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Fabian Goldmann über die deutsche Gaza-Berichterstattung: Nicht der Journalismus, wie er sein sollte

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Wie einseitig ist die deutsche Berichterstattung über den Gaza-Krieg? Fabian Goldmann hat mehr als 11.000 Beiträge von „Bild“, „Spiegel“, „Tagesschau“, taz und „Zeit“ ausgewertet. Im IZ-Gespräch erklärt er, warum israelische Opfer darin um ein Vielfaches überrepräsentiert sind und palästinensische Stimmen kaum vorkommen.

(iz). Wie ausgewogen berichten deutsche Medien über Gaza? Der Journalist und Islamwissenschaftler Fabian Goldmann hat mehr als 11.000 Beiträge von „Bild“, „Spiegel“, „Tagesschau“, taz und „Zeit“ systematisch ausgewertet.

In seinem neuen Buch „Staatsräsonfunk. Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“ beschreibt er, wie offizielle israelische Quellen und militärische Sprachmuster die Berichterstattung prägten, während palästinensische Perspektiven und individuelle Schicksale oft unsichtbar blieben.

Im Gespräch erläutert der Autor seine Recherche, die Grenzen großer Medienhäuser – und worauf Leser achten können, um Nachrichten kritischer einzuordnen.

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Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Dabei wurde häufig einfach die Sprache des israelischen Militärs übernommen“

Islamische Zeitung: Sehr geehrter Herr Goldmann, Anfang des Jahres ist Ihr Buch „Staatsräsonfunk: Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“ (mit einem Vorwort von Ilan Pappé) erschienen. Können Sie Ihre Beweggründe und seinen Inhalt umreißen?

Fabian Goldmann: Das Buch kam im Februar heraus. Die dritte Auflage wurde gerade im August verlegt. Ich glaube, auf einigen Websites wird das falsch angezeigt. Tatsächlich ist es bereits sechs Monate auf dem Markt.

Mit dem Thema selbst habe ich mich deutlich früher beschäftigt. Das Schreiben hat etwa anderthalb Jahre gedauert. Unmittelbar nach dem 7. Oktober begann ich mit den ersten Recherchen, weil mir auffiel, dass in unserer Berichterstattung einiges schiefläuft.

Ich habe gemerkt, dass israelische Presseberichte und Verlautbarungen der Armee wiederholt als journalistische Inhalte präsentiert werden. Man stieß auch immer wieder auf Euphemismen wie „begrenzte Bodenoperationen“, „präzise Gegenschläge“ oder „Evakuierungsanordnungen“.

Dabei wurde häufig einfach die Sprache des israelischen Militärs übernommen. Mir fiel auf, dass zum Beispiel in Talkshows auf einmal kaum noch palästinensische Stimmen zu Wort kamen, ebenso nicht in Nachrichtensendungen.

Daher habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. Mir war bald klar, dass das Ausmaß der Probleme in unserer Berichterstattung über den sogenannten Nahen Osten so groß ist, dass einzelne journalistische Texte oder Social-Media-Inhalte dem nicht gerecht werden können.

Deshalb lag es nahe, ein Buch darüber zu schreiben.

Das habe ich über einen längeren Zeitraum gemacht. In den vergangenen Jahren habe ich vor allem in Bibliotheken gearbeitet und sehr viele, teils tausende Nachrichtenbeiträge ausgewertet.

Im Wesentlichen gleiche ich in dem Buch die existierende Berichterstattung mit der Frage ab, wie sie eigentlich aussehen sollte. Maßstab sind etablierte journalistische Standards, wie sie in Programmaufträgen, im Medienstaatsvertrag und in Journalismushandbüchern festgehalten sind: Ausgewogenheit, Perspektivenvielfalt, Faktentreue und die Bereitstellung wichtiger historischer, juristischer und politischer Kontexte.

Dabei bin ich durchgehend zu dem Ergebnis gekommen, dass die mediale Vermittlung, wie wir sie seit fast drei Jahren erleben, zum einen wenig mit dem Journalismus zu tun hat, wie er sein sollte. Zum anderen hat sie kaum mit der Realität in Gaza und weiteren Teilen der Region zu tun.

Sie bewegt sich vielmehr sehr stark in einem engen Korridor, der auch den deutschen Diskurs prägt und unter der Überschrift Staatsräson vorgegeben wird: durch die Brille unserer Geschichte, israelischer Sicherheitsinteressen usw.

Zum anderen orientiert sich die Berichterstattung häufig an den Vorgaben der israelischen Armee. Das ließ sich in allen Aspekten und Dimensionen des Themas immer wieder feststellen: Die großen Narrative, aber auch konkrete Angaben zu einzelnen Ereignissen wurden häufig von der Regierung und den Streitkräften übernommen.

Ich wollte ebenso wissen, welche Folgen eine solche mediale Darstellung hat. Journalistinnen und Journalisten sind nicht nur Beobachter, die aufschreiben, was in der Welt passiert. Gerade in einer Demokratie sind sie ebenfalls Akteure.

Sie prägen den politischen Diskurs und Entscheidungen mit. Bestenfalls können sie auf Unrecht und Gewalt hinweisen und dadurch Veränderungen anstoßen. Im schlimmsten Fall können sie all das selbst mit unterstützen.

Foto: Fabian Goldmann

„Besonders freue ich mich über das positive Feedback bei den Lesungen“

Islamische Zeitung: Es wurde unter anderem von der SZ oder dem Fachmagazin „Zenith“ rezensiert. Waren Sie von der bisherigen Resonanz überrascht?

Fabian Goldmann: Mittlerweile gibt es, glaube ich, 13 oder 14 Rezensionen, und fast alle sind sehr positiv, teilweise sogar überschwänglich. Die meisten sind allerdings in linken bzw. alternativen Medien erschienen. Die „Süddeutsche Zeitung“ ist da eine rühmliche Ausnahme.

Von den großen Medienhäusern, gerade von denen, die ich im Buch kritisiere, kam bisher wenig. Das hat mich überrascht. Ich dachte, es würde nach seinem Erscheinen in der Luft zerrissen. Stattdessen wird es von vielen Medien eher ignoriert. Noch mehr überrascht hat mich aber die Resonanz der Leserschaft.

Als es veröffentlicht wurde, war ich mir nicht sicher, ob das Thema noch aktuell genug ist. Ich habe mich gefragt, ob die öffentliche Wahrnehmung und das Interesse nicht längst wieder bei anderen Themen liegen. Zum Glück war das nicht so. Die Verkaufszahlen sind sehr gut.

Die dritte Auflage ist nun erschienen. In den kommenden Wochen kommt das Hörbuch heraus; und rund um das Buch sind weitere Projekte geplant. In den vergangenen Monaten hatte ich knapp 40 Veranstaltungen, die durchweg sehr gut besucht waren.

