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Muslimische Laboratorien der Zukunft

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Wie muslimische Initiativen an den Bruchkanten der Globalisierung arbeiten – von Lebensmittelsicherheit bis zum Schutz der gemeinsamen Umwelt.

(iz). Von Dakar bis Dhaka, von der Sahelzone bis Jakarta: In OIC-Staaten entstehen Projekte, die Ernährungssicherheit, Klimaschutz, Armut und Bürgerrechte neu denken – religiös verankert, politisch sensibel und global vernetzt.

Die globale Krisenlage trifft muslimische Gesellschaften in besonderer Weise – als Betroffene von Kriegen, Klimafolgen und Prekarität, aber auch als Akteure, die eigene Antworten formulieren.

In Dorfräten, Klimabüros und Tech-Hubs entstehen Modelle, die Tradition und Innovation miteinander verschalten. Ein Blick auf eine Landschaft, die selten Schlagzeilen macht, aber viel über mögliche Zukünfte verrät.

Wenn heute von Globalisierung die Rede ist, dominieren meist Zahlenkolonnen und Großmachtstrategien. Wer genauer hinsieht, entdeckt daneben eine stille Parallelbewegung: kleine Laboratorien, in denen muslimische Akteure versuchen, die großen Versprechen einer vernetzten Welt gegen ihre eigenen Schattenseiten zu wenden.

Foto: Isofoton.ec | Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Es sind Orte, an welchen Qur’anverse über Verantwortung für die Schöpfung auf Solartechnik treffen, klassische Zakat-Praxis auf innovative Bezahlsysteme und lokale Gemeinderäte auf globale Klimagipfel.

Eine dieser Ebenen ist die Ernährungssicherheit. Die in Kasachstan ansässige Islamic Organization for Food Security (IOFS), ein Sonderorgan der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), versucht seit einigen Jahren, die strukturellen Bruchstellen der Agrarsysteme ihrer Mitgliedsstaaten anzugehen.

Sie koordiniert Programme für klimaresiliente Landwirtschaft, Saatgutbanken, Bauernschulungen und regionale Notfallreserven. In der Theorie sollen damit nicht nur akute Hungersituationen besser abgefedert, sondern langfristig Abhängigkeiten von Importen verringert werden. Das ist ein heikler Punkt in Gesellschaften, in denen steigende Brotpreise immer wieder Proteste auslösen.

Auf Arbeitstreffen der IOFS sitzen Agronomen neben Ministern, islamische Wohlfahrtsorganisationen neben Entwicklungsbanken.

Die religiöse Sprache bleibt im Hintergrund, aber sie ist als stiller Referenzrahmen präsent: Die Pflicht, Hunger zu bekämpfen, wird aus klassischen Texten begründet; Zakat und Waqf erscheinen nicht als fromme Randphänomene, sondern als mögliche Bausteine eines „Food-Security-Ökosystems“.

In manchen Mitgliedsstaaten fließen staatliche Programme und religiös organisierte Hilfsgelder in dieselben Projekte – etwa dort, wo Kleinbäuerinnen Zugang zu Krediten, Beratung und Saatgut erhalten, ohne ihre Felder an Konzerne zu verlieren.

Foto: ClimeCo/Yakopi

Die ökologische Frage ist parallel längst auf der politischen Bühne der OIC angekommen. Muslimische Staaten haben auf Klimakonferenzen Deklarationen verabschiedet, in denen der Schutz der Schöpfung als religiös begründete Pflicht formuliert wird; Gelehrte und Muftis diskutieren über „grüne“ Fatwas und die Frage, ob Umweltzerstörung als moralische Verfehlung zu fassen ist.

In der Praxis heißt das: Programme zur Wiederaufforstung in Südostasien und Ostafrika, Versuche, Moscheen energieeffizienter zu machen, und Bildungsinitiativen, die Klimafragen in islamischen Religionsunterricht oder Predigten integrieren.

In indonesischen Städten experimentieren „Green Ramadan“-Kampagnen mit Wassersparen, regionalen Produkten und der Reduktion von Plastikmüll, getragen von jungen Aktivistinnen und Aktivisten, die auf soziale Medien setzen und zugleich religiöse Autoritäten in die Pflicht nehmen. 

