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Neues von den Rechten? Trump, Musk und die AfD im Rausch

trump

Bei der Krönungszeremonie von Donald Trump wurde auch ein politisch-religiöses Glaubensbekenntnis verkündet.

(iz). Ist es eine konservative Revolution? Diesen Eindruck will das Spektakel vermitteln, mit dem die zweite Präsidentschaft von Donald Trump in den USA begann. Die Krönungszeremonie begleitet eine selbstbewusste Äußerung des Politikers, die in den Rahmen des politischen Christentums fällt: „Ich glaube, dass mein Leben aus einem bestimmten Grund gerettet wurde. Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder groß zu machen.“

Trumps Glaubensbekenntnis

Diese Bestimmung der Mission Trumps ist nicht nur eine religiöse Verklärung der eigenen Rolle. Es ist auch ein Glaubensbekenntnis, das die Klammer seiner bunten, multiethnischen Wählergemeinschaft bildet.

Während sich die Gegner des Präsidenten um den Fortbestand der Demokratie sorgen, formuliert er – ganz im Sinne des rechtskonservativen Theoretikers Carl Schmitt – seine Großraumtheorie. Kanada, Grönland und Panama – wahrscheinlich auch Mexico – fallen in diesen Raumbegriff jenseits der antiquierten Nationalstaaten.

Die Theorie stellt das universale Völkerrecht infrage und betrachtet die Weltordnung als hierarchisch und von Machtverhältnissen bestimmt. Gebannt schaut die Welt zu, ob es Trump, den Mann ohne politische Eigenschaften, tatsächlich gelingen wird, den Krieg in der Ukraine mit einem „Deal“ zu beenden.

Elon Musk – die zweite zentrale Figur

Die andere zentrale Figur neben dem Präsidenten ist der Tech-Milliardär Elon Musk und sein Plan der ultimativen Eroberung des Raumes. Seine Patrioten im Raumanzug wollen auf dem Mars die amerikanische Flagge hissen. Daneben plant die Administration mit Hilfe des Geschäftsmanns eine Beschränkung der Staatsausgaben. Der Staatsapparat soll künftig sparen lernen, weniger solidarisch, sondern effizient agieren.

Die republikanische Träume, so die nüchterne Analyse Musks, sind von einem dynamisch wachsenden, gigantischen Schuldenberg bedroht. Neben der Vision einer Beherrschung des Raumes kommt der andere Schlüssel zur globalen Macht hinzu, der die Kernkompetenz der US-Wirtschaft im 21. Jahrhundert darstellt: die Verwaltung von Daten.

Donald Trump kündigte bereits Milliardenprogramme zum Ausbau der künstlichen Intelligenz an. Der Glaube der Tech-Giganten, eines Tages alles zu wissen und alles vorher zusehen, ist die andere pseudo-religiöse Komponente der amerikanischen Vision.

Tech-Genie Elon Musk macht

Foto: Kavi Design, Shutterstock

Ein Oligarch als Außenpolitiker

Nebenbei widmet sich Elon Musk der irdischen Außenpolitik. Mit seiner sozialen Plattform X ist er in der Lage, die Idee einer grenzenlosen Meinungsfreiheit umzusetzen. Seine Medien schüren einerseits die Konflikte zwischen den Kulturen und Religionen auf unterem Niveau, anderseits sind sie ideale Bühne, um den Brückenschlag zu den populistischen Kräften in Europa zu gestalten.

Zwei Beispiele der Kommunikationsstrategie sind die Bilder über seine platonische Liebe zur italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni oder unlängst ein Interview im Entertainment-Format mit der AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel.

Wie wirksam der Wind aus den USA in die Segel der Alternative für Deutschland weht, bleibt abzuwarten. Die Partei freut sich im Wahlkampf über jede Schlagzeile und sieht die Chance, bisher unpolitische, technikaffine junge Leute mit Hilfe der Sympathiebekundungen des Ingenieurs aus den USA zu gewinnen. Die AfD hat aber noch ein anderes Klientel im Visier.

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Foto: imago | Ina Peek

AfD-Kandidat Krah zielt auf Migranten und sogar Muslime ab

Während im Osten der Republik die Partei mit fragwürdigen, außerparlamentarischen Partnern weiter ungeniert die Politisierung der Straße betreibt, sind ihre expansiven Möglichkeiten im Westen des Landes beschränkt.