Besonders freue ich mich über das positive Feedback bei den Lesungen. Das kommt zum Beispiel von Menschen, die unmittelbar betroffen sind oder selbst einen Bezug zu Palästina und der Region haben. Einige erzählen mir, wie viel Mut ihnen das Buch macht und in welchem Maße es sie bestärkt.

Eine große Menge hat offenbar schon länger die vage Ahnung, dass mit unserer Berichterstattung etwas nicht stimmt. Der Text liefert dafür konkrete Zahlen und Argumente. Solche Rückmeldungen freuen mich weit mehr als Buchbesprechungen in Zeitungen.

„Es gibt großartige Beiträge, in fast allen Medien“

Islamische Zeitung: Sie haben in der ersten Antwort von „durchgehend“ gesprochen. Gelten Ihre Erkenntnisse allgemein oder sehen Sie Abstufungen in der Weise, in der über den Gazakrieg geschrieben wurde?

Fabian Goldmann: Das bedeutet natürlich nicht, dass hundert Prozent der Berichte durchgehend einseitig oder irreführend sind. Es gibt großartige Beiträge, in fast allen Medien. Bei Springer würde ich da vielleicht eine Ausnahme machen. Untersucht habe ich „Bild“, den „Spiegel“, die „Tagesschau“, die taz und die „Zeit“.

Es gibt immer wieder einzelne, sehr gut recherchierte Texte, die einen wichtigen Einblick in Verbrechen und Leid in Gaza geben. Sie bleiben jedoch eher ein Ausnahmefall. Mich hat deshalb vor allem interessiert, was der Regelfall ist: Gibt es ein Muster in der Berichterstattung?

Bei sämtlichen Medien, die untersucht wurden, von der „Bild“ bis zur taz, zeigt sich, was ich angesprochen habe: eine starke Orientierung an offiziellen Angaben und Narrativen aus Israel. Besonders deutlich ist das in der Nachrichtenberichterstattung.

Hinzu kommt das häufige Ausblenden palästinensischer und libanesischer Opfer. Israelische Gewaltopfer sind in allen untersuchten Medien um ein Vielfaches überrepräsentiert.

Dabei gibt es durchaus Abstufungen. Das lässt sich etwa an der Berichterstattung über Opfer verdeutlichen. In der „Bild“ sind israelische Opfer, gemessen an der tatsächlichen Gesamtzahl, gegenüber palästinensischen Gewaltopfern um das 96-Fache unverhältnismäßig viel vertreten.

Das ist eine abstrakte Zahl. Sie bedeutet aber, dass palästinensische Opfer dort so gut wie gar nicht vorkommen. Am besten schnitt in dieser Hinsicht die taz ab. Bei ihr waren israelische Opfer nur um das 17-Fache überrepräsentiert.

Auch das ist noch ein krasses Missverhältnis. Damit ist das Spektrum der untersuchten Medien beschrieben. „Spiegel“, „Tagesschau“ und „Zeit“ liegen zwischen beiden Polen.

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Foto: Bjoern Wylezich, Shutterstock | Lizenz: Shutterstock

„Mir ging es darum, empirisch fundiert und systematisch vorzugehen“

Islamische Zeitung: Sie haben eben von einer systematischen Auswertung gesprochen. Die wenigsten kommen aus der Medienanalyse. Wie erkennt und erfasst man solche Muster konkret? Arbeitet man dabei, vereinfacht gesagt, mit Kategorien und Strichlisten, oder kommt Technik zum Einsatz? Wie werden einzelne Beiträge eingestuft und ausgewertet?

Fabian Goldmann: Gut, dass Sie das ansprechen, denn das war mir wichtig. Ich wollte nicht bloß ein paar krasse Einzelfälle herausgreifen, daraus zugespitzte Thesen formulieren und eine Polemik oder Streitschrift gegen deutsche Medien schreiben.

Mir ging es darum, empirisch fundiert und systematisch vorzugehen. Dafür muss man zunächst sehr viele Beiträge analysieren. Im Buch stelle ich unterschiedliche Untersuchungen vor. Eine davon umfasst 11.125 Beiträge aus „Bild“, „Spiegel“, „Tagesschau“, taz und „Zeit“ aus dem Zeitraum vom 7. Oktober 2023 bis zum 19. Januar 2025, dem Beginn der kurzzeitigen Waffenruhe.

Nach welchen Kriterien habe ich diese ausgewählt? Die einfache Antwort lautet: Ich habe alle ausgewertet. Es handelt sich also nicht um eine Stichprobe, die für etwas Größeres stellvertretend sein soll, sondern um eine Vollerhebung.

Das Geschehen war enorm dynamisch. Andere Untersuchungen betrachten zum Beispiel nur die ersten drei Wochen. Ich fand, dass das nicht repräsentativ sein kann.

Außerdem wollte ich die Methode für Leserinnen und Leser nachvollziehbar machen, die keine medienwissenschaftliche Ausbildung haben. Bei einer kleinen Auswahl müsste man erst ausführlich begründen, warum etwa 40 Beiträge repräsentativ für 10.000 stehen sollen. Das wäre eine zusätzliche Hürde.

Technisch lief das so: Ich habe die Websites der Medien ausgelesen, also Webscraping betrieben. Alle Beiträge, die in diesem Zeitraum zum Nahostkonflikt erschienen sind, wurden in einer großen Datenbank zusammengeführt. Dafür musste man ein wenig programmieren. Zum Glück hatte ich Unterstützung von Leuten, die sich damit gut auskennen.

Auf Grundlage dieses Datensatzes habe ich unterschiedliche Auswertungen vorgenommen. Eine davon betraf die Quellenauswahl in Nachrichtenbeiträgen. Dafür habe ich die Überschriften der mehr als 11.000 Beiträge untersucht. Titel in Nachrichtenmedien sind meist sachlich formuliert und beziehen sich auf ein konkretes Ereignis.

Ich habe sie den jeweiligen Quellen zugeordnet. Das habe ich zunächst selbst gemacht, anschließend hat eine weitere Person die Zuordnungen überprüft, um mögliche Fehler zu erkennen.

Danach habe ich die Quellen verschiedenen Kategorien zugeordnet: der israelischen Regierung, der Bundesregierung, NGOs, palästinensischen Reporterinnen und Reportern usw. Dabei zeigte sich eindeutig, wie stark israelische Quellen, insbesondere offizielle Quellen, überrepräsentiert sind.

Ein Ergebnis lässt sich gut veranschaulichen: Nimmt man sämtliche Schlagzeilen von „Bild“, „Tagesschau“, „Zeit“ und „Spiegel“, die auf palästinensischen Angaben beruhen, und fasst sie zusammen, also Angaben von Augenzeugen, Reporterinnen und Reportern, der Hamas, der PLO, der palästinensischen Autonomiebehörde oder Ministerien, dann ergibt das einen bestimmten Umfang.