In Sahelstaaten wiederum knüpfen lokale Projekte an traditionelle Nutzungsrechte und Gemeindestrukturen an, wenn es um den Schutz von Weideflächen oder angepasste Anbaumethoden geht. Die Kategorie der „Umweltgerechtigkeit“ trifft hier auf die Erfahrung, dass Klimafolgen und Armut selten zu trennen sind.

An den Rändern urbaner Zentren geht es weniger um Emissionsbilanzen als um das tägliche Überleben. Dort, wo steigende Nahrungsmittelpreise, fragile Lieferketten und Bodendegradation zusammentreffen, greifen Gemeinden auf vertraute Instrumente zurück – Almosenabgaben, Stiftungen, gemeinschaftlich verwaltete Flächen – und füllen sie mit neuen Inhalten.

Zakat wird nicht nur als spontane Mildtätigkeit begriffen, sondern im Sinne einer möglichen Finanzierungsquelle für Gemeinschaftsgärten, Bewässerungsanlagen oder Schulungen zu klimaresilienter Landwirtschaft; manche Projekte koppeln das an digitale Plattformen, die Spendenströme transparenter machen und gezielt in agrarische Vorhaben lenken.

Gleichzeitig verschiebt sich der Ort, an dem muslimische Öffentlichkeit in den OIC-Staaten entsteht. Die Auseinandersetzung mit Umwelt, Armut und Bürgerrechten wandert in soziale Medien, in Webinare, in regionale Konferenzen; sie findet in einer hybriden Sprache zwischen Aktivismus, Theologie und technischer Expertise statt.

Junge IngenieurInnen präsentieren Solarkonzepte für ländliche Kliniken, während Religionspädagogen Unterrichtsmaterialien zur Schöpfungsverantwortung entwickeln. Moscheen, Universitäten und lokale NGOs werden so zu Knotenpunkten, an denen soziale, religiöse und technologische Fragen zusammenlaufen.

Fotos: NourEnery

Doch die Spannungen sind sichtbar. Während OIC-Gremien strategische Pläne zur Hungerbekämpfung und Klimaanpassung verabschieden, bleibt in vielen Hauptstädten die Umsetzung hinter den Ankündigungen zurück; Korruption, politische Instabilität und externe Abhängigkeiten bremsen ambitionierte Programme aus. 

Religiöse Sprache der Verantwortung trifft auf die Realität von Subventionen für fossile Energieträger, auf die Nachfrage nach billigen Flügen zur Pilgerfahrt, auf Bevölkerungen, die bereits jetzt zwischen Teuerung und Repression leben. Initiativen, die eine „Green Hajj“ propagieren oder Konsumkritik üben, stoßen auf soziale Erwartungen – und auf das Argument, Verzicht sei ein Luxus des globalen Nordens.

Auch in der Bürgerrechtsarbeit zeigt sich diese Ambivalenz. Dieselben Regierungen, die sich auf internationalen Foren als Anwälte der „Klimagerechtigkeit“ oder der „Ernährungssouveränität“ inszenieren, begrenzen zuhause oft Meinungsfreiheit und politische Partizipation.

Umso mehr Bedeutung kommt jenen zivilgesellschaftlichen Akteuren zu, die ökologische und soziale Fragen mit Forderungen nach Transparenz und Mitbestimmung verbinden – etwa dann, wenn sie Landgrabbing anprangern, Wasserprivatisierung kritisieren oder den Zugang zu fruchtbarem Boden als Grundrecht formulieren.

Parallel entstehen im Schatten großer Technologiezentren kleine Innovationsinseln: Start-ups, die islamkonforme Mikrofinanzierung mit agrarischen Projekten koppeln, Apps, die Gläubige zu ressourcenschonenden Alltagspraktiken anleiten, Datenplattformen, die Ernteausfälle und Preisentwicklungen erfassen und Bauern frühzeitig warnen.

Der Begriff „Umma“ wird dort neu codiert – nicht nur als religiöse Gemeinschaft, sondern als transnationale Infrastruktur, über die Wissen, Kapital und politische Impulse zirkulieren.

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Global: Wo kommt eigentlich unser Tee her?

