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Wahlprogramme im Test: CDU/CSU zwischen Tradition und Trumpismus?

wahlprogramm cdu

In den kommenden Wochen behandeln wir in einer Reihe die Wahlprogramme der größeren Parteien und was sie Muslimen zu sagen haben. Dieses Mal: die CDU/CSU.

(iz). Die Union mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz ist nicht mehr dieselbe wie in den 16 Jahren der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Das geht so weit, dass bei vielen das böse Wort von den „Merkelianern“ kursiert.

Man kann feststellen, dass sich die beiden christdemokratischen Parteien von heute in Sprache und Substanz teilweise verändert haben. Das liegt zum einen an globalen Phänomenen wie dem Aufstieg des Populismus.

Zum anderen sind Führungspersönlichkeiten wie Wolfgang Schäuble, der Initiator der Deutschen Islamkonferenz (DIK), verstorben oder aus den Führungsgremien ausgeschieden. Es ist fraglich, ob sich heute ein Unionspolitiker einen Satz wie „Der Islam gehört zu Deutschland“ (C. Wulff) zutrauen würde.

Der Weg der Schwesterparteien vom Kampf um die Mitte gegen SPD und Bündnisgrüne nach rechts und ihr verzweifelter Versuch, der AfD Stimmen abzujagen, wird von einer trumpesken Rhetorik begleitet. Dahinter stehen einige, inzwischen führende Figuren, die immer weniger mit dem Erbe Adenauers, Kohls oder Merkels zu tun haben.

Diese Veränderungen spiegeln sich im Bundestagswahlprogramm der Union wider. Bei Themen, die für muslimische Bürger von besonderem Interesse sein könnten, haben sich Ton und Forderungen verändert.

Union-Wahlprogramm: Was sind die religionspolitischen Prämissen der Union?

Die heutigen Christdemokraten unter Friedrich Merz sind nicht mehr so eng mit beiden Kirchen verbunden, wie dies in der alten Bundesrepublik der Fall war. Als Hinweis darauf können die negativen Reaktionen ihrer Vertreter auf die kritischen Äußerungen der zwei großen christlichen Religionsgemeinschaften zu den migrationspolitischen Vorstellungen von Merz gelten. Etwas scheint im gegenseitigen Verhältnis ins Rutschen geraten zu sein.

Die aktuellen religionspolitischen Aussagen im Wahlprogramm lesen sich nach dem Rückzug bzw. Tod der früheren christlich verankerten Führungspersönlichkeiten eher wie Traditionspflege denn als Ausdruck tiefer Überzeugung. Die Union beruft sich in ihrem Programm weiterhin stark auf das „christliche Erbe Deutschlands“.

Berichterstattung Berlin Sehitlik Moschee Hof Iftar Fastenbrechen

Öffentliches Fastenbrechen auf dem Gelände der Berliner Sehitlik-Moschee. (Foto: Ömer Sefa)

Und sie betont den „unverzichtbaren Beitrag für Bildung, Gemeinwohl und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ der Großkirchen. Sie bekennt sich zum Schutz der Feiertage und zur bisherigen Zusammenarbeit von Staat und Kirchen. Im Gegensatz zu anderen betont sie den Charakter des Religionsunterrichts als „ordentliches Lehrfach“.

Im Umgang mit dem Islam als religiöse Lebenspraxis ist der Ton ambivalenter. Muslime werden zwar als „Teil der religiösen Vielfalt Deutschlands und unserer Gesellschaft“ gesehen. Gleichzeitig gilt ihre Religion aber nur dann als akzeptabel, wenn sie „unsere Werte“ teilt. Hier setzt sich bei der Union der Denkfehler fort, „dem Islam“ in der Bundesrepublik einen Subjektcharakter zuzuschreiben.

Die Haltung der Union zu deutschen Muslimen

Wie in anderen Wahlprogrammen wird die Haltung gegenüber muslimischen Mitbürgern an Bedingungen geknüpft: Einerseits gehört ihr Bestand zur bundesrepublikanischen Realität. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass sie „unsere Werte“ teilen. Es gibt keine andere Bevölkerungsgruppe im Land, deren grundsätzliche Existenz an eine solche Vorbedingung gebunden wird.

