Der Verfassungsschutzbericht 2025 verweist darauf, dass die Zahl der politisch extremistischen Personen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht habe. (iz). Demnach liege der Schwerpunkt weiterhin im rechtsextremen Spektrum, während auch […]
Nachrichten & Lebensart
Der Verfassungsschutzbericht 2025 verweist darauf, dass die Zahl der politisch extremistischen Personen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht habe. (iz). Demnach liege der Schwerpunkt weiterhin im rechtsextremen Spektrum, während auch […]
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(iz). Als der CARE-Krisenreport im Herbst 2025 erscheint, stehen andere Karten auf dem globalen Nachrichtentisch. Gaza, Ukraine, Palästina dominieren die Schlagzeilen, fast zwei Mio. Online-Artikel drehen sich allein um den Konflikt im Nahen Osten – für alle anderen humanitären Notlagen bleiben im großen Medienspiegel nur schmale Ränder.
Währenddessen leben rund 43 Mio. Menschen in Krisen, die kaum jemand wahrnimmt. Es ist diese Diskrepanz zwischen Aufmerksamkeit und Bedürftigkeit, die der Report im zehnten Jahr seines Erscheinens zum eigentlichen Thema macht.
Die Methode ist nüchtern, der Befund ernüchternd. Der Medienbeobachtungsdienst Meltwater wertet für CARE fünf Millionen Online-Artikel in 5 Sprachen aus und ordnet sie 43 humanitären Krisen zu. Auf der einen Seite: die „Top-Krisen“ mit Hunderttausenden Meldungen.
Auf der anderen: zehn Länder, über die zwischen Januar und Ende September jeweils nur einige tausend Texte erschienen sind – manchmal kaum mehr als über die Hochzeit eines US-Milliardärs oder eine Social-Media-Sperre.
Vergessene Krisen, so die EU-Definition, sind lang andauernde humanitäre Notlagen mit kaum Hilfe, wenig politischem Willen und minimaler medialer Präsenz. Genau hier setzt die Hilfsorganisation an.
Im Zentrum des Reports stehen die Länder, die in dieser statistischen Dunkelzone liegen: die Zentralafrikanische Republik, Namibia, Sambia, Malawi, Honduras, Nordkorea, Angola, Burundi, Simbabwe und Madagaskar.
Sie bilden ein geografisches Mosaik, das sich von Zentralafrika über das südliche Afrika bis nach Zentralamerika und Ostasien spannt – verbunden durch die gleichen Schlagworte: Konflikt, Hunger, Klimakrise, strukturelle Gewalt.
Die Zentralafrikanische Republik, in allen zehn Ausgaben vertreten, steht exemplarisch dafür. Dort leben mehr als 80 % der Bevölkerung in Armut, fast die Hälfte ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, Hunderttausende sind im Land oder in den Nachbarstaaten auf der Flucht. Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen, sexualisierte Gewalt, unterfinanzierte Hilfsprogramme – all das bleibt meist Randnotiz.
Der Krisenreport arbeitet gegen diese Unsichtbarkeit mit einem Doppelblick: analytisch auf der Ebene von Zahlen und Medienlogik, narrativ in Form einzelner Biografien. Da ist Mable aus Sambia, die den Eimer vorsichtig in einen Brunnen hinablässt und schon beim Blick ins Wasser weiß, wie knapp die Zeit ist, bis die Quelle versiegt. In ihrer Region wechseln sich Dürre und Fluten ab, Dämme brechen, Felder werden weggespült, säurehaltige Abwässer aus Minen vergiften Flüsse.
Mable hat in CARE-Trainings gelernt, Bäume zu pflanzen, Böden zu verbessern, Setzlinge aufzuziehen – „ohne Bäume gibt es weder Schatten noch Wasser“, sagt sie. Die Geschichte einer Kleinbäuerin steht hier stellvertretend für eine größere Diagnose: Klimawandel trifft jene am härtesten, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen haben.
Ähnlich ist es in Malawi, das seit Jahren zu den „Stammgästen“ in der CARE-Liste gehört. Zyklone, Überschwemmungen, Dürreperioden – was früher Ausnahme war, ist Routine geworden. Im Dorf Kuntumanji verändert ein Forschungsprojekt die Art, wie Maisbrei gekocht wird und wie Felder bestellt werden.
Mercy, eine Bäuerin, experimentiert auf Testflächen mit Saatgut, Pflanzabständen und selbst hergestelltem Kompost, kombiniert Erdnüsse mit Mais, um den Boden zu schützen, und stellt organischen Dünger aus Kuhdung und Maisstroh her.
„Früher waren meine Kinder oft hungrig, jetzt gehen sie satt zur Schule“, sagt sie, und plötzlich verbindet sich die abstrakte Kurve klimabedingter Ernährungsunsicherheit mit einem sehr konkreten Mittagessen.
Im mittelamerikanischen Honduras verschränken sich Klimakrise, Gewalt und patriarchale Strukturen zur „dreifachen Krise“. Teresa, Kleinbäuerin und Frauenrechtlerin, steht mit ihrer Gruppe „Caminando juntos y juntas“ auf Feldern, auf denen Mais und Bohnen wachsen sollten – bis Starkregen, Wirbelstürme und Überschwemmungen alles zerstörten.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, Dürren im „Trockenkorridor“ treiben Menschen in die Migration. Eine Schnellstudie zeigt: 61 % der befragten Frauen gaben an, im Vormonat Hunger gelitten zu haben, während es bei den Männern nur zehn % waren.
Parallel steigt in wirtschaftlich angespannten Zeiten die häusliche und sexualisierte Gewalt. Der Krisenreport lässt hier nicht nur Zahlen sprechen, sondern auch die Angst, die Frauen äußern, ihre Töchter allein zu lassen.
Nordkorea wiederum erscheint der Weltöffentlichkeit meist als Nuklearmacht, als Sicherheitsrisiko – nicht als Land, in dem fast elf Millionen Menschen in unterschiedlichem Ausmaß unterernährt sind und beinahe jedes fünfte Kind Wachstumsverzögerungen durch Mangelernährung aufweist.