Der Europaabgeordnete Maximilian Krah lässt unter dem Eindruck der Erfolge der Machtachse Trump-Musk mit einem neuen Ansatz aufhorchen. Im Podcast „Ungeskriptet“ fordert er die eigene Partei auf, die Frage der Immigration differenzierter anzugehen und nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren.

Krah, der in den sozialen Medien Millionen junger Leute erreicht, sieht zum Beispiel in den Gemeinschaften mit türkischen Immigrationshintergrund mögliche Partner und in deutschlandfreundlichen Muslimen künftige WählerInnen.

Seine Strategie wird mit drei Argumenten unterlegt: Gläubige Menschen seien potentiell Konservative. Mit anderen, identitär motivierten Bewegungen könne man Bündnisse schließen. Und wegen der demographischen Entwicklung im Lande gäbe es für die AfD keine machtpolitische Alternative zu seinem Ansatz. Für ihn liefert der erfolgreiche Wahlkampf der Republikaner das Erfolgsrezept: Trump wird von verschiedensten Ethnien unterstützt.

Muslimfeindlichkeit Expertenkreis

Foto: Markus Spiske, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

In der AfD ist über diese strategische Frage heftiger Streit ausgebrochen, vor allem mit den Flügeln, die ideologisch tief in den „Remigrationsphantasien“ gründen und von einer nationalen Renaissance im alten Stil träumen.

Langfristig könnte der theoretische Ansatz einer „wählbaren“ AfD Unruhe in die Community bringen: Ist es ausgeschlossen, dass die Glaubensgemeinschaften, die sich nach Anerkennung und Identität sehnen, diese denkbare Avance der AfD anspricht? Bisher ist die Mehrheit aller Muslime klar gegen die Rechtspopulisten positioniert.

Sie ist aber zunehmend ratlos, welches andere Angebot des Parteienspektrums ihrem Menschen- und Weltbild entspricht. Eine Option ist daher, gar nicht mehr zu wählen. Für die etablierten Parteien bietet die Lage eine letzte Chance: Entweder sieht sie das Potential der Muslime endlich positiver oder diese Gesellschaftsschicht sucht sich neue politische Alternativen.

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Zwei Zäsuren in Deutschland

said rezek afd deutschland

Zäsuren der politischen Landschaft in Deutschland: Die AfD und das BSW dominierten die Landtagswahlen im Osten. „Die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Sachsen und Thüringen am Sonntag (…) sorgen für weitere […]

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Demokratieforscher Pickel: Parteien müssen weg von AfD-Themen

Kurzmeldungen

Von den Ergebnissen der Landtagswahlen ist der Soziologe und Rechtsextremismus-Forscher Gert Pickel nicht ganz überrascht, aber doch erschüttert. Für die etablierten demokratischen Parteien sieht er einen klaren Auftrag. (KNA). Wie […]

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Demokratieforscher Gert Pickel: Parteien müssen weg von AfD-Themen

Programmdebatte cdu pickel

Interview: Von den Ergebnissen der Landtagswahlen ist der Soziologe und Rechtsextremismus-Forscher Gert Pickel nicht ganz überrascht, aber doch erschüttert. Für die etablierten demokratischen Parteien sieht er einen klaren Auftrag.

Leipzig (KNA). Wie sind die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen einzuordnen? Und welche Schlüsse sollte man nicht daraus ziehen? Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach darüber am 2. September in Leipzig mit dem Soziologen Gert Pickel, Vize-Sprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig.

In Thüringen wurde die AfD mit 32,8 Prozent stärkste Kraft, in Sachsen mit 30,6 Prozent zweitstärkste. In beiden Ländern stuft der Verfassungsschutz die Partei als gesichert rechtsextrem ein. Von Karin Wollschläger

Frage: Herr Professor Pickel, Ihr erster Eindruck zu den Wahlergebnissen?

