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Suizidalität: Wie sollen Muslime mit dem schwierigen Thema umgehen?

Suizidalität

Warum Muslime über Suizidalität sprechen müssen und warum Schweigen oder Scham die Sache schlimmer macht.

(iz). Suizidalität ist eine tiefgreifende Krise, die alle gesellschaftlichen und religiösen Schichten betrifft. Obwohl der Islam ihn klar verbietet, ist auch die muslimische Gemeinschaft betroffen. Es handelt sich um ein komplexes Phänomen, das sowohl Moscheen als auch private Räume berührt. Ziel ist es, das Thema zu enttabuisieren, Menschen mit suizidalen Gedanken und ihre Angehörigen zu entlasten, Hoffnung zu vermitteln und Warnsignale besser zu erkennen. Von Amin Loucif

Suizidalität: Welche Schritte sind im Ernstfall wichtig?

Gleichzeitig soll gezeigt werden, welche Schritte im Ernstfall wichtig sind, etwa professionelle Hilfe zu suchen, und was vermieden werden sollte, z B. abwertende Reaktionen oder das Verstärken von Schuldgefühlen. Suizidgedanken sind nicht einfach ein Zeichen mangelnden Glaubens, sondern ein Hilferuf eines Menschen in tiefer seelischer Not.

Häufig sind sie ein Symptom psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen bzw. die Folge traumatischer Erfahrungen und belastender Lebensumstände. Spirituelle Stärkung kann im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes (spirituell, biologisch, psychologisch, sozial) unterstützend wirken. Wenn wir Suizidgedanken als Hilferuf verstehen, können wir mit mehr Mitgefühl und Verständnis reagieren. Statt zu urteilen, sollten wir zuhören und Unterstützung anbieten.

Foto: Nik Shuliahin, Unsplash

Schweigen schafft Distanz

Schweigen schafft Distanz, Reden kann Nähe und Entlastung bringen. Wer fragt: „Geht es dir wirklich gut?“ oder „Wünschst du dir manchmal am liebsten nicht mehr aufzuwachen?“, signalisiert: Du bist nicht allein. Diese einfachen Fragen können Leben retten, weil sie es Betroffenen ermöglicht, ihre Last mitzuteilen und Unterstützung anzunehmen.

Diese veränderte Haltung schafft eine Umgebung, in der Menschen sich sicher fühlen, um Hilfe zu bitten. Hilfreiche Hinweise und Unterstützungsangebote finden sich unter www.pzm.center/notfall.

Der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, sagte sinngemäß: „Keiner von euch soll sich den Tod wünschen. Wenn er (rechtschaffen und) wohltätig ist, könnte er (seinen Wohltaten) noch mehr hinzufügen, und wenn er ein Sünder ist, könnte er sich von der Sünde abkehren.“

Und auch: „Keiner von euch soll sich den Tod wünschen, weil er von einem Unglück heimgesucht wird. Aber wenn er es unbedingt tun will, dann lasst ihn sagen: ‘O Allah! Lass mich so lange leben, wie es für mich besser ist, und lass mich sterben, wenn der Tod besser für mich ist.’“ (Riyad As-Salihin)

Anas, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: „Wenn ich nicht den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagen gehört hätte ‘wünscht euch nicht den Tod’, so hätte ich ihn mir gewünscht.“ (Bukhari)

Allah verbietet Suizid eindeutig. Prophetische Überlieferungen betonen die Schwere der Tat: Wer sich selbst tötet, läuft Gefahr, im Jenseits die Art seines Todes wiederholt zu erleiden. Diese Warnung schützt das von Allah geschenkte Leben.

Gleichzeitig hebt die islamische Gelehrsamkeit die Bedeutung der Zurechnungsfähigkeit und des Verstandes (Al-Aql) hervor: Bei Menschen in massiven psychischen Krisen, etwa bei schwerer Depression, Psychosen oder Traumata, kann es vorkommen, dass sie nicht mehr voll verantwortlich handeln.

Allahs Urteil gründet allein auf seinem Wissen um den inneren Zustand. Hadithe verdeutlichen, dass jeder Fall individuell ist: Ein Sahaba, der nach der Hijra seinem Leben ein Ende setzte, erhielt Vergebung (Muslim), während ein anderer Kämpfer, der sich aufgrund seiner schweren und schmerzhaften Verletzung tötete, als Bewohner des Höllenfeuers bezeichnet wurde (Muslim). Dies zeigt: Das endgültige Urteil liegt bei Allah.

