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Die AfD und die Machtfrage 

afd macht

Ein Kommentar über den Umgang mit der AfD bzw. anderen Extremen oder was sich dazu aus einem Buch von Ilja Trojanow lernen lässt.

(iz). „Gesichert rechtsextrem“ – das ist die Schlussfolgerung eines unveröffentlichten Berichts des Verfassungsschutzes über die Alternative für Deutschland.

Viele Muslime stimmen dieser Bewertung grundsätzlich zu, da das verfassungsfeindliche Ressentiment der Partei gegenüber einer der größten Minderheiten in Deutschland offenkundig ist. Eine andere Frage schließt sich dem an: sollte man die Partei kurzerhand verbieten?

Streit in der Republik: Wie soll man mit der AfD umgehen?

Hier sind die Stimmen gemischt: Viele Kommentatoren warnen vor einer möglichen Machtergreifung der Rechtskonservativen und der Aussicht auf einen anderen Staat. Sie argumentieren mit der geschichtlichen Erfahrung rund um die legale Machtaneignung und berufen sich auf die Losung: „Wehret den Anfängen.“

Das Problem dieses Lösungsansatzes liegt auf der Hand. Man kann die Partei zwar verbieten, aber nicht ihre WählerInnen aus der Welt schaffen. Sie werden sich als Opfer sehen und können sich auf anderem Wege weiter radikalisieren.

Gegner des Verbotsansatzes argumentieren, dass der Staat unbequeme Ansichten akzeptieren und Wählerstimmen nicht einfach ignorieren darf. Sahra Wagenknecht warnt gar vor einem „autoritären Umbau“ des Staates, der sich seinen Gegnern auf fragwürdigem Wege entledigt.

Zudem, so andere Stimmen, sei die Bekämpfung des Rechtsradikalismus nicht Aufgabe der Geheimdienste, sondern eine Herausforderung für die Zivilgesellschaft. Das Dilemma bleibt: wie kann eine Demokratie im Umgang mit ihren Feinden „demokratisch“ bleiben?

Trojanow: Bulgarien oder die Frage nach der Macht

Zum Thema passt eine neue Veröffentlichung von Ilija Trojanow: Das Buch der Macht. Er übersetzt – in eigenen Worten – ein bislang nicht übersetztes Großgedicht des bulgarischen Schriftstellers Stojan Michailowski aus dem Jahr 1897. Die Satire erzählt die Strategien, Einsichten und Lehren eines osmanischen Wesirs, der seinen Neffen für die Machtübergabe vorbereiten will.

Der Text wird zu einer Generalabrechnung über das Wesen oder besser Unwesen der Machtausübung, die unabhängig von dem jeweiligen historischen Kontext wirkt. An vielen Stellen wird man an eines der großen Bücher zum Thema erinnert, den Fürsten von Machiavelli.

Der Autor schafft einen Spannungsbogen, in dem er die schonungslosen, teilweise zynischen Aussagen über die Macht mit passenden Zitaten aus verschiedenen Epochen begleitet. Dabei überlässt er zunächst dem Leser das Denken und Urteilen. Im Ergebnis gelingt ihm eine faszinierende Collage über das Phänomen der politischen Macht.

Foto: Aufbau Verlag 2025

Im Nachwort setzt er diese Einsichten in den Kontext unserer Tagespolitik; ohne dabei die sozialen und ökonomischen Widersprüche unserer Zeit zu vernachlässigen. Ins Zentrum trifft auch seine Analyse der Politik Trumps und der rechten Bewegungen Europas, denen er vorwirft, die wirtschaftlichen Machtverhältnisse des Status quo nicht in Frage zu stellen.