Klimabedingte Ernteausfälle, strikte Importbeschränkungen, unzureichende medizinische Versorgung und politische Isolation machen humanitäre Hilfe schwer. Angola kämpft gleichzeitig mit der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten, Cholera-Ausbrüchen und Protesten gegen steigende Lebenshaltungskosten.
In den südlichen Provinzen verenden Tiere, Felder liegen brach, Mio. sind auf Nothilfe angewiesen, Frauen und Mädchen laufen täglich Kilometer weit, um Wasser zu holen und verpassen Schulbildung.

Foto: CARE/David Mutua
In Simbabwe schließlich verdichtet sich der Klimawandel zu einer Abfolge von „mageren Zeiten“. El Niño hat 2023/2024 weite Teile des Landes austrocknen lassen, Dürren treten statt einmal pro Jahrzehnt nun alle zwei bis drei Jahre auf. 2,7 Millionen Menschen in ländlichen Regionen sind immer wieder von Ernährungsunsicherheit betroffen, fast ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt.
Alice, Landwirtin und Mutter von drei Kindern, berichtet von Tagen mit zwei knappen Mahlzeiten, verlorenen Hühnern, Schulgebühren, die sie nicht mehr zahlen kann. Vier Monate lang erhält ihre Familie Lebensmittelgutscheine, später Schulungen zu klimaresistenten Nutzpflanzen.
„Die Lebensmittelhilfe hat unser Leben gerettet“, sagt sie – ein Satz, der in seiner Schlichtheit die Funktion humanitärer Unterstützung auf den Punkt bringt.
Dass dieselben Länder – Zentralafrikanische Republik, Burundi, Sambia, Madagaskar, Malawi – in nahezu jeder Ausgabe wieder auftauchen, ist für CARE kein Zufall, sondern Symptom.
Chronische Krisen, strukturelle Ungleichheit, fehlende politische Lösungen und eine humanitäre Finanzierung, die regelmäßig hinter den Bedarfen zurückbleibt. Expert:innen wie Michelle Nunn von CARE USA und Ramesh Rajasingham von UN OCHA weisen im Report darauf hin, dass langwierige Notlagen politisch verursacht sind und fortbestehen, weil es keine politischen Lösungen gibt – und weil, zugespitzt formuliert, Kameras und Budgets dorthin folgen, wo Machtzentren ihre Interessen verorten.
Wenn die USA ihre humanitären Mittel drastisch kürzen und Hilfe stärker an nationale Interessen koppeln, verschärft das die Lage in jenen Regionen, die ohnehin kaum mediale Präsenz haben.
Nach zehn Jahren zieht die Publikation eine Art Zwischenbilanz der eigenen Rolle. Der Titel hat sich verändert – von „Suffering in Silence“ über „Breaking the Silence“ hin zum nüchterneren „CARE-Krisenreport“ –, die Grundfrage ist geblieben: Was geschieht mit Menschen, über die wir nichts hören?
Der Bericht antwortet, ohne Pathos, aber mit klarer Haltung: Sie hungern, sie verlieren ihre Lebensgrundlagen, sie werden vertrieben – und oft bleibt ihr Leid unsichtbar, solange es nicht erzählt wird.
Der Versuch, diese Geschichten in Daten, Karten und Porträts zu fassen, ist damit mehr als eine Bestandsaufnahme. Es ist ein stiller Appell, die Hierarchie der globalen Aufmerksamkeit zu hinterfragen – bevor aus vergessenen Krisen endgültig abgeschriebene Zonen werden.

(iz). „Deine Eltern sind bestimmt Akademiker? Als was arbeiten sie?“ – Diese Fragen höre ich seit meiner Studienzeit immer wieder. Einer meiner Lieblingssätze war der einen angehenden Juristin: „Niemand von uns kann es glauben, dass du derjenige bist, der solche Gedichte schreibt.“
In solchen Aussagen steckt ein Menschenbild, das den Europäer als fähig zu Kunst und Kultur betrachtet, aber Menschen mit Migrationshintergrund, alles muslimisch Gelesene, als unkultiviert ansieht. Immer wieder höre ich auch nach der Veröffentlichung meiner Gedichtsammlung „Der deutsche Diwan“ die scheinbar überraschende Feststellung: „Sie sprechen aber gut Deutsch.“ –
Danke, Sie nicht. Sie sprechen wie Wieland, Goethe und Heine bereits feststellten nur stocksteif und herzlos: „Noch immer das hölzern pedantische Volk, / Noch immer ein rechter Winkel / In jeder Bewegung, und im Gesicht / Der eingefrorene Dünkel. // Sie stelzen noch immer so steif herum, / So kerzengrade geschniegelt, / Als hätten sie verschluckt den Stock / Womit man sie einst geprügelt.“ – Das sind die Deutschen, die Heine beschreibt und Wieland in seinem Roman „Die Geschichte der Abderiten“ karikiert.
Inmitten dieser Gesellschaft wurde ich nun zum Westöstlichen Poeten und greife das Erbe deutscher Klassiker auf. Denn Deutschland selbst tut es nicht. Mehr als archivieren und neu auflegen scheint die Gesellschaft nicht zu können. Ich wurde deshalb zum Poeten, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, mich wie Heine von einem pedantischen Volk, das hölzern und stocksteif ist, prügeln zu lassen in der Öffentlichkeit.
Stattdessen dichte ich und erlange eine Freiheit, die vielen in unserer Gesellschaft leider fremd ist: „Frei will ich sein im Dichten und im Denken, / Im Handeln schränkt die Welt genug uns ein.“ – Wer sagte es? Ja, wer? Der Goethe in seinem Torquato Tasso. Aber mehr als Faust und Werther kennt die deutsche Gesellschaft von ihrem bedeutendsten Dichter und Denker, der zugleich Staatsmann und Biologe war, nicht.
Inmitten dieser mangelnden Bildung wurde ich Dichter, um die Gesellschaft an ihre literarische Größe zu erinnern. Es ist möglich auf Deutsch herzlich zu sprechen, es ist möglich auf Deutsch, über Gefühle, Vernunft und Mitmenschlichkeit zu sprechen. In einer Zeit, in der jeder Gefühlsausdruck als „Gefühlsduselei“ bezeichnet wird, ist es eine Revolution, seine Wahrnehmung des Lebens künstlerisch auszudrücken.
