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Die letzte Umra vor dem Krieg

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Eine kleine Pilgerfahrt vor dem Krieg: Reisebericht unseres Autos vor dem Beginn eines sinnlosen Konflikts.

(iz). Ich unternahm die kleine Pilgerfahrt (arab. Umra) im allerletzten Moment, bevor der Nahe Osten in Unruhen versank und Reisen auf die Arabische Halbinsel erschwert, wenn nicht gar unmöglich wurden.

Sie ist eine freiwillige „kleine“ oder „geringere“ Fahrt zur Moschee in Mekka (Saudi-Arabien), die von Muslimen zu jeder Zeit des Jahres unternommen werden kann.

Es umfasst vier zentrale Rituale: Ihram (Zustand der rituellen Reinheit), Tawaf (siebenmaliges Umrunden der Kaaba gegen den Uhrzeigersinn), Sa’i (der Weg zwischen Safa und Marwa, der Hajar – der Frau des Propheten Abraham – und ihrer Suche nach Wasser für ihren Sohn Ismail symbolisiert) und Tahallul (Rasieren/Schneiden der Haare), um die Seele zu reinigen und den Glauben zu stärken.

Mein Freund Salman war vor einem Jahr mit seinem Sohn auf einer solchen Reise gewesen und wollte das gerne wiederholen. Der Plan war, dass wir das im Februar 2026 gemeinsam machen würden. Meine Frau war dagegen.

Ich solle mich lieber einer Gruppe anschließen, schlug sie vor, und mir einen dauerhaften „Umra-Freund“ suchen. Sie sagte mir, ich müsste bei einem Reisebüro in Berlin-Kreuzberg vorbeischauen, das Mevlana Reisen heißt und gegenüber der Mevlana Camii, Kreuzbergs berühmtester türkischer Moschee, in der Skalitzer Straße am Kottbusser Tor liegt.

Das Reisebüro vermittelte mir den Kontakt zu „Ideal Gate“, einem Reiseveranstalter, der sich auf Hajj – und Umra-Reisen spezialisiert hat. Ich meldete mich für eine Gruppe vom 11. bis zum 22. Februar an – zwölf Tage in Mekka und Medina; eine Pauschalreise für 1.680 Euro, inklusive Flug, Hotels und Verpflegung.

deutsch berlin ramadan

Foto: Shutterstock

Vor der Abreise kaufte ich meine Kleidung, die Männer auf der Hajj und Umra tragen sollen, in einem kleinen arabischen Laden namens Orient Style in der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Der Ihram besteht aus zwei einfachen, ungenähten weißen Tüchern gleicher Länge, meist aus Baumwolle, die Reinheit, Demut und Gleichheit symbolisieren.

Der Izar wird um die Taille gewickelt, um den Unterkörper zu umhüllen, während die Rida über die Schultern drapiert wird, um den Oberkörper zu bedecken. Im Ihram ist das Tragen von Kopfbedeckungen, Unterwäsche oder Parfüm verboten.

Durch sein Anlegen befinden sich die Reisenden somit in einem Zustand, in dem sämtliche sozialen, wirtschaftlichen und nationalen Unterschiede aufgehoben werden, wodurch sichergestellt wird, dass alle Pilger vor Gott gleich sind.

Ich sollte etwas zu dem zwiespältigen seelischen Zustand sagen, in dem ich mich vor der Abreise zur Umra befand. Denn diese Reise sollte mein Leben grundlegend verändern. Es lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen: in das, wie ich vor der Abreise in die heiligen Stätten des Islam war, und in das, wie ich während und nach der Reise wurde.

Im Jahr 2012, nachdem ich viele Jahre lang über den Islam nachgedacht hatte – teilweise als Ergebnis von Reisen auf den Balkan, die 2003 begannen und in einem Jahr endeten, das ich als Lehrer in Istanbul verbrachte –, nahm ich den Islam an. Und sprach meine Schahada in einer Sufi-Dergah in Berlin-Wedding – auf Anregung eines pakistanischen Bruders und Arztes aus Leipzig, den ich ein paar Mal treffen sollte und dann nie wieder.

Mein Leben hat sich in manchen wesentlichen Punkten verändert. Ich gab bestimmte unzulässige Gewohnheiten wie Trinken und Rauchen auf, begann, den Qur’an zu lesen, und besuchte regelmäßig Pflichtgebete in einigen der rund 80 Moscheen in Berlin.

Dennoch fiel es mir schwer, die fünf täglichen Gebete einzuhalten; normalerweise schaffte ich nur ein oder zwei pro Tag. Ich hielt den Glauben vor meinen deutschen Arbeitgebern geheim. Anstatt die Religion zu offenbaren, verbarg ich sie.

Auch wenn ich mich von offen untersagten Praktiken wie dem Trinken distanzierte, blieb ich dennoch in einem gewissen Sinne den Dingen der Dunya (der materiellen oder diesseitigen Welt) verhaftet.

Neben der Tätigkeit als Englischlehrer arbeitete ich auch als Journalist, und einen Großteil meiner Zeit verbrachte ich damit, über Musik zu schreiben und sie zu hören. Diese Leidenschaft führte am Ende dazu, dass ich gemeinsam mit einem in Berlin lebenden DJ bosnischer Herkunft an einem Buch mitwirkte, einer mündlichen Geschichte vorwiegend europäischer Musiktrends mit dem Titel „Balkan Beats“.

Ich vertiefte mich so sehr in das Schreiben und Recherchieren für dieses Buch – das sich zum Teil um viele verpönte Praktiken drehte –, dass ich nicht bemerkte, wie es zu einer Art Obsession wurde. Sie lenkte mich von einigen wirklich wichtigen Aspekten des Lebens an – vor allem von meiner Beziehung zu Allah und dem Leben und den Lehren des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Diese Reise nach Mekka und Medina sollte all dies ändern. Ich war 56 Jahre alt – nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt – und stand kurz vor der größten Reise meines Lebens.

Meine Gruppe bestand aus siebzig Personen, hauptsächlich Türken – Männer und Frauen (sowie drei kleine Kinder), die in Deutschland lebten (Schwaben, Frankfurt, Nordrhein-Westfalen und Berlin), einige Araber und ich – ein Amerikaner. Am Berliner Flughafen traf ich meinen zukünftigen Zimmergenossen und baldigen Umra-Bruder Mohamad Hamade, einen Libanesen, der nur wenig älter war als ich.

Er arbeitete als Wachmann im Bode-Museum auf der Museumsinsel in der Hauptstadt. Ich sollte ihn die ganze Zeit in Mekka und Medina begleiten. In den großen Menschenmassen dort folgte ich ihm pflichtbewusst, meine Hand auf seiner Schulter.

Wir trafen uns alle am Gate des Flughafens von Amman in Jordanien, wo wir vor unserem Weiterflug nach Medina einen Zwischenstopp einlegten. Schon dort sah ich viele Pilger, gekleidet in den charakteristischen weißen Ihram, die auf dem Weg ins Hijaz waren. Das Personal vor Ort war freundlich und begrüßte die Reisenden mit dem traditionellen islamischen Gruß „Selam alaikum“.

Foto: SPAENG

Dort am Flugsteig trafen wir Selcuk, einen jungen Türken aus Süddeutschland, der der vertrauenswürdige Reiseführer sein würde. Er reichte die Ausweise, die wir um den Hals tragen sollten, sowie die gelben Ideal-Gate-Rucksäcke, die wir auf dem Rücken mitführten. Sie würden sich als äußerst praktisch erweisen, um uns inmitten der tausenden Menschen, die die heiligen Stätten besuchten, erkennbar zu machen.

Unser Hotel in Medina lag direkt an dem weitläufigen, offenen Platz vor der Moschee des Propheten. Sie wurde im ersten Jahr nach der prophetischen Auswanderung (622 n. Chr.) vom Gesandten Allahs selbst erbaut. Sie ist die zweitgrößte und heiligste Stätte des Islam, da sie sein Grab beherbergt (einigen Gelehrten zufolge ist sie sogar die wichtigste).

Ursprünglich aus Lehmziegeln und Palmblättern erbaut, wurde sie, die über 400.000 Quadratmeter groß ist, im Laufe ihrer 1.400-jährigen Geschichte mehrfach erweitert, um der wachsenden Zahl von Gläubigen gerecht zu werden. Ihr markantestes Merkmal ist die „Grüne Kuppel“, unter der sich die Grabkammer des Propheten Muhammed, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie der ersten beiden Kalifen, Abu Bakr und ‘Umar, befinden.

Es heißt, dass unter seiner Überdachung und auf dem Dach 500.000 Personen beten können. Zusammen mit den umliegenden Gebetsplätzen im Freien bedeutet dies, dass zwischen 1 und 1,5 Mio. Gläubige Platz finden.

Die Wirkung, mit mehr als einer Million Muslimen aus der ganzen Welt zu beten, lässt sich kaum in Worte fassen. Man sieht sie aus allen Ecken der Erde, von Asien über den Nahen Osten bis hin zu Afrika und Europa, die meisten in nationaler religiöser Kleidung – Brüder aus der Sahelzone in saharischen Daraa-Gewändern und Stoffschleiern, die als Turbane dienen.