Gert Pickel: Was mich erschüttert, ist das starke Wahlergebnis einer gesichert rechtsextremen Partei. Durch die Umfragen ist es nicht ganz überraschend, aber trotzdem erschreckend. Vor allem wenn man sich die Altersstruktur anschaut: Es sind vor allem junge Wähler, die die AfD sehr stark wählen. Und die CDU hat in Sachsen beispielsweise vor allem dadurch gewonnen, dass die älteren Wähler CDU gewählt haben.

afd

Symbolbild: AfD-Kovorsitzende Weidel spricht vor Kameras. (Juergen Novak, Shutterstock)

Frage: Die AfD bekam in beiden Ländern über 30 Prozent – ist es diesen Wählern egal, dass sie rechtsextrem wählen?

Gert Pickel: Einigen ist es schlicht egal. Andere folgen der Argumentationslinie der AfD, dass sie doch eigentlich nur eine konservative Partei sei und solche Einordnungen als rechtsextrem durch die anderen Parteien nur Meinungsmache und Populismus seien. Die AfD baut bewusst einen Märtyrerstatus auf und das zieht unter ihren Wählern. Gerade mit Blick auf die Anti-Migrationshaltung und auch auf ihre rassistische Haltung.

Frage: In Thüringen haben über 48 Prozent, in Sachsen über 42 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme keiner der etablierten demokratischen Parteien gegeben – sondern AfD oder BSW. Wie ist das einzuschätzen?

Gert Pickel: Das bedeutet eine beachtliche Gefährdung der Demokratie in beiden Bundesländern. Man muss sich klar vor Augen führen, was etwa die AfD umsetzen will: zum Beispiel den Verfassungsschutz und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen. Man kann etwas beobachten, was wir etwa aus Ungarn schon kennen, wo sehr ähnlich argumentiert wird.

Es ist eine gegen Vielfalt, Moderne und Demokratie gerichtete Überzeugung. Der Weg ist mit Blick auf die Wahlergebnisse nicht mehr weit zu so einer Art Systemwandel. Das müsste auch den tradierten Parteien zu denken geben.

Debattenklima gesellschaft Deportationsszenarien solingen

Foto: r.classen, Shutterstock

Frage: Die scheinen aber keinen richtigen Anpack gegen den extremen Populismus zu finden – das Problem ist ja nicht neu.

Gert Pickel: In der Tat. Sie müssen sich endlich Antwort-Strategien überlegen, das fehlt bei den anderen Parteien bislang fast gänzlich. Außer dass man darauf gesetzt hat, gerade die Themen stark zu machen, für die die AfD steht: Migrationspolitik. Man hat in den vergangenen Wochen quasi nichts anderes gehört. Man wird aber keine Wähler hinzugewinnen, wenn man selbst plötzlich eine härtere Migrationspolitik fährt. Man bestätigt nur, was die AfD dazu gesagt hat. 

Sinnvoll ist es eher aufzuzeigen, welche Probleme mit einer AfD-Regierung kämen – das haben zuletzt gerade Wirtschaftsunternehmen getan. Auch dass es einen Brain-Drain weg aus Sachsen und Thüringen geben würde. Den Leuten muss klar werden, was das Problem an diesen Entwicklungen ist.

Frage: Welche Schlüsse sollte man aus den Wahlergebnissen nicht ziehen?

Gert Pickel: Man sollte nicht den Schluss ziehen, aus machtpolitischen Gründen doch mit der AfD kooperieren zu wollen, weil es eine demokratisch gewählte Partei ist. Das hat noch nie funktioniert.

Man sollte sich auch nicht auf das Feld der AfD ziehen lassen und den rechten Themen folgen, sondern eigene setzen und diese eigenen Kompetenzen stärker akzentuieren.

Das Dritte: Man muss in den Sozialen Medien – gerade mit Blick auf die jüngeren Wähler – deutlich sichtbarer werden und TikTok beispielsweise nicht nur der AfD und Islamisten überlassen.

Frage: Die Kirchen haben sich öffentlich klar gegen die AfD positioniert, teils auch gegen BSW. Welche Relevanz kommt dem zu? In beiden Bundesländern sind Christen ja in der klaren Minderheit.

Gert Pickel: Wenn nur ein kleiner Teil Mitglied ist, erreicht man auch nur einen kleinen Teil. Aber trotz allem: Jeder kleine Teil zählt. Dementsprechend ist es wertvoll zu wissen, dass man hier eine Position hat, die klar macht: Menschenfeindliche Positionen sind unvereinbar mit den christlichen Grundwerten. Ich finde, das ist eine überzeugende Position und wichtig.