Angehörige dürfen auf Seine Barmherzigkeit und Vergebung hoffen, während die religiöse Warnung bestehen bleibt – Suizid ist kein Ausweg. Solche Gedanken entstehen oft aus komplexen Ursachen, u.a. chronische Krankheiten, seelisches Leiden, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schmerzen oder Überforderung.

Auch unter den Prophetengefährten gab es Lebensmüdigkeit, die sensibel und situationsbezogen behandelt wurde. Ebenso ist zu unterscheiden, ob man trauernde Familien begleitet oder präventiv die Gemeinschaft warnt, die prophetische Sprache war immer behutsam.

Muslime in Deutschland erleben zusätzlich spezifische psychosoziale Belastungen. Diskriminierung mindert das Zugehörigkeitsgefühl und erhöht psychischen Druck; Studien zeigen klare Zusammenhänge zwischen Islamophobie, Rassismus und seelischen Notlagen.

Auch globale Konflikte (z. B. Palästina, Afghanistan, Sudan, Syrien) wirken über kollektive Verbundenheit tief auf die Seele. Hinzu kommt die wachsende Einsamkeit, die sich zunehmend als Risikofaktor für mentale Krisen und Suizidgedanken erweist.

Alleinsein

Foto: golibtolibov, Adobe Stock

Warnzeichen erkennen – Sprechen rettet Leben

Bei der Bewältigung solcher Gedanken kann ein ganzheitlicher Ansatz hilfreich sein. Das spirituell-bio-psycho-soziale Modell betont, dass verschiedene Lebensbereiche zusammenwirken und alle bei der Unterstützung eines Menschen mit suizidalen Gedanken berücksichtigt werden sollten.

Für gläubige Muslime kann die spirituelle Ebene eine bedeutsame Stütze darstellen: Der Rückgriff auf religiöse Werte, Gebet und die Verbindung zu Allah vermittelt Hoffnung, Sinn und Halt. Gespräche mit Imamen bzw. anderen Vertrauenspersonen dieser Ebene können die professionelle Hilfe sinnvoll ergänzen.

Ebenso wichtig ist die biologische Seite. Körperliche Erkrankungen bzw. Störungen können depressive Symptome verstärken und sollten medizinisch abgeklärt werden. Auch wiederholte Bewegung, etwa Spaziergänge oder Sport, kann die Stimmung stabilisieren.

Auf psychologischer Ebene helfen Psychohygiene (einfache Maßnahmen zur seelischen Selbstfürsorge wie regelmäßige Pausen, bewusst wahrzunehmen, was einem guttut oder schadet, aktiv für Ausgleich im Alltag zu sorgen), psychotherapeutische Gespräche, belastende Gedanken und Gefühle zu ordnen und Strategien zur Krisenbewältigung zu entwickeln, wodurch Hoffnungslosigkeit reduziert und neue Perspektiven eröffnet werden können.

Abschließend spielt die soziale Dimension eine zentrale Rolle: Unterstützung durch Familie, Freunde, Gemeinde und Netzwerke kann Isolation verringern und Schutz bieten. Offene Gespräche und die Ermutigung, Hilfe anzunehmen, sind entscheidend, damit Betroffene nicht allein bleiben.

Sätze wie „ich bin für dich da“, „inscha’Allah schaffen wir das gemeinsam“ oder „wie kann ich dir helfen, soll ich dich z.B. zum Arzt begleiten?“ sind wichtige Signale.

Familie

Foto: Seventyfour, Adobe Stock

Psychosoziale Projekte brauchen Hilfe

Die klinische Praxis in Deutschland und Europa basiert größtenteils auf westlichen Studien, die die einzigartigen kulturellen und religiösen Schutzfaktoren und Risikofaktoren muslimischer Populationen oft unzureichend erfassen.

Die Notwendigkeit einer kultur- und religionssensiblen Betrachtung ist unbestreitbar, insbesondere angesichts der abgezielten Belastungen durch Diskriminierung und Kollektivtrauma.

Nur durch die Integration dieser spezifischen Erkenntnisse kann eine effektive und akzeptierte psychosoziale Versorgung und Suizidprävention in muslimischen Gemeinschaften erfolgen. Auch müssen Imame und Multiplikatoren in Psychosozialer Erste Hilfe ausgebildet werden.