Man sieht Araber in langärmeliger, knöchellanger Bekleidung und mit der Keffiyeh, indonesische und malaysische Brüder, die Batik-Sarongs tragen. Während in der Zeit des Ramadan und der Hajj mehr Pilger kommen, ist sie jeden Tag des Jahres rund um die Uhr gefüllt. Was eine erstaunliche Vorstellung ist.

Während meines gesamten Aufenthalts in Mekka und Medina hatte ich keinerlei Kontakt zu den Medien und Nachrichtenagenturen; zuvor war ich ein begeisterter Leser von „Al Jazeera“ gewesen. Früher hatte ich angesichts der Ungerechtigkeiten im Nahen Osten und auf der ganzen Welt verzweifelt die Hände gerungen. Doch nun war ich völlig losgelöst von den Geschehnissen auf der Welt, da ich ganz und gar vom Gebet und der spirituellen Besinnung eingenommen war.

Manche sagen, dass sie nach dem Besuch dieser Orte Medina bevorzugen, wegen der Ruhe der Prophetenmoschee, die in krassem Gegensatz zum hektischen Treiben des anderen Haram und der umliegenden Stadt Mekka steht. Ich verstehe ihren Standpunkt, doch nichts ist vergleichbar mit dem Beten in Mekka, wo man sagt, dass ein Gebet dort 100.000 Mal mehr Wert hat als ein Gebet in jeder weiteren Moschee.

Ich hatte diese Tatsache schon nüchtern gehört, aber nur wenn man hier mit äußerster Aufrichtigkeit betet, kann man ihre Wahrhaftigkeit spürbar erleben. Sehr oft war ich von meinen Gebeten dort unbeschreiblich bewegt. Einmal, während des nächtlichen Tarawwihs, wurde ich Zeuge, wie der Imam beim Rezitieren des Qur‘an in Tränen ausbrach, was mich unbeschreiblich bewegte.

Darüber hinaus bewegte mich die Schar der Menschen, die als Wächter und Pfleger des heiligen Schreins von Mekka beschäftigt sind. Zum Beispiel die vielen saudischen Soldaten verschiedener Nationalitäten, deren Job es ist, die Kaaba zu schützen. Gibt es eine ehrenvollere Beschäftigung als diese?

Selbst die Schar der einfachen Straßenkehrer aus Bangladesch und anderen armen Winkeln der muslimischen Welt hatte in Mekka eine würdige Aufgabe zu erfüllen; Selcuk drängte uns, ihnen Sadaqa zu geben, um ihre mageren Löhne aufzubessern. Zum ersten Mal in meinem Leben gab ich sie aus tiefstem Herzen. Die Wirkung war heilsam.

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Es gibt noch viel mehr zu berichten. Ich möchte euch von unserem nächtlichen Besuch auf dem Berg Hira erzählen, wo der Engel Gabriel dem Propheten Muhammed die ersten Qur’anverse offenbarte. Oder vom Abstecher auf den ältesten und heiligsten Friedhof in Medina, dem Jannat al-Baqi („Garten des Himmels“), der an die südöstliche Mauer der Prophetenmoschee angrenzt.

Er ist ein weitläufiges Feld aus schlichten, grob behauenen Steinmonumenten, die Ruhestätte der Familie des Propheten Muhammed und seiner Gefährten. Das war ein weiteres zutiefst bewegendes Erlebnis. Aus Platzgründen kann ich hier nicht näher darauf eingehen.

Und selbstverständlich das Umrunden der heiligen Kaaba, der unantastbaren Stätte der Verehrung für Muslime weltweit. Auch das war ein Höhepunkt und ein emotionaler Moment.

Zusammenfassend muss ich sagen: Nichts im Leben hätte mich auf diesen Besuch nach Mekka und Medina vorbereiten können. Hätte mir vor dreißig Jahren jemand gesagt, dass ich das machen würde, hätte ich ihm nicht geglaubt.

Natürlich besteht der Zweck der Umra nicht nur darin, sich an diesen heiligen Stätten des Islam dem Gebet hinzugeben, sondern sich vorzunehmen, nach der Rückkehr in den Alltag ein besserer Mensch zu sein. Zurück in Berlin kann ich sagen: Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt – die Vorsätze, die ich dort gefasst habe, in die Tat umzusetzen.

Nun, eine Woche nach meiner Rückkehr in die Hauptstadt, haben Amerika und Israel begonnen, den Iran anzugreifen, und der Nahe Osten ist erneut in Chaos gestürzt. Der Flugverkehr nach Saudi-Arabien wurde weitgehend eingestellt.

Ich war, so scheint es, im allerletzten Moment nach Mekka und Medina gereist. Ein oder zwei Wochen später wäre es nicht mehr möglich gewesen.

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Reiseblog: Besuch in Mekka und Madina – mit keiner Reise zu vergleichen

Madina Reiseblog

Neuer Beitrag in unserem Reiseblog: Mekka und Madina sind Reiseziele von einzigartigem Charakter.

(iz). In dem Moment, in dem man die Absicht fasst, nach Mekka und Madina zu reisen, spürt man eine Veränderung, die sich mit keiner anderen Reise vergleichen lässt. Neben die frohe Erwartung tritt die Erfahrung der Unverfügbarkeit. Man weiß erst, ob sich das Schicksal erfüllt, wenn man ankommt.

Mit diesen Gedanken sitze ich im Flugzeug, in zehntausend Metern Höhe. In Istanbul habe ich drei Stunden Aufenthalt und beobachte die Reisenden in all ihren Varianten: Geschäftsreisende, Urlauber, Touristen und – in kleinerer Zahl – Pilger.

Als schließlich das Gate für den Weiterflug bekannt gegeben wird, steht mir noch eine kleine Wanderung bevor, bis ich an Ort und Stelle bin, um meine Reise fortzusetzen.

Fotos: Autor

Madina – die heutigen Dimensionen sind kaum fassbar

In Madina sind nur noch die Einreiseformalitäten zu erledigen, und bald darauf sitze ich im Taxi auf dem Weg zu meinem Hotel. Zur Moschee sind es nur einige hundert Meter; ein stetiger Strom von Menschen bewegt sich durch die Straßen und macht jede Orientierung überflüssig.

So stehe ich schließlich vor der Moschee des Propheten. Das beeindruckende Gebäude bietet mehreren hunderttausend Menschen Platz und wirkt trotz seiner Größe ruhig und gesammelt. Die Atmosphäre ist friedlich, beinahe zeitlos.

Wenn man an die Ursprünge dieser Stadt denkt, sind die Ausmaße und Dimensionen der heutigen Anlage kaum fassbar. In einem Museum in unmittelbarer Nähe wird daran erinnert.

Es lenkt den Blick zurück auf die Anfänge: Die erste Moschee war nur teilweise überdacht, das danebenliegende kleine Haus des Propheten stand für bescheidene Verhältnisse. Was heute Raum für Hunderttausende bietet, begann in Einfachheit und Maß.

Heute ist die Stadt ein Reiseziel von Pilgern aus aller Welt, die nach den Gesetzen moderner Logistik mit Flugzeugen, Zügen und Bussen anreisen. Man staunt darüber, dass technologische Innovationen, Apps und eine hochentwickelte Infrastruktur letztlich nur einem Zweck dienen: der Moschee des Propheten.

Fotos: Autor

In der Wüste

Am Folgetag lädt mich ein Freund zu einem Ausflug in die Wüste ein. Nach einer Stunde Fahrt sitzen wir in seinem Nomadenzelt, in einer Ebene, umringt von Granitbergen. Der Kontrast zur Stadt könnte nicht größer sein.

Hier herrscht absolute Stille. In Sichtweite stehen ein paar Sträucher und ein kleiner Baum. Wir beobachten einen kleinen Vogel, einen Hudhud (Wiedehopf), wie mein Gesprächspartner begeistert feststellt. 

Der Prophet Sulaiman (Salomo), Friede sei mit ihm, war ein besonderer Prophet, dem Allah große Gaben verliehen hatte. Er verstand die Sprache der Tiere und herrschte gerecht über Menschen, Dschinn und Tiere.

Eines Tages bemerkte Sulaiman, dass der Vogel Hud-Hud in seiner Versammlung fehlte. In der Sure „Die Ameisen“ (27:20) wird davon berichtet: „Und er schaute bei den Vögeln nach. Da sagte er: ‘Wie kommt es, dass ich den Wiedehopf nicht sehe? Befindet er sich etwa unter den Abwesenden?’“

Da Disziplin und Verantwortung wichtig waren, fragte der Prophet nach ihm und war zunächst verärgert über sein Fehlen. Kurz darauf kehrte der Hudhud zurück und berichtete von etwas Außergewöhnlichem.