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Der Tee in Ihrer Tasse heute Morgen begann seine Reise in den Händen eines anderen. Finger, über deren Arbeit die meisten von uns nie nachdenken. (IPS). Mit ziemlicher Sicherheit gehörten […]

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Zukunft der Familie zwischen „Empowerment“ und Kinderlosigkeit

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Die Debatte: Wie sieht die Familie der Zukunft aus? Wie ein Kulturwandel Kinderlosigkeit fördert – eine islamische Gegenperspektive. „Fürwahr, es ist dein Feind, der ohne Nachkommenschaft sein soll.“ (Al-Kauthar, Sure […]

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Salma Chbib über Syrien 2024: „Wir haben einen anderen Zugang“

salma chbib syrer

Die Deutschsyrerin Salma Chbib spricht über Perspektive auf die Ereignisse in Syrien, ihre Emotionen und was sie sich für die Zukunft erwartet.

(iz). Am 8. Dezember floh Baschar Al-Assad aus Syrien nach Russland. In Syrien und in Deutschland feierten syrischstämmige Menschen auf den Straßen. Was denken Deutschsyrer über das Ende des Regimes und was erhoffen sie sich für die Zukunft? Hierzu sprachen wir mit Salma Chbib. Sie kam als Tochter einer syrischen Familie zur Welt. Die Unternehmerin und Mutter ist Gründerin des Frauennetzwerkes „Raidat“, wo sie sich für die Stärkung von Frauen in Business und Gesellschaft einsetzt. Unter anderem betreibt sie einen Onlineshop.

Islamische Zeitung: Liebe Salma Chbib, sie sind in einer syrischen Familie zur Welt gekommen. Wie haben Sie die Gewalt in Syrien seit 2011 sowie die jetzigen Umwälzungen erlebt?

Salma Chbib: Seit ich auf der Welt bin, habe ich immer das Gefühl gehabt, dass etwas Böses passiert. Es waren Emotionen der Ohnmacht und der Frustration. Ich musste erfahren, dass andere ihre Großeltern, Tanten und Cousins besuchen können, man selbst aber nicht. Als ich fragte, warum wir unsere Familie in Syrien nicht sehen durften, erklärte unser Vater es kindgerecht. Ich wuchs mit der Traurigkeit auf, wegen eines Tyrannen von meiner Familie getrennt zu sein.

Als 2011 der syrische Frühling begonnen hat, waren wir erst einmal voller Hoffnung. Und hatten die Erwartung, dass es aufwärts gehen würde. Dann wurde der Konflikt schlimmer. Die anfänglich friedlichen Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen. Danach sind so viele Dinge geschehen. Aufgrund dieser extremen Lage schwand die Hoffnung weiter. Irgendwann hat sich ein Gefühl der Taubheit eingestellt.

Als Mensch in der Diaspora bot der Alltag immer Momente der Ablenkung. Man hat hier ein Leben in Sicherheit, etwas zu Essen usw. geführt. Und zwischendurch Augenblicke des schlechten Gewissens gehabt, wenn man Freude empfand, denn die Geschehnisse in Syrien nahmen immer Raum in unserem Herzen ein. Die Lage war so verzweifelt angesichts der Tatsache, dass russische und iranische Kräfte Assad so vehement unterstützten.

Hinzukamen die Lage und das Leid, das schon vor 2011 herrschte. Man hatte sogar im eigenen Haushalt Angst, etwas gegen das Regime zu sagen. Bereits kleinen Kindern wurde beigebracht, dass die Wände Ohren haben. Das war ein Schmerz. Zusätzlich dazu kamen die Ereignisse der Revolution. Wir haben Angehörige in der Familie verloren, wofür das Regime verantwortlich war. Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle wuchsen, bis Herz und Hirn sie nicht mehr tragen konnten. Wenn wir uns abgelenkt haben, dann einfach deshalb, weil man sich damit nicht jeden Tag befassen kann. Und dann hat sich das Blatt gewendet.

Seit 1965 in Deutschland

Islamische Zeitung: Ihre Familie lebt seit über einem halben Jahrhundert in Deutschland…

Salma Chbib: Ja, mein Vater kam 1965 für sein Studium nach Deutschland. Wie viele andere Studenten hatte er den Traum, später in seine Heimat zurückzukehren. Aber damals stellte er sich schon offen gegen das Assad-Regime. Von Deutschland aus führte er seinen Widerstand nicht mit Waffen, sondern mit seiner Feder – mit seinen Worte, Schriften und seinem öffentlichen Auftreten, deckte er die Gräueltaten der Assad-Familie auf.