Deswegen sollten unbedingt Organisationen, Gemeinden, lokale Vereine und Projekte unterstützt werden, die sich darauf spezialisiert haben, beispielsweise das Psychosoziale Zentrum für Muslime (www.pzm.center), Parinova e.V. (www.parinova.de), Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe e.V. (www.iase-ev.de) und weitere wichtige Akteure.

Wichtige Links zum Thema

www.islamundpsychologie.de/artikel_6_was_kann_ich_tun-a.htm https://www.islamundpsychologie.de/artikel_6_was_kann_ich_tun-b.htm (Artikel mit islampsychologischen Hilfestrategien und Anlaufstellen

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in- verschiedenen-facetten/suizidalitaet (Deutsche Depressionshilfe mit vielen Informationen für Betroffene und Angehörige)

www.moodgym.de (Begleitendes Selbsthilfeprogramm bei depressiven Symptomen)

Über den Autoren: Amin Loucif ist deutsch-algerischer Psychologe, psychologischer Psychotherapeut sowie Dozent und Berater, der sich auf die Verbindung von islamischer Seelsorge und moderner Psychotherapie spezialisiert hat. Nach seinem Psychologiestudium erlangte er 2014 den Master of Science an der Universität Düsseldorf und bildete sich danach weiter zum psychologischen Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Klärungsorientierter Psychotherapie in Bochum.

Er verbindet in seiner Arbeit klassische therapeutische Ansätze mit spiritueller Beratung und nutzt dabei auch Methoden wie die Emotionsregulationstechnik für Muslime (ERT-M). Seine Berufserfahrung reicht von klinischer Rehabilitation für Abhängigkeitserkrankungen über die Familienhilfe bis zur ambulanten Therapie für Jugendliche und junge Erwachsene.

Loucif engagiert sich auch in der islamisch geprägten Gesundheitsförderung, etwa als muslimischer Seelsorger, und gibt regelmäßig Seminare im In- und Ausland, u.a. an Studenten und Imame. Besonders prägend für seine therapeutische Arbeit ist sein Verständnis des islamischen Menschenbilds, das von Respekt, Wärme und Nächstenliebe geprägt ist. Loucif ist auch als Dozent im Bereich der Islamwissenschaften tätig und betreibt eine eigene psychotherapeutische Praxis in Düsseldorf und Wuppertal. Website: www.instagram.com/islamundpsychologie und pzm.center/

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DITIB startet bundesweite Spendenaktion für die Menschen in Gaza

DITIB

Die DITIB, der größte Moscheeverband der Bundesrepublik, hat eine landesweite Hilfskampagne für die Menschen in Gaza ins Leben gerufen.

Unter dem Slogan „Mit Hand und Herz für Gaza“ werden Spenden gesammelt, um dringend benötigte Unterstützung bereitzustellen.

Die Aktion konzentriert sich insbesondere auf Lebensmittelversorgung und medizinische Hilfe, denn die Lage vor Ort bleibt nach offiziellen Angaben katastrophal: Viele Familien sind obdachlos, die gesundheitliche Versorgung ist kaum gewährleistet und es fehlt an lebensnotwendigen Gütern.

Mit Blick auf die Folgen des jüngsten Krieges betont der Moscheeverband, dass Muslime in Deutschland bereits seit Beginn des Konflikts helfen wollten, doch die Blockade habe dies bislang erschwert.

Weltweit Kriegsende

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

Nun solle die humanitäre Hilfe endlich Gaza erreichen. Das Ziel der Aktion sei, den Menschen Trost zu spenden und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Die DITIB ruft dazu auf, sich der Spendenaktion anzuschließen. Jede Zuwendung, ob groß oder klein, leiste einen wichtigen Beitrag. Um die Hilfsgüter sicher nach Gaza bringen zu können, fordert der Verband, dass der Transport und die Übergabe vor Ort reibungslos und unter Gewährleistung des Schutzes aller Helfer erfolgen müsse.​

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Der Prophet als Psychologe oder den realen Menschen sehen

prophet sunna

Menschen sind verschieden. Sie denken anders, fühlen anders, handeln anders. Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erkannte das. 

