Nada Abu Taleb hat als Medien- und Kommunikationskoordinatorin von Islamic Relief im Jemen das stille Leiden des Landes dokumentiert. Nun offenbart sie anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe, was humanitäre […]
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Nada Abu Taleb hat als Medien- und Kommunikationskoordinatorin von Islamic Relief im Jemen das stille Leiden des Landes dokumentiert. Nun offenbart sie anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe, was humanitäre […]
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(Islamic Relief Deutschland). Die Eskalation der Bombardierungen, die drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe und internationale Sanktionen drohen, die Situation zu verschlimmern und die Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen die Unterernährung von Kindern zunichte zu machen. Ein Arzt und ein Landwirt aus Zuhrah berichten.
Fachkräfte von Islamic Relief im Bereich Gesundheit und Ernährung im Jemen berichten, dass die Zahl der unterernährten Kinder zunimmt, so dass die Gesundheitszentren mehr Patienten aufnehmen, als sie aufnehmen können, und dass einige Kinder an Hunger sterben. Mehr als 55 Prozent der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren leiden Berichten zufolge inzwischen an schwerer Unterernährung.
Tariq Hadi Mohammed, 36, ist Arzt in einem von Islamic Relief unterstützten Gesundheitszentrum und einer Klinik für therapeutische Ernährung im abgelegenen Bezirk Zuhrah, etwa 200 Kilometer nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sana’a. Er berichtet, dass in diesem Gebiet bereits Kinder verhungert sind.
„Wir stellen jetzt eine Zunahme der Unterernährung bei Kindern fest und jeden Tag kommen mehr Fälle in der Station an. Die Unterernährung ist weit verbreitet, da die Lebensbedingungen schwieriger geworden sind.“
„Eines Tages fanden Dorfbewohner ein junges Mädchen, das wegen schwerer Unterernährung fast im Koma lag. Sie brachten sie in die Gesundheitsstation, ihr Körper war geschwollen und ihr Zustand kritisch. Wir begannen sofort mit der Behandlung und es ging ihr besser. Später wurde auch ihre jüngere Schwester gebracht … leider war es da schon zu spät. Sie war nur noch Haut und Knochen und ihr Körper war zu schwach, um sich zu erholen. Sie verstarb. Als ich ihren Zustand sah, musste ich weinen.“, schildert Mohammed.
„Dies ist ein abgelegenes Gebiet, in dem es kaum Gesundheitsdienste gibt und diese schwer zu erreichen sind. Die Station hat eine Kapazität für 8.000 Menschen, aber unter den derzeitigen Umständen versorgen wir etwa 12.000, darunter sowohl Einheimische als auch vertriebene Familien. Wir behandeln viele Kinder, aber auch unterernährte schwangere Frauen und stillende Mütter.“, berichtet der Arzt.
Zehn Jahre Krieg haben die Infrastruktur und die Wirtschaft des Jemen zerstört und Millionen von Menschen daran gehindert, eine angemessene Lebensgrundlage zu finden, um ihre Familien zu unterstützen. Infolgedessen sind rund 19,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen und 17,1 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. Deshalb ist der Erhalt der Gesundheitsrichtungen und Ernährungszentren im Land so wichtig.
Islamic Relief unterstützt 185 Gesundheitszentren und Kliniken für therapeutische Ernährung in fünf Gouvernements im Jemen, damit diese den vielen Familien, die sonst nirgendwo hingehen können, kostenlose Behandlungen anbieten. Im vergangenen Jahr haben sie über 249.617 schutzbedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.
Hadi Ali Huessien Qadri, ein Landwirt im Bezirk Zuhrah, brachte kürzlich seine unterernährte Tochter in ein von Islamic Relief unterstütztes Zentrum, wo sie sich nach einer Behandlung erholte. Er sagt, er könne mit seiner Landwirtschaft nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren und zu unterstützen.
„Ich hatte kein Geld, um mich um sie zu kümmern und ihr und ihrer Mutter genug zu essen zu geben. Deshalb ist sie krank geworden. Auch die Kinder meiner Nachbarn sind unterernährt und alles nur, weil sie ihre Familien nicht ausreichend versorgen können. Sie haben nur eine Mahlzeit pro Tag. Das ist im ganzen Dorf so… die Situation hier ist sehr hart.“, sagt der Landwirt.