Der Blick auf die hiesigen Muslime ist zweigeteilt: Die Union fordert in ihrem Wahlprogramm die Schließung extremistischer Moscheegemeinden, die Einführung einer Offenlegungspflicht für Vereine und ihre Dachverbände sowie die Verhinderung einer übermäßigen Einflussnahme aus dem Ausland.

Foto: hydebrink, Shutterstock

Gleichzeitig soll ein „lebendiges und vielfältiges muslimisches Gemeindeleben“ gefördert werden, das sich hier zugehörig fühlt. Die Ausbildung von Imamen in Deutschland auf Deutsch soll nach dem Willen der Union durch eine Stiftung betrieben werden. Ebenso will sie „Forschung und Lehre islamischer Theologie an deutschen Hochschulen“ ausbauen.

Wo der frühere Bundespräsident Wulff (CDU) den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ wagte, heißt es heute „Die Scharia gehört nicht zu Deutschland“.

Praktische Fragen

In Hinblick auf konkrete Anliegen muslimischer Bürgerinnen und Bürger in ihrer Lebenspraxis hält sich das Bundeswahlprogramm der Union bedeckt. Das liegt unabhängig von der Partei an der föderalen Struktur Deutschlands. In dieser liegen die Behandlung alltägliche Bedürfnisse – von Bestattungen bis Moscheebauten – auf Landesebene oder im Verfügungsbereich von Kommunen.

Einzige Ausnahme ist die erwähnte Ausbildung von Imamen. Sie Christdemokraten befürworten, dass sie an hiesigen Universitäten stattfindet. Damit wollen sie „Integration“ fördern und einen „ferngesteuerten Islam“ verhindern.

Was tun bei Muslimfeindlichkeit?

Am 5. Februar veröffentlichte die CLAIM Allianz (ein Bündnis zu Muslimfeindlichkeit und Antidiskriminierung) eine Auflistung der Positionen der jeweiligen Parteien (ohne AfD, DAVA und Mera25):

Die Union lehnt in ihrem Wahlprogramm alle von CLAIM genannten Aspekte ab: Es gibt kein explizites Bekenntnis gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit. Die Partei fordert keine Beauftragten gegen antimuslimische Diskriminierung, lehnt Antidiskriminierungsschulen im öffentlichen Dienst ab und fordert auch keine Reform des Antidiskriminierungsgesetzes (AGG). Auch dem Demokratiefördergesetz steht die Union kritisch und mit Bedenken gegenüber.

Integration und Zuwanderung

Es gehört zu den Ärgernissen unserer „Islamdebatte(n)“, dass die religiöse Lebenspraxis einerseits und die Themen „Integration“ und „Migration“ andererseits wenn nicht synonym, so doch als miteinander verbunden verstanden werden. Das bedeutet, dass integrations- und migrationspolitische Fragen in den Blick genommen werden müssen, weil Muslime hier unausgesprochen mitgemeint sind.

Es ist kein Geheimnis, dass die Union unter Merz trotz gegenteiliger Ankündigungen die Integration zum wichtigsten Wahlthema gemacht hat. Sie kündigt eine „grundlegende Wende in der Migrationspolitik“ an. Und will einen „sofortigen faktischen Aufnahmestopp“ für illegale Migranten durchsetzen. Grenzkontrollen sollen mit Zurückweisungen verbunden werden. Der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte soll ausgesetzt werden. Und alle freiwilligen Aufnahmeprogramme beendet werden.

Die aktuellen Positionen zeigen eine deutliche Verschärfung der Migrations- und Integrationspolitik der CDU im Vergleich zu früheren Wahlprogrammen. Für sie steht „der deutsche Pass am Ende der Integration und nicht am Anfang“. Hier will sie eine „Express-Ampel-Einbürgerung“ umkehren.

Krieg und Frieden im Nahen Osten

Der Nahostkonflikt spielt für muslimische und arabische Wähler in Deutschland eine herausragende Rolle. Auch wenn hier keine Umfragen vorliegen, sondern nur anekdotische Evidenz sowie Äußerungen von Einzelpersonen bzw. bekannt gewordene Parteiaustritte (vgl. Heft 356), dürfte er ein wichtiges, wenn nicht das dominierende Thema für ihre Wahlentscheidung sein.