(iz). Er sprach nicht in Schablonen und antwortete nicht mechanisch. Wer ihn etwas fragte, bekam keine Standardantwort. Er hörte zu, beobachtete, spürte, was der Fragende brauchte. Und dann sagte er, was in genau diesem Moment für genau diesen Menschen wichtig war.

Einmal kam ein Mann zum Propheten und wollte wissen, welche Tat die beste sei. Der Prophet sagte, das pünktliche Gebet sei die wichtigste (Bukhari, 527). Ein anderer kam mit einer ähnlichen Frage und der Prophet sagte diesmal, es sei, die Eltern gut zu behandeln (Muslim, 2549). Wieder ein anderer fragte und diesmal antwortete er, sich mit seinem Leben und seinem Besitz für die Sache Gottes einzusetzen (Bukhari, 2786). 

Während des Fastens fragte ein Mann den Propheten, ob jemand, der fastet, seine Frau umarmen (Anmerkung: evtl. auch küssen) darf, und er gab ihm die Erlaubnis. Aber als ein anderer Mann zu ihm kam und ihn fragte, verneinte er es. Derjenige, dem er die Erlaubnis gab, war ein alter Mann, und derjenige, dem er es verneinte, war ein junger Mann (Abu Dawud, Savm, 35, 2387), bei dem er wohlmöglich befürchtete, dass dieser unwillentlich sein Fasten brechen würde.

Erdbebengebiet

Foto: Joe Houghton

Wer nur nach der oberflächlichen Logik fragt, warum die Antworten unterschiedlich ausfielen, übersieht das Entscheidende. Der Prophet kannte sein Gegenüber. Er wusste, was im Herzen vorging, was das Leben des Fragenden prägte, wo seine Schwächen lagen und wo seine Stärken.

Der Prophet passte seine Antwort der seelischen Verfassung des Menschen an. Er sprach nicht in Regeln, er lebte Beziehung. Wer viel betete, aber seine Eltern vernachlässigte, bekam keine Ermutigung zum Gebet, sondern wurde an seine Eltern erinnert. Jeder bekam nicht das, was er hören wollte, sondern das, was er brauchte und hören musste.

All diese Antworten haben etwas gemeinsam. Sie sind keine standardisierten Empfehlungen, sondern individuell abgestimmte Wegweiser. Der Prophet hörte nicht nur die Worte der Fragenden, sondern spürte, was hinter diesen Worten lag. 

Er verstand, dass dieselbe Frage aus ganz unterschiedlichen Beweggründen gestellt werden kann. Einer fragt aus Angst, ein anderer aus Zweifel, ein dritter aus echter Sehnsucht.

Der Prophet antwortete nicht auf die bloße Formulierung, sondern auf den Menschen, der vor ihm stand. Seine Antwort spiegelte nicht nur den Inhalt der Frage, sondern auch den inneren Zustand des Fragenden.

Was er sagte, war daher nicht einfach ein Regelwerk zum Abhaken, sondern eine Einladung zur persönlichen Entwicklung. Er sah nicht nur den äußeren Rahmen, sondern erkannte, was die Seele des Menschen gerade brauchte.

Foto: Drazen, Adobe Stock

Dem einen empfahl er das Gebet zur rechten Zeit, weil er spürte, dass dieser Mensch Struktur und Verlässlichkeit brauchte. Dem anderen sagte er, er solle seine Eltern gut behandeln, weil er erkannte, dass hier familiäre Bindung und Dankbarkeit heilend wirken würden. Und einem dritten empfahl er den Einsatz auf dem Weg Gottes, weil in ihm Kraft und Entschlossenheit schlummerten, die ein Ziel brauchten.

Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, reagierte also nicht mit allgemeinen Prinzipien, sondern mit tiefem Verständnis. Er war nicht bloß ein Lehrer von Vorschriften, sondern ein feinfühliger Seelenführer.

Wer zu ihm kam, wurde gesehen. Nicht nur gehört. Das macht seine Antworten so menschlich und zugleich so überzeitlich. Sie berühren, weil sie aus einer Haltung echter Zuwendung und innerer Klarheit stammen.

Der Prophet wirkte nicht wie ein Lehrer, der Formeln erklärt. Er war ein Begleiter, der hinschaute. Seine Methode war das Zuhören. Sie war das Wahrnehmen des Augenblicks. Seine Worte waren wie Medizin. Nicht jeder bekam die gleiche Dosis. Nicht jeder das gleiche Mittel.

