freitag in Bonn. Christen und alle Gläubigen rief der Kardinal zum Gebet für die Toten, ihre Angehörigen sowie für das friedliche Zusammenleben aller Menschen auf. Marx betonte auch: „Wer im Namen der Religion tötet, handelt blasphemisch.“
Zum Zusammenhalt der Religionen rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auf. Er plädierte dafür, dass alle alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, „um dem Hass von fanatischen Fundamentalisten den festen Willen zum Frieden entgegenzusetzen“. Er sei sehr erschüttert. „Vor wenigen Tagen habe ich die Christen dort besucht und mit Christen und Muslimen über Wege zu Toleranz und friedlichem Zusammenleben gesprochen“, so Bedford-Strohm.
„Wir verurteilen die Anschläge in Sinai auf das Schärfste und rufen die internationale Staatengemeinschaft auf, die Region zu befrieden“, erklärte Kemal Ergün, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). „Wer auch immer diese Untat zu verantworten hat, kann kein Mensch sein. Zweifelsohne werden sie spätestens im Jenseits ihre gerechte Strafe für ihre feigen Taten verbüßen. Wer unschuldige und arglose Menschen in einem Gotteshaus hinterhältig und kaltblütig ermordet, gehört nicht zu uns“, hieß es in einer Pressemitteilung seines Verbands.
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte die Tat als „barbarischen Terroranschlag“ auf muslimische Gläubige. „Einmal mehr sehen wir, dass die meisten Opfer von Terror Muslime sind. Terroristen, gleich welcher ideologischer Couleur bleiben am Ende was sie sind: Mörder, Menschenverächter und Verbrecher“, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek. In diesen schweren Stunden seien die Gebete und Gedanken bei den Geschwistern in Ägypten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte ihre Bestürzung in einem Kondolenztelegramm an den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. „Ich verurteile diesen niederträchtigen Anschlag auf das Schärfste. Seien Sie versichert, dass Deutschland im Kampf gegen den Terror weiter an der Seite Ihres Landes und der Menschen in Ägypten stehen wird“, so Merkel.
Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) übermittelte den Familien der Opfer und den Verletzten seine Anteilnahme. „Den hinterhältigen Terror, der mit seinen brutalen Untaten erneut auch vor Gotteshäusern und friedlichen Gläubigen nicht Halt macht, verurteilen wir auf das Schärfste“, sagte Gabriel.

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Zeit, in die Jugend zu investieren

Taner Beklen ist 27 Jahre alt und studiert Deutsch und Pädagogik auf Lehramt an der Universität Paderborn. Der gebürtige Dortmunder ist türkischer Abstammung und war von 2015 bis Mai dieses Jahres Bundesvorsitzender des BDMJ – dem Bund der Muslimischen Jugend (DITIB). Wir unterhielten uns mit ihm über die aktuelle Lage junger Muslime in ihren Gemeinschaften sowie die Herausforderungen muslimischer Jugendlicher in Deutschland.
Islamische Zeitung: Lieber Taner Beklen, wie würden Sie die gegenwärtige Lage muslimischer Jugendlicher bewerten?
Taner Beklen: Für muslimische Jugendliche ist der Spagat zwischen den zwei unterschiedlichen Kulturen, in denen sie aufwachsen, immer noch eine große Hürde. Da entwickelt sich mit der Zeit eine ungesunde Beziehung zum eigenen Glauben. Beispielsweise haben einige junge Menschen eine Hemmschwelle, innerhalb der Moschee in geschlechtlich gemischten Gruppen zusammenzukommen und zu arbeiten. Während aber dieselben Jugendlichen, die so eine Trennung einfordern, weil es islamisch sei, kein Problem damit haben, außerhalb der Moscheen in Shisha-Cafés gemeinsam Freizeit zu gestalten.
In einer politisch so polarisierten Gesellschaft rund um islamische Themen neigen immer mehr junge Muslime dazu, islamische Werte, auch solche, die nicht wirklich islamisch sind, mehr denn je verteidigen und erhalten zu wollen. Sie agieren permanent defensiv und nehmen jede Diskussion rund um den Islam als Angriff und Beleidigung wahr.
Konstruktive Diskussionen finden erst gar nicht statt, weil eine zu emotionale und unsachliche Reaktion den Austausch, der klärend sein könnte, abwürgt. Muslimische Jugendliche fühlen sich unverstanden und ziehen sich in ihre eigene Nische zurück.