Alle Arten von Menschen bezeichnen Kunst und Kultur als Luxus, auf den verzichtet werden kann. Was sie damit zu Wort bringen, ist ihr mangelndes Bewusstsein darüber, das Kunst und Kultur uns menschlicher machen können und sollen.
Die Tagespolitik frisst die Seelen der Menschen auf – ob Muslim, Christ, Jude oder Atheist. Tagespolitik zu verfolgen und zu funktionieren, sich selbst zu Wort zu melden; das gilt als realistisch.
Was haben die Menschen, die es seit 15 Jahren tun, aus unserer Welt gemacht? Erinnern wir uns an die Journalisten der Goethezeit oder an die Künstler? Wer hinterlässt die zeitlosen Werke, die Menschen zum Erstaunen bringen? Werke, die der Stolz einer Nation oder Gesellschaft sind? Diese rhetorischen Fragen sind der Grund, warum ich zum Poeten wurde.
Meine Eltern sind einfachste Arbeiter in Küche und Werkstatt. Ihr Sohn wurde ausgelacht für sein schlechtes Deutsch und als Reaktion ging er in die Lehre bei Goethe. Und nun vermittelt ihr Sohn Goethes Denkstil. Und das ist nur möglich, wenn man selbst Gedichte macht, wie Goethe es nennt: Konsum muss zur Kreativität führen.
Das schreibt mein Mentor aus einer scheinbar fernen Vergangenheit. Ich wurde ausgelacht, werde noch immer zuweilen beleidigt, aber auch bewundert und eingeladen, denn Kunst und Kultur sind anziehend. In Kunst und Kultur werden menschliche Erfahrungen des Tagesgeschehens innerlich verarbeitet und verewigt.
Künstlerisch und kulturell tätig zu sein, ist der Ausdruck einer reichen Seele, die ihre bewahrt. Als Sohn von Migranten haben mir Kunst und Kultur meine Freiheit zurückgegeben.

(iz). Während auf Bundesebene die Islampolitik weiter in Richtung Sicherheitsdiskurs kippte und Muslimfeindlichkeit messbar zunahm, entstanden zugleich neue Formen politischer Teilhabe – und auf Länderebene mit dem Staatsvertrag in Rheinland‑Pfalz ein positives Signal, das fast aus der Zeit gefallen wirkt.[1][2][3]
Der Ton war gesetzt, bevor der eigentliche Wahlkampf Fahrt aufnahm. Ende Januar warnte die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman, die Migrationsdebatte im Bundestagswahljahr 2025 nehme „verstörende“ Züge an – ein Alarmzeichen auch für muslimische Minderheiten.[4]
Wenige Tage später beschrieben muslimische Verbände die Radikalisierung des Wahlkampfs als reale Bedrohung: Hetzerische Zuspitzungen in Talkshows und Kampagnen seien nicht folgenlos, sondern korrelierten mit Übergriffen und Hasskriminalität.[5]
Die Islamische Zeitung nahm den Wahlkampf ernst – aber aus Perspektive derjenigen, die darin meistens Objekt, selten Subjekt sind. In einer Serie zu Wahlprogrammen fragte die Redaktion, „was sie Muslimen zu sagen haben“, und arbeitete heraus, wie wenig Religion und Muslimfeindlichkeit in vielen Programmen konkret vorkommen.[6][7]
Nach der Wahl zeigten Analysen, dass viele muslimische Wählerinnen und Wähler zwar weiterhin links der Mitte verortet sind, sich aber zunehmend entfremdet fühlen – von Parteien, die zwar Antirassismus im Programm führen, aber ihre Lebenswirklichkeit selten wirklich abbilden.[8]
Grafik: IZ (Foto: Adobe Stock)
Die bundespolitische Islampolitik verfestigte diesen Eindruck. Der neue Koalitionsvertrag, den die Islamische Zeitung im Frühjahr seziert, markiert einen weiteren Schritt weg von der dialogorientierten Linie der frühen Deutschen Islamkonferenz.[9] Muslime tauchen überwiegend im Umfeld von Islamismus, Prävention und Sicherheit auf; als Religionsgemeinschaften mit Rechten und Ansprüchen kommen sie nur am Rand vor.
Im Spätherbst verdichtete sich diese Entwicklung programmatisch. Unter der Überschrift „Und noch eine Zeitenwende?“ deutet die IZ die neue Islampolitik als Beerdigung des Schäuble‑Erbes: Statt langfristigem Vertrauensaufbau dominieren Expertengremien zu Islamismus, Sicherheitslogiken und ein Diskurs, der über Muslime spricht, aber selten mit ihnen.[10]
Die Botschaft, die viele Leserinnen und Leser daraus ziehen müssen, lautet: Der Staat interessiert sich für euch – vor allem als Risiko.
Parallel dazu verdichtete sich 2025 das Bild einer Muslimfeindlichkeit, die längst kein Randphänomen mehr ist. Das Lagebild von CLAIM zu Muslimfeindlichkeit 2024, auf das die IZ im Sommer eingeht, dokumentiert einen deutlichen Anstieg antimuslimischer Vorfälle und beschreibt ein „grundsätzlich feindseliges Klima“.[11]
Regionale Berichte, etwa zu Berlin, zeichnen dieselbe Linie: Mehr Angriffe, mehr Drohungen, mehr alltägliche Herabsetzung.[12]
Die Redaktion spitzt diese Diagnose analytisch zu. In einem Beitrag mit dem Juristen und Islamwissenschaftler Mathias Rohe heißt es zugespitzt: Jeder Zweite habe antimuslimische Vorurteile.[13]
Muslimfeindlichkeit ist damit kein Randproblem mehr, das sich bequem an „Extremisten“ outsourcen lässt. Sie ist Normalitätserfahrung – sichtbar in Umfragen, in den Kommentarspalten und auf der Straße.