Wer sein Verhalten wirklich verstehen will, muss ihn als Seelsorger sehen, nicht als Regelgeber. Als jemand, der den Menschen in seiner Tiefe begegnete. Der Prophet behandelte nicht die Frage, sondern den Fragenden.

Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, war kein Theoretiker. Er war kein moralischer Befehlshaber. Er war ein Lehrer des Herzens. Ein Mensch, der in den Augen seines Gegenübers las.

Seine Antworten waren Wege, die individuell zum Guten führten. Wer ihn verstehen will, muss zuhören lernen wie er. Und erkennen, dass gleiche Fragen nicht gleiche Antworten brauchen, sondern ein aufrichtiges Verstehen dessen, der sie stellt.

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Den Völkermord von Srebrenica überleben

srebrenica

Für die Opfer von Srebrenica und des Bosnienkrieges insgesamt: Die Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland steht bis heute an der Seite der Überlebenden.

Köln (Islamic Relief Deutschland/iz). 30 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica bedeuten 30 Jahre Aufarbeitung, Erinnern, Gedenken und Trauma für die bosnische Gesellschaft. Sie zeugen aber auch von der Hoffnung und Widerstandsfähigkeit traumatisierter Menschen, die einen Völkermord überlebt haben.

Über 700 Tonnen Hilfsgüter während des Krieges

Islamic Relief Deutschland und ihr internationales Hilfsnetzwerk haben während des Bosnienkrieges mehr als 700 Tonnen Hilfsgüter bereitgestellt und die Menschen darin unterstützt, ihre eigenen Lebensmittel anzubauen. Die 70-jährige Überlebende und Zeitzeugin Tima erinnert sich an das Grauen von Srebrenica, die Kriegsjahre und das Leben danach.

Heute gedenkt die internationale Gemeinschaft des Völkermordes von Srebrenica im Jahr 1995, bei dem mehr als 8.372 bosniakische Männer und Jungen getötet wurden – aber auch der mehr als 100.000 größtenteils bosniakischen Todesopfer, die in den Kriegsjahren von 1992 bis 1996 in ganz Bosnien getötet wurden.

Das Trauma hält bis heute an und ist generationenübergreifend. Die 70-jährige Überlebende Tima erzählt von der Flucht aus ihrer Heimatstadt Sebioèina mit ihren drei Kindern: „Ich musste mein Zuhause verlassen, weil sie das Haus in Brand setzten. Sie töteten, wen sie konnten. Wir sind nie zurückgekehrt. Diejenigen, die geblieben sind, wurden getötet.“

Timas Heimatstadt Sebioèina wurde 1992 von serbischen Truppen angegriffen, was sie und ihre Familie zur Flucht zwang. Drei Monate lang trug Tima ihre Kinder durch den Schnee, bis sie Srebrenica erreichte, wo sie zunächst im Wald leben musste. „In Srebrenica erinnere ich mich an den Klang der Granaten. Ich erinnere mich daran, wie anstrengend es war, das schwere Essen auf meinem Rücken zu tragen, während ich gleichzeitig meine Kinder trug.“

Sie erinnert sich auch an die schwedischen Hilfsorganisationen, die etwas humanitäre Hilfe brachten. Sie sagt: „Diejenigen, die humanitäre Hilfe erhielten, hatten eine Überlebenschance, aber diejenigen, die keine erhielten, hatten keine Chance. Ich hoffe, dass es hier nie wieder Krieg gibt.“

Alija, Timas Ehemann, und ihr Sohn wurden von den serbischen Truppen gefangen genommen. Er wurde auf tragische Weise in Kasaba, im Osten von Bosnien und Herzegowina, getötet; im Jahr 1995, wie das rote Kreuz später herausfand. Ihr Sohn Nedzad wurde zu einer Massenhinrichtungsstätte gebracht. Trotz der vier Schüssen auf ihn, überlebte er und kehrte schwerverletzt zu seiner Mutter nach Tuzla zurück.