Extreme profitieren vom Versprechen der Stabilität

Stattdessen, so der Autor, gaukeln diese politische Kräfte das Versprechen der Stabilität in einer Welt im Wandel vor. Die Identitätsfrage wird vom Individuum zum Staat verschoben:

„Anstelle einer verwirrenden Vielfalt an persönlichen Lebensentwürfen soll sich eine Gemeinschaft – so die Sehnsucht – an einer festen Burg orientieren, an einem unerschütterlichen Bollwerk, einer starken Bastion, einem eisernen Schild – Metaphern für den repressiven Staat als unerschütterliche Barriere gegen Chaos und Unsicherheit.“

Nach der Lektüre des Buches ahnt man, dass die Rettung der Demokratie keine kurzfristig zu lösende Frage ist, die auch ein schnelles Parteiverbot nicht garantiert. Trojanow zitiert Simone Weil, die dann erinnert, dass alle modernen Parteien stets ihre Ohnmacht beklagen, „die sie stets der unzureichenden Menge an Macht zuschreibt, über die sie verfügt“.

Die Verführung der Macht ist in politischen Systemen, die über ungeheure Mittel ihrer Ausübung verfügen, immanent vorhanden. Kurzum: Wer über ihr Wesen nachdenkt, kommt nie zur Ruhe. Da von allen Seiten – seien sie ökonomisch, religiös oder ideologisch motiviert – Gefahren für den Bestand der Zivilgesellschaft drohen.

Wie immer man zu einem Verbot der AfD steht, die Debatte über den Umgang mit Andersdenkenden ist so wichtig, dass sie nicht mit Schlagworten geführt werden kann. Es ist daher für das Niveau der Auseinandersetzung gut, wenn sich engagierte Schriftsteller wie Trojanow einmischen.

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Einstufung der AfD im Bund als „gesichert rechtsextrem“

afd

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft die „Alternative für Deutschland“ (AfD) seit dem 2. Mai 2025 offiziell als gesichert rechtsextrem ein ein.

Berlin (iz, dpa). Diese Neubewertung erfolgte nach einer mehrjährigen, intensiven Prüfung und basiert auf einer Vielzahl von Indizien, die sich im Verlauf der Beobachtung verdichtet und zur Gewissheit erhärtet haben.

Zentrale Begründungen

Das BfV stellt fest, dass die AfD in ihrer Programmatik, in öffentlichen Äußerungen und im Verhalten ihrer Repräsentanten wiederholt gegen die Menschenwürde, das Demokratie- und das Rechtsstaatsprinzip verstößt. Besonders schwer wiegt das in der Partei vorherrschende ethnisch-abstammungsmäßige Volksverständnis, das nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar ist.

Die AfD ziele demnach darauf ab, spezifische Bevölkerungsgruppen – insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten – von gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe auszuschließen. Dies äußert sich in abwertender Rhetorik und Begriffen wie „Messermigranten“ oder der pauschalen Unterstellung einer „kulturellen Gewaltneigung“.

Das BfV hat neben der Programmatik auch die Kontakte der AfD zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen und Akteuren in die Bewertung einbezogen.

Auf welche Rechtsgrundlagen bezog sich das Bundesamt?

Diese Einschätzung stützt sich auf ein über 1.000 Seiten umfassendes Gutachten, das zahlreiche Belege für die verfassungsfeindliche Ausrichtung der Partei zusammenstellt. Verschiedene Instanzen (Verwaltungsgericht Köln, OVG NRW) hatten zuvor die Einstufung als Verdachtsfall bestätigt, die jetzt zur gesicherten Feststellung führte.

Konsequenzen durch die Veröffentlichung

Mit der neuen Einstufung sinken die Hürden für Überwachungsmaßnahmen durch das BfV. Der Einsatz von V-Leuten, Observationen und technischen Mitteln wird erleichtert.

Verschiedene Stimmen für ein Verbot

Der frühere Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), hat ein zügiges Verfahren gegen die Partei gefordert. „Spätestens jetzt müssen alle drei Antragsberechtigten beim Bundesverfassungsgericht, also Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag, zeitnah ein Verbotsverfahren initiieren“, sagte er der „Rheinischen Post»“(Samstag).