Er hatte ein fernes Land entdeckt, Saba (Sheba), dessen Königin und Volk die Sonne anbeteten. Sulaiman hörte dem Hud-Hud aufmerksam zu und nutzte diese Gelegenheit, um die Königin von Saba zum wahren Glauben an den einen Gott einzuladen. Der Vogel wurde zurückgeschickt, um einen entsprechenden Brief zu überbringen.

Die Erzählung erinnert daran, dass selbst ein kleines und scheinbar unbedeutendes Geschöpf eine wichtige Rolle im göttlichen Plan spielen kann. Der Wiedehopf war kein mächtiger Krieger bzw Gelehrter, sondern ein kleiner Vogel – und doch wurde er zum Überbringer einer entscheidenden Wahrheit. Jeder, unabhängig von Größe, Stärke oder Status, kann von Gott für etwas Bedeutendes eingesetzt werden. Niemand ist zu klein, um Teil eines göttlichen Plans zu sein.

Die Weite, Stille und Dichte der Atmosphäre in der Wüste schärfen die Wahrnehmung für Zeichen und Sinn. Gerade die Anwesenheit des kleinen Vogels in dieser Einsamkeit erinnert daran, dass es in der Geschichte nicht um ein bloßes „damals“ geht.

Sie verweist vielmehr auf eine zeitlose Wirklichkeit: die Allgegenwärtigkeit des Göttlichen. Gott wirkt nicht nur in großen historischen Momenten oder durch mächtige Figuren, sondern ist überall gegenwärtig – auch im Kleinen, im Unspektakulären, im Hier und Jetzt.

Ibn Khaldun über Leben in der Wüste

Ein Aufenthalt in der Wüste ist jedem Reisenden zu empfehlen, vor allem, wenn man die Erkenntnisse Ibn Khalduns nachvollziehen will, der die essentielle Bedeutung von städtischem und nomadischem Leben für die Entwicklung der arabischen Zivilisation beschreibt. Berühmt ist die zyklische Beschreibung der Geschichte des Begründers der Soziologie:

„Die Kultur entsteht durch den Zusammenschluss der Menschen; der starke Zusammenhalt (ʿAsabīya) treibt sie zum Aufstieg. Mit Reichtum und Luxus kommt die Schwäche, und schließlich der Fall.“

Vermutlich ist es kein Zufall, angesichts der Krisen unseres Stadtlebens, man denke nur an die Mieten und steigende Energiekosten, dass nomadische Lebensformen, im digitalen Zeitalter, wieder im Trend sind.

Fotos: Autor

In Gärten sitzen

Die weiteren Tage in Madina sind den fünf täglichen Gebeten in der großen Prophetenmoschee gewidmet und der Besichtigung mancher historischer Stätten. In der Qubamoschee bete ich mit meinem Guide, einem Imam aus Nigeria, der hier seit einigen Jahren studiert. Sie wird von den Muslimen hoch verehrt:

„Eine Moschee, die vom ersten Tag an auf Rechtschaffenheit gegründet wurde, ist würdiger für euch, darin zu stehen. In ihr sind Menschen, die es lieben, sich zu läutern, und Allah liebt diejenigen, die sich läutern.“ (9:108)

Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unterstrich die Vorzüge des Besuchs der Moschee und des Gebets in ihr und sagte: „Wer sich in seinem Haus reinigt, zur Quba-Moschee geht und dort betet, dem wird die Belohnung der ‘Umrah zuteil.“

Anschließend besuchen wir einen wunderbaren Garten, sitzen unter einer Palme und erzählen uns gegenseitig vom islamischen Leben in Deutschland und Nigeria. Der Imam, der das Wissen hat, sich erfolgreich im Kampf gegen die Extreme zu engagieren, wird bald in seine Heimat zurückkehren. Wir verabschieden uns mit dem Gefühl, uns irgendwann einmal wiederzusehen. 

In Madina entfaltet sich der ganze Sinn des Reisens: das Streben nach Wissen, die Metamorphose, die Transformation durch die empfohlenen Tugenden und das Einswerdens mit dem Reiseziel. Auf diese Weise erfüllt sich die Absicht, die am Beginn der Reise stand, dem Schöpfer näher zu kommen.

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Bilanz der Hajj 2025: 1,6 Mio. Pilger und weniger Hitzetote

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Im Vergleich zum vergangenen Jahr scheint die Hajj 2025 in Mekka ohne große Zwischenfälle verlaufen zu sein. Berichte über Todesopfer gibt es aber auch dieses Mal.

Mekka (dpa, iz). Mit einigen tödlichen Zwischenfällen aber ohne eine große Tragödie wie im vergangenen Jahr ist in Saudi-Arabien die muslimische Wallfahrt Hadsch zu Ende gegangen.

Bei Temperaturen um 45 Grad Celsius kamen in den vergangenen Tagen 13 iranische Pilger ums Leben, wie die iranische Staatsagentur Irna berichtete. Insgesamt nahmen dieses Jahr etwa 1,6 Mio. Muslime an der Pilgerfahrt teil.

Die Wallfahrt sei erfolgreich und ohne Zwischenfälle verlaufen, erklärte der Vize-Vorsitzende des ständigen Hajj-Ausschusses, Saud bin Mischaal. Es habe keine Probleme rund um die Gesundheit der Pilger oder die Sicherheit gegeben. Zu den 13 iranischen Todesopfern äußerte er sich nicht.

Vergangenes Jahr kamen bei Hitze um 50 Grad Celsius bei der Wallfahrt mehr als 1.300 Menschen ums Leben. Die saudischen Behörden versuchten, die Wiederholung einer solchen Katastrophe mit verschiedenen Maßnahmen zu verhindern.

Sie gingen unter anderem strikter vor gegen Pilger ohne offizielle Zulassung, die in der Hitze oft schlechter versorgt sind. Diese hatten im vergangenen Jahr nach Angaben der Behörden keinen Zugang zu Bussen, klimatisierten Zelten oder Trinkwasser-Stationen.

Unabhängig von den Temperaturen stellen die Massen die Gastgeber jedes Jahr vor eine Herausforderung. Zum Abschluss zeitweise pro Stunde mehr als 100.000 Menschen in die Große Moschee von Mekka, wie die saudische Staatsagentur SPA berichtete.

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Von der Bedeutung des Opfers

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Erinnerung an das Opfer Ibrahims. Reflexion auf den größten Feiertag der Muslime.

(iz). Am 16. Juni dieses Jahres begehen wir den höchsten islamischen Feiertag – ‘Id Al-Adha –, der auch als ‘Id Al-Kabir bezeichnet wird. Jede Volk, Gemeinschaft und Gesellschaft hat seine beziehungsweise ihre Festtage. Wir haben zwei Hauptfeiertage: ‘Id Al-Adha, der Tag, an dem die Hadsch endet, und ‘Id Al-Fitr, der das Ende des Fastenmonats Ramadan markiert. Der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, stiftete beide Anlässe für seine Gemeinschaft. Von Hafidh Abdallah Castiñeira

Der Unterschied zwischen diesen und jenen Anlässen, an denen wir in der Gesellschaft Anteil haben, besteht darin, dass die Feiertage des Dins der Erinnerung Allahs, der Dankbarkeit Ihm gegenüber und dem Verständnis unserer Existenz dienen.

Tage wie Halloween oder das kommende Weihnachten, von denen unsere Kinder im gesellschaftlichen Strom mitgerissen werden, werden als gegeben hingenommen. Die meisten Leute aber kennen deren Bedeutung(en) nicht. Untersucht man ihre Wurzeln, wird man feststellen, dass sie heidnischen Ursprungs sind – sie beziehen sich auf Geister, Fruchtbarkeit und dem Zyklus der Jahreszeiten.

Foto: Artistico | Shutterstock

Erinnerung an Ibrahim 

Unsere Feier des ‘Id Al-Kabirs ist die größte Feier des Dins, weil sie seinen Höhepunkt darstellt. Sie ist eine Erinnerung an das Opfer von Sayiduna Ibrahim und die Riten der Hadsch – der Umkreisung der Kaaba (Tawaf), das Hin- und Herlaufen zwischen Safa und Marwa (Sa’i), das Stehen auf der Ebene von ‘Arafat, das Anlegen des Ihrams, sowie das Opfern eines Tieres. Diese Riten haben eine Bedeutung, die am besten durch die Anrufung der Pilgernden selbst beschrieben wird: „Labbaik, Allahumma labbaik, labbaik, la Scharika laka, labbaik (O Allah, hier bin ich. Ich ergebe mich Deinem Willen und bin Dir gehorsam. Du hast keinen Teilhaber).“

Dies war sein Ruf und der seines Sohnes Isma’il, nachdem Allah sie von der Verpflichtung entließ, Isma’il zu opfern. Das ist der Ausdruck maximalen Gehorsams und absoluter Aufrichtigkeit. Der Prophet Ibrahim war dabei, seinen Sohn zu opfern, und Allah entließ ihn von dieser Verpflichtung, indem jener das beste Schaf opferte.