Jetzt, 30 Jahre später, lebt Tima zeitweise bei Nezdad in Srebrenica. Und bis heute verfolgen sie die Kriegsjahre: „Wenn man einmal etwas extrem Beängstigendes erlebt hat, dann erschüttern einen danach selbst kleine Dinge. Ich würde meinen Sohn gerne aus Srebrenica wegbringen, aber was kann ich tun? Da Nedzad hier beschäftigt ist, müssen wir hierbleiben.“

Tima und ihre beiden damals noch kleinen Töchter erhielten später Unterstützung durch das Waisenpatenschaftsprogramm von Islamic Relief. Tima konnte einen kleinen Kredit aufnehmen, der ihr half, die Kinder in die Schule zu schicken. Sie sagt: „Ich bin Islamic Relief sehr dankbar, denn ich hätte nirgendwo anders einen Kredit bekommen. Ich möchte Ihnen und der Organisation, die die Patenschaft für meine beiden Mädchen übernommen hat, einfach nur sehr danken.“

Derzeit teilt sie ihre Zeit zwischen Tuzla und Srebrenica, wo Nedzad lebt, auf, doch die Rückkehr dorthin fällt ihr immer noch schwer. „Ich wollte nicht zurückkehren“, sagt sie.

Auch 30 Jahre nach dem Krieg und dem Völkermord von Srebrenica findet sie keine Worte, die auch nur annähernd das Leid ausdrücken, welches ihr wiederfahren ist. Täglich beweist sie ihren Mut und ihre Willenskraft aufs Neue, indem sie auch jetzt für ihre Kinder da ist.

Trauma

Das Trauma der jahrelangen Belagerung, des Völkermordes, der Hungersnot und der massenhaften Vergewaltigungen von schätzungsweise 50.000 Frauen hält bis heute an. Mehr als 104.000 größtenteils bosniakische und muslimische Menschen starben im Krieg, dessen Spuren die Gesellschaft bis heute durchziehen.

Zwischen dem 13. und 19. Juli 1995 wurden beim Genozid von Srebrenica mehr als 8.372 Bosniaken hingerichtet und unzählige Frauen vergewaltigt.

Als Hilfsorganisation hat Islamic Relief während des Bosnienkrieges Lebensmittel an die Flüchtenden und Überlebenden verteilt und unterstützte sie in den schweren Folgejahren dabei, ihr Leben wiederaufzubauen.

Um die Menschen auch danach zu unterstützen, setzte Islamic Relief in den 30 Jahren seit dem Krieg zahlreiche Projekte um, die Frauen und Kinder in ihrer Resilienz durch psychosoziale Betreuung stärken, aber auch Familien dabei unterstützen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Waisenpatenschaften halfen den vielen Witwen und Waisenkindern dabei, Zugang zu Bildung zu erhalten und Mikrokredite zu nehmen, um sich eine kleine Existenz aufzubauen.

30 Jahre humanitäre Hilfe in Bosnien für eine Zukunft voller Hoffnung 

Der Bosnienkrieg ist eng mit der Gründung Islamic Relief Deutschlands verbunden, denn noch vor der offiziellen Gründung 1996 sammelten deutsche Helferinnen und Helfer erstmalig Geld für die Opfer und Überlebenden des Bosnienkrieges und des Völkermordes von Srebrenica.

Mittlerweile leistet die Kölner Hilfsorganisation seit 30 Jahren humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in dem Land, das den Krieg und andere Katastrophen erlebt hat.

Die Hilfsorganisation hat während des Krieges in Bosnien Soforthilfe geleistet und unterstützt bis heute schutzbedürftige Gemeinden vor Ort – ob durch die jährliche Winterhilfe, saisonalen Ramadan- und Kurban Lebensmittelverteilungen oder Patenschaften für Waisenkinder.

Heute noch steht das internationale Islamic Relief Hilfsnetzwerk den Überlebenden des Völkermordes, insbesondere Witwen und Waisenkindern zur Seite, mit bis zu 1400 laufenden Waisenpatenschaften.

Islamic Relief als globales Netzwerk ist seit 1992 in Bosnien und Herzegowina tätig. Mit dem Kriegsende halfen lokale Teams den Überlebenden beim Wiederaufbau ihrer Häuser und bei der Bewältigung ihres Traumas; halfen den Kindern, wieder zur Schule zu gehen, und bei der Gründung von Bauernhöfe und kleinen Unternehmen.

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Aufgeflammter Krieg in Syrien: UN-Chef fordert Zugang zu Hilfe

syrien

Nach Jahren ohne größere Kämpfe ist der Syrienkrieg wieder entflammt. Der UN-Chef verlangt politische Gespräche. Viele Oppositionelle hoffen auf ein Ende des Regimes.