Fügt man sämtliche Schlagzeilen hinzu, die auf Quellen aus Libanon, Syrien, Jemen und Iran beruhen, ebenso die auf Grundlage internationaler Organisationen wie UNO, UNHCR, Welternährungsprogramm oder WHO sowie von humanitären Organisationen und Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen, dann ist dieser gesamte Block nur etwa halb so groß wie die Zahl der Titel, die allein auf Angaben der israelischen Regierung und Armee beruhen. Das hat aus meiner Sicht nichts mit der Quellenvielfalt und sorgfältiger Recherche zu tun, wie sie im Journalismus vorgesehen sind.

Das war nur eine von vielen Untersuchungen. Mit dem Datensatz aus mehr als 11.000 Beiträgen habe ich auch analysiert, was für Bezeichnungen für welche Gewalttaten genutzt werden.

Dabei habe ich zum Beispiel gezählt, wie oft spezifische Worte vorkommen. Das Ergebnis war, dass für israelische Gewalttaten häufig euphemistische Formulierungen verwendet werden, etwa „begrenzte Bodenoperationen“ oder „präziser Spezialangriff“. Für gegen Israel gerichtete Gewalt werden dagegen häufiger dramatisierende Begriffe benutzt, etwa „Großangriff“, „beispiellos barbarisch“ oder „Massaker“.

Das Auslesen der Websites war technisch aufwendig. Die eigentliche Auswertung war dagegen größtenteils Handarbeit, eher klassisch, wie medienwissenschaftliche Untersuchungen vor zehn Jahren oft durchgeführt wurden.

Es gibt inzwischen bessere technische Tools. Aber ein solches System aufzubauen, das zuverlässig und möglichst fehlerfrei arbeitet, wäre für mich aufwendiger gewesen, als die Auswertung händisch vorzunehmen.

Eine weitere Analyse betraf die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“. Es war die erste, die ich überhaupt durchgeführt habe, und ihre Ergebnisse haben mich selbst erschreckt. In diesem Ausmaß hatte ich das zuvor nicht für möglich gehalten.

Auch hier habe ich über einen Zeitraum von 15 Monaten verschiedene Dinge erfasst, unter anderem das Verhältnis zwischen israelischen und palästinensischen Repräsentantinnen und Repräsentanten, die dort zu Wort kamen.

Mehrere Monate lang musste ich suchen, bis überhaupt erstmals ein palästinensischer Vertreter zu sehen war. Israelische Vertreter kamen dagegen fast in jeder Sendung vor, teilweise sogar mehrere in einer Ausgabe.

Erst nach 15 Monaten kam erstmals ein palästinensischer Repräsentant zu Wort. Das hat aus meiner Sicht nichts mit dem Gebot der Ausgewogenheit zu tun, das für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und damit auch die „Tagesschau“ gesetzlich verankert ist.

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Foto: A-One Rawan, Shutterstock

„Bei palästinensischen, libanesischen, iranischen, jemenitischen und syrischen Toten bleiben dagegen häufig nur Zahlen“

Islamische Zeitung: Ihr Buch beschreibt nicht nur falsche oder verkürzte Informationen, sondern zusätzlich eine ungleiche Sichtbarkeit und Empathie gegenüber israelischen und palästinensischen Opfern. Welche journalistischen Routinen tragen Ihrer Ansicht nach am stärksten zu dieser Hierarchie des Mitgefühls bei?

Fabian Goldmann: Sie haben schon vieles richtig angesprochen. Zunächst muss man feststellen, dass von israelischen Opfern sehr viel häufiger berichtet wird als über palästinensische Opfer. Dazu hatte ich gerade Zahlen genannt: Im Durchschnitt waren sie, glaube ich, um das 34- oder 35-Fache überrepräsentiert.

Das ist aber nur der geringste Teil des Problems. Über sie wird auf eine ganz andere Weise berichtet, nämlich viel empathischer. Man hört ihre Namen, sieht ihre Gesichter und liest ihre Geschichten. Man erfährt, was ihnen passiert ist, und erkennt weinende Angehörige am Grab.

Bei palästinensischen, libanesischen, iranischen, jemenitischen und syrischen Toten bleiben dagegen häufig nur Zahlen.

Sie werden oft nur in Hunderterzahlen gemeldet. Am Ende steht dann oft der Hinweis, es handle sich angeblich um Angaben der Hamas, die nicht überprüft werden könnten. Dadurch wird das Leid zusätzlich relativiert, auf Distanz gehalten und entfremdet.

Ein weiterer Aspekt ist die Frage, über wen überhaupt berichtet wird. Bei der von mir genannten 34-fachen Überrepräsentation habe ich alle Opfer einbezogen. Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich hingegen, dass auf israelischer, palästinensischer und libanesischer Seite über unterschiedliche Gruppen von Menschen berichtet wird.

Auf israelischer Seite handelt es sich zu einem sehr großen Teil, in mehr als 90 Prozent der Fälle, um Zivilisten oder um Personen, die als solche dargestellt werden. Auch wenn über Soldaten berichtet wird, erscheinen sie häufig zunächst als Zivilisten.

Man erfährt dann vielleicht erst im fünften Absatz, dass jemand am 7. Oktober aus einem Panzer entführt wurde. Da fragt man sich: Was macht dieser Zivilist dort? Liest man weiter, wird deutlich, dass es sich um Armeeangehörige handelte. Auch in der Bebilderung zeigt sich das. Bei diesen getöteten Soldaten werden häufig sogar Kinderfotos als Aufmacher verwendet.

Bei Menschen, die von israelischer Gewalt betroffen sind, ist die Darstellung ganz anders. Wenn sie überhaupt in den Medien vorkommen, handelt es sich bei palästinensischen Toten in mehr als 60 Prozent der Fälle um sogenannte Terroristen. Das trifft jedoch oft nicht zu.

So werden etwa Journalistinnen und Journalisten, wie wir wissen, häufig ohne Belege als Hamas-Kämpfer dargestellt.

Solche Beiträge erzeugen beim Publikum keine Empathie. Das wird dadurch verstärkt, dass sie als Erfolgsmeldungen präsentiert werden, oft mit einem grimmig blickenden Foto eines angeblichen Hamas-Anhängers.

Bei Menschen aus anderen Ländern war diese Tendenz noch stärker. Bei palästinensischen Todesopfern lag der Anteil der als „Terroristen“ bezeichneten Personen bei über 60 Prozent, bei libanesischen Toten sogar bei mehr als 90. Zivilisten aus dem Libanon kamen in der Berichterstattung der untersuchten Medien damit so gut wie gar nicht vor.