Islamische Zeitung: Sie haben als Deutschsyrerin eine spezifische Perspektive. Worin unterscheidet sich diese von Menschen, die 2015/2016 kamen?

Salma Chbib: Ja, das sind schon unterschiedliche Blickwinkel. Wir haben einen anderen Zugang. Und haben einen anderen Schmerz – den des Verlustes. Diejenigen, die 2015 gekommen sind, wurden traumatisiert. Ich habe mich mit einer Reihe von Leuten unterhalten, die ich nach ihrer Ankunft betreut habe. Viele haben Gefechte erlebt, Leichen gesehen, Todesangst verspürt und sind aus ihrem Zuhause geflohen. Sie haben all das Schreckliche am eigenen Leib gespürt. Unser Schmerz war ein anderer. Wir haben ein Land verloren, in das man nie gehen durfte und das man nicht kennenlernen konnte. Alle hatten den gleichen Traum: ein freies Syrien ohne Assad, ohne Angst und Schrecken. Wir teilen ein Trauma, erfuhren aber unterschiedliche Schmerzen.

Islamische Zeitung: Einige Syrer haben uns in den letzten Jahren mitgeteilt, in Deutschland wegen der Präsenz von Geheimdienstmitarbeitern vorsichtig sein zu müssen…

Selma Chbib: Für mich war das kein Thema. Vor 2011 war man vorsichtiger, danach nicht mehr. Das war das Mindeste. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir den Mund aufmachen mussten. Hier waren wir sicherer als in Syrien.

Für mich war es grausam zu wissen, dass solche Personen hier frei herumliefen. Ich kannte Leute in meinem Zirkel, die die Ereignisse verharmlosten und mit Assad sympathisierten. Er gab sich ja immer als gebildeter Menschen, der nett und schüchtern lächelte. Dabei war er ein Beispiel für einen der schlimmsten Diktatoren, der Verbrechen am eigenen Volk verübte. 

Das hat es mir schwer gemacht, mit solchen Leuten umzugehen. Da hatte ich keine Hemmungen, mit Worten dagegenzuhalten. Es war meine Pflicht gegenüber den Verstorbenen in Syrien, und jenen, die nach Deutschland fliehen mussten. Sie ließen ihr Leben, ihr Hab und Gut sowie ihre Familie hinter sich.

syrien Debatte

Foto: Zerophoto, Adobe Stock

Bilder des Jubels

Islamische Zeitung: Syrer in aller Welt haben die Befreiung mit Jubel begrüßt. Wie blicken Sie auf die nahe und mittlere Zukunft Syriens?

Salma Chbib: Natürlich sorgen wir uns darum, was kommen könnte. Das würde kein Syrer verneinen. Vielmehr würde er sagen: Alles ist besser als das Assad-Regime. Wenn wir jetzt betrachten, was nach Befreiung der Foltergefängnisse ans Tageslicht kam. Das sind Geschichten, die das Gehirn nicht erträgt. Ich weiß nicht, wie die Menschen das ertrugen. Man sieht Gebrochene, die am Ende sind. Mir ist es wichtig für den Heilungsprozess, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Ich wünsche mir das für alle, die in den Gefängnissen saßen und Folter erlitten, dass solche Täter nicht frei herumlaufen dürfen.

Die Dinge müssen demokratisch ablaufen. Ich will ein freies Syrien, in dem sämtliche Ethnien gleichberechtigt sind. So waren wir immer, bis das Regime die Menschen gegeneinander ausspielte. Wir sind ein aufgeschlossenes, freundliches Volk. Christen und Muslime lebten gut miteinander. Die Syrer werden zeigen, dass sie sich nicht mehr von Diktatur und Angst bestimmen lassen.

Das haben sie in den letzten Jahren gezeigt. In Nachbarländern, in Deutschland sind viele NGOs entstanden. Sie setzen sich für die Menschen und die Zivilgesellschaft ein. Das belegt, dass das Volk für sich einstehen und demokratisch sein kann. Ich hoffe darauf, dass Syrien ein demokratisches Land wird, wo alle Ethnien zusammenhalten und friedlich nebeneinander leben können.

Islamische Zeitung: Wie nehmen Sie die Debatte mancher Politiker wahr, die im Augenblick der Befreiung die Rückführung von Syrern forderten? Wollen die meisten zurück oder hier bleiben?