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 351):  weniger Gefährder und mögliche Ausschreitungen

Hassverbrechen kurzmeldungen Weihnachtsmarkt

Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 351) reichen von der Abnahme von „Gefährdern“, über Einstellungen zur Gewalt bis zu einem Preis für eine Moschee. BKA: Zahl der Gefährder nimmt ab BERLIN […]

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Eine Klatsche für die Ampel

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Die Parteien der regierenden Ampelkoalition mussten massive Verluste bei Europa- und Kommunalwahlen einstecken. Populistische Extreme konnten zulegen. (iz). Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament und zu den Kommunalvertretungen in mehreren […]

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Wüst zu Anschlägen in der Keupstraße: NSU-Opfer wurden nicht geschützt

köln keupstraße

20 Jahre ist es her, dass in der Kölner Keupstraße mehrere Menschen von einer Nagelbombe verletzt wurden. Der NRW-Ministerpräsident bat die Opfer um Entschuldigung.

Köln (KNA). NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat die Betroffenen des NSU-Anschlags in der Kölner Keupstraße um Entschuldigung gebeten. 

„Der Staat, dessen vorderste Aufgabe es ist, die Menschen zu schützen, muss eingestehen, dass er in der Keupstraße an diesem Anspruch gescheitert ist. Er hat die Menschen nicht geschützt. Er hat sie weder vor körperlichen und seelischen Schäden noch vor falschen Verdächtigungen bewahrt“, schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für den Kölner „Stadt-Anzeiger“ (Samstag) und die türkische Zeitung „Hürriyet“.

Er bitte „alle, denen so lange nicht geglaubt wurde und die fälschlicherweise selbst ins Visier der Ermittlungen gerieten, obwohl sie Opfer waren, um Entschuldigung“.

Bei dem Anschlag am 9. Juni 2004 waren 22 Menschen von einer Nagelbombe in der Keupstraße verletzt worden, vier von ihnen schwer. Zu der Tat bekannte sich der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Am Sonntag wurde im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an das Attentat erinnert.

Wüst beklagte, die Anwohner der Keupstraße hätten „nicht nur den Schock des Anschlags und die Angst um das eigene Leben erfahren müssen, sondern auch Vorverurteilung und Diffamierung“. Teilweise sei sogar gegen die Betroffenen und ihre Angehörigen ermittelt worden.

Auch die Gesellschaft und die Medien hätten Fehler gemacht, was die Einführung des „unsäglichen Begriffs der ‘Dönermorde’“ zeige. Das „engstirnige Denken in geistigen Schubladen“ sei die Quelle der Fehler gewesen. „Gerade jetzt, wo rechtsradikale Parteien mit Vorurteilen und Ausgrenzung wieder erfolgreich Politik machen, muss die demokratische Mitte gemeinsam gegen ein solches Denken einstehen“, fordert der CDU-Politiker.

NRW habe aus Fehlern gelernt. Polizei und Justiz spiegelten „heute selbst die gesellschaftliche Vielfalt unseres Landes stärker wider“.

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Ergebnisse der Europawahl 2024: Die Ampel geht baden, die AfD dominiert im Osten

europawahl

Frust im Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP: Bei der Europawahl hängt die Union die Konkurrenz ab, die AfD landet mit großem Plus auf Platz zwei. Im Osten liegt sie sogar vorn.

Berlin/Brüssel (dpa, iz). Kantersieg für die Union, Klatsche für die Ampel und deutliche Gewinne für die AfD: Bei der Europawahl ist Deutschland nach rechts gerückt. Die AfD landet nach Auszählung aller 400 Kreise bundesweit auf Platz zwei – im Osten sogar auf Platz eins.

Bei den zeitgleich stattgefundenen Kommunalwahlen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern setzte sich die rechtsextreme Partei als stärkste Partei in den Wahlbezirken durch.

In den 27 EU-Staaten waren rund 360 Millionen Bürger wahlberechtigt, davon knapp 61 Millionen Deutsche. Gewählt wurden von Donnerstag bis Sonntag – je nach Land – 720 Abgeordnete für das neue Europäische Parlament, davon am letzten Tag 96 in Deutschland.