Und wenn sie vorkamen, dann meist in anonymisierter Form. Einzelschicksale, bei denen man eine Person sieht, ihre Geschichte erfährt und überhaupt die Möglichkeit bekommt, sich mit ihr zu identifizieren, gibt es bei libanesischen sowie iranischen Opfern bei uns so gut wie gar nicht.

„Solch eindeutig positive Ausnahmen gibt es in Deutschland aus meiner Sicht kaum“

Islamische Zeitung: Ist Ihnen bekannt, wie internationale Kollegen bspw. auf die erkennbare Ungleichgewichtung reagieren? Wie würden Sie die hiesige mediale Vermittlung mit der ausländischen – bspw. mit „Haaretz“ – vergleichen?

Fabian Goldmann: Am häufigsten wurde mir aus unterschiedlichen Ländern Unglauben oder Fassungslosigkeit vermittelt. Oft habe ich gehört: „Ich dachte schon, die Berichterstattung in unserem Land sei katastrophal. Aber was bei euch passiert, ist noch einmal viel krasser.“

Sie haben „Haaretz“ angesprochen. Ohne die israelische Medienlandschaft beschönigen zu wollen: Dort gibt es zumindest die Möglichkeit kritischer Berichterstattung, etwa in „Haaretz“ oder im „+972 Magazine“, das großartige Arbeit macht.

Es gibt dort immerhin vereinzelt gute Medien. Die großen Massenmedien sind in Israel jedoch in vielerlei Hinsicht katastrophal, zum Teil schlimmer als bei uns. Dort wird häufig auch ganz offen zu Gewalt und zum Genozid aufgerufen.

Solch eindeutig positive Ausnahmen gibt es in Deutschland aus meiner Sicht kaum. In vielen anderen westlichen Ländern haben sich dagegen mittlerweile reichweitenstarke, oft linke oder alternative Medien etabliert, etwa „Zeteo“, „Drop Site News“, „The Intercept“ und „Democracy Now!“ in den USA. Das „+972 Magazine“ hatte ich bereits erwähnt.

Bei uns würde ich sagen, dass die taz das einzige größere linke Medium ist, das eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Für sie gelten aber ähnliche Probleme wie bei „Tagesschau“, „Zeit“ und „Spiegel“.

Ein Unterschied zu anderen Ländern zeigt sich auch daran, dass es in deutschen Redaktionen kaum öffentlichen Protest oder Gegenwehr gegeben hat. Ein Umdenken innerhalb der Medienhäuser ist jedenfalls nicht erkennbar.

Im Ausland war die Berichterstattung großer Medien wie BBC, CNN oder AP ebenfalls problematisch. Dort gab es aber immer wieder Stimmen aus den Redaktionen, die gesagt haben: Bis hierhin und nicht weiter. Mitarbeitende gingen an die Öffentlichkeit, kritisierten Missstände im eigenen Haus und forderten teils auch den Rücktritt von Verantwortlichen.

So wurde etwa ein offener Brief zur Gaza-Berichterstattung der BBC von über 230 Medienschaffenden unterzeichnet, darunter mehr als 100 Beschäftigte der BBC. Die Unterzeichnenden kritisierten eine aus ihrer Sicht nicht durchgehend faire, genaue und faktenbasierte Berichterstattung.

Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland bis heute nicht. Auf einen offenen Brief aus der taz-, Zeit- oder Spiegel-Redaktion, in dem sich Mitarbeiter gegen Missstände im eigenen Haus wenden, wartet man hier leider immer noch vergeblich.

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„Es ist wichtig, zu verstehen, wie Journalismus funktioniert“

Islamische Zeitung: Zum Abschluss: Solange sich an der deutschen Berichterstattung nichts grundlegend ändert, wie kann man damit umgehen? Wie können Menschen ihre Medienkompetenz stärken und sich zum Thema ein fundierteres Bild verschaffen?

Fabian Goldmann: Medienkompetenz hilft auf jeden Fall. Es ist wichtig, zu verstehen, wie Journalismus funktioniert, wie ein Text oder ein Nachrichtenbeitrag aufgebaut ist und woran man guten von schlechtem unterscheiden kann.

Man kann sich da auch ein Stück weit weiterbilden. Ich schaue mir weiterhin die „Tagesschau“ an und lese Beiträge im „Spiegel“, aber ich lese sie mit einer bestimmten Brille. Manche Dinge überlese ich inzwischen einfach. Wenn etwa „begrenzte Bodenoperationen“ in einer Überschrift steht, weiß ich, dass die „Tagesschau“ diese Formulierung vermutlich aus einer israelischen Pressemitteilung übernommen hat.

Die Information, die ich daraus dennoch mitnehmen kann, lautet: Israel hat wieder etwas angegriffen. Dann schaue ich vielleicht noch in den siebten Absatz, ob dort nicht doch eine Stimme von einer NGO vorkommt. Die ersten fünf Abschnitte, in denen nur ein israelischer Pressetext wiedergegeben wird, überlese ich.

Wenn man ein wenig weiß, worauf man achten muss, kann man sich auch über unsere Medien bis zu einem gewissen Grad informieren. Man sollte auf die Sprache schauen, darauf, welche Stimmen zu Wort kommen, woher die Informationen stammen und ob das kenntlich gemacht wird.

Man sollte fragen: Handelt es sich wirklich um eine Tatsache oder um eine Behauptung, die als solche präsentiert wird? Gut informieren kann man sich so nicht unbedingt, aber ein Stück weit geht es.

Es hilft auch, sich einzelne gute Journalistinnen und Journalisten zu merken. In den meisten Redaktionen gibt es einen gewissen Spielraum und eine gewisse Pluralität, die genutzt werden kann, um gute Beiträge durchzubringen.

Das ist nicht immer einfach. Es braucht engagierte Redakteurinnen und Redakteure, die mitunter geduldig abwarten, bis ein Beitrag von einer anderen Person in der Hierarchie abgenommen wird, und die es auch gegen Widerstände in der Redaktion schaffen, gute Texte zu veröffentlichen.

Ich kann ein paar Namen nennen: Dunja Ramadan im „Spiegel“ macht immer wieder großartige Beiträge. Auch Daniel Bax schreibt in der taz wichtige Artikel. Wenn man sich eher Autorinnen und Autoren merkt als nur das jeweilige Medium und gezielt schaut, was sie veröffentlicht haben, kann man sich auch in Medien informieren, deren allgemeine Berichterstattung man sonst aus guten Gründen kritisch sieht.