Warum hat Allah diese unfruchtbare Einöde gewählt, in der nichts wachsen kann? Ibrahim baute in reinem Gehorsam gegenüber Allah das erste Haus, an dem Allah angebetet wurde. Dies ist der gleiche Ort, den Millionen Muslime heute für ihre Hadsch aufsuchen. Millionen weiterer Muslime in aller Welt fasten vor dem ‘Id, wenn der Tag des Stehens auf der Ebene von ‘Arafat kommt. Jene Riten und jener Ort stehen in Beziehung zum Opfer Ibrahims und dem von ihm errichteten Haus. 

Allah sagt im Qur’an: „Ibrahim war eine Gemeinschaft, Allah demütig ergeben und einer, der Anhänger des rechten Glaubens war, und er gehörte nicht zu den Götzendienern; dankbar (war er) für Seine Gnaden. Er hatte ihn erwählt und zu einem geraden Weg geleitet.“ (An-Nahl, Sure 16, 120)

Schaikh Waliullah von Delhi sagte über diesen Propheten, dass die Macht seiner Zuneigung Allah gegenüber so stark war, dass er den Kurs der gesamten prophetischen Nachfolger bis zum Propheten Muhammad festlegte. Seine Unterwerfung unter und seine Anerkennung von Allah mit jedem Atemzug und in jedem Augenblick wird mit der Eigenschaft „Hanif“ bezeichnet. Kein Ereignis in der sozialen Welt konnte ihn von der Gegenwart Allahs ablenken.

Schaikh Ibn Al-’Arabi gab ihm in seinem „Fusus Al-Hikam (Siegelsteine der Weisheit)“ den ehrenden Beinamen Ibrahims „Al-Khalil“. Oft wird dieses Wort als „enger“ oder „intimer Freund“ übersetzt. Die Wurzel des Wortes bedeutet so viel wie „von etwas durchtränkt“ beziehungsweise „gesättigt sein“. Sein Wesen war von der Gegenwart Allahs durchtränkt. Das ist es, woran wir uns am ‘Id Al-Kabir erinnern.

Die Symbolik der Umkreisung der Kaaba ist die Umkreisung der Planeten um die Sonne. Jeder einzelne hat seinen Orbit. Gleichermaßen kreisen die Menschen auf einer, ihnen angemessenen Umlaufbahn. Jeder von uns muss seinen Ort finden, an dem ihn Allah platziert hat. Dort muss er Allah anbeten und Ihn zufrieden stellen.

Seine demütige Ergebenheit zeigte sich in jedem Augenblick und ohne Kompromiss. Der Sa’i zwischen Safa und Marwa ist ein Akt der Barmherzigkeit so wie die verzweifelte Sorge der Mutter um ihr Kind, die bereit ist alles zu tun, um den Durst ihres Kindes zu stillen.

Es war die Gnade Allahs, die Ehefrau Ibrahims mit einer Quelle zu versorgen, um ihren Durst zu stillen. Seine Gnade machte dieses öde Stück Wüste zu einem Ort, an dem sich die Stämme begegnen konnten. Sie ließen sich hier nieder und beschützten das Heiligtum von Ibrahim. Dank des Handels kamen Versorgung und Wohlstand nach Mekka. Die Anbetung Allahs blieb bis zum heutigen Tage.

Das Stehen auf der Ebene von ‘Arafat ist eine Vorbereitung für den Jüngsten Tag. Hier sind Wohlstand, Ruhm oder Position ohne Bedeutung. Alle sind in die gleichen, simplen Tücher gekleidet, die denen ähneln, in die wir nach unserem Tode gehüllt werden. Es ist die Begegnung mit unserem Herren durch unsere Taten, mit unserer Gottesfurcht und unseren Absichten.

ibrahim Opferfest Hadsch

Foto: Diyar Shahbaz, Unsplash

Bedeutung des Opfers

Das Begehen beider Feiertage ist eine Manifestation von Dankbarkeit, Freude und Anerkennung der Geschenke Allahs. Auf seiner abschließenden Hadsch, wenige Monate vor seinem Tod, hielt der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, seine Abschieds-Khutba (Ansprache).

Er erwähnte dort nur sehr wenige Dinge. Dies waren Ratschläge an seine Umma – für die kommenden Jahre und Jahrhunderte. Er erklärte die Zeit der Jahiliya (arab. Unwissenheit) für beendet, in der die Leute stolz auf ihren Stamm oder ihre Herkunft waren. Er sprach über die Unverletzlichkeit von Leben, Ehre und Eigentum. Er hielt uns Muslime dazu an, unsere Frauen gut zu behandeln. Der Prophet erinnerte seine Umma daran, den Wucher zu meiden und ihn zu verbieten. Und er bat die Leute, zu bezeugen, dass er seine Botschaft übertragen hatte.

Eine andere Sache, von der er sprach, war: „Ich hinterlasse euch zwei Dinge, die euch – wenn ihr daran festhaltet – niemals in die Irre gehen lassen: das Buch Allahs (…) und meine Sunna.“ Mit dem „Buch Allahs“ ist auch das Studium, Erlernen und die Praxis des Qur’ans gemeint. „Sunna“ ist nicht, wie viele moderne Muslime meinen, ein Text.

Vor einigen Jahren traf ich auf einer internationalen Konferenz einen sehr feinen, intellektuellen Araber. Dieser meinte: „Der Islam ist nichts als Text (Nusus).“ Dies ist eine Position, die viele Muslime heute einnehmen. Demnach wäre der Din etwas, das sich auf dem Papier befindet.

Das ist nicht wahr. Islam ist eine Aufrichtigkeit, die die Welt verändern kann. Das ist es, was die anderen nicht haben, wie der Prophet sagte: „Ich hinterlasse euch zwei Dinge, die euch – wenn ihr daran festhaltet – niemals in die Irre gehen lassen: das Buch Allahs und meine Sunna.“

Das heißt, wenn wir daran festhalten, können wir nicht in die Irre gehen – in diesem Leben und im nächsten. Diese Khutba war für seine ganze Gemeinschaft. Er hielt sie vor 120.000 Leuten und sagte den Anwesenden, dass sie diese an die anderen weitergeben sollten. Vielleicht können die Abwesenden diese Worte besser verstehen als die Anwesenden.

„Meine Sunna“ bedeutet sein Modell, sein Charakter, seine Eigenschaften, Vorbild und Verhaltensweise. Diese Sunna und die Fitra, für die Ibrahim stand, sind unser Umkehrpunkt, an dem wir ein Vorbild finden, anhand dessen wir unsere Geschäfte auf eine Art und Weise tätigen können, die Allah zufrieden stellt.

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Hadsch – unser Leben ist eine Reise zu Allah

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Die Pilgerfahrt (Hadsch) steht für neue Anfänge. Wer sie erfolgreich abschließt, kehrt in spiritueller Hinsicht frei von allen vorherigen falschen Handlungen heim.

(Zaytuna Institute). Während der gesegneten ersten zehn Tage das Monats Dhu’l-Hidscha ereignet sich die große Pilgerfahrt nach Mekka, die Hadsch. Millionen Muslime sind nach Mekka und seine Umgebung gekommen sein, um die alten Rituale zu wiederholen, die im Zusammenhang mit dem Propheten Ibrahim, Friede sei mit ihm, stehen.

Schaban Monate

Foto: Mongkolchon Akesin, Shutterstock

Hadsch als Bestandteil des islamischen Kalenders

Die Berechnung der Pilgerfahrt basiert auf dem Mondkalender. Sie ist ein kulminierender Augenblick, aber auch das Signal für einen Neuanfang. Sie ist der besiegelnde Moment im jährlichen Ablauf der Rituale, die das ­Leben eines Muslims bestimmen.

Beginnend mit dem Fasten am ‘Aschura-Tag (am zehnten Tag des ersten Monats, Muharram) setzt sich der „spirituelle Kalender“ im Rabi’ Al-Awwal fort. Hier ereignete sich die Geburt des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Der Reflexion dieses Tages folgt das freiwillige Fasten im Radschab. Das ist auch die Phase, in welcher wir der Nachtreise und der Himmelfahrt des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, gedenken.

Auf diesen folgt der ebenfalls gesegnete Scha’ban. Auch hier ist eine freiwillige Enthaltsamkeit angeraten. Seine 15. Nacht ist eine der Augenblicke des Jahres, die sich besonders für intensive Anbetung und die Anrufung Allahs eignet.

Auf ihn folgt der gesegnete Ramadan, die Zeit des einmonatigen Fastens und der nächtlichen Anbetung. Ramadan macht Platz für den Schawwal, in dem die Vorbereitungen für die Hadsch beginnen. In ihm wird ein sechstägiges Fasten, am besten in Folge, nahegelegt.

Während des kommenden Dhu’l-Qada setzen sich die Vorbereitungen für die große Pilgerfahrt fort. Die ersten zehn Tage des Hadschmonats wurden auch als die tugendhaftesten Tage des Jahres beschrieben.