(dpa, iz). Nach dem erneuten Aufflammen der Kämpfe in Syrien hat UN-Generalsekretär António Guterres humanitären Zugang zu allen bedürftigen Zivilisten und ein Ende der Gewalt gefordert. Dazu habe er mit dem türkischen Präsidenten Erdogan telefoniert, sagte er in New York.

„Ich habe den dringenden Bedarf betont für einen sofortigen humanitären Zugang zu allen bedürftigen Zivilisten und eine Rückkehr zu einem von den UN unterstützten politischen Prozess für ein Ende des Blutvergießens.“

Nach 14 Jahren Krieg sei es „Zeit für ernsthaften Dialog“. Zehntausende Zivilisten seien bedroht in einer Region, die schon brenne.

HTS-Führer Al-Julani im ersten Interview mit einer westlichen Reporterin nach der Einnahme von Aleppo. (Screenshot: CNN)

Al-Julani: „Das Regime ist tot“

Das Ziel der syrischen Rebellenallianz ist nach Worten des Anführers Abu Mohammed Al-Julani (eigentlich Ahmed Hussein al-Shara)  der Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Das Scheitern sei schon immer im Regime selbst gekeimt, sei schon immer in ihm selbst gekeimt, sagte er dem US-Sender CNN.

Die Iraner und Russen hätten versucht, es wiederzubeleben. „Aber die Wahrheit bleibt: Dieses Regime ist tot“, so der HTS-Führer.

Er plane in Syrien ein auf Institutionen basierendes Regierungssystem zu errichten. Nicht eines, in dem ein einzelner Herrscher willkürlich Entscheidungen treffe, sagte er. „Wir sprechen nicht über die Herrschaft von Einzelpersonen oder persönliche Launen.“

Mitte vergangener Woche hatten oppositionelle Gruppen unter der Führung von HTS ihre Offensive im Nordwesten Syriens begonnen und am Wochenende die Kontrolle über Aleppo übernommen, der zweitgrößten Stadt des Landes. Mittlerweile kontrollieren sie auch die Provinz Hama und marschieren auf das strategisch wichtige Homs zu.

Nach Eroberung der Provinzhauptstadt Hama öffneten bewaffnete Kämpfer die Foltergefängnisse des Assad-Regims. Die Inhaftierten saßen teils seit 2011 ein. (Foto: Thomas Van Linge, X)

Iran will Entsendung von Truppen prüfen

Ein Machtwechsel in Syrien oder gar der Fall Assads hätte für die iranische Führung gravierende Folgen. Das Bündnis mit Syrien als „Korridor“ zum Mittelmeer war für Teheran bislang zentral, um Waffen an die Hisbollah im Libanon zu liefern und den regionalen Einfluss zu stärken.

Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, mögliche Truppenentsendungen zu prüfen, falls die syrische Regierung dies fordert. Bereits jetzt hat der Iran einen berüchtigten Kommandeur in das Bürgerkriegsland geschickt.

Die Delegation unter Führung von General Dschawad Ghafari, eines Syrien-Kenners, soll die Gegenoffensive der Regierungstruppen unterstützen. Er wurde durch seine Rolle bei der Rückeroberung Aleppos im Jahr 2016 als „Schlächter von Aleppo“ bekannt, wie das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtete.

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Gemeinsam für Menschen da sein – das MuTeS

Telefonseelsorge MuTeS Berlin

Am 11. November feierte das Muslimische SeelsorgeTelefon (MuTeS) gemeinsam mit Vertreterinnen der Kirche und Stadt Berlin das 15-jährige Bestehen des Muslimischen SeelsorgeTelefons bei einem Festakt in Berlin Schöneberg. (IRD). Seit […]

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Gewalteskalation im Sudan: Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung gefordert

sudan faschir

GfbV: Bundesregierung muss trotz Kämpfen Zugänge für humanitäre Hilfen finden.

(GfbV/iz). Partnerinnen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Sudan berichten telefonisch von einer unmittelbar bevorstehenden Eskalation in El Fasher (Darfur), während bereits in weiten Teilen des Landes Gewalt, Vertreibung und Hunger herrschen.