Die Parteien positionieren sich unterschiedlich zum Nahostkonflikt, was für diese Wählergruppe relevant sein kann. Er war und ist für viele ein sensibles und emotionales Thema – insbesondere nach dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober und dem darauf folgenden Angriff der israelischen Streitkräfte auf Gaza.

Der Krieg, der Umgang der etablierten Parteien mit ihm und die offensichtliche Empathielosigkeit der gesellschaftlichen Mitte gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung führen, wie das DeZIM kürzlich ermittelte, auch bei muslimischen Wählern zu einer Lockerung der Parteibindungen und zu neuen Sympathien. Davon konnten in den Umfragen vor allem das BSW und Die Linke profitieren.

Foto: The White House, Joyce N. Boghosian, via flickr | Lizenz: Public Domain

Für Muslime, die die Union gewählt haben oder es wollen, dürfte die Haltung des Wahlprogramms zum Nahostkonflikt ein Hindernis darstellen. Beide Schwesterparteien positionieren sich eindeutig zugunsten der israelischen Politik. Die CDU bekennt sich zur Sicherheit Israels als „Staatsräson“. Seine Existenz und Sicherheit werden als nicht verhandelbar bezeichnet. Sie verurteilt nicht nur den Terror der Hamas, sondern betont auch das Recht Israels auf Selbstverteidigung.

Innenpolitisch bedeutet dies unter anderem, dass die Union Gewaltverherrlichung und antisemitische Äußerungen etwa auf Demonstrationen ausdrücklich ablehnt. Zudem will sie die Zahlung von Bundes- und EU-Mitteln an palästinensische Organisationen einstellen und künftig nur noch solche unterstützen, die sich klar vom Terror der Hamas distanzieren. Außerdem will sie Moscheen schließen lassen, in denen Hass und Antisemitismus verbreitet werden. Einzelpersonen, die solche Äußerungen tätigen, sollen leichter bestraft werden und Konsequenzen wie Aufenthaltsentzug oder Verlust der Staatsbürgerschaft erleiden.

Außenpolitisch spricht sich die Partei in ihrem Wahlprogramm für Waffenlieferungen an die israelische Armee aus. Man wolle Tel Aviv im „legitimen Kampf gegen den Terror“ militärisch unterstützen. Bestehende Ausfuhrsperren sollen aufgehoben werden. Völkerrechtlich lehnt die CDU die Haftbefehle des IStGH gegen israelische Politiker ab. Diese seien „zumindest problematisch“. Eine mögliche Festnahme Netanjahus auf deutschem Boden lehnt sie ab.

Formal tritt die Union – wie der politische Mainstream in Deutschland – formalistisch für eine Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt ein. Dies sei der einzige Weg zum Frieden in der Region. Wie diese – vor dem Hintergrund der „Staatsräson“ und der Unterstützung der gegenwärtigen israelischen Regierung – erreicht werden soll, bleibt offen.

Hier kommst Du direkt zum CDU/CSU-Wahlprogramm 2025:
https://www.cdu.de/app/uploads/2025/01/km_btw_2025_wahlprogramm_langfassung_ansicht.pdf

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Migration im Wahlkampf 2025: CDU scheitert im Bundestag

wahlkampf merz Migration

Wahlkampf 2025: CDU-Chef Merz und Union finden trotz AfD-Zustimmung keine Mehrheit für ihren Gesetzesentwurf zur Migration.

Berlin (dpa, iz). Der wegen der Unterstützung durch die AfD heftig diskutierte Gesetzentwurf der Unionsfraktion zur Begrenzung der Migration ist im Bundestag gescheitert. Sitzungsleiterin Petra Pau teilte mit, das „Zustrombegrenzungsgesetz“ habe keine Mehrheit gefunden. Demnach gaben 692 Abgeordnete namentlich ihre Stimmen ab: 338 Ja-Stimmen, 349 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen.

Besonders schmerzhaft für Unionschef und Kanzlerkandidat Friedrich Merz, dass er für die im Vorfeld heft umstrittene Abstimmung nicht auf alle Wahlstimmen von CDU/CSU und nicht der FDP (zwei Gegenstimmen) zählen konnte. 12 Unionsabgeordnete hatten ihr Votum verweigert. Bei den Liberalen, darunter auch der frühere Justizminister Buschmann, votierten ebenfalls nicht; außerdem enthielten sich fünf Abgeordnete ihrer Stimme. Merz zeigte sich insbesondere darüber enttäuscht.