Dass die Kategorie „Muslimfeindlichkeit“ auf islamische‑zeitung.de zum Jahresende prominenter strukturiert wird, ist Ausdruck dieses Befunds: Das Thema ist nicht mehr Episoden‑, sondern Leitmotiv.[14]
Foto: Ö. Mutlu/X
Das Jahr 2025 war zugleich ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie Sprache Realitäten formt. In einer Analyse des Schlagworts „Islamisierung“ arbeitet die IZ heraus, wie der Begriff als politisches Schreckgespenst funktioniert:
Er markiert Muslime pauschal als Gefahr und verknüpft sehr unterschiedliche Phänomene – von Migration bis Kleidungsstil – zu einer angeblichen kulturellen Bedrohung.[15]
Solche Narrative sind, so die Argumentation, kein Zufall, sondern zentraler Bestandteil rechtspopulistischer Mobilisierung.[14][15]
Auch jenseits klar rechter Akteure verschieben sich Grenzen. Wenn in der Asyldebatte der Ton immer schärfer wird, wenn vom „Problem im Stadtbild“ die Rede ist, dann werden bestimmte Körper – sichtbare Minderheiten, häufig muslimisch gelesen – zu Störfaktoren erklärt.[16][17]
Die Islamische Zeitung kommentiert das nicht nur, sie hält fest, wie sich diese Sprache in kommunale Politik übersetzt: bei Kommunalwahlen in NRW, in Sicherheitsdebatten, im Gefühl vieler muslimischer Bürgerinnen und Bürger, nicht wirklich gemeint zu sein.[18]
Foto: Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland
Vor diesem Hintergrund wirkt der Blick nach innen überraschend nüchtern. In Beiträgen wie „Welche Wege soll die Community nehmen?“ wird innerhalb der muslimischen Verbandslandschaft darüber diskutiert, wie zukunftsfähige Strukturen aussehen können: weniger reine Lobby‑Politik, mehr professionelle Bildung, soziale Arbeit, Öffentlichkeit.[19]
Gleichzeitig betont die IZ, dass „die Community viel Potenzial“ besitzt – von Bildungsinitiativen über lokale Projekte bis hin zu neuen Formen muslimischer Zivilgesellschaft jenseits der klassischen Verbandslogik.[20]
Symbolisch verdichtet sich dieses Potenzial jedes Jahr am 3. Oktober. 2025 wird der Tag der offenen Moschee gleich in mehreren Stücken aufgegriffen: als „deutsche Tradition“ im Kontext des Einheitsfeiertags und als konkreter Ort der Begegnung in Gemeinden, die Besuchergruppen empfangen, Nachbarschaftsprojekte vorstellen und theologische Diskussionen mit nichtmuslimischen Gästen führen.[21][22]
Inmitten einer aufgeheizten Debatte inszenieren sich Moscheegemeinden hier nicht als Problemzone, sondern als lokaler Anker.
Foto: DITIB.org
Vor diesem Hintergrund bekommt eine Entwicklung besondere Strahlkraft, die formal bereits Ende 2024 stattfand, 2025 aber politisch nachwirkt: der Staatsvertrag zwischen Rheinland‑Pfalz und mehreren muslimischen Verbänden.[23][24]
Die IZ ordnete ihn als „Meilenstein“ ein – nicht nur, weil hier islamische Feiertage, Religionsunterricht, Bestattungen und Seelsorge vertraglich geregelt werden, sondern weil das Land Muslime als gleichberechtigte Religionsgemeinschaften adressiert.[23][25]
Der Vertrag bekräftigt die Religionsfreiheit, stellt die Zusammenarbeit explizit auf die gemeinsame Grundlage der freiheitlich‑demokratischen Grundordnung und verpflichtet beide Seiten, gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und antimuslimischen Rassismus ebenso entschieden zu bekämpfen wie Antisemitismus und religiösen Extremismus.[26][27]
In einer bundespolitischen Landschaft, in der Islam vor allem als Sicherheitsrisiko verhandelt wird, setzt Rheinland‑Pfalz damit einen Kontrapunkt: Muslime erscheinen hier als Partner des Staates, nicht als seine potenziellen Gegner.
Der Rückblick über die Seiten der Islamischen Zeitung zeigt ein gespaltenes Jahr: oben der harte Diskurs – Wahlkampf, Sicherheitswende, anhaltende Muslimfeindlichkeit –, unten die kleinteilige Praxis von Gemeinden, Aktivistinnen und Verbänden, die Zugehörigkeit täglich leben.[5][11][21][22]
Die Bundesebene sendet vielfach Signale des Misstrauens, die Landesebene – exemplarisch Rheinland‑Pfalz – zeigt, dass eine vertraglich abgesicherte Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften möglich ist.[10][23]
Für die muslimische Community bleibt 2025 damit ein ambivalentes Jahr. Es verschärft das Bewusstsein für strukturelle Feindseligkeit – aber es liefert zugleich Argumente dafür, dass ein anderes Verhältnis zwischen Staat und Muslimen nicht nur denkbar, sondern schon Realität ist. Die Frage, die 2026 auf dem Tisch liegt, lautet: Welche Linie setzt sich durch?