„Zehn Jahre Krieg haben die jemenitische Wirtschaft verwüstet, die Infrastruktur des Landes zerstört und den Zugang zu Dienstleistungen der Grundversorgung erheblich erschwert. In diesem schwierigen Umfeld haben wir unermüdlich daran gearbeitet, das Leid zu lindern, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und die Hilfe so transparent und effektiv wie möglich zu gestalten. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Islamic Relief-Teams im Jemen, das 2,56 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Hilfsgütern unterstützt“, sagt Khan und fährt fort.
„Doch während Millionen von Menschen von der humanitären Hilfe profitieren, bleiben Millionen weitere zurück, die mit Hunger, Gewalt und Krankheiten konfrontiert sind. Die Menschen hier brauchen dringend Unterstützung, aber die Krise wird von der Welt weitgehend vergessen. Die humanitäre Hilfe hat im Laufe der Jahre viel Positives bewirkt, indem sie den Menschen zu Nahrung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung verholfen hat. Doch die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass viele dieser Errungenschaften nun wieder ins Gegenteil verkehrt werden.“
Islamic Relief fordert die internationale Gemeinschaft auf, die humanitäre Finanzierung der Hilfe für den Jemen zu erhöhen, auf eine diplomatische Lösung der aktuellen Eskalation zu drängen sowie sicherzustellen, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen.

Köln (IRD). Die Eskalation der Bombardierungen, die drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe und internationale Sanktionen drohen, die Situation zu verschlimmern und die Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen die Unterernährung von Kindern zunichte zu machen. Ein Arzt und ein Landwirt aus Zuhrah berichten.
Fachkräfte von Islamic Relief im Bereich Gesundheit und Ernährung im Jemen berichten, dass die Zahl der unterernährten Kinder zunimmt, so dass die Gesundheitszentren mehr Patienten aufnehmen, als sie aufnehmen können, und dass einige Kinder an Hunger sterben. Mehr als 55 Prozent der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren leiden Berichten zufolge inzwischen an schwerer Unterernährung.
Tariq Hadi Mohammed, 36, ist Arzt in einem von Islamic Relief unterstützten Gesundheitszentrum und einer Klinik für therapeutische Ernährung im abgelegenen Bezirk Zuhrah, etwa 200 Kilometer nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sana’a. Er berichtet, dass in diesem Gebiet bereits Kinder verhungert sind.
„Wir stellen jetzt eine Zunahme der Unterernährung bei Kindern fest und jeden Tag kommen mehr Fälle in der Station an. Die Unterernährung ist weit verbreitet, da die Lebensbedingungen schwieriger geworden sind.“
„Eines Tages fanden Dorfbewohner ein junges Mädchen, das wegen schwerer Unterernährung fast im Koma lag. Sie brachten sie in die Gesundheitsstation, ihr Körper war geschwollen und ihr Zustand kritisch. Wir begannen sofort mit der Behandlung und es ging ihr besser. Später wurde auch ihre jüngere Schwester gebracht … leider war es da schon zu spät. Sie war nur noch Haut und Knochen und ihr Körper war zu schwach, um sich zu erholen. Sie verstarb. Als ich ihren Zustand sah, musste ich weinen“, schildert Mohammed.
„Dies ist ein abgelegenes Gebiet, in dem es kaum Gesundheitsdienste gibt und diese schwer zu erreichen sind. Die Station hat eine Kapazität für 8.000 Menschen, aber unter den derzeitigen Umständen versorgen wir etwa 12.000, darunter sowohl Einheimische als auch vertriebene Familien. Wir behandeln viele Kinder, aber auch unterernährte schwangere Frauen und stillende Mütter“, berichtet der Arzt.
Zehn Jahre Krieg haben die Infrastruktur und die Wirtschaft des Jemen zerstört und Millionen von Menschen daran gehindert, eine angemessene Lebensgrundlage zu finden, um ihre Familien zu unterstützen. Infolgedessen sind rund 19,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen und 17,1 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. Deshalb ist der Erhalt der Gesundheitsrichtungen und Ernährungszentren im Land so wichtig.
Islamic Relief unterstützt 185 Gesundheitszentren und Kliniken für therapeutische Ernährung in fünf Gouvernements im Jemen, damit diese den vielen Familien, die sonst nirgendwo hingehen können, kostenlose Behandlungen anbieten. Im vergangenen Jahr haben sie über 249.617 schutzbedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.