Wahlkampf 2025: Was wollte Merz eigentlich?

Mit der Abstimmung über das „Zustrombegrenzungsgesetz“ wollte der Unionskanzlerkandidat unter dem Eindruck des tödlichen Messerangriffs von Aschaffenburg Tatkraft und Handlungsstärke in der Migrationspolitik demonstrieren.

Doch auch nach stundenlangen Verhandlungen mit SPD, Grünen und FDP gelang kein Kompromiss, bei dem abgestimmt werden konnte, ohne dass der AfD eine entscheidende Rolle zugekommen wäre – und dann scheiterte der Antrag seiner Fraktion am Ende auch noch im Plenum.

Foto: UN Women, flickr

Wer in Merz einen Hardliner sah, der im Werben um AfD-Wähler die nötige Distanz zur politischen Konkurrenz rechts der Union vermissen lässt, dürfte sich nun bestätigt fühlen. Wer sich vom Unionskanzlerkandidaten hingegen Maßnahmen für mehr Abschiebungen und weniger Fluchtmigration versprochen hatte, dürfte ebenfalls enttäuscht sein – schließlich kam für den Gesetzentwurf der CDU/CSU am Ende nicht die nötige Mehrheit zustande.

Der Kanzlerkandidat der Union steht weiterhin hinter dem Vorhaben

Merz bekräftigte, dass sich die CDU nicht von der AfD abhängig machen sollte. Er habe der AfD nicht die Hand gereicht. Man habe einen Antrag eingereicht, sagte Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt.

„Wir haben einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht, der nach unserer Überzeugung, der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der richtige Antrag war, um wenigstens ein Teil des Problems der Zuwanderung zu lösen“, sagte er. Da schaue er nicht, wer zustimme oder nicht.

Merz lobte die Debatte im Bundestag: „Ich fand, es war die Sache wert, dass wir uns heute mal wirklich offen ausgesprochen haben über das Thema Einwanderung und Migration.“ Es sei heftig gewesen, und es habe geknallt.

Gegrummel: Unzufriedene Stimmen aus der eigenen Partei

Merz wird auf seine Niederlage reagieren müssen. Statt wie zunächst angekündigt im Wahlkampf über Wirtschaftspolitik zu sprechen, dürfte sich der CDU-Chef vor allem mit der Frage herumschlagen müssen, ob die von ihm beschworene „Brandmauer“ zur AfD hält.

Aus der eigenen Partei ist ein Grummeln über die Taktik von Merz zu hören – auch wenn er in seiner Fraktion breiten Rückhalt genießt. Auf der Straße demonstrieren Tausende gegen eine mögliche Zusammenarbeit der Union mit der AfD. Merz habe SPD, Grünen und AfD mit seinem Vorgehen zudem ein regelrechtes Mobilisierungsprogramm geliefert, hieß es kritisch in den eigenen Reihen.

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Foto: Deutscher Bundestag | photothek | Thomas Köhler

Scholz: Merz „hat sich verzockt“

„Er hat sich verzockt, aber viel schlimmer ist, dass er gezockt hat“, sagte der SPD-Kanzler in den „Tagesthemen“»” der ARD. Merz habe das Tabu gebrochen, mit extremen Rechten zusammenzuarbeiten – ein Tabu, über das Merz im November noch selbst gesprochen habe.

„Nun hat er es versucht und einmal gemacht, und das ist nicht gut für die Zukunft unseres Landes“, sagte der scheidende Kanzler mit Blick auf die Abstimmung am Mittwoch, bei der sich Merz mit den Stimmen der AfD eine Mehrheit für einen Antrag für mehr Zurückweisungen an den Grenzen verschafft hatte. „Also ein wahrscheinlich historischer Tag, aber kein guter.“

Das Thema Migration überlagert alle anderen wichtigen Themen

Die Grünen wollten vor der Bundestagswahl am 23. Februar mit eigenen Inhalten werben: funktionierende Infrastruktur, bezahlbares Leben, Klimaschutz und soziale Absicherung. Doch dürfte die Warnung vor einem möglichen Rechtsruck für die Partei erneut zum beherrschenden Thema werden. Genau das hatte sie vermeiden wollen nach mehreren erfolglosen Länder-Wahlkämpfen mit dieser Strategie.