Der Politiker ergänzte, das Offensichtliche sei nun „höchstbehördlich testiert“ worden. „Eine wehrhafte Demokratie muss eine wirkmächtige rechtsextreme Partei vom Spielfeld nehmen, ohne Wenn und Aber.“

Er war Initiator eines fraktionsübergreifenden Gruppenantrags, dem sich mehr als 120 Parlamentarier angeschlossen hatten, der aber im alten Bundestag nicht mehr zur endgültigen Abstimmung gekommen war. Die Parlamentarier wollten erreichen, dass das Parlament beim Bundesverfassungsgericht ein Parteienverbot beantragt.

Die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta aus Sachsen hatte dies unterstützt. Sie erklärte nun nach der Entscheidung des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sie plädiere „einmal mehr für ein Verbotsverfahren“.

Piechotta teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Gerade auch für Ostdeutschland ist es zwingend notwendig, dass auch endlich westdeutsche Politiker und Politikerinnen verstehen, dass an dieser Stelle die Instrumente des Grundgesetzes vollständig ausgenutzt werden müssen, um den Rechtsstaat abzusichern.“

Dem schloss sich die SPD-Politikerin Midyatli reagierte nicht überrascht. „Für mich ist klar: Das Verbot muss kommen.“ Das ganze Verfahren müsse weiter in der nötigen Sorgfalt, belastbar und ohne Fehler vorbereitet werden.

Faeser DIK Rechtsextremisten Geld

Foto: Deutscher Bundestag / Leon Kügeler / photothek

Faeser weist Vorwürfe der Einflussnahme zurück

Die geschäftsführende Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betont, das Amt habe seine Entscheidung über eine Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch selbst getroffen. „Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einen klaren gesetzlichen Auftrag, gegen Extremismus vorzugehen und unsere Demokratie zu schützen“, sagte sie laut einer Mitteilung.

Dabei arbeite die Sicherheitsbehörde eigenständig. Die jetzige Einstufung sei die Folge einer umfassenden Prüfung, deren Ergebnisse in einem 1.100-seitigen Gutachten festgehalten seien. „Es hat keinerlei politischen Einfluss auf das neue Gutachten gegeben“, versicherte Faeser.

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AfD verdoppelt Ergebnis

afd Rechtsextrem Bundestag widerstand Bundestagswahlen

Berlin (dpa/IZ). Die AfD demonstriert nach ihrem starken Stimmenzuwachs bei der Bundestagswahl Selbstbewusstsein und unterstreicht einen Machtanspruch. Der Wahlkampf sei extrem gut gelaufen. Ihr Ziel sei es, nach der nächsten Bundestagswahl auf Platz eins zu landen, sagte Parteichefin Alice Weidel bei einer Pressekonferenz am Tag nach der Wahl in Berlin. „Wir werden die CDU in den nächsten Jahren überholen und das wird sehr, sehr schnell gehen.“ 

Die wichtigsten AfD-Daten nach dem vorläufigen Endergebnis: 

Die Partei verdoppelt ihr Ergebnis von 2021 auf 20,8 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern – außer Berlin – wird sie überall stärkste Kraft mit bis zu 38,6 Prozent in Thüringen. Sie gewinnt Gelsenkirchen im Herzen des Ruhrgebiets, einst SPD-Hochburg.

Jeder fünfte Wähler unter 25 wählte die vom Verfassungsschutz beobachtete Partei, nur die Linke bekam in der jungen Wählergruppe mehr Zuspruch. Die Zahl der AfD-Abgeordneten schwillt von 77 auf 152 an, in einem Bundestag, der gleichzeitig nach einer Wahlrechtsreform von 733 auf 630 Sitze schrumpft. 

Weidel und Chrupalla wollen Fraktionschefs bleiben 

Weidel und ihr Co-Chef Tino Chrupalla wollen künftig auch weiterhin die AfD-Bundestagsfraktion anführen, wie beide deutlich machten. Die neue Fraktion kommt am Dienstag erstmals zusammen und wird darüber abstimmen. Chrupalla kündigte Oppositionsarbeit mit „Akribie und Diszipliniertheit“ an. 