Letztlich stößt man bei den großen etablierten Medien aber an Grenzen. Viele Aspekte des Genozids in Gaza und der weiteren Kriege in der Region kommen dort gar nicht vor. Das ist aus meiner Sicht das größte Problem, nicht nur die einseitigen oder irreführenden Beiträge, sondern ganze Themenbereiche, die ausgeblendet werden.

Dazu gehören große Gewalttaten und Massaker, aber auch das Alltagsleben in der Region. Ebenso fehlen häufig konstruktive Perspektiven: Wie könnten Lösungen für das Unrecht und ein gerechter Frieden zwischen Jordan und Mittelmeer aussehen, für alle Menschen? Und zwar jenseits der eingefahrenen Stereotype und der üblichen Debatten über eine Zwei-Staaten-Lösung.

Wer nach solchen authentischen Einblicken und Berichten abseits des deutschen Staatsräson-Narrativs sucht, muss daher, glaube ich, auf ausländische Medien oder kleinere linke und alternative ausweichen. In Deutschland wären das etwa „Jacobin“ sowie „Ethos Media“.

Es gibt noch viele weitere Angebote, die mir nicht alle einfallen. Zum Beispiel „Occupied News“ oder „Gaza Heute“. Auch einzelne Instagramkanäle, etwa von Nadja Seborra, Alena Jabarin und Tarek Bae, leisten mit einem Bruchteil der Ressourcen oft deutlich bessere Arbeit als große Leitmedien. Sie halten sich dabei häufig viel stärker an journalistische Grundsätze.

Islamische Zeitung: Sehr geehrter Herr Goldmann. Wir bedanken uns für das Gespräch.

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Der Krieg im Spiegel der Titelseiten

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Der Krieg in Nahost findet auf den Covern von Spiegel, Focus und Stern kaum statt. Palästinensisches Leid ist nahezu unsichtbar, Empathie gibt es nur mit Israelis. Ein Titelseiten-Check ab dem 7. Oktober 2023.

(iz). 700 Tote in nur drei Tagen, darunter über 200 Kinder. Mit einem kaum vorstellbaren Maß an Gewalt hat Israel die „Waffenruhe“ im Gazastreifen beendet. Im starken Kontrast zum Ausmaß des Massakers:

Die Gleichgültigkeit der deutschen Öffentlichkeit. Während die israelische „Haaretz“ vom „größten Massaker an Kindern in der Geschichte Israels“ schreibt, ist das auch mit deutscher Unterstützung begangene Verbrechen hierzulande kaum ein Thema.

Krieg auf den Titelseiten: Tote Palästinenser werden kaum wahrgenommen

Knapp anderthalb Jahre nach Beginn des Krieges in Nahost nehmen die meisten deutschen Medien tote Palästinenser kaum noch wahr. Auch in den großen deutschen Nachrichtenmagazinen sind die jüngsten israelischen Angriffe kein Thema.

Weder „Spiegel“, noch „Stern“ oder „Focus“ erwähnen den Angriff in ihren aktuellen Ausgaben auch nur mit einem Wort. Ihre Titelseiten widmen die Magazine Buchempfehlungen („Der Spiegel“), Reisetipps („Focus“) und einer Debatte rund um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr („Der Stern“).

Ich wollte wissen: Wie berichten Deutschlands wichtigste Nachrichtenmagazine auf ihrer wichtigsten Seite über eines der wichtigsten Nachrichtenthemen der letzten anderthalb Jahre? Ist das Desinteresse gegenüber dem aktuellen Massaker in Gaza nur die Ausnahme von der Regel oder ignorieren Spiegel, Stern und Focus konsequent das Leid in Nahost?

Um das herauszufinden, habe ich mir die Cover aller Ausgaben, die zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 21. März 2025 erschienen sind, genauer angeschaut. Insgesamt kommen Spiegel (75), Focus (74) und Stern (76) in dieser Zeit auf 225 Ausgaben. Jede Menge Platz also, um den zahllosen einschneidenden Ereignissen im Nahen Osten der letzten anderthalb Jahre gerecht zu werden.

Auf den Covern spielt der Krieg keine große Rolle

Das könnte man zumindest meinen. Doch der Krieg in Nahost findet auf den Titelseiten der großen deutschen Nachrichtenmagazine kaum statt. Insgesamt 15 Titelgeschichten beschäftigen sich im weitesten Sinne mit dem Thema – Ausgaben mit innenpolitischem (z.B. Antisemitismus in Deutschland) oder symbolischem (Kufiya-tragender Islamist) Bezug zum Thema mit eingerechnet. Das von Israel in der Region verursachte Leid wird sogar nur auf 3 Covern sichtbar gemacht.

Mit 7 Titelseiten räumte der „Der Spiegel“ Ereignissen rund um den Krieg im Nahen Osten am meisten Platz ein, „Focus“ und „Stern“ kamen auf je 4 Cover. Zum Vergleich: Allein Olaf Scholz schaffte es in dem Zeitraum 8-mal auf das Spiegel-Cover.

Der US-Wahlkampf und seine Protagonisten fand dort sogar 10-mal statt. Im „Focus“ kamen unterdessen auf jede Titelseite mit Nahost-Bezug sechs mit Themen rund um Gesundheit und Ernährung (24).

Ungleichgewichte bei der Darstellung

Große Unterschiede gibt es, schaut man sich an, worüber genau die großen Nachrichtenmagazine berichten – und worüber nicht. Mitfühlende Titelbilder, beispielsweise von weinenden Menschen, gibt es in „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ fast nur dann, wenn die Opfer Israelis oder Juden sind.

Das Desinteresse der großen deutschen Nachrichtenmagazine verwundert umso mehr, als dass es in anderthalb Jahren Krieg in Nahost eigentlich jede Menge Ereignisse von großem Nachrichtenwert zu berichten gegeben hätte.

Foto: Sharaf Maksumov, Shutterstock

Die Tötung von zehntausenden Menschen, das systematische Aushungern und Vertreiben von Millionen, die Zerstörung ganzer Städte, die unzähligen Massaker und Brüche des Völkerrechts, der Einmarsch Israels in den Libanon und nach Syrien, die Vorwürfe des Völkermordes… all das fand auf den Titelseiten der großen deutschen Nachrichtenmagazine nicht statt.

Es liegt nicht an der Konkurrenz von Themen

Man kann einwenden, dass der Krieg in Nahost nicht das einzige nachrichtlich wichtige Ereignis ist. Das stimmt. Krieg in der Ukraine, Wahlkampf in den USA, Neuwahlen in Deutschland, Migrationsdebatte, Klimakrise… In den vergangenen anderthalb Jahren gab es viele Themen, über die berichtet werden konnte und musste.