Foto: Kursat Bayhan, Shutterstock

Der Tag von ‘Arafat

Dann sind Fasten, Bittgebete, Dhikr und andere Handlungen der Anbetung besonders angeraten. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Es gibt keine Tage, in denen rechtschaffene Taten mehr Tugend besitzen als diese zehn Tage.“

In diese Phase fällt der Tag von ’Arafat, der neunte Tag von Dhu’l-Hidscha. Über ihn unterwies uns der Gesandte ­Allahs: „Es gibt bei Allah keinen einzelnen Tag, der tugendhafter ist als der Tag von ’Arafat.“

Sein Rang manifestiert sich selbst in der Schwere von Gottes Verzeihung währenddessen. Zusätzlich gibt es Vergebung für jene, die dann fasten. „Es gibt keinen Tag, an dem Allah Seine Diener mehr vom Höllenfeuer befreit als am Tag von ’Arafat.“

Diese Momente dienen als Meilensteine für die Diener auf ihrem Weg zu ­Allah. Der Ablauf eines jeden Jahres wird durch die Hadsch markiert. Sie dient als Erinnerung für uns, dass wir uns unserem Schicksal angenähert haben. Allah sagt darüber: „(…) nehmt ausreichend Versorgung. Und die beste Versorgung ist Rechtschaffenheit.“ (Al-Baqara, 197)

Allah erinnert uns daran, dass dieser Lebensweg einzigartigen Proviant benötigt. Und dass die Hadsch ein Symbol ist, die uns an diese größere Reise gemahnt.

Hadsch Mina

Foto: Library of Congress, Public Domain

Die Pilgerfahrt steht für neue Anfänge

Wie erwähnt steht die große Pilgerfahrt für neue Anfänge. Wer sie erfolgreich abschließt, kehrt in spiritueller Hinsicht frei von allen vorherigen falschen Handlungen heim. Das basiert auch auf den prophetischen Worten: „Wer die Pilgerfahrt nach Mekka verrichtet, frei von irgendeiner unzüchtigen oder verkommenen Handlung, lässt seine falschen Handlung zurück und kehrt im Zustand der Reinheit zurück, in der er sich befand, als seine Mutter ihn zur Welt brachte.“

Nach Abschluss wissen wir, dass uns das neue Jahr bevorsteht. Diese Erkenntnis ermutigt uns, innezuhalten und nachzudenken – über unsere Leistungen und Mängel des vergangenen Jahres. Es ist eine gute Gelegenheit, Allah für das Erreichte zu danken und gleichzeitig zu verstehen, was zu unseren Schwächen führte.

Diejenigen, die mit einer erfolgreichen Hadsch gesegnet wurden, erkennen so, dass sie eine der wesentlichen Vorbereitungen für ein neues Leben geleistet haben: das Jenseitige. Daran erinnerte uns der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Eine angenomme Hadsch ist besser als die Welt und was in ihr ist. Die passende Belohnung für eine angenommene Hadsch ist nichts anderes als das Paradies.“

Es ist passend, dass ein solch mächtiges Ereignis ein gleichnamiges Kapitel im Qur’an erhalten hat. Ich würde gerne über zwei Verse dieser Sure reflektieren. Im ersten spricht Allah den Propheten Ibrahim, Friede sei mit ihm, an: „Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren Reittieren, hager gemacht durch die lange Reise. Aus jedem entfernten Ort kommend.“ (Al-Hajj, 27)

Er wird aufgefordert, der Menschheit zu erklären, dass Allah ein geheiligtes Haus etabliert hat. Sie müssen eine ­Pilgerreise zu ihrem Besuch unternehmen. Diese gewaltige Ankündigung übersteigt Zeit und Raum. Als er den Befehl erhält, sagte Ibrahim: „Wie kann ich das der ganzen Menschheit erklären, wenn meine Stimme sie nicht erreicht.“ Allah entgegnete: „Du wirst den Aufruf machen und Ich werde ihn der Menschheit überbringen.“

Es wurde überliefert, dass Allah ein Absenken der Berge veranlasste. Ibrahims Stimme erreichte alle Ecken der Welt. Und er wurde von jedem gehört, dem die Pilgerfahrt bestimmt war. Dieser Aufruf hat die fernsten Enden der Erde erreicht. Denn wir bezeugen jährlich die große Versammlung der Hadsch. Und die Leute kommen aus allen vier Himmelsrichtungen.

Foto: Afif Ramdhasuma

Das große Treffen

Dieses große Treffen zeigt uns das wahre Potenzial der Menschheit. Frieden und Brüderlichkeit sind möglich, die wir während der Hadsch bezeugen können. Schwarz und Weiß, Reich und Arm – alle kommen in einer Situation zusammen, in der die Unterschiede von Rasse, Ethnie sowie sozialer und ökonomischer Klasse beiseite geschoben werden.

Gleichzeitig tritt der Vorrang der gemeinsamen Sehnsucht nach Allah selbst in den Vordergrund. Dieses schöne Bild der Demut vor Gott ist passend. Denn der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, unterrichtete uns: „Allah betrachtet nicht eure körperliche Form, noch euren Reichtum. Vielmehr wertet Er eure Herzen und eure Taten.“

Auch wenn dieser friedliche Zustand nur wenige Tage dauert und nur zwei bis drei Millionen Menschen betrifft, zeigt er uns, dass wahre Brüderlichkeit möglich ist. Unsere Herausforderung liegt im Finden von Wegen, wie wir dies erweitern können. Eines der größten Mittel dafür besteht in der Erinnerung der Wichtigkeit, Allah in unserem Leben allem anderen voranzustellen.

Der wahre Geist des Din wird Frieden steigern. Um diesen jedoch zu erreichen, müssen wir unser Verlangen unterdrücken, unsere religiösen Lehren zur Rechtfertigung unserer weltlichen Leidenschaft zu benutzen.

Unsere Wünsche nach Reichtum, Macht, Herrschaft und Status sind vielleicht die größten grundlegenden Auslöser für unsere Neigung zum Krieg. Oft wird diese Leidenschaft im Namen von Religion gerechtfertigt. Jedoch führt wahre Religion ihren Besitzer zu einer spirituellen Pilgerfahrt: einer Hadsch zu unserem Herrn.

Um diese Reise erfolgreich zu vollenden, braucht man wahrlich einen umfassenden Vorrat an Gottesfurcht. Eine wirkliche Reise zu Gott, wie die Hadsch, würde die bestehenden Unterschiede zusammen mit dem leidenschaftlichen Wettstreit für Vormacht unterwerfen. Ein tieferes Verständnis der prophetischen Rechtleitung macht Religion zu einer Heilung und nicht zu einer Ursache für Krieg.

Wir stehen an einer Wegscheide

Heute steht die Menschheit definitiv an einer Wegscheide. Um weitergehen zu können, müssen wir entweder die hohen Ideale aufrechterhalten, mit denen Allah die Propheten sandte. Oder wir geben dieses Erbe auf und schreiten auf einem Pfad weiter, der uns von Gott in irgendeiner bedeutenden Weise trennt. Wie alle Indikatoren zeigen, führt dieser Weg in unsere kollektive Zerstörung.

Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass meine Worte im offenen Widerspruch dazu stehen, was viele Atheisten vertreten. Sie behaupten, unser Überleben hänge von der Trennung von „irrationaler Fiktion“ wie Religion ab. Ein Scheitern führe demnach zu einer unerträglich blutigen Zukunft. Ich halte dem entgegen, dass nicht Religion, sondern „atheistische“ Kriege und die Säuberungsaktionen des letzten Jahrhunderts für das Abschlachten von Millionen verantwortlich waren.

Lenin, Stalin, Mao und Pol Pot, die insgesamt weit über fünfzig Millionen Menschen töteten – und ihre Bewegungen waren insgesamt atheistisch. Gleichfalls haben die intellektuellen Grundlagen des Faschismus wenig mit traditioneller Religion zu tun. Vielmehr folgen sie sehr oft säkularen oder offen atheistischen Philosophen.

Diese trugen direkt oder indirekt zu Ideen bei, die zum megalomanischen Massaker durch die Regime von Mussolini und Hitler beitrugen. Wir könnten hinzufügen, dass die Reihe von Kriegen, Invasionen und militärischen Interventionen der Vereinigten Staaten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch nicht durch religiöse Betrachtungen angetrieben waren.

Die „aufgeklärte“ und entfremdete Wissenschaftslogik und -methodik, für die viele Atheisten angeblich stehen, dient als Basis des gegenwärtigen moralischen und ethischen Systems. Das ist die eigentliche Logik und Methodik, die zur Schaffung der Wasserstoffbombe, Napalm, weißem Phospor, „Daisy Cuttern“ und anderen Instrumenten der Massenvernichtung führte.

Entwickelt und effektiv eingesetzt durch die progressiven Söhne des menschlichen Verstandes. Im Lichte der jüngsten Geschichte klingen die lauter werdenden Rufe nach einem glaubenslosen Ansatz – als beste Chance für eine Überwindung der wachsenden Hindernisse auf dem Weg des menschlichen Fortschritts – sehr hohl.