Hadi Ali Huessien Qadri, ein Landwirt im Bezirk Zuhrah, brachte kürzlich seine unterernährte Tochter in ein von Islamic Relief unterstütztes Zentrum, wo sie sich nach einer Behandlung erholte. Er sagt, er könne mit seiner Landwirtschaft nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu ernähren und zu unterstützen.
„Ich hatte kein Geld, um mich um sie zu kümmern und ihr und ihrer Mutter genug zu essen zu geben. Deshalb ist sie krank geworden. Auch die Kinder meiner Nachbarn sind unterernährt und alles nur, weil sie ihre Familien nicht ausreichend versorgen können. Sie haben nur eine Mahlzeit pro Tag. Das ist im ganzen Dorf so… die Situation hier ist sehr hart“, sagt der Landwirt.
„Zehn Jahre Krieg haben die jemenitische Wirtschaft verwüstet, die Infrastruktur des Landes zerstört und den Zugang zu Dienstleistungen der Grundversorgung erheblich erschwert. In diesem schwierigen Umfeld haben wir unermüdlich daran gearbeitet, das Leid zu lindern, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und die Hilfe so transparent und effektiv wie möglich zu gestalten. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Islamic Relief-Teams im Jemen, das 2,56 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Hilfsgütern unterstützt“, sagt Khan und fährt fort.
„Doch während Millionen von Menschen von der humanitären Hilfe profitieren, bleiben Millionen weitere zurück, die mit Hunger, Gewalt und Krankheiten konfrontiert sind. Die Menschen hier brauchen dringend Unterstützung, aber die Krise wird von der Welt weitgehend vergessen. Die humanitäre Hilfe hat im Laufe der Jahre viel Positives bewirkt, indem sie den Menschen zu Nahrung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung verholfen hat. Doch die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass viele dieser Errungenschaften nun wieder ins Gegenteil verkehrt werden.“
Islamic Relief fordert die internationale Gemeinschaft auf, die humanitäre Finanzierung der Hilfe für den Jemen zu erhöhen, auf eine diplomatische Lösung der aktuellen Eskalation zu drängen sowie sicherzustellen, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu unterstützen.
Die Unterernährung im Jemen steigt immer weiter an, da die Menschen die Auswirkungen der jüngsten Kürzungen der humanitären Hilfe zu spüren bekommen, berichtet Islamic Relief. (Islamic Relief Deutschland). Teams von […]
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Sanaa (dpa) Als Malik Sufian vor ein paar Wochen in seinem kleinen Bergdorf Al-Daiaa im Jemen heiratete, gab es für ihn und seine Braut viele der üblichen Traditionen: Trommler, Gesang, Musik für 300 Gäste. Aber eine Form des Feierns fehlte: Schüsse, in die Luft gefeuert mit scharfer Munition, um den Jubel mit Gewehren übers Land zu tragen. Sufian sagt rückblickend: „Ich bin stolz, weil es bei meiner Hochzeit keine Schüsse oder Opfer gab.“
Bei Hochzeiten im Jemen greift man gern mal zur Waffe – der Schuss in die Luft gewissermaßen als höchster Ausdruck der Freude. Das Land auf der Arabischen Halbinsel hat Jahrzehnte des Bürgerkriegs hinter sich, und der laufende Konflikt ist Ursache dafür, dass Waffen weit verbreitet sind. In Bergen und Wüsten sind sie oft ständiger Begleiter, vom traditionellen Krummdolch bis zum Sturmgewehr.
Aber auch feierliche Schüsse können töten. Im Jemen wie in anderen Ländern der Region endeten Hochzeiten und andere Feiern mehrmals mit Verletzten und Toten. 2021 starben in Jemens Hauptstadt Sanaa fünf Menschen, als die Jugend-Fußballmannschaft gegen Saudi-Arabien gewann und Fans in die Luft schossen. Mehr als 120 Menschen wurden dem von Huthi-Rebellen beherrschten Innenministerium zufolge verletzt.
Amir Dakum will gegensteuern. Wer bei Hochzeiten schieße, sei ein „potenzieller Mörder“, so Dakum. Die Praxis sei „katastrophal und gefährlich“. Mit Gleichgesinnten hat er in der Provinz Tais im Südjemen jetzt eine Initiative gestartet – und droht mit Hochzeits-Boykott: „Wenn nach unserer Ankunft Schüsse abgefeuert werden, muss der Bräutigam entscheiden.“ Entweder müsse der Schütze gehen – oder Dakums Gruppe, die inzwischen Dutzende umfasst, würde die Feier verlassen. Die Resonanz sei sehr positiv.