Eine Regierungsbeteiligung ist ausgeschlossen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, lehnen alle anderen Parteien ab. Weidel kritisierte dies in Richtung Union erneut und sprach von einer Blockadehaltung. „Der Wähler wünscht sich eine Mitte-Rechts-Regierung.“ 

Ton und Auftreten der AfD im Bundestag dürften schon aufgrund ihrer Fraktionsgröße noch einmal deutlich selbstbewusster werden, als bisher schon. Weidel hatte direkt nach der Wahl in Anspielung auf eine frühere Äußerung von Ex-Parteichef Alexander Gauland angekündigt: „Wir werden die anderen jagen, dass sie vernünftige Politik für unser Land machen.“ 

Sperrminorität und Untersuchungsausschüsse 

Sehr knapp verfehlt hat die Partei ihr Ziel, ein Viertel der Bundestagssitze zu erobern. Bei 158 Sitzen wäre dies rechnerisch erreicht. Dann hätte sie ihren Plan umsetzen können, aus eigener Kraft Untersuchungsausschüsse einzusetzen, zum Beispiel zu Corona und zur Sprengung der Nord-Stream-Gasleitungen. 

Zusammen mit der Linken kommt die AfD auf 216 der 630 Sitze und damit auf knapp mehr als ein Drittel – eine sogenannte Sperrminorität. Union, SPD und Grüne kommen zusammen auf nicht genug Mandate, um mit nötiger Zwei-Drittel-Mehrheit Grundgesetzänderungen durchzusetzen, etwa um die Schuldenbremse zu reformieren oder ein erneutes sogenanntes Sondervermögen für die Bundeswehr aufzulegen. 

Nicht umsonst hat Merz ins Spiel gebracht, noch vor der Eröffnungssitzung des neuen Bundestages die Verfassung zu ändern, um sich Geld zur Finanzierung der Bundeswehr zu sichern. Denn mit den neuen Mehrheitsverhältnissen dürfte das enorm schwer werden. Die AfD lehnt Änderungen an der Schuldenbremse ab.

Das Versagen der anderen

Die oldenburgische Nordwest-Zeitung schreibt zum Wahlerfolg der Rechtspopulisten:

„Die AfD ist gekommen, um zu bleiben. Ihr Abschneiden zementiert die deutsche Spaltung. Es offenbart eine Repräsentationslücke und sogar politische Verzweiflung, wenn sich fast 40 Prozent der Wähler im Osten zu einer derart bekämpften Partei bekennen. Die AfD aber hat nicht gesiegt. Ihr Erfolg beruht auf dem Versagen der anderen. In den kommenden vier Jahren muss die Partei wieder einmal gar nichts tun, denn sie wird nicht in Verantwortung und Pflicht genommen. Weidel & Co. können abwarten und beim nächsten Mal ernten, weil versprochene ‚Merz-Wenden‘ absehbar ausbleiben werden.“

Woher die Stimmen kamen 

Die „Alternative für Deutschland“ konnte laut Infratest Dimap 1,8 Millionen Wähler aus dem Lager der Nichtwähler hinzugewinnen, 1 Million Wähler aus dem Lager der Union, 890.000 FDP- und 720.000 SPD-Wähler. 

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban gratulierte nach der Wahl Alice Weidel, nicht aber Unions-Kanzlerkandidat und Wahlsieger Friedrich Merz (CDU). „Das Volk von Deutschland hat in riesiger Zahl für den Wandel gestimmt“, schrieb der ungarische Rechtspopulist auf der Plattform X. „Ich möchte Alice Weidel dazu gratulieren, den Stimmanteil der AfD verdoppelt zu haben.“ Weidel verpasste nach eigenen Angaben in der Wahlnacht einen Glückwunsch-Anruf von US-Milliardär Elon Musk, der im Wahlkampf massiv für die Partei geworben hatte.