Islamische Zeitung: Fühlen sich muslimische Jugendliche, die ganz unterschiedliche Hintergründe haben, von der Diskussion über sie ange­messen vertreten? Was müsste sich hier ändern?
Taner Beklen: Im kleinen Rahmen und auf lokaler Ebene gibt es durchaus Plattformen und Zusammenschlüsse, in der sich junge Muslime behaupten und sich vertreten fühlen. Darüber hinaus sieht es leider etwas düster aus. Gerade dort, wo Diskussionen auf Länder- und Bundesebene, über kommunale Grenzen hinweg, allgemeine Themen über Muslime stattfinden, gibt es keine Stimme junger Muslime, die öffentlich Stellung beziehen könnten.
Meist betreffen diese Diskussionen nämlich sie selbst, wenn es darum geht, ob junge Muslime krimineller sind, warum einzelne sich vom Salafismus oder dem IS angezogen fühlen, oder die ganzen Kopftuchstreitigkeiten in Schulen oder Behörden. Nur werden diese Diskussionen am Ende bloß über junge Muslime geführt und nicht mit ihnen.
Zumindest auf Länderebene etablieren sich aber langsam Landesjugendverbände der DITIB, die nicht nur an solchen Diskussionen teilhaben, sondern auch an Gremien, die sich mit jugendpolitischen Themen in Deutschland beschäftigen. Wir müssen uns als junge Muslime nämlich auch mal Themen annehmen, die nicht nur uns selbst betreffen, sondern auch der Sache, wie wir uns allgemein für das Wohl aller jungen Menschen einbringen können. Muslimische Jugendarbeit sollte sich zu keiner Selbsthilfegruppe entwickeln.
Islamische Zeitung: Was sind ihrer Erfahrung nach die größten Herausforderungen der Jugendlichen?
Taner Beklen: Die größte Herausforderung für junge Muslime besteht darin, sich von extrem politisierten Diskussionen rund um den Islam nicht abschrecken zu lassen. Wir sollten uns nüchtern und selbstbewusst diesen Themen zuwenden können. Wir dürfen nicht müde werden, Fragen zu beantworten und falsch Verstandenes richtig zu stellen.
Wir sollten die Deutungshoheit über unsere Religion aber auch nicht den kleinen radikalen Gruppen überlassen. Die meisten jungen Muslime sind nämlich so sehr genervt von den überspitzten Islamthemen, dass sie sich lieber ducken und resigniert zurückziehen – sich letztendlich aber auch hier nicht mehr zu Hause fühlen. So werden diese Themen den wenigen radikalen Stimmen überlassen. In dieser Position ist umso mehr eine Vertretung, ein Sprachrohr von jungen Muslimen notwendig. Diese sollte nicht nur auf Diskussionen reagieren können, sondern auch selbst öffentlichkeitswirksam agieren und Impulse setzen, mit eigenen Themen und Projekten.
Islamische Zeitung: Lieber Taner Beklen, Sie waren bis zum Mai diesen Jahres Vorsitzender des Bundes der Muslimischen Jugend (BDMJ), bis Ihr Vorstand geschlossen zurückgetreten ist. Tun muslimische Organisationen und die einzelnen Gemeinden genug und was müsste sich ändern?
Taner Beklen: Um mit den Herausforderungen ihrer Zeit fertig zu werden, brauchen muslimische Jugendliche und ihre Zusammenschlüsse das notwendige Know-how. Dies betrifft nicht nur den finanziellen Rahmen, sondern auch den notwendigen Freiraum, selbst- und eigenständig handeln und agieren zu ­können – mehr Vertrauen in die junge Generation.
Es darf auch von Seiten junger Menschen nicht zu einem falschen Verständnis über Respekt Erwachsenen gegenüber kommen. Es ist keine beleidigende Geste, Kritik zu äußern und Erwachsene beziehungsweise Vertreter muslimischer Organisationen auf ihre Fehler hinzuweisen. Respekt ist nämlich keine Einbahnstraße. Oft spielen Erwachsene innovative Ideen und Vorschläge von Jugendlichen als zu naiv und utopisch ab, nehmen sie nicht wirklich ernst.
