Kurzmeldungen Welt März 2024 (Nr. 345)

Wie geht die Mehrheit mit der Minderheit um? KONSTANZ (uni-konstanz.de). Auf internationaler Ebene besteht heute weitgehend Konsens darüber, dass die Anerkennung und Realisierung indigener Rechte zwingend notwendig sind, um Ungleichheiten und historisches Unrecht zu korrigieren. Dennoch scheitern viele Nationalstaaten an der effektiven Implementierung: „Nationale Politiken spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung dieser Rechte. Doch […]

5.03.2024 .Redaktion 9 Min. Lesezeit
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Foto: <a href=https://www.flickr.com/people/41000732@N04>Adam Jones</a>, via Wikimedia Commons | Lizenz: <a href=https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en>CC BY 2.0</a>

Wie geht die Mehrheit mit der Minderheit um?

KONSTANZ (uni-konstanz.de). Auf internationaler Ebene besteht heute weitgehend Konsens darüber, dass die Anerkennung und Realisierung indigener Rechte zwingend notwendig sind, um Ungleichheiten und historisches Unrecht zu korrigieren. Dennoch scheitern viele Nationalstaaten an der effektiven Implementierung: „Nationale Politiken spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung dieser Rechte. Doch gleichzeitig hängen solche Politiken wiederum natürlich auch von der öffentlichen Meinung ab“, erklärt Fabian Bergmann, Doktorand am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz.  In einer aktuellen Studie hat Bergmann die politischen Präferenzen der Sámi, einer indigenen Bevölkerungsgruppe in Norwegen und Schweden, mit denen der ethnischen Mehrheitsbevölkerung in beiden Ländern verglichen. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Während politische Agenden, die die sámische Selbstbestimmung entschieden fördern, unter der indigenen Bevölkerung wie zu erwarten starke Unterstützung finden, steht die ethnische Mehrheitsbevölkerung ihnen skeptisch gegenüber. Gleichzeitig lehnt sie aber auch nicht die Umsetzung indigener Rechte komplett ab. Stattdessen präferiert die Mehrheitsbevölkerung politische Maßnahmen, die eine eingeschränkte Umsetzung der indigenen Rechte der Sámi erlauben. „Die Mehrheit der schwedischen und norwegischen Bevölkerung unterstützt internationale Menschenrechtsübereinkommen. Diese legen jedoch nur Individualrechte fest, während es sich bei den Rechten für Indigene um Kollektivrechte handelt. Um in der Mehrheitsbevölkerung ein ähnliches Maß an Unterstützung für den kollektiven Schutz indigener Völker zu schaffen wie für individuelle Menschenrechte, scheint noch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig zu sein.“

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