Salma Chbib: Ich möchte das mit einer persönlichen Bemerkung einleiten. Ich bin hier geboren und fühle mich als Deutsch mit syrischen Wurzeln. Syrien selbst habe ich nie richtig kennenlernen dürfen. Nach dem Sturz Assads wächst ein neues Gefühl, das mir vorher unbekannt war; eines von Heimat. Viele Syrer haben dieses Wort in Gesprächen immer wiederholt. Das ist ein unglaublich starkes Gefühl der Verbundenheit. Ich würde auch sehr gerne dorthin gehen.

Andererseits glaube ich, dass viele an ihre Sicherheit, Familien, Chancen etc. in Deutschland denken. An all das, was wir hier haben. Die meisten dürften abwarten, wie es weitergeht. Wahrscheinlich werden es jüngere Männer oder Frauen sein, die als erste gehen werden. Und die das Land wieder aufbauen werden. Syrien ist ein schönes Land und seine Menschen sind auch schön.

Was die deutsche Debatte betrifft, so ist sie sehr überheblich. Man kann nur mit dem Kopf schütteln angesichts der Stimmen, die jetzt über Abschiebung geredet haben. Deutschland ist auf die Syrer angewiesen. Für das Gesundheitssystem wäre die Rückkehr Tausender Ärzte eine Tragödie. Was soll denn passieren, wenn die alle weg wären? Es ist unglaublich, was hier an politischer Kultur herrscht.

Islamische Zeitung: Liebe Salma Chbib, wir bedanken uns für das Gespräch.

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Der neue alte Mann. Trump und die muslimische Welt

trump schlimmer Republikaner

Eine Präsidentschaft von Donald Trump wird für so gut wie jede Interessengruppe auf der Welt unvorhersehbare Folgen haben. Muslime und die muslimische Welt könnten diese historische Erschütterung besonders stark zu […]

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Experte: Schwindende Lebenschancen für Jugend im arabischen Raum

krieg gaza Palästina israelisch saudi

In vielen Ländern sieht die Jugend kaum Perspektiven für ihre Zukunft. „Einfach so“ verließen sie ihre Heimat dennoch nicht, sagt der Leiter einer Studie zum Thema.

München (KNA). Jungen Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten fehlen zunehmend Perspektiven: Davor warnt der Arabistik-Professor Jörg Gertel. „Wenn so viele Krisen zusammentreffen, unsichere Arbeitsplätze, bewaffnete Konflikte, Nahrungsunsicherheit und extreme Lebensunzufriedenheit, dann kann man das als eine Enteignung von Lebenschancen sehen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

So sei es „alarmierend, wenn zwei Drittel der jungen Erwachsenen angeben, dass sie nicht mehr dazu imstande sind, eine Waschmaschine zu kaufen, wenn Ersatz nötig ist“.

Gertel bezog sich auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, an der er federführend beteiligt war. Vor zehn Jahren sei es für Angehörige der oberen Mittelschicht in Tunesien etwa noch möglich gewesen, einmal im Jahr nach Frankreich zu reisen. „Das war eine typische Ambition“, erklärte er. Für den weitaus größten Teil der Bevölkerung brächen nicht Auslandsreisen weg, „sondern der sichere Zugang zu Nahrungsmitteln. Obst und Fleisch sind ein absoluter Luxus.“

Dennoch täten sich die meisten jungen Menschen in der Region schwer damit, ihre Familie und ihr Umfeld zu verlassen. „Sie ringen mit sich, bevor sie losziehen nach Europa. Denn sie wissen, wie schwierig eine Flucht dorthin ist.“ Zugleich hätten 2016 noch 58 Prozent der Befragten angegeben, definitiv nicht auswandern zu wollen; heute sagten dies nur noch 45 Prozent. „Wenn man 16 oder 21 Jahre alt ist und im Leben etwas erreichen möchte, gleichzeitig im eigenen Land aber keine Perspektive erkennt, dann sind einige eher bereit, etwas zu riskieren“, so Gertel.