Doch „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ interessierten sich selbst dann nicht für den Krieg in Nahost, wenn nachrichtlich kaum Konkurrenz bestand.

idee gaza waffen

Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Während Ende Dezember im Gazastreifen bereits über eine Million Menschen auf der Flucht waren, israelische Panzer auf Khan Younis vorrückten und fast täglich Massaker mit über 200 Toten Schlagzeilen machten, erfuhren Spiegel-Leser mehr über „Die Macht des Mondes“ (1/25).

Als am 26. Januar 2024 der Internationale Gerichtshof (IGH) in Israels Kriegshandlungen Anzeichen für einen Völkermord sah, lautete die Titelgeschichte des „Focus“: „Besser Schlafen“ (6/24).

Zerstörung und Leid in Gaza, der Westbank, dem Libanon, Syrien oder Jemen spielt auf den Titelseiten der drei so gut wie keine Rolle. Menschen aus Palästina, Libanon o.a. – sowie ihre Unterstützer – begegnet man auf den Covern aber trotzdem – nicht als Betroffene von Gewalt, sondern als Aggressoren, Feindbilder und Klischees.

„Greta Thunberg und die linken Feinde Israels.“ So lautet am 18. November 2023 die Titelgeschichte im „Spiegel“ (47/23). Einen Monat später blickt ein maskierter Kämpfer sowie Hamas-Chef Sinwar bedrohlich vom Cover des Nachrichtenmagazins: „Lässt sich die Hamas besiegen?“ (51/23). Palästinenser sind auf dem Cover des „Focus“ nur einmal zu sehen.

Unter der Überschrift „Die Schattenkrieger“ blicken Anfang April 2024 mehrere Männer von der Titelseite des Magazins. Zu sehen sind u.a. die seit 20 Jahren in Israel inhaftierte palästinensische Widerstandsikone und in westlichen Medien häufig als „palästinensischer Mandela“ bezeichnete Marwan Barghouti.

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Wie wir Krieg verstehen (1)

einseitig medien

Zweiteilige IZ-Serie über unseren Blick auf Kriege bzw. bewaffnete Konflikte. Und darüber, warum es wichtig ist, sich mit der eigenen Perspektive zu beschäftigen.

(iz). Als Europäer leben wir seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einer der sichersten Regionen der Welt. Krieg kennen wir – mit Ausnahme der Balkankriege in den 1990er Jahren – nur durch Medien und von Menschen, die deswegen zu uns fliehen mussten. Wir Deutschen haben nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts eine friedliche Nachkriegszeit erlebt. Hinzu kam, dass uns dank fehlender Kolonien die „dreckigen“ Kleinkriege der Dekolonisierung erspart blieben und dass es jahrzehntelang einen Konsens gab, sich mit dem Thema nicht beschäftigen zu wollen.

Das heißt nicht, dass die Bonner Republik nicht indirekt durch Waffenlieferungen an kriegführende Parteien beteiligt war. Wir waren aber bis in die späten 1990er Jahre hinein eine Gesellschaft, in der alles Militärische kaum Interesse weckte. Umso desorientierter reagierten die Eliten auf den in der Nachbarschaft ausgebrochenen Krieg gegen die Ukraine – und damit auf das Phänomen organisierter, bewaffneter Gewalt. Dabei hätten wir es besser wissen können: Auch im 21. Jahrhundert gehören kriegerische Auseinandersetzungen zur menschlichen Erfahrung.

Bewaffnete Zeiten & Kriege: jene, die wir nicht sehen

2024 gab es mehrere schwere Kriege – u.a. in Gaza und im Nahen Osten, in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar (Burma), Nigeria, Somalia, Burkina Faso, Mexiko (Staat vs. Drogenkartelle), Syrien und Mali. 2024 (noch ohne Syrien) forderten sie in Gaza, der Ukraine, Myanmar, Sudan und Nigeria die meisten zivilen Opfer.

Wie in Vorjahren ist die globale Aufmerksamkeit (eher Fiktion als Realität) für bewaffnete Gewalt ungleich verteilt. Sie wird aufgrund verschiedener Faktoren unterschiedlich wahrgenommen. Die Hilfsorganisation CARE International veröffentlicht ab 2013 den Bericht „Breaking the Silence“. Seit zehn Jahren wird darin festgehalten, über welche gewalttätige Krisen nicht gesprochen wird. Die erschreckende Bilanz für 2023: Die am wenigsten beachteten ereigneten sich alle in Afrika.

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Foto: UNICEF | UN Photos

„Menschliches Leid passt in keine Rangliste. Die 10 Krisen, die keine Schlagzeilen machten, betreffen Millionen von Menschen und finden dennoch kaum Gehör. CARE geht es mit dem Report nicht um eine Anklage. Er ist vielmehr eine Aufforderung an alle, mehr über diese Krisen zu erfahren, die Informationen zu teilen, sich zu engagieren“, sagte Corinna Henrich 2023. Dass das Kämpfen und Sterben (der Zivilbevölkerung) in Afrika so erschreckend wenig Beachtung findet, lässt sich nicht allein mit dem oft zitierten „Eurozentrismus“ erklären. CARE International bezog u.a. auch die arabischen Medien mit ein.

Grob lassen sich drei Modi des Umgangs mit Kriegen unterscheiden. Da es keine abstrakte „Weltöffentlichkeit“ gibt, die alles gleich bewertet, hängen Bewertungen und Interessen zum Teil erheblich von lokalen Interessen und Befindlichkeiten ab.

a) Ist bekannt und bewegt „uns“ (das konstruierte Gesamt-Ich, abhängig vom jeweiligen Erkenntnisinteresse) wie im Falle der Ukraine oder des Nahostkonflikts.

b) Ist bekannt, aber bewegt „uns“ nicht/kaum: Kriege/Konflikte wie im Sudan, Jemen etc.

c) Sind nicht bekannt und berühren „uns“ nicht/kaum: Siehe Afrika.

Henrich erklärt dies mit den Gesetzen der globalen Aufmerksamkeitsökonomie. Medienunternehmen befänden sich in einem rasanten Wandel, der sich auf Berichterstattung auswirke. Dabei seien die „Konsequenzen für Millionen Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind und trotzdem kaum in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit gelangen“ enorm. Mangelnde Sichtbarkeit gehe nicht selten mit geringer finanzieller Unterstützung einher. „Es ist wichtig, Wege zu finden, das Interesse des Publikums für vermeintlich kleinere Krisen zu wecken.“

Unsere Gewohnheiten des Hinschauens

Obwohl Medien und Journalisten für sich in Anspruch nehmen, Nachrichten und Analysen zu liefern, haben sich je nach Medium, Genre, den jeweiligen AutorInnen und Publikumssegmenten unterschiedliche Gewohnheiten der Wahrnehmung bewaffneter Konflikte gebildet. Bei der folgenden Beschreibung handelt es sich um vereinfachte Typologien.