Foto: zakat.org

Religiöse Lösungen sind möglich

Die Hadsch zeigt, dass religiöse Lösungen für unsere Probleme möglich sind. Frieden ist machbar durch Allah – und Brüderlichkeit. Diese Möglichkeit muss allen Menschen erklärt werden. Jedoch liegt es an uns Muslimen, ein attraktives und lebendiges Modell zu schaffen. Das, was wir heute erstreben und verkörpern müssen ist das Beste unseres ethischen Systems. Und wir müssen uns auf eine spirituelle Pilgerfahrt begeben, wie wir es mit den Riten der Hadsch tun.

In einem anderen Vers zur Pilgerfahrt heißt es: „Und müht euch für Allah ab, wie der wahre Einsatz für Ihn sein soll. Er hat euch erwählt und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt, dem Glaubensbekenntnis eures Vaters Ibrahim: Er hat euch Muslime genannt, zuvor und in diesem (Qur’an), damit der Gesandte Zeuge über euch sei und ihr Zeugen über die Menschen seid. So etabliert das Gebet, zahlt die Zakat und haltet an Allah fest. Er ist euer Schutzherr. Wie trefflich ist doch der Schutzherr, und wie trefflich ist der Helfer!“ (Al-Hadsch, 78)

Ich möchte mich auf eine kleine Passage aus diesem viel längeren Vers beziehen: „(…) dem Glaubensbekenntnis eures Vaters Ibrahim.“ Sie erinnert uns daran, dass der Islam kein neuer Din ist. Er beruht auf den Fundamenten, die von Ibrahim gelegt wurden. Daher wurzelt der Glaube und die Praxis der Muslime tief im reichen Boden des prophetischen Erbes.

Über die strikte Einheit sagt Allah im Qur’an: „Und Wir haben zu jeder Gemeinschaft einen Gesandten entsandt: ‘Dient Allah und meidet die falschen Götter.’“ (An-Nahl, 36)

Gleichermaßen reichen die Handlungen der Muslime bis vor den Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zurück. Wobei einige Besonderheiten dieser Handlungen auf die eine oder andere Weise verändert wurden. So etablierte Ibrahim die Hadsch. Und wir wissen, dass das rituelle Pflichtgeben und die verpflichtende Wohlstandsabgabe Zakat vom Propheten Jesus praktiziert wurden. Auch war das Fasten bei den früheren Gemeinschaften bekannt.

Daher sollten die Muslime ihren Din nicht als etwas Neuartiges begreifen. Vielmehr ist er eine Kulminierung der prophetischen Lehren, die mit Ibrahim begannen. Sie sollten ihre spirituellen Bemühungen auch als eine Bewahrung derselben verstehen. Wenn diese verloren gehen, verschwindet ein großer und nicht zu ersetzender Teil unseres menschlichen Erbes.

Daran festzuhalten, in einer Zeit des großen Angriffes, benötigt den Mut Ibrahims. In seiner Jugend hatte er den Mut, den Götzendienst seines Volkes herauszufordern. Indem er ihre Idole zerstörte, konnte er die wertlose Natur ihrer Weltanschauung bloßzulegen.

Wenn aus den obigen Gründen das 20. Jahrhundert als das „Jahrhundert des Massenmordes“ bezeichnet werden kann, so kann es auch „das Jahrhundert des Selbst“ genannt werden. Der wütende Egoismus und Narzissmus, der durch die Anbetung des Selbst entfesselt wurde, hat unzählige Menschen von Allah hinweggeführt.

Das größte Mittel zur Zerschlagung dieses Idols ist guter Charakter. Denn er wird immer zu einem Engagement für andere führen. Auch in dieser Hinsicht dient Ibrahim als Vorbild. Er wurde als ein „eigenes Volk“ beschrieben. Eine der Bedeutungen dieser Aussage ist, dass sich in ihm die guten Charaktereigenschaften fanden, die normalerweise unter allen Mitgliedern eines Volkes verteilt sind.

Er verkörperte Mut, Nachsicht, Treue gegenüber den Eltern, Dankbarkeit gegenüber Allah, Annahme Seiner Befehle, Anbetung, Weisheit in der Bezeugung von Wahrheit und Opferbereitschaft für zukünftige Generationen.

All jene Eigenschaften werden gebraucht in unserem Bemühen zur Vertiefung unseres Dienstes an Allah und Seiner Schöpfung. Ein freier Geist, ein umfassender Charakter und Tiefe unseres Glaubens bereiten die Versorgung, die für die Bewahrung unserer Menschenwürde nötig ist. Jeder von uns kann dieses Potenzial von Ibrahim anzapfen. Und er muss den Mut dafür in sich finden, will er einen bedeutsamen und gesunden Beitrag für unsere gemeinsame Zukunft leisten.

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Reiseblog: Die Metapher des Reiters. Mit dem Pferd nach Mekka

pferd mekka reise sunna

Reiseblog: Über die Geschichte einer Reise mit dem Pferd nach Mekka, die Millionen Zuschauer fasziniert.

(iz). Auf einer Plattform in den sozialen Medien verfolge ich eine Reisegeschichte: die „Pilgerreise auf dem Pferderücken“. Ein Bekannter von mir, Abdalqadir Harkassi, reitet zurzeit mit seinen muslimischen Freunden von Sevilla – auf dem Landweg – Richtung Mekka.

Mit dem Pferd nach Mekka – das Wagnis einer Odysee

Nach jahrelangen Vorbereitungen wagt die Gruppe eine Odyssee, die sie zunächst quer durch Europa führt. Ihre Geschichten – einer ihrer Clips erreichte über eine Million Zuschauer – zeigen die alltäglichen Erfahrungen, die wenig mit den heute üblichen Flugreisen zu tun haben. Hier müssen Pläne geändert, Herausforderungen bestanden und Strapazen auf sich genommen werden, um das ferne Ziel zu erreichen. Warum fasziniert diese Reise ein so großes Publikum?

Hadsch Ibrahim

Foto: Léon Belly, gemeinfrei

Aus muslimischer Sicht findet sich die Antwort in den Reiseberichten Ibn Battutas aus dem 14. Jahrhundert. Aus Mekka schreibt er: „Zu Gottes wunderbaren Werken gehört es, dass in er in die Herzen der Menschen den Wunsch, sich an die Erhabenen Städten zu begeben, und die Leidenschaft, sich an die ehrwürdigen Stätten einzufinden, eingepflanzt hat.“

Wenn wird diesen kühnen Reiseplan der Muslime aus Andalusien verfolgen, sind uns die heiligen Orte selbst stets gegenwärtig. Darüber hinaus wird uns bewusst, dass die Pilgerreise in der Vergangenheit nicht etwa Ausdruck eines hektischen Lifestyles war, sondern Symbol einer Lebensreise mit ungewissem Ausgang.

Ibn Battuta erinnerte an die Gefahren und den Segen dieser Expeditionen: „Wie viele Kranke hatten nicht schon den Tod vor Augen oder sahen auf der Reise ihren Untergang kommen! Als aber Gott seine Gäste dort sämtlich versammelt hatte, waren sie zufrieden und glücklich, als hätten sie auf ihrer Anreise nicht die geringsten Bitternisse erfahren noch Unbill und Strapazen erlitten.“

Faszination nicht nur für Gläubige

Die ungewöhnliche Pilgerreise fasziniert nicht nur Gläubige. Auf ihrem Weg begegnen den Reitern aus Andalusien Menschen aus Europa, die Anteil nehmen an dem Vorhaben, oft ihre Hilfe anbieten.

Es ist einer der heute selten gewordenen Fälle der Wahrnehmung von Muslimen als Individuen in der Öffentlichkeit. Sie erscheinen nicht – wie so oft in den sozialen Medien – nur als Repräsentanten eines abstrakt definierten Kollektivs.

Man bewundert in diesem Fall den Versuch, trotz zahlreicher bürokratischer Hürden, im Stil der Reisenden der Vergangenheit, eine Metamorphose vorzuleben. Die Wahl des Verkehrsmittels täuscht nicht darüber hinweg, dass die Reise nach Mekka unter den Bedingungen der Moderne stattfindet. Der Landweg zum Ziel ist heute, man denke an die geopolitischen Zerwürfnisse in der Welt und die Straßen- und Wegverhältnisse in Europa, eine Herausforderung.

Foto: A. Rieger

Erinnerungen an einen Besuch bei Montaigne

Mich erinnert das Motiv des Reisens mit dem Pferd an einen eigenen Ausflug im Jahr 2018 zum Chateau Montaigne in Frankreich. Der weltberühmte Philosoph (1533-1592) schrieb dort seine berühmten „Essais“ in Zeiten des Bürgerkriegs.

Fast zwei Jahrhunderte nach seinem Tod fand man in einer verschlossenen Truhe des Schlosses ein Manuskript, dass seine Reise nach Rom in den Jahren 1580 und 1581 behandelt. Montaigne wählte damals das schnellste Verkehrsmittel seiner Zeit: Pferde.