Der Glaube an Gott gebe vielen Befragten dennoch Zuversicht, fügte der Experte hinzu. Ebenso sei der Glaube an familiäre Werte sehr hoch. „Was besonders interessant ist: Für über 80 Prozent ist Religion eine Privatangelegenheit, in die man sich nicht einmischen soll.“

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Für die künftigen Muslime

Junge Muslime Zuwanderung Jugendliche Abendland

Haben wir eigentlich einen Plan, wie wir die Generationen neuer Muslime fördern sollen? (iz). Bei zeitlosen Themen wie beispielsweise allem, was mit Fasten und Ramadan zu tun hat, ist das […]

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Buchmesse 2023 zwischen Besucheransturm und Zukunftsfragen

Buchmesse

Buchmesse: Wann schreibt Künstliche Intelligenz Bücher? Ersetzt Tiktok die Literaturkritik? Die Frankfurter Buchmesse feiert 75. Geburtstag – mit großen Fragen. Von Sandra Trauner

Frankfurt/Main (dpa). Nach dem Ende der Pandemie werden die Menschenmassen auf der Frankfurter Buchmesse zurückerwartet. Zwischen 18. bis 22. Oktober werde es „rappelvoll“, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Buchmesse-Tickets gefragt wie 2019

Die Ticketverkäufe liegen schon zwei Wochen vor dem Start über denen von 2019. Damals waren mehr als 300.000 Besucher nach Frankfurt gekommen. Inhaltlich hat die Messe dicke Bretter zu bohren – etwa Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Urheberrechtsfragen oder eine lautstarke junge Generation und ihre Kritik an alten weißen Büchermenschen.

Foto: Frankfurter Buchmesse, Domenic Driesen

Außerdem feiert die Buchmesse in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Seit 75 Jahren treffen sich im Herbst Autoren, Verleger und Leser in Frankfurt.

Eigentlich ist das Event aber viel älter: Die Geschichte reicht zurück bis ins Mittelalter, das früheste Dokument stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Jubiläum bezieht sich daher nur auf die Nachkriegszeit, ist aber Grund genug zu feiern.

Aussteller steigen um 10 Prozent

Der Veranstaltungskatalog ist so dick wie lange nicht. Die Zahl der Aussteller hat erneut um zehn Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr waren es rund 4.000 aus knapp 100 Ländern gewesen. Besonders gewachsen ist das Agentenzentrum, wo die internationalen Rechte gehandelt werden.

„Die internationalen Gäste sind zurück“, sagt Boos. Indien und China seien so stark vertreten wie noch nie. Rechte Verlage – die in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand erbitterter Debatten waren – bleiben laut Messe weitgehend fern.

„Die Branche braucht die Buchmesse als Kraftquelle und Inspiration“, sagte Boos bei der Vorschau-Pressekonferenz vor zwei Wochen. Sie braucht den Austausch aber auch, um Zukunftsfragen zu verhandeln.

Foto: Fotolia

Welche Rolle wird KI spielen?

Bei den Themen, die die Branche in diesem Jahr besonders umtreibt, steht KI (Künstliche Intelligenz) ganz oben. Stereotype Liebesromane könne eine Maschine genauso gut schreiben wie ein Mensch, sagt Boos. Schon heute würden dafür Schreibprogramme eingesetzt. „Früher war das Science Fiction, jetzt ist es wirklich da“, so Boss.

Problematischer findet Boos mögliche Folgen für Übersetzer. Bisher werde KI vor allem bei Sachtexten wie Gebrauchsanleitungen eingesetzt. Für Literaturübersetzungen glaubt Boos noch an die Überlegenheit des Menschen. „Die Maschine ist nicht originär. Sie guckt nach hinten, nimmt das, was da ist, stellt es vielleicht in einen neuen Zusammenhang, aber sie kann nichts Neues kreieren.“

Ungeklärt ist die „Grauzone“ im Urheberrecht. Wem gehören die Rechte an einem maschinell entstandenen Text? Und wie steht es um die Rechte an den Texten, auf die die KI zurückgegriffen hat? „Da haben wie ein Riesenthema – und da geht es um richtig viel Geld“, sagt Boos.

„Die alten weißen Männer und Frauen unserer Branche sind verunsichert“, sagt Boos. Sie fühlten sich herausgefordert von einer jungen, lauten Generation, die einen anderen Blick auf gesellschaftliche Themen hätte. In den Fachforen könnte viel gestritten werden, zum Beispiel über die Frage, ob Verlage sogenannte Sensitivity Reader brauchen, um kritische Stellen in Texten zu entschärfen.