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Foto: DoD Media, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

a) Kriege werden im Rahmen politischer Erklärungsmodelle verstanden. Ihr Rahmen kann national sein bzw. in Kombination regional oder international verstanden werden. Als Ursachen gelten Interessengegensätze und Gegnerschaften, Bündniszugehörigkeiten, territoriale Begehrlichkeiten etc. Bei zwischenstaatlichen Kriegen lässt sich diese Perspektive „leichter“ durchhalten, bei innerstaatlichen ist dies schwieriger – wenngleich bei Bürger- und Stellvertreterkriegen politische Feindschaften Ursache und/oder Anlass sein können. In den letzten Jahren hat sich – ausgelöst durch die russische Aggression gegen die Ukraine – teils das überholt geglaubte Denken in Einflusszonen und Großräumen durchgesetzt.

b) Mit obiger Deutung geht häufig eine ideologische (bzw. religiöse) Interpretation einher. Die Motive der Akteure werden durch die Unterschiede ihrer Ansichten bzw. Identitäten erläutert: prowestlich vs. prorussisch, muslimisch vs. nichtmuslimisch, schiitisch vs. sunnitisch, fortschrittlich vs. reaktionär. Die Zuordnung der Konfliktparteien (in innerstaatlichen Auseinandersetzungen) ist medial oft begleitet von schwarz-weiß- bzw. gut-böse-Darstellungen. Die Journalistin Kristin Helberg erklärte jüngst am Beispiel Syrien, wie schädlich das sein kann: „Syrien lässt sich nur verstehen, wenn man das entweder-oder überwindet, das viel mit ideologischer Vereinfachung und wenig mit der komplexen Realität vor Ort zu tun hat. Statt einseitige Schlüsse zu ziehen, gilt es Mehrdeutigkeit auszuhalten.“ (ZEIT-online)

c) Insbesondere bei den oft vernachlässigten Kriegen in armen, aber ressourcenreichen Ländern werden wirtschaftliche Aspekte als Ursache oder Zankapfel hervorgehoben. Die Kontrolle über Ressourcen, Schürfrechte, Transitrouten etc. sei die Kriegsursache. Nicht selten artet dies in einen vulgärmarxistischen „cui bono“-Ökonomismus aus. Wir kennen das z.B. noch von der Parole während des Irakkrieges: „Kein Krieg für Öl“. Auch im aktuellen Krieg gegen die Ukraine geht es für viele um die Kontrolle ukrainischer Ressourcen.

Was nicht heißen soll, dass es bei bewaffneten Konflikten in den letzten Jahrzehnten nicht auch um wirtschaftliche Faktoren oder die Herrschaft über Rohstoffe ging und geht. Ein Beispiel dafür ist der Abtransport der sudanesischen Goldreserven in Milliardenhöhe durch russische Söldner. Im weiteren Sinne gibt es Dinge wie die Ressource Wasser, deren Knappheit bzw. Kontrolle mitursächlich für einen Krieg sein kann. So gab es beispielsweise in Syrien vor dem Arabischen Frühling eine ungleiche Verteilung an verschiedene Bevölkerungsgruppen. Oder in Westafrika kämpfen Nomaden und Ackerbauern um immer weniger fruchtbares Land.

d) Beliebt und gerne verwendet wird die kulturalistische Brille. Je weiter und je „exotischer“ ein Kriegsgebiet, desto lieber erklären sich Laien und manche Experten einen Konflikt anhand tatsächlicher oder eingebildeter „kultureller“ Markierungen. Das kann von ernsthaften wissenschaftlichen Betrachtungen bis zu Ansichten reichen, die nur als rassistisch zu bezeichnen sind.

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Orientierung im „Nebel des Krieges“

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IZ-Hintergrundgespräch über Möglichkeiten und Grenzen von Mediennutzern, Kriege zu verfolgen und zu verstehen. Was können wir für mehr Verständnis tun? (iz). Derzeit werden auf der ganzen Welt Kriege und bewaffnete […]

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Unsere Medien im Nahostkrieg

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Deutsche Medien im Nahostkrieg: Ein kritischer Blick am Beispiel der Berichterstattung über Angriffe auf Krankenhäuser in Gaza. (iz). Nach einem Jahr Krieg liegt das Gesundheitssystem im Gazastreifen in Trümmern. Mitverantwortlich […]

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Das Vertrauen verloren: Viele misstrauen der Nahost-Berichterstattung

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Während die israelische Führung den Nahostkrieg auf den Südlibanon ausweitet: Das Vertrauen der Bundesbürger an der deutschen Nahost-Berichterstattung schwindet. Berlin (iz). Seit dem heutigen Dienstag befinden sich erstmals seit 2006 […]

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CARE-Bericht über Afrikas vergessene Krisen 2023

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Von der Hilfsorganisation CARE ist der Bericht „Breaking the Silence“ über Armut und Gewalt von Kamerun bis Angola erschienen. (KNA). Afrika, der Krisenkontinent? Dieses Bild wird oft als Klischee kritisiert. […]

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Medien fehlt direkte Anschauung: Rückblick auf Berichterstattung zum Ramadan 2023

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Berichterstattung: Dehydrierte Kinder, gewalttätige Palästinenser, gerissene Islamisten: Wenn deutsche Medien über den Ramadan berichten, erfährt man oft wenig über die Fastenzeit der Muslime; dafür umso mehr über den Kompetenzmangel in […]

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Thema Muezzin: Medien scheiterten bei Berichterstattung

Verschwörung Medien Unterscheidungsvermögen

Wie ausgewogen haben Medien über den islamischen Gebetsruf in Köln berichtet? Der Journalist Fabian Goldmann hat hierzu 135 Artikel aus über einem Jahr ausgewertet und einmal mehr aufgezeigt, was in der „Islamdebatte“ bei uns schief läuft.

(Islam.de) Vor rund einem Jahr hatte die Stadt Köln ein Pilotprojekt gestartet, wonach islamische Gemeinden unter Auflagen freitags für fünf Minuten den Gebetsruf ertönen lassen dürfen – in der Lautstärke eines Gesprächs. Nach der Vorstellung des Projekts war eine bundesweite Debatte entflammt. Von Ranya Nassiba

Foto: Fabian Goldmann

Medien schrammen erneut an Betroffenen und dem Kern vorbei

Die islamdistanzierende bisweilen feindliche Haltung in vielen Berichterstattungen verdrängt immer wieder das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Religionsausübung. So wurde ein genuin religiöses Thema, das ein selbstverständlicher Teil der Vielfalt in diesem Land bildet und zudem vom GG vollständig geschützt ist, problematisiert und verunglimpft, als wäre der Islam eine extremistische Ideologie. 

