Spazieren: Sich aufrichten und erden

Eine Essay darüber, was Spazierengehen für die Seele tun kann. (Renovatio). Die Heilige Schrift und die aus ihr hervorgegangenen literarischen Werke sind voll von Bildern des Weges und des Übergangs, des Wanderns und des Unterwegsseins. Der Qur’an beschwört immer wieder den „geraden Weg“ und wiederholt, dass er unbeirrbar zum Göttlichen führt (Koran, Sure 1:6; Sure […]

20.05.2024 .Redaktion 7 Min. Lesezeit
spazieren

Foto: Malik Nalik, Adobe

Eine Essay darüber, was Spazierengehen für die Seele tun kann.

(Renovatio). Die Heilige Schrift und die aus ihr hervorgegangenen literarischen Werke sind voll von Bildern des Weges und des Übergangs, des Wanderns und des Unterwegsseins. Der Qur’an beschwört immer wieder den „geraden Weg“ und wiederholt, dass er unbeirrbar zum Göttlichen führt (Koran, Sure 1:6; Sure 4:175). Von Hina Khalid

Religiöse Schriftsteller und Dichter haben reiche Allegorien des Gehens in ihre theologischen Wandteppiche eingewebt, sei es, um die Herrlichkeit des geraden Weges zu preisen, die hartnäckigen Hindernisse des Stolzes und der Vorurteile zu beklagen oder die Not des einsamen Reisenden auf der Suche nach spiritueller Verwandtschaft zu beschreiben.

Spazieren – Sinnbild und Wirklichkeit

Das Gehen kann jedoch nicht nur in seiner metaphorischen Bedeutung – als Sinnbild für die Wege und Mühen der Suche nach spiritueller Wahrheit – gedacht werden, sondern auch in seiner ganzen materiellen Buchstäblichkeit und verkörperten Totalität als eine Handlung, die das repräsentiert, was den Menschen in der islamischen Anthropologie auszeichnet – die Kohärenz von Dienen und Herrschen, von bescheidenem Ursprung und himmlischer Ausrichtung.

Die Bedeutung des Gehens in der islamischen Tradition, sowohl als Auftakt zum Gebet als auch als Teil des Gebets, bietet den Boden, auf dem der Reichtum der Verwurzelung als göttliche Gabe an den Menschen erforscht werden kann. Das Gehen ist also von einer dynamischen Sakralität durchdrungen, die uns in der Liebe zu Gottes Schöpfung neu ausrichtet und einen betenden Dialog zwischen (demütiger) Sohle und (himmlischer) Seele ermöglicht.

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