Die Buchmesse sei der richtige Ort, um darüber zu verhandeln, sagt Boos. „Wir müssen voneinander lernen. Wir wollen miteinander ins Geschäft kommen.“

Foto: Rawpixel, Freepik.com

TikTok als neues Medium für die Branche

Daher bekommt ein Aussteller, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal nach Frankfurt gekommen war, 2023 eine noch größere Bühne: das Videoportal Tiktok und seine „Booktok“-Community.

„Tiktok ist ein wichtiges Absatzinstrument für die gesamte Buchbranche geworden“, sagt Boos. Der Kanal ziele nicht nur auf die Leser, sondern biete sich der Buchbranche auch als Dienstleister an.

Um die erwarteten Massen zu lenken, hat die Buchmesse manches neu organisiert. Statt stundenlangem Anstehen an Ständen überall auf der Messe gibt es erstmals ein „Meet the Author“-Areal, in dem man vorab einen Termin buchen kann für Autogramme oder Selfies. Die Publikumsveranstaltungen in der Stadt („Bookfest“) finden erstmals ausschließlich in Buchhandlungen, Büchereien und Bibliotheken statt.

Neu ist auch ein spezielles Angebot für Familien unter dem Namen „Frankfurt Kids Festival“. Dafür müssen die Besucher auf eines der beliebtesten Formate verzichten: Das „Blaue Sofa“ von Bertelsmann, ZDF Deutschlandfunk und 3sat ist in diesem Jahr nicht auf der Messe.

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Jugend in Kosovo 2023: „Wir gehen nicht, weil wir unser Land nicht mögen“

Kosovo Fahne

Seit zwei Jahren hat das Kosovo eine neue Regierung. Es tut sich was im Land, doch nach wie vor wollen viele junge Menschen gehen. Was hält sie, was treibt sie […]

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Zum Jahreswechsel: Der Ausblick auf die Zukunft erfordert Mut

(iz). Im Jahr 1755 wurde Europa von einem Jahrhundertereignis erschüttert: das Erdbeben von Lissabon. Nach etwa vier Wochen hatten Berichte über den Tod von zehntausenden Menschen die Metropolen Hamburg und Berlin erreicht. Die Auswirkungen auf das, von der Aufklärung geprägte geistige Leben Europas waren erheblich. „Wie konnte Gott dies zulassen?“ Unter dem Eindruck der Zerstörungen beschäftigte das Theodizee-Problem die Gelehrten. Der zum Zeitpunkt des Ereignisses sechs Jahre alte Goethe verarbeitete das Erdbeben in seinen Erinnerungen „Dichtung und Wahrheit“: „Ja. Vielleicht hat der Dämon des Schreckens zu keiner Zeit so schnell und mächtig seine Schauer über die Erde verbreitet.“

Die Medienwelt des 18. Jahrhunderts wirkt aus heutiger Sicht idyllisch. Mit enormer Geschwindigkeit drängen sich heute negative Meldungen, die den Zustand der ökologischen Systeme betreffen, aus allen Erdteilen heran. Weltuntergangspropheten und Visionäre, die Science-Fiction-Lösungen anbieten, haben Konjunktur. Sicher ist: Der Mensch und sein technologischer Fortschritt haben die Verhältnisse unumkehrbar verwandelt. „Das Ökosystem schlägt zurück“, ist ein geläufiges Wort.

Der Wesenszug der modernen Technologie, die Natur immer mehr herauszufordern, beschreibt das Kernproblem des 21. Jahrhunderts. Zur Jahreswende sorgt uns nicht nur die, sich abzeichnende Klimakatastrophe, der dritte Weltkrieg, in Form einer atomaren Auseinandersetzung, ist in den kommenden Jahren eine durchaus denkbare Option. 

In diesem Kontext gilt der alte Aphorismus Nietzsches: „Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich weiß.“ Die psychologischen Wirkungen, die der tägliche Blick in den Abgrund verursacht, zeigen sich in Depression und Erschöpfung. Wer sich nicht in das sogenannte Privatleben zurückzieht oder auf anderen Wegen die Augen verschließt, benötigt gute Nerven, den Ausblick in die Zukunft auszuhalten. „Hoffe auf das Beste und sei auf das Schlimmste vorbereitet“, riet mir einmal ein islamischer Gelehrter in Anbetracht der Wirrnisse unserer Zeit.