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Neues von den Rechten? Trump, Musk und die AfD im Rausch

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Bei der Krönungszeremonie von Donald Trump wurde auch ein politisch-religiöses Glaubensbekenntnis verkündet.

(iz). Ist es eine konservative Revolution? Diesen Eindruck will das Spektakel vermitteln, mit dem die zweite Präsidentschaft von Donald Trump in den USA begann. Die Krönungszeremonie begleitet eine selbstbewusste Äußerung des Politikers, die in den Rahmen des politischen Christentums fällt: „Ich glaube, dass mein Leben aus einem bestimmten Grund gerettet wurde. Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder groß zu machen.“

Trumps Glaubensbekenntnis

Diese Bestimmung der Mission Trumps ist nicht nur eine religiöse Verklärung der eigenen Rolle. Es ist auch ein Glaubensbekenntnis, das die Klammer seiner bunten, multiethnischen Wählergemeinschaft bildet.

Während sich die Gegner des Präsidenten um den Fortbestand der Demokratie sorgen, formuliert er – ganz im Sinne des rechtskonservativen Theoretikers Carl Schmitt – seine Großraumtheorie. Kanada, Grönland und Panama – wahrscheinlich auch Mexico – fallen in diesen Raumbegriff jenseits der antiquierten Nationalstaaten.

Die Theorie stellt das universale Völkerrecht infrage und betrachtet die Weltordnung als hierarchisch und von Machtverhältnissen bestimmt. Gebannt schaut die Welt zu, ob es Trump, den Mann ohne politische Eigenschaften, tatsächlich gelingen wird, den Krieg in der Ukraine mit einem „Deal“ zu beenden.

Elon Musk – die zweite zentrale Figur

Die andere zentrale Figur neben dem Präsidenten ist der Tech-Milliardär Elon Musk und sein Plan der ultimativen Eroberung des Raumes. Seine Patrioten im Raumanzug wollen auf dem Mars die amerikanische Flagge hissen. Daneben plant die Administration mit Hilfe des Geschäftsmanns eine Beschränkung der Staatsausgaben. Der Staatsapparat soll künftig sparen lernen, weniger solidarisch, sondern effizient agieren.

Die republikanische Träume, so die nüchterne Analyse Musks, sind von einem dynamisch wachsenden, gigantischen Schuldenberg bedroht. Neben der Vision einer Beherrschung des Raumes kommt der andere Schlüssel zur globalen Macht hinzu, der die Kernkompetenz der US-Wirtschaft im 21. Jahrhundert darstellt: die Verwaltung von Daten.

Donald Trump kündigte bereits Milliardenprogramme zum Ausbau der künstlichen Intelligenz an. Der Glaube der Tech-Giganten, eines Tages alles zu wissen und alles vorher zusehen, ist die andere pseudo-religiöse Komponente der amerikanischen Vision.

Tech-Genie Elon Musk macht

Foto: Kavi Design, Shutterstock

Ein Oligarch als Außenpolitiker

Nebenbei widmet sich Elon Musk der irdischen Außenpolitik. Mit seiner sozialen Plattform X ist er in der Lage, die Idee einer grenzenlosen Meinungsfreiheit umzusetzen. Seine Medien schüren einerseits die Konflikte zwischen den Kulturen und Religionen auf unterem Niveau, anderseits sind sie ideale Bühne, um den Brückenschlag zu den populistischen Kräften in Europa zu gestalten.

Zwei Beispiele der Kommunikationsstrategie sind die Bilder über seine platonische Liebe zur italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni oder unlängst ein Interview im Entertainment-Format mit der AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel.

Wie wirksam der Wind aus den USA in die Segel der Alternative für Deutschland weht, bleibt abzuwarten. Die Partei freut sich im Wahlkampf über jede Schlagzeile und sieht die Chance, bisher unpolitische, technikaffine junge Leute mit Hilfe der Sympathiebekundungen des Ingenieurs aus den USA zu gewinnen. Die AfD hat aber noch ein anderes Klientel im Visier.