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Foto: © Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek

Europawahl 2024: Rechtsextreme gewinnen in mehreren Ländern

SPD, Grüne und FDP müssen Verluste einstecken und kommen zusammen nur auf ein knappes Drittel der Wählerstimmen. Auch die Linke bricht ein – und wird von der neuen Partei BSW von Sahra Wagenknecht überholt.

Wie die Bundeswahlleiterin am frühen Montagmorgen auf ihrer Homepage mitteilte, steigert sich die Union leicht auf 30,0 Prozent (2019: 28,9). Die AfD erreicht mit 15,9 ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Abstimmung (2019: 11) – es fällt allerdings niedriger aus als zwischenzeitliche Umfragewerte. In Ostdeutschland ist die Partei mit großem Abstand stärkste Kraft.

Die SPD, die im Wahlkampf auch auf Kanzler Olaf Scholz als Zugpferd setzte, sackt ab auf 13,9 Prozent (15,8) – ihr schlechtestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl überhaupt. Die Grünen rutschen ab auf 11,9 Prozent (20,5). Nur leicht verliert die FDP, die auf 5,2 Prozent (5,4) kommt.

Foto: European Parliament, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Europaweit zeichnet sich Mitte-Rechts-Sieg ab

In ganz Europa gewann das Mitte-Rechts-Bündnis EVP mit der deutschen Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen. Nach einer ersten offiziellen Prognose des Europäischen Parlaments kann die CDU-Politikerin trotz starker Zugewinne von Rechtsaußen-Parteien auf eine zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission hoffen. Insgesamt bleibt das klar proeuropäische Lager weiter das mit Abstand größte.

Europaweit gewannen die zwei bisherigen rechtspopulistischen Parteienbündnisse EKR und ID teils deutlich hinzu. Insgesamt bleibt das klar proeuropäische Lager im Europaparlament aber weiter das mit Abstand größte. Selbst wenn sich alle rechten Parteien zusammenschließen würden, kämen sie voraussichtlich auf weniger als 200 Sitze und wären damit von einer Mehrheit weit entfernt. Diese liegt bei 361 Sitzen.

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Quo vadis Europa?

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Aus muslimischer Sicht können die Ergebnisse der Europawahl 2024 nur Sorgen bereiten. Ein Kommentar.

(iz). Eine große Überraschung ist es nicht: Die Zuwächse der Rechten in Europa gefährden zunehmend die europäische Idee. Offensichtlich sehnen sich Millionen von BürgerInnen des Kontinents nach den guten alten Zeiten und verlangen Ruhe in Zeiten des Veränderungsdruckes. Der Wunsch nach Heimat und der eigenen Kultur ergibt sich aus der Spiegelung des Phantasmas einer „Islamisierung“ des Abendlandes.

In Europa hat das Spiel mit den Ängsten Erfolg

Dabei fürchtet die Rechte nichts mehr als Differenzierung. Zu gut funktioniert das Spiel mit den Ängsten und dem Ressentiment der eigenen WählerInnen. Dieses Gedankengut treibt auch die bürgerlich-konservativen Parteien vor sich her.

Denn die reale, schnelle Lösung für ein Ende der starken Immigration nach Europa, zumindest innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen, ist nicht in Sicht. Das könnte man ehrlich zugeben. Nur Wahlen lassen sich so nicht gewinnen.

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Foto: Jürgen Nowak, Shutterstock

Bedenklich ist ein anderer Aspekt: Immer mehr junge Leute finden es chic, rechts statt links oder grün zu wählen. Dieser Trend nimmt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Renaissance des Nationalismus.

Denn die Probleme der nächsten Jahre – Abwendung der ökologischen Krise, Gefährdung des Wohlstandes und dauerhafte Inflation – werden nicht kleiner. In der Sprache des Wetters formuliert: Die dunklen Wolken über Europa sind nicht mehr zu übersehen.

Und wo stehen die Muslime?

Einerseits: Der vielbesungene politische Islam ist bisher nicht in der Lage, auch nur einen Sitz im Europaparlament zu erringen. Das Wählerpotential bei den Europawahlen summiert sich bei etwa 0,5%. Versuche, eine überzeugende Liste zu formieren, die der Vielfalt der Community tatsächlich entspricht, sind gescheitert. 