Verweise zum Weiterlesen:
[1] Islamische Zeitung. (2025, 30. November). Islampolitik: Und noch eine Zeitenwende? https://islamische-zeitung.de/islampolitik-noch-eine-zeitenwende/
[2] Islamische Zeitung. (2025, 6. Juli). Muslimfeindlichkeit 2024: „Ein grundsätzlich feindseliges Klima“. https://islamische-zeitung.de/muslimfeindlichkeit-2024-feindseliges-klima/
[3] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Rheinland-Pfalz schließt Verträge mit muslimischen Verbänden. https://islamische-zeitung.de/staatsvertraege-mit-muslimischen-verbaenden/
[4] Islamische Zeitung. (2025, 30. Januar). Migrationsdebatte im Wahlkampf 2025: Ataman warnt vor Zunahme von Übergriffen. https://islamische-zeitung.de/ataman-warnt-vor-zunahme-von-uebergriffen/
[5] Islamische Zeitung. (2025, 3. Februar). Radikalisierung des Wahlkampfs? Muslime warnen vor Hass. https://islamische-zeitung.de/wahlkampf-2025-muslime-warnen-vor-hass/
[6] Islamische Zeitung. (2025, 11. Februar). Wahlprogramme 2025 im Test: Die Grünen lavieren. https://islamische-zeitung.de/wahl-test-programme-die-gruenen/
[7] Islamische Zeitung. (2025, 13. Februar). Wahlprogramme 2025 im Test: BSW und Linke. https://islamische-zeitung.de/wahl-test-programme-bsw-linke/
[8] Islamische Zeitung. (2025, 25. Februar). Wahlergebnisse 2025: Wie haben Deutschlands Muslime gewählt? https://islamische-zeitung.de/wahlergebnisse-wie-haben-deutschlands-muslime-gewaehlt/
[9] Islamische Zeitung. (2025, 9. April). Habemus Koalitionsvertrag: Von der Interaktion zur Problemgruppe. https://islamische-zeitung.de/koalitionsvertrag-muslime-bleiben-unerwaehnt/
[10] Islamische Zeitung. (2025, 30. November). Islampolitik: Und noch eine Zeitenwende? https://islamische-zeitung.de/islampolitik-noch-eine-zeitenwende/
[11] Islamische Zeitung. (2025, 6. Juli). Muslimfeindlichkeit 2024: „Ein grundsätzlich feindseliges Klima“. https://islamische-zeitung.de/muslimfeindlichkeit-2024-feindseliges-klima/
[12] Islamische Zeitung. (2025, 8. Dezember). Berlin: Muslimfeindlichkeit stark gestiegen. https://islamische-zeitung.de/berlin-muslimfeindlichketi-stark-gestiegen/
[13] Islamische Zeitung. (2025, 23. Juli). Rohe: Jeder Zweite hat antimuslimische Vorurteile. https://islamische-zeitung.de/rohe-jeder-zweite-muslimfeindlich/
[14] Islamische Zeitung. (2025, 8. Dezember). Kategorie: Muslimfeindlichkeit. https://islamische-zeitung.de/category/themen/muslimfeindlichkeit/
[15] Islamische Zeitung. (2025, 23. August). „Islamisierung“ – das instrumentalisierte Schreckgespenst. https://islamische-zeitung.de/islamisierung-erzeugung-schreckgespenst/
[16] Islamische Zeitung. (2025, 27. Oktober). Stadtbild: Wo sind wir eigentlich? https://islamische-zeitung.de/stadtbild-wo-sind-wir-eigentlich-debatte/
[17] Islamische Zeitung. (2025). Der Ton in der Asyldebatte wird immer schärfer. https://islamische-zeitung.de/ton-in-asyldebatte-verschaerft-sich/
[18] Islamische Zeitung. (2025, 28. September). NRW-Kommunalwahlen 2025: Der ängstliche Blick auf die AfD. https://islamische-zeitung.de/nrw-kommunalwahlen-angst-vor-der-afd/
[19] Islamische Zeitung. (2025). Welche Wege soll die Community nehmen? https://islamische-zeitung.de/community-welche-wege-soll-man-nehmen/
[20] Islamische Zeitung. (2025). Die Community hat viel Potenzial. https://islamische-zeitung.de/muslimische-community-viel-potenzial/
[21] Islamische Zeitung. (2025, 25. September). Tag der offenen Moschee – eine deutsche Tradition im Einheitsfest. https://islamische-zeitung.de/der-tag-der-offenen-moschee-2025-tradition/
[22] Islamische Zeitung. (2025, 5. Oktober). Auch 2025 lädt der Tag der offenen Moschee zur Begegnung ein. https://islamische-zeitung.de/begegnung-tag-der-offenen-moschee-laedt-ein/
[23] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Rheinland-Pfalz schließt Verträge mit muslimischen Verbänden. https://islamische-zeitung.de/staatsvertraege-mit-muslimischen-verbaenden/
[24] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Staatsvertrag: Ein Meilenstein in Mainz. https://islamische-zeitung.de/staatsvertrag-meilenstein-in-main/
[25] Islamische Zeitung. (2025). Staatsvertrag: Ein Meilenstein in Mainz. https://islamische-zeitung.de/staatsvertrag-meilenstein-in-main/
[26] IslamiQ. (2024, 23. Dezember). Land und Muslime unterzeichnen Staatsvertrag – was steht drin? https://www.islamiq.de/2024/12/23/land-und-muslime-unterzeichnen-staatsvertrag-was-steht-drin/
[27] Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur RLP. (2024, 19. Dezember). Land unterzeichnet Verträge mit vier islamischen Religionsgemeinschaften. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/islamverbaende-vertraege-religionsunterricht-rlp-bestattungen-seelsorge-100.html
(iz). Fasst man die Stimmungslage vieler Muslime für das zurückliegende Jahr zusammen, lässt sie sich fraglos als „durchwachsen“ beschreiben.
Die anhaltende Gewalt gegen die Bevölkerung in Gaza und der Westbank, der begründete Vorwurf der Parteilichkeit gegenüber Leitmedien sowie wachsende Muslimfeindlichkeit sorgen verständlicherweise kaum für gute Laune. Aber ist das die ganze Wahrheit?
Zum einen gilt, dass sie nicht isoliert von der Gesamtstimmung der Deutschen sind. Seit der Bundestagswahl ist die politische Stimmung zu einem Gemisch aus Müdigkeit, Misstrauen und leiser Wut geronnen.
Meinungsumfragen zeigen einen drastischen Absturz der Regierungszufriedenheit; im Herbst 2024 sind rund 85 % mit der Arbeit der Regierung Merz unzufrieden. Parallel bröckelt das Vertrauen in Parteien und Institutionen.

Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek
Menschen empfinden die Politik als überfordert mit Krisen, sehen die Demokratie nicht am Ende, beobachten einen Vertrauensverlust. Hinzukommt die für viele entscheidende Ökonomie.
Die wirtschaftliche Verunsicherung frisst sich quer durch die Milieus: Während eine Mehrheit die persönliche Lage weiterhin als stabil beschreibt, dominiert die Angst vor Wohlstandsverlust, Deindustrialisierung und sozialen Verteilungskämpfen.
Manche übersehen angesichts solcher Herausforderungen andere Aspekte, die von der „Tagespolitik“ (so unser Feuilletonist in dieser Ausgabe) vergiftet werden.
Dazu gehören die wesensmäßige Dankbarkeit und der spirituelle Optimismus der islamischen Lehre. Hieran erinnert der prophetische Rat, selbst kurz vorm Ende einen Setzling zu pflanzen.