Die SPD ist schnell umgeschwenkt: Seit Tagen wirbt sie in sozialen Medien für ein Bollwerk gegen den rechten Rand, nach dem Motto „Mitte statt Merz“. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Kurs vorgegeben mit der Warnung, der Unions-Kandidat könne womöglich ein schwarz-blaues Bündnis eingehen.

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Merkel kritisiert CDU-Kurs zur Migration

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Angela Merkel verteidigt ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik. Deutschland habe – trotz aller Probleme – gezeigt, was es kann. Das Land dürfe sich seine Werte nicht von Terroristen stehlen lassen.

Berlin (KNA). Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigt das Offenhalten der deutschen Grenzen während der Flüchtlingskrise von 2015. „Ich hatte damals das Gefühl, ich hätte sonst die gesamte Glaubwürdigkeit der Sonntagsreden über unsere tollen Werte in Europa und die Menschenwürde preisgegeben“, sagte sie am 22. November im „Spiegel“-Interview. „Die Vorstellung, zum Beispiel Wasserwerfer an der deutschen Grenze aufzustellen, war für mich furchtbar und wäre sowieso keine Lösung gewesen.“

Zu Forderungen der Union, Asylbewerber an der Grenze zurückzuweisen, sagte Merkel: „Ich finde das nach wie vor nicht richtig.“ Es sei eine Illusion, anzunehmen, dass alles gut werde, wenn man die Flüchtlinge in die europäischen Nachbarländer zurückschicke.

Das Problem der illegalen Migration müsse europäisch gelöst werden. Sollte das der EU nicht gelingen, fürchtet Merkel „ein Stück Rückabwicklung der europäischen Integration, mit Folgen, die man nicht abschätzen kann“.

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Foto: imago|Christoph Hardt

Mit Blick auf Gewalttaten von Flüchtlingen in Deutschland sagte Merkel, in jeder freien Gesellschaft gebe es fürchterliche Verbrechen. „Auch bei uns fing das nicht erst mit der Zuwanderung an.“ Entscheidend sei aber, „dass wir, neben der notwendigen Härte des Rechtsstaats, uns nie unsere Werte von Freiheit und Menschenwürde von den Terroristen nehmen lassen, dann hätten die gewonnen“.

Die Exkanzlerin betonte, sie habe die Ängste der Menschen vor zu viel Zuwanderung und islamistischem Terrorismus immer sehr ernst genommen. „Wenn man auf ein Volksfest geht und fürchtet, hinter mir zieht gleich einer ein Messer, dann ist das sehr verunsichernd, auch wenn es diese Gefahr in dem Moment vielleicht gar nicht gibt.“

Allerdings gebe es auch eine zweite Gruppe in der Bevölkerung, die Angst davor habe, „dass wir zu intolerant und hart werden. Als Kanzlerin muss ich beide Gruppen im Blick behalten“.

Mit Blick auf ihren wohl berühmtesten Satz „Wir schaffen das“ sagte Merkel: „Ich habe gewusst, dass nicht jeden Tag 10.000 Menschen kommen können.“ Deshalb habe sie auch das EU-Türkei-Abkommen verhandelt. „Und natürlich sind durch die Zuwanderung Probleme entstanden, aber wir haben auch gezeigt, was unser Land kann.“

Das Zusammenleben von verschiedenen Kulturen erfordere immer große Anstrengungen von allen Seiten. Ohne die Offenheit und Veränderungsbereitschaft auch der aufnehmenden Gesellschaft könne es keine Integration geben. „Voraussetzung ist ein Mindestmaß an Wissen über andere Kulturen, ich muss mich schon dafür interessieren.“

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Wer gehört zu Deutschland und wer nicht?

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Deutschland – eine der unnötigsten politischen Diskussionen der letzten Jahrzehnte ist die Frage danach, wer dazugehört. (iz). Eine der unnötigsten politischen Diskussionen der letzten Jahrzehnte ist die Frage danach, wer […]

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CDU-Programmdebatte 2023: Muslimsein ohne Islam ist ein Paradox

Programmdebatte cdu pickel

In der CDU-Programmdebatte diskutiert die Union ihre „neue“ Islampolitik. Kommentar über die Rückkehr von „Leitkultur“.