Freuden-Feuer gibt es auch am Balkan oder in Südasien. Im Nahen Osten haben sich durch Konflikte vor allem der Jemen, Syrien, der Irak und Libyen in regelrechte Waffendepots verwandelt, schreibt die Denkfabrik Global Initiative. Die Waffen gelangen auch in recht sichere Länder wie Jordanien. Auf Basaren könne jeder frei Waffen kaufen, der sie sich leisten kann. In Jordanien starb 2020 ein Mann am Tag seiner Entlassung aus dem Gefängnis: Die tödliche Kugel kam aus der Pistole seines – eigentlich feiernden – Cousins.
Es kann bis zu zwei Minuten dauern, bis eine senkrecht in die Luft geschossene Kugel wieder auf der Erde einschlägt. Diese verlangsamt sich durch den Luftwiderstand deutlich, kann aber trotzdem töten, wie militärische Tests etwa in den USA zeigten. Gefährlich seien vor allem Kugeln, die in einem Winkel abgeschossen werden und sich noch beschleunigen können, schreibt das Magazin Forbes. Kleine und dichtere Kugeln seien zudem gefährlicher als leichtere, größere Geschosse.
Im Libanon ist die Praxis so verbreitet – bei Hochzeiten, Geburten, Beerdigungen oder an Silvester –, dass wahlloses Schießen seit 2016 eine Straftat darstellt. Es drohen bis zu zehn Jahre Zwangsarbeit. Dennoch gibt es immer wieder Tote: Allein 2017 kamen so nach Polizeiangaben 41 Menschen ums Leben. 2022 traf eine Kugel sogar ein Flugzeug. Im Irak nahm das Phänomen nach der US-Invasion 2003 zu. Im Chaos des Einmarschs wurden Regierungsgebäude und Läden geplündert, Waffen fielen in Hände von Zivilisten im ganzen Land.
Amir Dakum hofft, dass er seine Initiative im Jemen ausweiten kann. „Wir haben schon Kontakt mit einflussreichen Leuten in Nachbardörfern“, sagt er. Vielleicht würde die Parole „Unsere Hochzeiten sind sicher“ dann in der ganzen Provinz Tais und darüber hinaus bekannt. „Damit wären unsere Hochzeiten keine Fronten und Gefahrenquellen mehr. Im Gegenteil, sie werden eine reine Freude sein.“
Jemen: Trotz möglicher Lösungen für den Jemenkrieg, leiden Millionen akut unter seinen Folgen. (IPS). Ende Mai veranstalteten die Vereinten Nationen ihre jährliche Woche zum Schutz von Zivilisten. Die Themen der […]
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Die Lage in Jemen ist katastrophal. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger passiv bleiben. (IPS). Während der Jemenkrieg in sein neuntes Jahr tritt, stehen seine Menschen vor einer humanitären Krise […]
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Sanaa (dpa). Leblos liegen die Körper im Video aufgereiht, Rufe gehen wild durcheinander: Bei einer Massenpanik im Jemen sind nach Angaben der Huthi-Rebellen mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen.
Das teilte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Sanaa am Donnerstag mit. 77 weitere seien verletzt worden, davon schwebten 13 in Lebensgefahr. Den Huthis zufolge war es bei der Verteilung von Spenden am späten Mittwochabend zu einem tödlichen Gedränge gekommen.
Ein Sprecher des dortigen Innenministeriums erklärte der von den Huthis betriebenen Nachrichtenagentur Saba zufolge, einige Händler hätten ohne vorherige Koordinierung „willkürlich“ Geldspenden verteilt. Daraufhin sei Panik ausgebrochen.
Augenzeugen beschrieben der Nachrichtenseite „Al-Masdar“, wie zeitweise Schüsse zu hören waren. Diese sowie eine Explosion nach einem Kurzschluss sollen die Panik gesteigert und schließlich zum Gedränge geführt haben. An einer Schule hätten sich vorher Hunderte versammelt, um Geldspenden eines bekannten Händlers zu erhalten. Einige örtliche Medien berichteten, die Huthis hätten die Schüsse abgegeben.