In seiner lesenswerten Biografie über den Franzosen beschreibt Volker Reinhardt sein Motiv: „Der höchste Zweck seiner Reise war also der Versuch, sich selbst und eine Zeit zu verstehen, in der das Ich sich fremd und zugleich eingebunden fühlt.“ 

Montaignes Art des Reisens ähnelt den Reisepraktiken Ibn Battutas. An allen größeren Orten folgte sein Aufenthalt einem festen Rhythmus. Dazu gehörten Besuche bei lokalen Honoratioren, Entgegennahme von Ehrenbezeugungen und Gesprächen mit Gelehrten. Ganz oben stand die Erforschung der konfessionellen Verhältnisse und der damit verbundenen Sitten und Gebräuche.

Montaigne beschäftigt sich auf seiner Reise mit der Beziehung von Philosophie und Religion. Er stellte fest, dass alle Spielarten des Christentums sich auf dieselbe göttliche Offenbarung berufen, aber die Schlussfolgerungen, die sie daraus ziehen, und die Kulturformen, in die sie diese Doktrin umsetzen, von Einflüssen bestimmt werden, die er näher zu erforschen versuchte.

Sein Reisebericht beschreibt demzufolge Landessitten, lokale Traditionen, politische und ökonomische Verhältnisse und nicht zuletzt die unterschiedlichen Mentalitäten. Immer wieder fragt sich der Philosoph, woher der maßlose Hass auf die Andersgläubigen herrührt, obwohl doch zwischen Juden und Christen und den verschiedenen Konfessionen so viel Gemeinsames besteht.

Foto: A. Rieger

Durch das Reisen zur Aufklärung

Montaigne wird zu einer der frühen Stimme der Aufklärung, den der schleichende Übergang von religiösen Überzeugungen zu Wahnvorstellungen schockierte ihn. Die Religionskriege, urteilt er, verdienen diesen Namen nicht, weil niemand für den Glauben kämpft.

Aus Sicht Montaignes schützen nur die offene Rede und der gesunde Menschenverstand, gegen diese Verirrungen. Sein Ideal ist die Einheit von Theorie und Praxis: „Wenn der Strahl des Göttlichen uns überhaupt erreichen würde, würde er aber überall zu sehen sein, nicht nur in unseren Worten, sondern auch unsere Handlungen würden dieses Licht und Erhabenheit in sich bergen. Alles, was von uns ausginge, wäre von dieser edlen Klarheit erleuchtet.“

Im Jahr 2022 erschien in Frankreich eine Publikation des Philosophen Gaspard Koenig: Mit Montaigne auf Reisen. Das Buch, mit dem Bild des Autors auf einem Pferd, der von Bordeaux bis Rom reitet, wurde ein Bestseller.

Die Schwierigkeiten der Umsetzung dieses Planes erinnern an die Probleme, die den Reitern aus Sevilla bekannt vorkommen werden. Die Reiseroute, die eigentlich dem historischen Vorbild folgt, muss immer wieder verändert werden. Es ist ein Kampf mit der Bürokratie, mit Regulären und den unübersichtlichen Grenzbestimmungen. Der Philosoph fragt sich: Wie viele Umwege und Zufälle auf dem eigenen Weg gesteht uns die moderne Welt noch zu?

Auf Reisen das Zusammenleben der Konfessionen erleben

Interessant zu lesen ist in dem Reisebericht die Station Mulhouse. Wie sein Vorbild Montaigne beschäftigt sich König dort mit dem Zusammenleben der Konfessionen.

Im Frankreich des 21. Jahrhunderts ist es vor allem die muslimische Gemeinde, die im Mittelpunkt religionspolitischer Auseinandersetzungen steht. Die Folgen der grausamen Terroranschläge von Nizza und Paris wirken nach. König, der sich als Atheist bezeichnet, erlebt in der Stadt das Misstrauen der alteingesessenen Religionen gegenüber dem Islam. Man beklagt sich in dem Austausch, dass es in der Alltäglichkeit kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander gebe.

Er ist offen dafür, mit den Muslimen vor Ort selbst zu reden und sich ein eigenes Bild zu machen. Vor seinen Gesprächen stimmt ihn ein Satz von Olivier Roy, der ihm einleuchtet: „Es ist nicht so sehr der Islam, der sich radikalisiert, also vielmehr die Radikalität, die sich islamisiert.“ In Moulhouse ist es ein kleiner Teil der Jugend, die in den betreffenden Vierteln gegen die Gesellschaft rebelliert und sich oft hinter dem Islam versteckt.

Ein Imam benennt im Gespräch die Wissensmängel: „Die jungen Muslime in Mulhouse sind nicht mehr in der Lage arabisch zu lesen, und bekennen sich zu einer Art YouTube-Islam, der in der Hauptsache von den verschiedenen Denkschulen, die, seit mehr als einem Jahrhundert komplexe theologische Debatten nähren, keine Ahnung hat.“

Die Rolle der Religionen in der Zivilgesellschaft bleibt eine offene Frage. Das Buch von Gaspard Koenig ist ein Versuch, die Aversionen gegenüber dem Gewaltpotential von Gläubigen, die im europäisch-kollektiven Bewusstsein tief verankert sind, mit der Moderne zu versöhnen. Dabei wusste schon Montaigne, dass es oft die Politik ist, die die Vorurteile über Religionen für ihre Zwecke instrumentalisiert.

Ohne die Probleme kleinzureden, kommt der Philosoph zu dem Schluss, dass der „Kampflaizismus“ eine offene Tür zum Bürgerkrieg ist: „Wiederholen wir nicht den Fehler, der mit den Hugenotten gemacht wurde.“ Die Aktualität der Überlegungen Montaignes über das Zusammenspiel von Religion und Politik wird in diesem Kontext überdeutlich.

Kehren wir zu der Frage zurück, warum das Bild der andalusischen Reiter die Beobachter aus aller Welt – ob sie gläubig sind oder nicht – fasziniert. Auf ihrem Weg nach Mekka werden sie die religionspolitischen Konflikte und die Spuren der Kriege der letzten Jahrzehnte kaum übersehen.

Der Vollzug des Ritus, im ungewöhnlichen Modus der Langsamkeit, erinnert an die existentielle Grundfrage, die jede religiöse Praxis beantwortet: Wohin führt die Lebensreise? Unter den Verhältnissen unserer Zeit fasziniert die Metapher des Reiters, in Form einer Anspielung auf die Möglichkeit der Individualität in der Moderne.

Volker Reinhardt fasst diesen Traum zusammen: „Das höchste Ziel ist umfassende Freiheit, Freiheit von allen Verpflichtungen, Freiheit, ins Grenzenlose zu reisen, Freiheit sich in der Unendlichkeit zu verlieren, Freiheit, nie mehr zurückzukehren.“

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Die historische Hedschasbahn erhält ein neues Museum

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Einst verband sie wichtige Städte im Osmanischen Reich und erleichterte Pilgern die Fahrt nach Mekka. Die Hedschasbahn galt als technische Pionierleistung, auch wenn ihre Geschichte nur kurz war. (KNA). Der […]

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Nun über 1.300 Hitzetote: Behörden korrigieren Zahlen nach oben

hitzetote

Nach neuesten Angaben der Behörden soll die Zahl der Hitzetoten über 1.300 liegen. Das Problem: Nicht registrierte Pilger hatten keinen Zugang zu Betreuung.

Riad/Mekka (dpa, KNA, iz). Während der Hadsch in Saudi-Arabien sind nach offiziellen Verlautbarungen 1.301 Menschen aufgrund extremer Hitze gestorben. Bei etwa 83 Prozent der Toten handele es sich um nicht registrierte Pilger, teilte der saudische Gesundheitsminister Fahad Al-Dschaladschel am Sonntagabend mit. Detaillierte Angaben zu den Nationalitäten der Opfer machte er nicht.

Hitzetote nach tödlichen Temperaturen auf der Arabischen Halbinsel

Die Temperaturen in Mekka und anderen nahegelegenen Pilgerstätten waren am Dienstag als letztem Tag der diesjährigen Hadsch auf bis zu 50 Grad Celsius gestiegen. „Die unregistrierten Pilger liefen über lange Strecken unter der Sonne ohne Schutz und Pause. Einige von ihnen waren älter und einige andere hatten chronische Krankheiten“, erklärte Al-Dschaladschel im saudischen Staatsfernsehen Al-Ekhbariya.

Viele Toten hätten keine Ausweisdokumente bei sich gehabt, weshalb es dauern werde, bis sie identifiziert seien und deren Familie informiert werden könnten. 

Nach Angaben der Regierungen mehrerer arabischer Länder war ein Großteil der gestorbenen Pilger nicht offiziell angemeldet und mit normalen Touristen-Visa statt mit speziellen Einreisegenehmigungen für die Hadsch nach Saudi-Arabien gereist. Nicht registrierte Pilger haben in der Regel keinen Zugang zu den für Pilger vorgesehenen Unterkünften und Transportdiensten.