„Es darf nicht sein, dass die Regierungskrise in Deutschland sich negativ auf die notleidende Bevölkerung des Sudan auswirkt. Trotz der andauernden Gewalt müssen hier kontinuierlich Zugänge für humanitäre Hilfe gefunden und Schutzmaßnahmen für die Notleidenden umgesetzt werden“, appellierte Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV, in einem Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock.

In einem Telefonat berichtete eine Mitarbeiterin der „Bana Group“, die im Sudan Friedensarbeit leistet, dass die Rapid Support Forces (RSF, unter Mohamed Hamdan Daglo, genannte Hemedti) in Darfur gezielt Angehörige der Zahgawa angreifen, unter anderem mit Scharfschützen.

Sudan: El Fasher droht der Fall

In der Stadt El Fasher werde täglich gekämpft, Frauen würden vergewaltigt und Menschen vertrieben. „Frauen sind in El Fasher in großer Gefahr, von den Soldaten der Armee des Sudan aufgegriffen, verhaftet und eingesperrt zu werden. Der Geheimdienst meint, von ihnen Informationen über die RSF bekommen zu können, denn Männer riskieren ihr Leben, wenn sie die von der RSF kontrollierten Stadtteile betreten. Die Frauen versuchen, durch die Kampflinien zu kommen, die RSF stoppen sie selten. Mit den Verhaftungen der Frauen ist hier die Zahl der Vergewaltigungen stark angestiegen. Weder die Armee des Sudan noch die RSF lassen zu, dass die Zivilisten aus der belagerten Stadt fliehen“, berichtete die Mitarbeiterin der „Bana Group“. El Fasher könne in den nächsten Tagen an die RSF fallen.

Sie erklärt, in der Stadt Tambul, im Staat Gezira im Zentralsudan, drohe ein Völkermord: „Hier wird jeder, der nicht aus Darfur stammt, von der RSF getötet – es sei denn, er schließt sich der Miliz an. Ebenfalls im Bundesstaat Gezira liegt der Ort Alhilaliya, wo die RSF wahllos Menschen erschießen. Todesfälle aufgrund von Lebensmittelvergiftungen und einem Choleraausbruch versetzen die Menschen zusätzlich in Angst und Schrecken.“

Die RSF habe diese Region in ein riesiges Gefängnis verwandelt. Pro Stunde sterbe hier ein Mensch, meldet der sudanesische Ärzteverband.

Unter „Belagerungszustand“

„Im Bundesstaat Weißer Nil lebt die Bevölkerung in Rabak unter einem Belagerungszustand, das Internet fällt ständig aus, die Menschen harren aus und haben Angst vor einem Angriff der RSF. Die gleiche Situation wird aus Eldowaim berichtet“, heißt es in den Informationen, die die GfbV an das Auswärtige Amt weitergeleitet hat.

In Kordofan hätten sich viele Geflüchtete versammelt und suchten Schutz und Nahrung. Doch die Situation könne jederzeit eskalieren. Es gebe nur zwei Gebiete im Sudan, wo man relativ sicher sei, berichten die GfbV-Partnerinnen. 

Diese seien Süd-Kordofan und Jabal Marra, eine Region in Darfur. Sie werden weder von der RSF noch von der sudanesischen Armee kontrolliert. Beide versuchen aber, auch hier die Kontrolle zu gewinnen und die lokalen Machthaber in den tödlichen Konflikt hineinzuziehen.

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Journalisten-NGO ernüchtert über Hilfe für Afghanen

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Die Bundesregierung verfehlt ihre Ziele bei der Aufnahme bedrohter Afghanen deutlich. Angesichts des Sparkurses könnte das Programm auslaufen, obwohl noch Tausende auf Rettung warten. Reporter ohne Grenzen schlägt Alarm. (KNA). […]

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Wenn der Papierkram überfordert. Einige Organisationen bieten Hilfen an

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Anträge, Formulare, Rechnungen: Für viele Menschen ist die Alltagsbürokratie eine schier unlösbare Aufgabe. Sie brauchen Unterstützung – und die bieten verschiedene Organisationen. (KNA). „Als Kind habe ich meinen Eltern alles […]

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WFP-Bericht: In Nord-Gaza steht Hungersnot bevor

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In den beiden nördlichen Gouvernements des Gazastreifens, wo rund 300.000 Menschen von den Kämpfen eingeschlossen sind, wird bis Mai mit einer Hungersnot gerechnet. (wfp.org). Der Schwellenwert für akuten Hunger wurde […]

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