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Foto: imago | Ina Peek

AfD-Kandidat Krah zielt auf Migranten und sogar Muslime ab

Während im Osten der Republik die Partei mit fragwürdigen, außerparlamentarischen Partnern weiter ungeniert die Politisierung der Straße betreibt, sind ihre expansiven Möglichkeiten im Westen des Landes beschränkt.

Der Europaabgeordnete Maximilian Krah lässt unter dem Eindruck der Erfolge der Machtachse Trump-Musk mit einem neuen Ansatz aufhorchen. Im Podcast „Ungeskriptet“ fordert er die eigene Partei auf, die Frage der Immigration differenzierter anzugehen und nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren.

Krah, der in den sozialen Medien Millionen junger Leute erreicht, sieht zum Beispiel in den Gemeinschaften mit türkischen Immigrationshintergrund mögliche Partner und in deutschlandfreundlichen Muslimen künftige WählerInnen.

Seine Strategie wird mit drei Argumenten unterlegt: Gläubige Menschen seien potentiell Konservative. Mit anderen, identitär motivierten Bewegungen könne man Bündnisse schließen. Und wegen der demographischen Entwicklung im Lande gäbe es für die AfD keine machtpolitische Alternative zu seinem Ansatz. Für ihn liefert der erfolgreiche Wahlkampf der Republikaner das Erfolgsrezept: Trump wird von verschiedensten Ethnien unterstützt.

Muslimfeindlichkeit Expertenkreis

Foto: Markus Spiske, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

In der AfD ist über diese strategische Frage heftiger Streit ausgebrochen, vor allem mit den Flügeln, die ideologisch tief in den „Remigrationsphantasien“ gründen und von einer nationalen Renaissance im alten Stil träumen.

Langfristig könnte der theoretische Ansatz einer „wählbaren“ AfD Unruhe in die Community bringen: Ist es ausgeschlossen, dass die Glaubensgemeinschaften, die sich nach Anerkennung und Identität sehnen, diese denkbare Avance der AfD anspricht? Bisher ist die Mehrheit aller Muslime klar gegen die Rechtspopulisten positioniert.

Sie ist aber zunehmend ratlos, welches andere Angebot des Parteienspektrums ihrem Menschen- und Weltbild entspricht. Eine Option ist daher, gar nicht mehr zu wählen. Für die etablierten Parteien bietet die Lage eine letzte Chance: Entweder sieht sie das Potential der Muslime endlich positiver oder diese Gesellschaftsschicht sucht sich neue politische Alternativen.

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Zwei Zäsuren in Deutschland

said rezek afd deutschland

Zäsuren der politischen Landschaft in Deutschland: Die AfD und das BSW dominierten die Landtagswahlen im Osten. „Die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Sachsen und Thüringen am Sonntag (…) sorgen für weitere […]

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Demokratieforscher Pickel: Parteien müssen weg von AfD-Themen

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Von den Ergebnissen der Landtagswahlen ist der Soziologe und Rechtsextremismus-Forscher Gert Pickel nicht ganz überrascht, aber doch erschüttert. Für die etablierten demokratischen Parteien sieht er einen klaren Auftrag. (KNA). Wie […]

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Demokratieforscher Gert Pickel: Parteien müssen weg von AfD-Themen

Programmdebatte cdu pickel

Interview: Von den Ergebnissen der Landtagswahlen ist der Soziologe und Rechtsextremismus-Forscher Gert Pickel nicht ganz überrascht, aber doch erschüttert. Für die etablierten demokratischen Parteien sieht er einen klaren Auftrag.

Leipzig (KNA). Wie sind die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen einzuordnen? Und welche Schlüsse sollte man nicht daraus ziehen? Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach darüber am 2. September in Leipzig mit dem Soziologen Gert Pickel, Vize-Sprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig.