Ohne, dass wir es geplant hätten, finden sich in dieser Ausgabe zu Beginn des neuen Jahres positive Beispiele für aktive Muslime und Projekte, die es anders sehen.

Fotos: Benjamin Idriz/Facebook
Das ist der oberbayrische Imam, der weit über die Grenzen seiner Gemeinschaft hinaus seit Langem unermüdlich für eine Begegnung der Menschen arbeitet. Ein anderer Aspekt ist der Publizist, für den Moscheen wichtige soziale Räume sind. Oder wir präsentieren die Arbeit einer Beraterin, die Frauen hilft, Trennung und Scheidung zu bewältigen.
Trotz aller Veränderungen engagieren sich knapp 37 % der Deutschen im Ehrenamt. Spätestens seit 2015 nimmt es unter Muslimen ebenfalls an Fahrt auf, hier sind es ca. 28 %.
Wir beleuchten im Hintergrundgespräch mit einem Projekt in Berlin nicht nur, wie sich Engagement steigern lässt, sondern auch, dass Engagement ein wesentlicher Aspekt der Existenz ist.
Und es steht für die existenzielle Erkenntnis, die wir aus unserer spirituellen Lebenspraxis ziehen, dass der Dienst am Nächsten kein Zwang ist, vielmehr am Ende dem häufig zitierten „Empowerment“ dient.

Köln (iz, KNA). Am Freitag laden muslimische Gemeinschaften in Deutschland wieder zum „Tag der offenen Moschee“ ein. Nach Angaben des Koordinationsrats der Muslime (KRM) beteiligen sich daran jedes Jahr bundesweit mehr als 1.000 Einrichtungen, um Interessierten einen Einblick in den islamischen Glauben zu vermitteln und den Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu fördern.
„Wir blicken mit großem Entsetzen auf die vielen Kriege mit unzähligen Todesopfern sowie auf eine zunehmend von Abschottung geprägte Flüchtlingspolitik. Bei alledem bleiben Humanität und Menschlichkeit auf der Strecke. Am Tag der offenen Moschee wollen wir gemeinsam ergründen, wie wir der Erosion der Menschlichkeit entgegenwirken und dabei Halt im Glauben finden können“, erklärt KRM-Sprecher Ali Mete (Islamrat), der seit dem 1. Oktober das Amt von Dr. Zekeriya Altuğ (DITIB) turnusgemäß übernommen hat.
Foto: Simon Bierwald, Stiftung Mercator
In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Glaube als Kompass der Menschlichkeit“. Damit wolle man unterstreichen, „welchen Beitrag der Glaube für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft leistet“, heißt es auf der Internetseite des KRM.
„In einer Welt, die von Unsicherheiten, Konflikten und Herausforderungen geprägt ist, brauchen wir Werte, die uns Orientierung geben.“ Gelebter Glaube trenne nicht, sondern verbinde. „Er schafft Begegnungen, baut Vorurteile ab und öffnet Wege zu mehr Verständnis und Vertrauen.“
Pressefoto: igmg.org/X
Den „Tag der offenen Moschee“ gibt es seit 1997. Nach Angaben der Veranstalter wurde dafür bewusst der deutsche Nationalfeiertag am 3. Oktober als Datum gewählt, um so ein Zeichen für das Bekenntnis zur deutschen Gesellschaft zu setzen.
Jährlich nutzen demnach um die 100.000 Besucher das Angebot zur Information und für den Austausch mit dem Islam. In der Bundesrepublik leben schätzungsweise mehr als 5,5 Millionen Muslime.
„Der Tag der offenen Moschee ist seit vielen Jahren eine Gelegenheit, Gastfreundschaft, Dialog und Verantwortung zu leben. Unsere Moscheen sind lebendige Orte des Gebets, der Bildung, der Beratung und der Nachbarschaft“, schreibt der KRM. Ähnliche Initiativen gibt es in der Schweiz, in Frankreich, Großbritannien und den USA.
Die Zahl der Moscheegebäude und Gebetsräumen in Deutschland wird auf etwa 2.800 geschätzt. Seit den 1990er Jahren wurden von Verbänden und von Einzelgemeinschaften vermehrt repräsentative Moscheen mit Kuppel und Minarett gebaut wie etwa in Bremen, Mannheim, Duisburg und Köln. Der Gebetsruf ist bundesweit mittlerweile an Dutzenden Orten möglich.
Fotos: DMK Karlsruhe e.V.
Wenn auch landesweit initiiert und koordiniert, ist der Tag der offenen Moschee ein lokales Ereignis, bei dem sich konkrete Gemeinden ihrem Umfeld öffnen. Daraus können auch ganz eigene Ansätze entstehen.
Ein Beispiel dafür ist die Neuköllner Begegnungsstätte NBS e.V. aus Berlin. Anlässlich des TOM 2025 bietet sie ein Gespräch zwischen ihrem Imam, Taha Sabri, und Pfarrer Volker Mihan von der Evangelischen Brüdergemeine Gemeinde Berlin Neukölln. Dabei soll es – passend zum Tag der Deutschen Einheit um „Staat – Kirche – Religion in der DDR“ gehen.
Pfarrer Mihan berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen im geteilten Deutschland. Er zeigt, wie der Glaube in einer atheistisch geprägten Gesellschaft als innerer Kompass half, Menschlichkeit und Hoffnung zu bewahren. Seine Erlebnisse eröffnen spannende Perspektiven auf das Verhältnis von Religion und Staat – und laden ein, auch über unsere heutige Situation nachzudenken.
In Hamburg wiederum nutzt die SCHURA – Rat der islamischen Gemeinden in Hamburg e.V. diesen bundesdeutschen Feiertag als Auftakt für ihre Islamwoche (islamwoche-Hamburg.de).
Das ambitionierte Programm beginnt mit Moscheetouren am 3. Oktober und endet am 21. Dezember mit einem Treffen unter dem Titel „Brücken bauen: Islamische Vielfalt in Hamburg erleben“. Angeboten werden u.a. Lesungen, Führungen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen sowie Nachbarschaftstreffen plus der Möglichkeit, ein Freitagsgebet vor Ort zu erkunden.