Ägypten und Jordanien leiten Ermittlungen ein

Nach Berichten über hunderte verstorbene Pilger aus Ägypten durch die extremen Temperaturen bei der Hadsch hat die Regierung in Kairo erste Konsequenzen gezogen. Zunächst wurden spezielle Teams nach Mekka entsandt, um nach den zahlreich gemeldeten Vermissten zu suchen.

Am Samstag wurde der Entzug der Lizenzen von 16 Reiseveranstaltern angeordnet, wie der staatsnahe TV-Sender Al-Kahira News berichtete. Sie sollen illegal Reisen für nicht registrierte Pilger nach Saudi-Arabien organisiert haben. Es würden strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eingeleitet, hieß es.

„Die Pilger, die während dieser Krise ihr Leben verloren haben, sind größtenteils nicht registriert. Die Reiseunternehmen, die ihre Reisen organisiert haben, haben ihnen keinerlei Dienstleistungen erbracht“, sagte der ägyptische Außenminister Samih Schukri, wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtete.

Vorwürfe gegen die Organisatoren

Angesichts der Berichte über Hunderte Hitzetote bei der diesjährigen Wallfahrt nach Mekka wächst die Kritik an Saudi-Arabien. „Bei den Toten in Mekka handelt sich um ein Versäumnis der Regierung“, sagte Landesexpertin Madawi al-Rasheed der Berliner „tageszeitung“ (online Mittwochabend).

Das Königreich nehme den Klimawandel nicht ernst. Zwar sei dieser natürlich ein globales Problem; aber bei den Vorbereitungen für den Haddsch habe man „die Tatsache offensichtlich nicht berücksichtigt, dass die Temperatur heutzutage bei 50 Grad liegen kann, wenn die Pilgerzeit in den Sommer fällt“.

Als Grundproblem bezeichnete die Wissenschaftlerin eine Kommerzialisierung der Wallfahrt nach Mekka, arabisch Haddsch, die als eine der „fünf Säulen des Islam“ zu den religiösen Pflichten von Musliminnen und Muslimen zählt. Zwar habe Saudi-Arabien viel in die Infrastruktur für den Haddsch investiert; doch davon profitierten in erster Linie die Wohlhabenden. „Diese Form von Entwicklung dient nicht dazu, den normalen Pilgern Sicherheit und Komfort zu bieten. Sie sollen nur konsumieren.“

Große Hitze bei bei der Hadsch: Zahl der Todesopfer in Mekka steigt auf 64

hadsch

Behörden melden Temperaturen von über Grad – und rufen Gläubige dazu auf, sich ausreichend vor der Sonne zu schützen. Dennoch kam es zu mehreren Todesfällen.

Mekka (dpa). Die Zahl der Todesopfer durch große Hitze bei der muslimischen Wallfahrt Hadsch in Saudi-Arabien ist auf mindestens 64 gestiegen. Das Außenministerium in Jordanien bestätigte am Dienstag den Tod von 41 jordanischen Pilgern. Tunesiens staatliche Nachrichtenagentur TAP berichtete unter Berufung auf eine Quelle im tunesischen Konsulat in Dschidda, dass 23 tunesische Pilger ums Leben gekommen seien.

Jordaniens Außenministerium teilte mit, man habe Genehmigungen zu Bestattungen in Mekka erteilt in den Fällen, in denen die Angehörigen keine Überführung nach Jordanien wünschten. Die jordanischen Pilger hätten einen Hitzeschlag erlitten. Zuvor hatte das Ministerium 17 Todesopfer durch Hitze bestätigt.

Hadsch begann unter großer Hitze

Die Wallfahrt hatte in Mekka am Freitagabend bei glühender Hitze begonnen. Dem saudischen Zentrum für Meteorologie zufolge wurden dort in der Großen Moschee am Montagmittag 51,8 Grad Celsius gemessen und an weiteren heiligen Stätten in der Umgebung ähnlich hohe Temperaturen.

Behörden riefen Gläubige dazu auf, Sonnenschirme zu tragen, sich zur besonders heißen Mittagszeit nicht draußen aufzuhalten und genügend Wasser zu trinken. Der Nachrichtenkanal Sky News zeigte einen Pilger, der sich in einem Getränkekühlschrank abkühlte.

Vergangenes Jahr nahmen rund zwei Millionen Pilger an der Wallfahrt in Saudi-Arabien teil, die zu den fünf Grundpflichten des Islams gehört. Busse und Züge helfen bereits, die vielen Gläubigen zu den heiligen Stätten zu bringen, die großen Menschenmengen und große Hitze bedeuten für die Pilger und Ordnungskräfte aber trotzdem eine Herausforderung. In den vergangenen Jahrzehnten kam es auch zu mehreren großen Tragödien mit jeweils Hunderten Todesopfern durch Gedränge.

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Gedichte über die Hadsch: Als Muslim in Mekka und Medina

pilger hadsch gedichte

Claudia Azizah Seises Gedichte machen uns die Hadsch – die große Pilgerreise nach Mekka – auf Deutsch erfahrbar.

(iz). In ihrem Gedichtband „Auserwählt und eingeladen. Eine lyrische Reise nach Mekka und Medina“ lässt sie uns an ihrer Reise in diese Städte teilhaben. Sie beginnt mit ihren Gefühlen vor der Reise. Sie macht sich Gedanken darüber:

„Hat die Reise schon begonnen? / Obwohl die Heimat noch vorüberzieht. // Wann hat die Reise wohl begonnen? / Ich reise schon so lange zu dem Ziel.“

Die Reise nach Mekka und Medina ist nicht bloß als räumliche Reise zu verstehen. Die Dichterin nimmt uns mit auf eine Reise, die uns der Bedeutung dieser Orte näher bringt.

Hadsch Ibrahim

Foto: Léon Belly, gemeinfrei

Als Dichterin fasst sie für uns in Worte, was sich in ihrem Herzen abspielt. Sie verleiht Gefühlen Ausdruck. Dadurch ist uns ein Beispiel gegeben, was sich in uns abspielen könnte, wenn wir dort sind. Und das ist wunderschön.

Erinnern wir uns wie unsere Dichterin an „Mutter Hadschar, der sie ein Gedicht widmet: „Sie lief dahin und auch daher. / Suchte nach Wasser im Wüstenmeer. / Ich laufe ihrem Wege nach. / Die Beine schmerzen – fast verzagt.“

Es wird mit der Suche von Hadschar begonnen. Der Gedanke an sie reißt sie aus der Gegenwart – doch die eigenen Beine holen in die Gegenwart zurück. Genau das macht etwas im Herzen. War Mutter Hadschar nicht ebenso erschöpft? Was dachte wohl sie, als sie sich hier aufhielt? Welche Ängste und Sorgen hatte sie? Seise dichtet: „Durch Hadschars Flehen, Ibrahims Bitten / Wurd’ diese Wüste lebbar – mitten / In hartem Stein und ödem Land / Fließt Zamzam ohne Unterlass und Rand.“ 

Und sie öffnet uns ihr Herz und teilt uns mit, worum sie Allah fleht und bittet… „So mach’ nun unsere Müdigkeit / Zu Gottesfurcht, so dass es reicht / Wenn wir einst werden vor Dir stehen. / Nur Taten zählen, nicht mehr Flehen.“

Foto: SPAENG

Das ist in so vielen Aspekten schön und tiefsinnig für den aufmerksamen Leser. Die Dichterin weist sich als fundierte Kennerin islamischer Theologie aus. Müdigkeit ist, was wir spüren mögen, doch müde zu sein erlaubt uns, unsere Gottesfurcht auszudrücken. Sie ist eine Möglichkeit dafür, an dem Tag, an dem wir nicht flehen können, d.h. am Jüngsten Tag, reich dazustehen. Reich an Taten mit schöner Absicht. 

Im Diesseits Taten zu zählen, ist nicht besonders schicklich, denn niemand weiß, wie schwer sie wiegen werden. Die jenseitige Waage allein, die das Innere der Herzen während einer Tat kennt, sie wird die Wahrheit über uns Menschen offenbaren,

Es ist eine Sache räumlich in einer Ortschaft zu sein, von der ich weiß, dass sie gesegnet ist. Doch es ist eine Erfahrung auf höhere Ebene, an diesem Ort einen Geisteszustand zu haben, der dem Ort angemessen ist. Das lernen wir durch diese Gedichtsammlung.

Es gibt noch viele Gedichte mehr. Seien es Gefühle beim Anblick der Grünen Kuppel, die Sehnsucht nach dem Propheten oder die Trauer, während der Rückreise. Seise bereichert uns durch ihr Innenleben, das sie in Worte fasst, und allen Menschen, ob Muslim oder nicht, einen Einblick gibt in eine Kultur der Muslime. Sie ist damit eine Pionierin für uns im deutschsprachigen Raum. Möge Allah zufrieden mit ihr sein.

* Claudia Azizah Seise, Auserwählt und eingeladen. Eine lyrische Reise nach Mekka und Medina, Astrolab Verlag, Düsseldorf 2024, 87 Seiten, 9,90€