In Thüringen wurde die AfD mit 32,8 Prozent stärkste Kraft, in Sachsen mit 30,6 Prozent zweitstärkste. In beiden Ländern stuft der Verfassungsschutz die Partei als gesichert rechtsextrem ein. Von Karin Wollschläger

Frage: Herr Professor Pickel, Ihr erster Eindruck zu den Wahlergebnissen?

Gert Pickel: Was mich erschüttert, ist das starke Wahlergebnis einer gesichert rechtsextremen Partei. Durch die Umfragen ist es nicht ganz überraschend, aber trotzdem erschreckend. Vor allem wenn man sich die Altersstruktur anschaut: Es sind vor allem junge Wähler, die die AfD sehr stark wählen. Und die CDU hat in Sachsen beispielsweise vor allem dadurch gewonnen, dass die älteren Wähler CDU gewählt haben.

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Symbolbild: AfD-Kovorsitzende Weidel spricht vor Kameras. (Juergen Novak, Shutterstock)

Frage: Die AfD bekam in beiden Ländern über 30 Prozent – ist es diesen Wählern egal, dass sie rechtsextrem wählen?

Gert Pickel: Einigen ist es schlicht egal. Andere folgen der Argumentationslinie der AfD, dass sie doch eigentlich nur eine konservative Partei sei und solche Einordnungen als rechtsextrem durch die anderen Parteien nur Meinungsmache und Populismus seien. Die AfD baut bewusst einen Märtyrerstatus auf und das zieht unter ihren Wählern. Gerade mit Blick auf die Anti-Migrationshaltung und auch auf ihre rassistische Haltung.

Frage: In Thüringen haben über 48 Prozent, in Sachsen über 42 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme keiner der etablierten demokratischen Parteien gegeben – sondern AfD oder BSW. Wie ist das einzuschätzen?

Gert Pickel: Das bedeutet eine beachtliche Gefährdung der Demokratie in beiden Bundesländern. Man muss sich klar vor Augen führen, was etwa die AfD umsetzen will: zum Beispiel den Verfassungsschutz und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen. Man kann etwas beobachten, was wir etwa aus Ungarn schon kennen, wo sehr ähnlich argumentiert wird.

Es ist eine gegen Vielfalt, Moderne und Demokratie gerichtete Überzeugung. Der Weg ist mit Blick auf die Wahlergebnisse nicht mehr weit zu so einer Art Systemwandel. Das müsste auch den tradierten Parteien zu denken geben.

Debattenklima gesellschaft Deportationsszenarien solingen

Foto: r.classen, Shutterstock

Frage: Die scheinen aber keinen richtigen Anpack gegen den extremen Populismus zu finden – das Problem ist ja nicht neu.

Gert Pickel: In der Tat. Sie müssen sich endlich Antwort-Strategien überlegen, das fehlt bei den anderen Parteien bislang fast gänzlich. Außer dass man darauf gesetzt hat, gerade die Themen stark zu machen, für die die AfD steht: Migrationspolitik. Man hat in den vergangenen Wochen quasi nichts anderes gehört. Man wird aber keine Wähler hinzugewinnen, wenn man selbst plötzlich eine härtere Migrationspolitik fährt. Man bestätigt nur, was die AfD dazu gesagt hat. 

Sinnvoll ist es eher aufzuzeigen, welche Probleme mit einer AfD-Regierung kämen – das haben zuletzt gerade Wirtschaftsunternehmen getan. Auch dass es einen Brain-Drain weg aus Sachsen und Thüringen geben würde. Den Leuten muss klar werden, was das Problem an diesen Entwicklungen ist.

Frage: Welche Schlüsse sollte man aus den Wahlergebnissen nicht ziehen?

Gert Pickel: Man sollte nicht den Schluss ziehen, aus machtpolitischen Gründen doch mit der AfD kooperieren zu wollen, weil es eine demokratisch gewählte Partei ist. Das hat noch nie funktioniert.

Man sollte sich auch nicht auf das Feld der AfD ziehen lassen und den rechten Themen folgen, sondern eigene setzen und diese eigenen Kompetenzen stärker akzentuieren.