Ein anderes Beispiel ist der Deutschsprachige Muslimkreis Karlsruhe (DMK), der seit Langem schon an diesem Tag teilnimmt. Im Anschluss, an diesem Sonntag, folgt das diesjährige Islamforum in der Stadt, das alle zwei Jahre stattfindet (alternierend mit den Kulturtagen).
2025 geht es dieses Mal um „Eine Ethik des Zusammenlebens“, an dem zwei muslimische TheologInnen und ein Pfarrer über die Frage diskutieren, wie sich in dieser Zeit respektvoll, solidarisch und gemeinsam leben lässt.
Infos/Programme: https://tagderoffenenmoschee.de/ sowie auf den Webseiten der KRM-Mitglieder.
Tödliches 2025: Der Welttag der humanitären Hilfe am 19. August würdigte humanitäre Helfer, sensibilisiert die Öffentlichkeit für humanitäre Krisen und setzt sich für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit ein. (IPS). Mit […]
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Mekka/Jeddah (KNA, dpa, iz). Ab Mittwoch schlägt das Herz der muslimischen Welt wieder in Mekka. Für die diesjährige Wallfahrt hat Gastgeber Saudi-Arabien noch einmal erheblich in die Infrastruktur investiert. So sollen die bis zu zwei Millionen während der rund fünftägigen Riten in und um die Geburtsstadt des Propheten Muhammad versorgt und gegen Hitze geschützt werden.
Als Tifa Asrianti vor 20 Jahren erstmals Saudi-Arabien besuchte, konnte sie die Hitze kaum fassen. „Als ich aus dem Hotel ging, war es wie ein Schlag ins Gesicht. Meine Nase blutete und meine Lippen waren vertrocknet.“
Hohe Temperaturen war die Muslimin aus Indonesien gewohnt, aber die trockene Luft am Golf war ein „Schock“, sagt sie. Jetzt reist Asrianti zur Wallfahrt Hadsch nach Mekka, die am Mittwoch beginnt. Sie hofft, diesmal besser vorbereitet zu sein.
Bis zum Wochenende waren rund 1,4 Mio. Gläubige aus aller Welt in Mekka des Islams eingetroffen. Das teilten die saudischen Behörden am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit. Fast 270.000 wurde demnach der Zugang nach Mekka verweigert, weil sie nicht die erforderlichen Genehmigungen besaßen.
Im Juni zeigt das Thermometer in einer der beiden heiligen Städte kaum unter 38 oder 40 Grad Celsius, auch 50 sind nicht ungewöhnlich. Trotz extremer Hitze werden beim Hadsch wieder Millionen zu den wichtigen Orten wandern. Vergangenes Jahr kamen über mehrere Tage 1,8 Mio. Menschen nach Mekka und Medina.
Wie gefährlich die Temperaturen werden können, zeigte der vergangene Sommer: Über 1.300 Pilger starben bei Hitze von zeitweise mehr als 50 Grad, 2.700 weitere erlitten einen Hitzekollaps. Die meisten der Opfer waren saudischen Behörden zufolge nicht offiziell zur Wallfahrt zugelassen, konnten also vielfach keine Busse, klimatisierte Zelte oder Sammelpunkte mit Trinkwasser nutzen. Schon ein Fußweg von 30 Minuten durch die Mittagshitze kann den Körper hier zur völligen Erschöpfung bringen.
Selbst Pilgernde, die offiziell zugelassen und damit besser vorbereitet sind, sorgen sich. Asrianti überlegte, ihre Wallfahrt auf 2026 zu verlegen, wenn die Hajj voraussichtlich elf Tage früher beginnt, also im Mai und bei dann hoffentlich etwas niedrigeren Temperaturen. Aus Indonesien sowie Pakistan und Indien, wo sehr viele Muslime leben, kommen jedes Jahr die meisten ausländischen Pilger.

Foto: Afif Ramdhasuma, Unsplash
Dedeh Kurniasih ist schon seit einigen in Monaten in der saudischen Hauptstadt Riad und berichtet, ihr Körper habe sich noch immer nicht angepasst. „Meine Haut ist sehr, sehr trocken“, sagt sie. Die Hitze würde auf der Haut brennen. Auch sie klagt über Nasenbluten und vermisst die hohe Luftfeuchtigkeit aus ihrer Heimat Indonesien.
Einige Strecken zu Fuß gehen will sie während der Wallfahrt trotzdem. „Wenn ich gehe, bin ich glücklich“, erzählt sie. Sie setzt bei der Hitze auf einen Sonnenschirm mit UV-Schutz, drei Liter Wasser am Tag und ausreichend Sonnencreme. Menschenmengen wird sie soweit möglich meiden. „Ich möchte mich nicht in Gefahr bringen. Wo großes Gedränge ist, werde ich zurückbleiben.“
Mit Blick auf die verbesserte Infrastruktur und den Katastrophenschutz hieß es in der vergangenen Woche von Hajj-Minister Turki al-Rabiah, es seien mehr als 250.000 Helfer engagiert worden, darunter tausende medizinische Fachkräfte.
An den rituellen Orten in und um Mekka – allen voran der Großen Moschee mit der Kaaba – wurden demnach fünf Hektar schattige Flächen zusätzlich geschaffen. Mehr als 400 Kühlgeräte sollen den Hitzekollaps vieler Menschen verhindern. Außerdem werde modernste KI-Technologie eingesetzt, um den Fluss von Informationen und Bildern zu überwachen.
Für den Pilgertransport zwischen den einzelnen Wallfahrtsstätten werden mehr als 25.000 Busse und 9.000 Taxis bereitstehen. Neben 7.400 Straßenkilometern seien auch 247 Brücken gewartet und überprüft worden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zum Einsatz kam in diesem Jahr ein spezielles Asphaltsystem, das die Oberflächentemperatur der Routen um bis zu 12 Grad reduzieren soll.

Foto: Dr. MYM, Adobe Stock
Inzwischen dürfte Riad allein in den vergangenen Jahren rca.und zwei Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur rund um die Hajj investiert haben; ein Mehrfaches davon fließt als Gewinn zurück in die Staatskasse. Auch Fluglinien profitieren durch etliche Sonderflüge nach Jeddah und Medina.