Ein anderer Punkt ist, dass Verantwortliche der Gemeinden heute noch immer damit beschäftigt sind, ihre Räumlichkeiten architektonisch zu verbessern und auszubauen. So lobenswert diese Ziele auch sind, es ist Zeit, dass man mehr in Kinder und Jugendliche, in Bildung und Ideen investiert. Die Moscheen müssen mehr Angebote machen und ihre Jugendgruppen auch finanziell (mehr) unterstützen. Von all den schönen Bauten hat man nichts, wenn die Räume demnächst leer bleiben.
Das konkrete Problem in meinem Beispiel war, dass eine alte Struktur mit der selbständigen Arbeit ihrer jungen Generation nicht fertig wird. Die gewohnte Arbeitsweise, selbst über alles bestimmen zu können und allein den Ton anzugeben, bröckelt. Der Strukturwandel, der Landesvertretungen, Frauen und Jugendliche mit an den Tisch brachte, führte dazu, dass mehr Leute sich „einmischten“. Das ist für einige bloßer Störfaktor, die darin aber die Chancen und Möglichkeiten nicht sehen.
Gerade an der Spitze der DITIB sitzen türkische Bürokraten, die nur ihre Hierarchien kennen und mit einer zivil aufgebauten Religionsgemeinschaft nichts anfangen können. Sie sind chronisch überfordert und bremsen das Potenzial, das immer weiter nach vorne prescht.
Islamische Zeitung: Wird der momentane ethnische oder ideologische Definitionsrahmen der meisten muslimischen Verbände einer neuen Generation gerecht, die längst hier zu Hause ist?
Taner Beklen: Junge Muslime sind schon viel weiter als jene, die sich noch an den Spitzen der Verbände halten. Das Problem fängt schon bei der Sprache an: Muslimische Jugendgruppen haben erkannt, dass ihre Altersgenossen der Herkunftssprache nicht mächtig genug sind, um den Theologen zu verstehen.
Deutschsprachige Veranstaltungen sprechen mehr Muslime an und diskriminieren andere, die kein Türkisch oder Arabisch sprechen, auch nicht. Die Jugendgruppen setzen deswegen vermehrt auf deutschsprachige Referenten. Doch begegnet man dann dem Vorwurf, man würde bewirken, dass die jungen Leute ihre Herkunftssprache verlieren.
Keiner will das und jeder weiß, dass eine Sprache eine Bereicherung ist und Tore öffnet zu einer weiteren Kultur und Literatur. Doch entspricht das nicht der Lebensrealität junger Muslime und man muss sich dann auch noch mit solchen Vorwürfen auseinandersetzen. Das ist mühsam.
Islamische Zeitung: Seit einigen Jahren weichen junge Muslime und Erwachsene auf alternative Ansätze aus. Wie ist eine solche Entwicklung zu bewerten?
Taner Beklen: Letzteres ist auch schon eine gute Überleitung zur nächsten Frage. Ich bin in der muslimischen Jugendarbeit vielen begegnet, die außerhalb der Moscheen in eigenen oder Projekten anderer Anbieter engagiert waren. Diese Projekte sind begrüßenswert und bewirken sogar manchmal mehr als andere.
Jedoch sage ich immer wieder, man soll wegen ein paar Auseinandersetzungen mit den Erwachsenen beziehungsweise den Gemeindevorständen nicht gleich der Moschee den Rücken kehren. Wem überlassen wir die Moscheen denn dann?
Projekte und Initiativen nichtmuslimischer Stiftungen sind meist gut, aber sie sind eben zeitlich begrenzt. Solche Dinge sollten junge Muslime selbst in die Hand nehmen, vor allem von ihren Moscheen beziehungsweise den Religionsgemeinschaften aus, damit sich etwas Bleibendes, Nachhaltiges etabliert, wovon auch die nächsten Generationen profitieren. Wie die christlichen Jugendverbände auch, sollten wir wiederkehrende Schulungen und Fortbildungen haben, Ferienfreizeitlager anbieten und junge Muslime ganzheitlich in das Gemeindeleben einbinden. Die Nachhaltigkeit von der zu begründenden muslimischen Jugendarbeit ist sehr wichtig – Projekte und Initiativen Dritter sind nur temporär, weswegen sie uns nur auf kurze Sicht zufriedenstellen können.
Islamische Zeitung: Lieber Taner Beklen, wir bedanken uns für das ­Interview!