In das Negativszenario führt eine Analyse des Philosophen Thomas Fasbender unter der Überschrift „Das unheimliche Jahrhundert“ ein. Das Buch ist eine Diskussionsgrundlage. Aus Sicht des Autors verliert die europäische Welt an Bedeutung, ihr Wohlstandsversprechen ist in die Defensive geraten. Global setzen sich andere Wertmaßstäbe durch.

Den Techno-Optimismus, der den Glauben definiert, wonach Wissenschaft und Technologie die wesentlichen sozialen und Umweltprobleme unserer Zeit lösen, bietet der Philosoph ebenso wenig an. Sein Fazit ist ernüchternd: Der Klimawandel kommt, ob wir wollen nicht. Mindestens zwei Grad Erderwärmung ist in den nächsten Jahrzehnten garantiert, wenn wir fatalistisch oder passiv werden, ist sogar mehr möglich. Das Problem: Die Interessenlage auf dem Planeten ist zu unterschiedlich, um dieses Schicksal aufzuhalten. Die Idee der „Menschheit“, die unter den Maßstäben der Vernunft agiert, gehört für den Philosophen in das Reich der Phantasie.

Fasbender predigt keinen Fatalismus. Im Gegenteil: Jede Maßnahme gegen den Klimawandel ist für ihn geboten. Die Diagnose des Buches der Begleitumstände sich abzeichnender Veränderungen sind alarmierend: „Unsere Rationalität ist dem Unheimlichen nicht gewachsen“. Es kündigen sich radikal andere Verhältnisse an: Wohlstandsverlust, Kriege und große Wanderungsbewegungen. Das neue Jahrhundert droht zum Antipoden der bürgerlichen Ordnung zu werden. Die reale Lage wird nach der Einschätzung des Autors in der Gesellschaft eher verdrängt. „Wir haben das Heilige verbannt, wir werden auch das Unheilige verbannen, das Unheimliche“, stellt er fest. 

Der Klimawandel und die These der Politik „Wir schaffen das“, mit mehr Geld, mehr Schulden, mehr Technik ist aus dieser Sicht eine Illusion. Das Problem entzieht sich simplen Lösungen, denn „wir erleben in diesem Augenblick keine Weltrevolution, sondern eine geophysische Revolution“, wie es Ernst Jünger formulierte. Auf elementarer Ebene herausgefordert wird der Mensch um seine Humanität ringen. Fasbender fordert, einen Begriff zu reaktivieren, der „tief verschüttet unter dem Geröll des zynischen Zeitgeistes liegt“: Sittlichkeit. Es geht – so eine Pointe des Buches – um einen neuen Menschen, der zugleich Schöpfung ist und den Schöpfer vertritt. 

Zweifellos ist die Verbreitung von Hoffnung die entscheidende Intention aller Gläubigen. Dies schließt nicht aus, den Realitäten ins Auge zu sehen, die sich am Horizont abzeichnen. Dieser Realitätssinn führt zu einer Vertiefung des Glaubens. Religionen, die für sich Relevanz beanspruchen, sind mehr denn je gefordert, in diesem unheimlichen Jahrhundert Orientierung zu stiften. Von den Gelehrten und Theologen werden klare Positionierungen in der Frage des Klimawandels oder gegenüber den drohenden Gefahren, die sich aus dem Ukrainekrieg ergeben, erwartet.

Studiert man das Leben des Propheten, Friede sei mit ihm, begreift man schnell, dass die islamische Lebenspraxis nicht nur aus spiritueller Selbstoptimierung besteht. Die Perfektion des Charakters, der niveauvolle Umgang mit Anderen und die Etablierung von Moscheen und Marktplätzen, die Idee von Gerechtigkeit überhaupt, fügt den einzelnen Gläubigen in ein Gemeinwesen ein. Die Herausforderungen der Zukunft wird die Menschen zwingen, ihre Wertvorstellungen aktiv zu verteidigen. Die alte Weisheit, dass man nur gemeinsam stark und sicher ist, wird wieder in das kollektive Bewusstsein rücken.

* Thomas Fasbender, Das unheimliche Jahrhundert: Vor der Zeitenwende, Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, 2022, 186 Seiten, ISBN-13 78-3948075491, Preis: EUR 26.– (gebundene Ausgabe)