Mehr noch zeigt die Debatte auf, wie selbstverständlich rassistische Motive in der Islamberichterstattung bedient werden. So waren verschwörungstheoretische Behauptungen einer „Unterwanderung“, „Islamisierung“ oder „Machtdemonstration des Politischen Islam“ das häufigste Argument gegen den Gebetsruf.

So wird der Gebetsruf, ein für Muslime alltäglicher und friedvoller Aufruf zum Gebet, zu einem Kampfprogramm umgeschrieben. Und das nicht etwa von muslimischen Fundamentalisten, die den Gebetsruf instrumentalisieren, sondern von sogenannten Islamexperten und Islamgegnern selbst. Damit stiften sie genau das, was sie angeblich bekämpfen wollen: die Politisierung der Religion.

Foto: Freepik.com

Es wird über Muslime gesprochen, aber nicht mit ihnen

Fabian Goldmanns Analysen zeigen die Absurdität des Ganzen auf: negative Expertenstimmen kamen am häufigsten zu Wort. Betroffenen und Verantwortlichen wurde kaum Gehör verschafft, um die Thematik kompetent einzuordnen. Es scheint, als würde sich ein blinder Automatismus einschalten, sobald das Thema Islam auf der Tagesordnung steht. 

Der Journalist untersuchte 135 Artikel aus über einem Jahr und schaute sich die Berichterstattung großer Zeitungen wie „Bild“, „Die Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), „Die Welt“ und „Die Tageszeitung“ sowie die vier auflagenstärksten Zeitungen in und um Köln an.

Goldmann ging der Frage nach, wer bei Islamdebatten zu Wort kommt und wer nicht. Wird nur über Muslime geredet oder auch mit ihnen? Werden Islamverbände hinzugezogen oder wird nur sogenannten Islamkritikern die Bühne geboten?

Auffallend ist das geringe fachliche Niveau deutscher Islamdebatten: Am häufigsten kamen Personen zu Wort, die in der Öffentlichkeit vor allem für Kritik am Islam bekannt sind oder ihm gar feindlich gegenüberstehen. Hingegen wurden Fachleute wie Islamwissenschaftler, Theologen oder Verfassungsrechtler kaum in Medien gehört.

Foto: Zentralrat der Muslime, Facebook

Das Gespräch mit Vertretern von Islamverbänden wurde ebenfalls kaum gesucht. Dass die SZ den ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek mit den Worten zitierte, Köln sende mit dem Muezzinruf „ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt“, blieb eine Seltenheit.

Stattdessen treten altbekannte Namen wie Ahmad Mansour und Necla Kelek in den Vordergrund. Ersterer hatte insgesamt dreimal so viele Erwähnungen (28) wie alle Islam- und Religionswissenschaftler, islamische Theologen und Verfassungsrechtler zusammen (9).

Und das, obwohl die Mehrheit der sonstigen Fachleute ein positives Statement zum Muezzinruf gaben. Mansour nutzte diese ihm von Teilen des Mainstreams gebotene Plattform geschickt, um gleich sein neustes Buch mitzupromoten, das wie alle anderen seiner Bücher die Angst-Rhetorik über den Islam bedient, aber mit null Lösungsansätzen daherkommt.

Vor allem Medien des Springer-Verlags fallen mit überwiegend negativen Stimmen zur Thematik auf. Allen voran die „Bild“-Zeitung: 13 abfällige Statements stehen einer einzigen positiven Stimme gegenüber.

Foto: Alexander Khitrov, Shutterstock

Islamfeindlichkeit in Redaktionen

islam.de befragte Goldmann zu den Missständen der Islamberichterstattung rund um den Gebetsruf. Dieser wies eindringlich auf den Mangel an Repräsentation hin. 

So ist eklatant, dass die großen islamischen Religionsgemeinschaften wie DITIB, der Zentralrat oder Islamrat, die die überwiegende Mehrheit der Moscheegemeinden repräsentieren, in der öffentlichen Debatte kaum präsent waren. „Das zeigt: Die angebliche mediale Dominanz der großen islamischen Verbände ist lediglich ein rechter Mythos“, so Goldmann.

Die Analysen bestätigen nur, was seit jeher Praxis bei den sogenannten „Islamdebatten“ deutscher Medien ist. Goldmann fasste die Tragik dahinter pointiert zusammen: 

Es ging in der Debatte um einen Ruf, der für fünf Minuten pro Woche in einem Kölner Innenhof zu hören ist (…), dass Medien darüber über ein Jahr in hunderten Beiträgen unter Überschriften wie „Ruf des Schreckens“ oder „Wie der Politische Islam unsere Demokratie unterwandert“ berichteten, zeigt wie akzeptiert und verbreitet Islamfeindlichkeit in vielen Redaktionen ist.“

* Erstmals auf der Webseite islam.de erschienen: https://islam.de/34571

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Medien: Kaum Religionsgemeinschaften in Fernsehnachrichten

Nachrichtenüberflutung flatrates

Bonn (KNA). Religionsgemeinschaften werden in mehreren TV-Nachrichten einer Statistik zufolge so gut wie gar nicht dargestellt. Zwischen Januar 2021 und Juni 2022 hatten die katholische und die evangelische Kirche, das Judentum und der Islam einen Anteil von höchstens 0,5 Prozent an der Gesamtberichterstattung, wie aus einer repräsentativen Darstellung des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) und des Forschungsinstituts Media Tenor hervorgeht. Über den sogenannten Freiheitsindex 2022, der am Donnerstag vorgestellt werden soll, hatte zuvor bereits das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Untersucht wurden die Nachrichtensendungen ZDF heute, RTL Aktuell und Tagesschau. Die Zusammenhänge, in denen berichtet wurde, werden allerdings nicht genannt. In der Tagesschau lag der Anteil bei Islam und katholischer Kirche um 0,52 Prozent, beim Judentum bei 0,14 und bei der evangelischen Kirche rund 0,11 Prozent. In der Sendung ZDF heute lagen die Anteile bei rund 0,48 (Islam), 0,47 (katholische Kirche), 0,09 (Judentum) sowie 0,06 Prozent (evangelische Kirche). Am geringsten fällt der Anteil bei RTL Aktuell aus: Der Islam ist mit rund 0,4 Prozent vertreten, die katholische Kirche mit 0,37, das Judentum mit rund 0,1 und die evangelische Kirche mit 0,02.

In allen drei Nachrichtensendungen wurde der Islam am negativsten dargestellt, am neutralsten die evangelische Kirche. Diese hat bei RTL Aktuell den höchsten positiven Anteil. Bei der Tagesschau trifft dies auf das Judentum zu; das gilt auch für ZDF heute, allerdings nicht in so deutlichem Abstand zu anderen Religionsgemeinschaften, die in diesen Fernsehnachrichten beinahe gleich auf liegen.