Für Reise und Aufenthalt zahlt ein einzelner Pilger schnell 7.000 bis zu 10.000 Euro. Auch in Deutschland haben sich islamische Reiseveranstalter längst auf entsprechende Rundum-Pakete spezialisiert. Daneben gibt es die ganzjährige „Kleine Wallfahrt“ (die Umra), die die Hajj aber nicht ersetzen kann.
Für die saudische Führung bleibt der Besuch beim Hause Allahs und später beim Propheten die wichtigste staatliche Einnahmequelle nach dem Geschäft mit Öl und Gas.
Die niedrigen Ölpreise und ein laufender, teurer Wirtschaftsumbau setzen die Regierung unter Druck, einen reibungslosen Ablauf bei der Hajj zu sichern und damit hohe Teilnehmerzahlen und Einnahmen in Milliardenhöhe.
Der Wahlkampf zu den Wahlen 2025 und die Zustimmungslage zeigen: Parteien und Muslime brauchen einen Neustart im beiderseitigen Verhältnis. (iz). Es existieren in der Bundesrepublik – wie in anderen Staaten […]
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Berlin (iz). Es ist sicher keine Übertreibung zu sagen, dass diese Bundestagswahl 2025 die „Zeitenwende“ aller Wahlen der letzten Jahrzehnte war. Am letzten Sonntag haben in Deutschland so viele Bürgerinnen und Bürger wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr für einen Bundestag gestimmt.
Immer mehr Muslime sind in unserem Land wahlberechtigt. Mangels belastbarer Zahlen über ihre Anzahl handelt es sich bei den bisherigen Angaben um Schätzungen. Ihre Zahl dürfte soll zwischen 2 und 3 Millionen Stimmberechtigten liegen. Wie viele es in der Realität sind und wie viele von ihnen gewählt haben, ist unklar. Allerdings liegt die Wahlbeteiligung von Muslimen seit Jahren konstant unter dem Bundesdurchschnitt.
Bereits im vergangenen Jahr ließ eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom April aufhorchen. Danach hatten die Parteien der Ampelkoalition auch bei den muslimischen Wählerinnen und Wählern massiv an Zustimmung verloren. Die befragten Muslime (Anzahl unbekannt) favorisierten die Parteien DAVA, BSW sowie CDU/CSU. Erst auf den Plätzen 4 und 5 folgen die SPD und die Bündnisgrünen.
Zwei weitere Umfragen von Ende letzten und Anfang dieses Jahres dokumentieren einen Wandel in der muslimischen Wählergunst. Nach einer DeZIM-Umfrage in Berlin gaben 55 % aller Befragten türkischer und arabischer Herkunft an, die beiden linken Parteien BSW und Die Linke wählen zu wollen.
Unterstrichen wurde diese Umfrage durch ebenfalls vom DeZIM veröffentlichte Zahlen, nach denen die Bindung vieler Muslime in Deutschland an die etablierten Parteien zusehends schwächer geworden ist.
Zudem sprach eine große Gruppe von ihnen von einer „Entfremdung“ gegenüber der Politik im Allgemeinen. Bekannte Stimmen mit Zuwanderungsgeschichte – bis hin zu staatstragenden Persönlichkeiten wie dem Journalisten Yassin Musharbash – zeigten sich enttäuscht von der Parteienlandschaft. In einigen Kreisverbänden kam es zu prominenten Austritten – von der Union bis zu den Bündnisgrünen.
Foto: Ingo Bartussek
Am Wahlsonntag führte die Forschungsgruppe Wahlen eine Wahltagsbefragung im Auftrage des ZDF durch. Dazu gehörten auch Muslime. Insgesamt wurden 49.500 Bürgerinnen und Bürger hierbei gefragt. Wie groß der Anteil der Muslime dabei war, ist bisher nicht bekannt. Daher ist unklar, wie repräsentativ die Zahlen sind. Bekannt gemacht wurden sie 25. Februar.
Liegt man diese Ergebnisse als Hinweis zugrunde, dann hat sich die Stimmverteilung unter Muslimen in Deutschland im Vergleich zum April 2024 weiter differenziert. Und einige Gewichtungen haben sich verschoben. Ein Trend bleibt erhalten: Muslimische Wähler und Wählerinnen in der Bundesrepublik entscheiden sich vor allem für linke bzw. linksliberale Parteien.
Die Linkspartei erhielt mit 29 % den größten Zuspruch unter muslimischen Wählern. Das erklärt, warum sie in Berlin erstmals mit Neukölln einen Westberliner Wahlbezirk gewinnen konnten. Insgesamt wurde sie stärkste Partei in der Hauptstadt (19,9 %). Anders als in der Vergangenheit und als das BSW scheint in einer furiosen Aufholjagd auf im West Fuß fassen können.
Knapp dahinter folgen die Sozialdemokraten mit 28% in der muslimischen Wählergunst. Dies ist insofern überraschend, als sie a) im April 2024 noch abgeschlagen auf Platz 4 der Umfrage lagen und b) eine Verschärfung der Migrationsdebatte(n) sowie die deutsche Haltung zum Nahostkrieg zu verantworten haben.
Unter den Muslimen in Deutschland hat das BSW seit April 2024 mit 16 Prozent fast die Hälfte seiner Stimmen verloren. Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Beobachtern, dass für diese Wählerinnen und Wähler nicht nur ein Thema ausschlaggebend war. Das BSW lag bei innen- und migrationspolitischen Themen häufig auf der rechten Seite.
Etwas überraschend erhielt die in Teilen rechtsextreme AfD mit 6 Prozent mehr Stimmen von den antwortenden Muslimen als die Grünen. Die Grünen kamen nur auf 4 Prozent.
Foto: Deutscher Bundestag, Felix Zahn, photothek
Einer Handvoll muslimischer oder „muslimisch gelesener“ Bundestagsabgeordneter ist der Einzug in die neue Legislaturperiode gelungen. Dazu gehören die Grüne Lamya Kaddor, der Linke Mirze Edis (Duisburg) sowie Ferat Kocak, der für die Linkspartei das Direktmandat in Berlin-Neukölln gewinnen konnte.
Nach Berichten einiger Medien und Internetseiten soll die Zahl dieser beiden Gruppen von 38 auf 28 gesunken sein. Belege dafür gibt es in der bisherigen Berichterstattung nicht.
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