Andererseits: Das Engagement in den etablierten Parteien hat viele Muslime ernüchtert. Eine nennenswerte Willkommenskultur der Parteien, zumindest gegenüber praktizierenden Muslimen, besteht bisher nicht.

Im Ergebnis sind die Muslime kein politischer Faktor, sondern dienen nur als ein wichtiges Projektionsfeld in der politischen Auseinandersetzung. Das ist keine sonderliche angenehme Rolle.

Pandemie Muslime Großbritannien

Foto: Rocketclips, Inc., Shutterstock

In der Öffentlichkeit wird die Realität von Millionen Menschen, die in diesem Land Steuern bezahlen und sich absolut gesetzestreu verhalten, von den Rändern und mit Blick auf die Extreme beurteilt. Welche Schlüsse man aus dieser Lage zieht, bleibt in der inner-muslimischen Diskussion offen. Aber auch die Gesellschaft muss sich fragen lassen, ob die Millionen Muslime in Deutschland eine entsprechende faire Repräsentanz in unseren Institutionen erhalten.

Klar ist: Die einzige Alternative für die Muslime in Europa besteht darin, ihr Engagement für den sozialen Frieden und Gerechtigkeit weiter vorzuleben. Die Flucht in Parallelgesellschaften ist keine Option.

Und der Einsatz für die Idee eines freien Europas, das nicht in die gefährlichen Mechanismen der Vergangenheit zurückfällt, verdient nach wie vor unser ganzes Engagement. Die Hoffnung, wonach eine wachsende Zahl der EuropäerInnen einsehen, dass muslimische und europäische Identität keine Widersprüche sein müssen, besteht weiterhin.

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Nach dem Mord von Mannheim: Baum warnt vor „Anti-Islam-Hysterie“

mannheim katalysator

Nach dem tödlichen Angriff warnt das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ vor antimuslimischem Rassismus.

Mannheim (dpa). Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Polizisten hat das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ vor antimuslimischem Rassismus gewarnt und zur Teilnahme an einer Demonstration am Freitag aufgerufen – eine Woche nach der Tat. 

„Der erste Mensch, der den Angreifer abwehrte und Zivilcourage bewies, war Muslim. Eine Ersthelferin trug ein Kopftuch“, heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses vom Mittwochabend über den tödlichen Angriff auf den 29-jährigen Polizeibeamten.

Mannheim: Rassismus kann das Problem nicht lösen

Migration gehöre zu Mannheim, Vielfalt gehöre zu Mannheim. Mit Blick auf die AfD schrieb das Bündnis: „Die Forderung nach „Remigration“ ist zutiefst rassistisch und kann das Problem Islamismus nicht bekämpfen und schon gar nicht lösen.“

Den Umstand, dass der Täter ein Geflüchteter aus Afghanistan ist, wolle die AfD am kommenden Freitag nutzen, um in Mannheim gegen Muslime und Geflüchtete zu hetzen, hieß es weiter.

Das Bündnis ruft zu einer Gegendemonstration auf. Demnach soll gemeinsam und lautstark für eine vielfältige Demokratie und ein offenes Mannheim demonstriert werden – in Hör- und Sichtweite zur AfD-Demonstration.

Auf der Facebook-Seite der AfD Mannheim wird eine Demonstration „für Meinungsfreiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum!“ angekündigt – für Freitagabend auf dem Mannheimer Marktplatz.

Dort hatte am vergangenen Freitag ein 25-jähriger Afghane fünf Teilnehmer einer islamkritischen Kundgebung sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Polizist erlag später seinen Verletzungen. Die Tat hat die Debatte um die ausgesetzten Abschiebungen nach Afghanistan neu entfacht.

Baum warnt vor „Hysterie“

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) warnte unterdessen vor einer „Anti-Islam-Hysterie“ als Reaktion auf die Tat. Der Messerangriff sei eine zu verurteilende Untat und der gewalttätige Islamismus eine Gefahr, sagte Baum der dpa.

Aber nicht jeder Afghane sei ein religiös motivierter Gewalttäter. „Personen, die vor dem Terrorregime der Taliban hier Asyl gefunden haben, müssen dieses Recht behalten“, sagte er.