Foto: Jennifer Bose, CARE
Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel und grenzt an Saudi-Arabien. Die Huthis sind eine Gruppe schiitischer Rebellen, die in ihrem seit 2014 laufenden Aufstand weite Teile des Nordens eingenommen haben und auch die Hauptstadt Sanaa kontrollieren.
Seit 2015 kämpft Saudi-Arabien im Land mit Verbündeten gegen die Huthis. Die UN sehen wegen laufender Verhandlungen derzeit aber auch Chancen auf eine mögliche Entspannung.
Vor allem bedingt durch die Kriegsfolgen spielt sich in dem ohnehin stark verarmten Land eine der schwersten humanitären Katastrophen weltweit ab. Etwa 21 Millionen Menschen sind auf irgendeine Form von humanitärer Hilfe und Schutz angewiesen. Das Welternährungsprogramm (WFP) versucht, 13 Millionen Menschen im Land zu erreichen. Es ist der größte Nothilfeeinsatz des WFP weltweit.
Foto: Husam Alqoliaa, Shutterstock
In Videos, die die Szenen nach dem Vorfall zeigen sollen, lagen zahlreiche Leichen aufgereiht am Boden. In einem Video war zu sehen, wie Dutzende Menschen sich unter lauten Schreien auf engstem Raum drängen, einige scheinen in der Masse dabei buchstäblich unterzugehen. Die Tragödie trug sich in den letzten Tagen des muslimischen Fastenmonats Ramadan zu.
Der Vorsitzende des Hohen Politischen Rats, Mahdi al-Maschat, sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und forderte eine Aufklärung des Vorfalls. Ein dafür bestimmter Ausschuss besuchte die Schule laut einem Saba-Bericht noch am Abend.
Zwei mutmaßlich verantwortliche Händler wurden festgenommen. Das Huthi-Innenministerium beschuldigte sie, das Geld ohne vorherige Koordinierung mit dem Ministerium verteilt zu haben.
Die Huthis – offiziell bekannt als Ansar Allah, die „Unterstützer Gottes“ – gehören der Glaubensgemeinschaft der Zaiditen an, einem Zweig des schiitischen Islams. Im Nordjemen herrschen sie in einer Art Zwergstaat, wo sie ihre religiöse Ideologie auf totalitäre Weise durchsetzen. Sie kontrollieren alle Bereiche des öffentlichen Lebens und erheben unter anderem Zölle und Steuern.
Sanaa/Genf (dpa). Im Bürgerkriegsland Jemen haben sich Regierung und Huthi-Rebellen auf den Austausch von insgesamt etwa 900 Gefangenen geeinigt. Deiis teilte der Vorsitzende des Huthi-Komitees für den Austausch, Abdul-Kadir al-Murtada, kurz vor Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan am Montag mit.
Foto: Ibrahem Qasim | Lizenz: CC BY-SA 4.0 international
Der Einigung gingen Verhandlungen unter Aufsicht der Vereinten Nationen in Genf voraus. Der Austausch soll in drei Wochen stattfinden, gefolgt von weiteren Verhandlungen nach Ende des Ramadans.
Die Rebellen sollen etwa 180 Gefangene freilassen, auch aus Saudi-Arabien und dem Sudan. Im Gegenzug soll die Regierung, an deren Seite Saudi-Arabien gegen die Huthis kämpft, etwa 700 Gefangene freilassen.
Foto: Foto: Aida Faillace, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0
Dem Regierungs-Unterhändler Madschid Fadail zufolge sollen auch vier Journalisten freigelassen werden, die von den Huthis zum Tode verurteilt worden seien. Zudem sollen ranghohe Militärvertreter der Regierung freikommen, darunter ein früherer Verteidigungsminister.
Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. Die schiitischen Huthi-Rebellen führten dort seit den 1990er Jahren mehrere Aufstände. Zuletzt hatten sie das verarmte Land 2014 überrannt. Heute beherrschen sie weite Teile im Norden samt der Hauptstadt Sanaa.
Foto: Jennifer Bose, CARE
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) hatte 2020 den bislang größten Austausch von Gefangenen ermöglicht. Seinerzeit wurden mehr als 1000 Gefangene innerhalb von zwei Tagen freigelassen.
Eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe im Jemen war vor einem Jahr in Kraft getreten. Vergangenen Oktober lief sie nach mehrfacher Verlängerung aus. Trotz Berichten über Kämpfe gab es seitdem keine größeren Bodenoffensiven mehr. Alle Bemühungen, den Konflikt dauerhaft zu lösen, scheiterten jedoch.
(Middle East Monitor). Die Kriegsparteien im Jemen haben es nicht geschafft, eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe zu verlängern, die am Sonntag auslief. Damit wurden die Hoffnungen einiger Jemeniten auf einen umfassenderen Pakt enttäuscht, der die wirtschaftlichen Probleme lindern und die relative Ruhe nach mehr als sieben Jahren Kämpfen verlängern würde, berichtet Reuters.
Der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Hans Grundberg, sagte am späten Sonntag, er werde sich weiterhin für eine verlängerte und erweiterte Vereinbarung zwischen der von Saudi-Arabien geführten Koalition und den Houthis einsetzen, die beide unter starkem internationalen Druck stehen, eine Einigung zu erzielen.
„Es ist ein trauriger Tag für das jemenitische Volk“, sagte Abdullah Ali, ein 58-jähriger Lehrer in der Hauptstadt Sana’a, wo sich die Menschen nach dem Auslaufen der Waffenruhe eilig mit Benzin und Lebensmitteln eindeckten.
„Wir hatten gehofft, unsere Gehälter zu erhalten und uns auf einen Waffenstillstand zuzubewegen. Wir sind schockiert“, sagte Ali am Telefon gegenüber Reuters.
Grundbergs Vorschlag sieht eine Verlängerung des Waffenstillstands um sechs Monate, einen Mechanismus zur Auszahlung der Löhne im öffentlichen Dienst und einen größeren Waren- und Personenverkehr in dem Land vor, in dem 80 Prozent der rund 30 Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen sind.
In einer Erklärung äußerten die Vereinigten Staaten ihre tiefe Besorgnis über das Auslaufen der Waffenruhe und erklärten, der erweiterte UN-Vorschlag werde dazu beitragen, Verhandlungen über einen „umfassenden Waffenstillstand und einen inklusiven, von den Jemeniten geführten politischen Prozess einzuleiten, der den Krieg dauerhaft beenden würde“.
Die ursprüngliche zweimonatige Waffenruhe wurde im April vereinbart und trotz Beschwerden beider Seiten über ihre Umsetzung zweimal verlängert. Sie erlaubte einige Treibstoffschiffe im Hafen von Hodeidah und einige kommerzielle Flüge von Sana’a aus, die beide von den mit dem Iran verbündeten Houthis gehalten werden.
„Ich werde meine unermüdlichen Bemühungen fortsetzen, mit den Parteien in Kontakt zu treten, um schnell eine Einigung über den weiteren Weg zu erzielen“, sagte der Gesandte in einer Erklärung und forderte die Parteien auf, Ruhe zu bewahren.
Der Konflikt, der weithin als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran angesehen wird, hat Zehntausende von Menschen das Leben gekostet, die Wirtschaft ruiniert und Millionen von Menschen hungern lassen.
Riad hat versucht, einen kostspieligen Krieg zu beenden, in dem die Houthis Raketen- und Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gestartet haben.
Die Parteien warfen sich am Sonntag gegenseitig vor, die Friedensbemühungen zu behindern. Die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung warf den Houthis, der De-facto-Regierung im Norden, vor, das Abkommen abzulehnen.
Der Oberste Politische Rat der Houthis kritisierte den UN-Vorschlag als unzureichend und drohte mit Angriffen auf „Flughäfen, Häfen und Ölgesellschaften der Aggressorländer“, sollte die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition ihre See- und Luftbeschränkungen nicht aufheben.
Die USA forderten die Houthis auf, die Verhandlungen in „gutem Glauben“ fortzusetzen und mit der UNO an einem erweiterten Waffenstillstandsabkommen zu arbeiten.
„Die Vereinigten Staaten unterstreichen, dass die Rhetorik der Houthis, die die kommerzielle Schifffahrt und die in der Region tätigen Ölgesellschaften bedrohen, nicht hinnehmbar ist“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, in der Erklärung.
Die Koalition intervenierte im März 2015, nachdem die Houthis die international anerkannte Regierung in Sanaa vertrieben hatten. Die Gruppe sagt, sie kämpfe gegen ein korruptes System und ausländische Aggression.
* Veröffentlicht im Rahmen CCL 4.0-Lizenz.
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