Das Dritte: Man muss in den Sozialen Medien – gerade mit Blick auf die jüngeren Wähler – deutlich sichtbarer werden und TikTok beispielsweise nicht nur der AfD und Islamisten überlassen.

Frage: Die Kirchen haben sich öffentlich klar gegen die AfD positioniert, teils auch gegen BSW. Welche Relevanz kommt dem zu? In beiden Bundesländern sind Christen ja in der klaren Minderheit.

Gert Pickel: Wenn nur ein kleiner Teil Mitglied ist, erreicht man auch nur einen kleinen Teil. Aber trotz allem: Jeder kleine Teil zählt. Dementsprechend ist es wertvoll zu wissen, dass man hier eine Position hat, die klar macht: Menschenfeindliche Positionen sind unvereinbar mit den christlichen Grundwerten. Ich finde, das ist eine überzeugende Position und wichtig.

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 351):  weniger Gefährder und mögliche Ausschreitungen

Hassverbrechen kurzmeldungen Weihnachtsmarkt

Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 351) reichen von der Abnahme von „Gefährdern“, über Einstellungen zur Gewalt bis zu einem Preis für eine Moschee. BKA: Zahl der Gefährder nimmt ab BERLIN […]

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Eine Klatsche für die Ampel

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Die Parteien der regierenden Ampelkoalition mussten massive Verluste bei Europa- und Kommunalwahlen einstecken. Populistische Extreme konnten zulegen. (iz). Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament und zu den Kommunalvertretungen in mehreren […]

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Wüst zu Anschlägen in der Keupstraße: NSU-Opfer wurden nicht geschützt

köln keupstraße

20 Jahre ist es her, dass in der Kölner Keupstraße mehrere Menschen von einer Nagelbombe verletzt wurden. Der NRW-Ministerpräsident bat die Opfer um Entschuldigung.

Köln (KNA). NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat die Betroffenen des NSU-Anschlags in der Kölner Keupstraße um Entschuldigung gebeten. 

„Der Staat, dessen vorderste Aufgabe es ist, die Menschen zu schützen, muss eingestehen, dass er in der Keupstraße an diesem Anspruch gescheitert ist. Er hat die Menschen nicht geschützt. Er hat sie weder vor körperlichen und seelischen Schäden noch vor falschen Verdächtigungen bewahrt“, schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für den Kölner „Stadt-Anzeiger“ (Samstag) und die türkische Zeitung „Hürriyet“.

Er bitte „alle, denen so lange nicht geglaubt wurde und die fälschlicherweise selbst ins Visier der Ermittlungen gerieten, obwohl sie Opfer waren, um Entschuldigung“.

Bei dem Anschlag am 9. Juni 2004 waren 22 Menschen von einer Nagelbombe in der Keupstraße verletzt worden, vier von ihnen schwer. Zu der Tat bekannte sich der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Am Sonntag wurde im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an das Attentat erinnert.

Wüst beklagte, die Anwohner der Keupstraße hätten „nicht nur den Schock des Anschlags und die Angst um das eigene Leben erfahren müssen, sondern auch Vorverurteilung und Diffamierung“. Teilweise sei sogar gegen die Betroffenen und ihre Angehörigen ermittelt worden.

Auch die Gesellschaft und die Medien hätten Fehler gemacht, was die Einführung des „unsäglichen Begriffs der ‘Dönermorde’“ zeige. Das „engstirnige Denken in geistigen Schubladen“ sei die Quelle der Fehler gewesen. „Gerade jetzt, wo rechtsradikale Parteien mit Vorurteilen und Ausgrenzung wieder erfolgreich Politik machen, muss die demokratische Mitte gemeinsam gegen ein solches Denken einstehen“, fordert der CDU-Politiker.

NRW habe aus Fehlern gelernt. Polizei und Justiz spiegelten „heute selbst die gesellschaftliche Vielfalt unseres Landes stärker wider“.