(iz). Das neue CDU-Programm soll sich wieder mit Werten, der deutschen Leitkultur und einem neuen Verhältnis gegenüber dem Islam beschäftigen.

Nun gut. Gott sei Dank wird die Werteordnung in Deutschland nicht von Parteien bestimmt. Die Grenzen der Religionsfreiheit legt das unparteiische Grundgesetz fest und wird notfalls von deutschen Gerichten verteidigt. Die Bemühungen des jahrzehntelangen Dialogs der Religionen zur Betonung gemeinsamer Werte fallen dieser Politik zum Opfer.

Goethe Koran Divan

Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein | Lizenz: gemeinfrei

Die CDU-Programmdebatte und eine schwammige Leitkultur

Sollte zum schwammigen Begriff der Leitkultur, die die konservativen Strategen ins Feld führen, auch das Werk Goethes gehören, wäre immerhin ein wissender, wohlwollender und verstehender Umgang mit dem Islam zu erwarten.

Dann wäre beispielsweise auch bekannt, dass die „Scharia“, die nach der CDU nicht zu Deutschland gehören soll, alltägliche Dinge lehrt wie das einfache Gebet, Stiftungswesen, die lokale Verteilung der Zakat oder die Ausgrenzung von Terrorismus. Goethes Feststellung über die Natur, dass sie kein System sei, gilt auch für den Islam.

Die Rechtsschulen des Islam passen die muslimische Praxis an Ort und Zeit an. Sie garantieren, dass das Verhalten der im Islam gebildeten Muslime berechenbar und konstruktiv bleibt. Muslime sind auf dieser Grundlage konservativ, weil sie ihre Religion bewahren wollen und liberal, weil sie ihr Leben an das hier und jetzt anpassen. 

Diese Wirklichkeit bestimmt den Alltag von Millionen von Muslimen. Der Normalfall des Muslimseins wird von den Konservativen letztlich ignoriert, um die eigene Logik am Ausnahmefall, dem Extremisten, festzumachen. Dieses unaufgeklärte Feindbild ist leider wieder zu einem konstitutiven Element des konservativen Weltbildes geworden.

Das einfache Kalkül in der Union

Hinter der Strategie liegt ein einfaches Kalkül: Man gewinnt mehr Stimmen mit einer populistischen Anti-Islampolitik als mit einem Angebot an Muslime zur Mitwirkung in der Partei. Letzteres wäre ein Erfolg für die Demokratie.

Die Folgen der Ausgrenzung sind dagegen fatal: Für Muslime in Deutschland verfestigt sich der Eindruck, dass ihrem Dasein – solange man sich nicht ausdrücklich vom Islam distanziert – grundsätzlich und dauerhaft mit Misstrauen begegnet wird.  

Zu befürchten ist, dass das neue Schlagwort-Programm allein dem rechten Rand dient und (konservativ-liberale) Muslime von der Partei fern hält. Praktizierende Muslime werden so in die Parallelgesellschaft gedrängt – hin zu zum Status eines Bürgers 2. Klasse, der keine Repräsentanz in den Parteien und damit auch nicht in den politischen Institutionen zu erwarten hat.

Das Programm fördert so, was es angeblich verhindern will. Wo soll denn nach Ansicht der Konservativen die politische Heimat von gläubigen Muslimen sein? Die Forderung nach einem „Muslimsein ohne Islam“ ist jedenfalls ein Paradox.

Islamgegner organisieren Mehrheiten gegen die Muslime. Von Khalil Breuer

(iz). Nur ein Fünftel der Bevölkerung ohne Sorge vor Islam-Ausbreitung“, solche bedenklichen Meldungen sind im Grunde ein beachtlicher Propaganda-Erfolg der Islamgegner. Ein Sieg der politischen Bildung sind diese trüben Einsichten […]

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Kommentar: Islamgegner organisieren Mehrheiten gegen die Muslime. Von Khalil Breuer

(iz). „Nur ein Fünftel der Bevölkerung ohne Sorge vor Islam-Ausbreitung“, solche bedenklichen Meldungen sind im Grunde ein beachtlicher Propagandaerfolg der Islamgegner. Ein Sieg der politischen Bildung sind diese trüben Einsichten […]

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