Ein muslimisches Medium zu produzieren bedeutet, die richtigen Bilder zu finden. Hier lauern Fallstricke. (iz). Ein Medium von MuslimInnen für alle LeserInnen herauszugeben, ist mit verschiedenen Herausforderungen und Aufgaben verbunden. […]
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Ein muslimisches Medium zu produzieren bedeutet, die richtigen Bilder zu finden. Hier lauern Fallstricke. (iz). Ein Medium von MuslimInnen für alle LeserInnen herauszugeben, ist mit verschiedenen Herausforderungen und Aufgaben verbunden. […]
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Koranverbrennung: Der Akt erreicht in der Regel sein Ziel. Die Erzeugung von Aufmerksamkeit und Wut gelingt. (KNA). In Bagdad haben wütende Muslime die schwedische Botschaft gestürmt. Der Grund: eine weitere […]
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Berichterstattung: Dehydrierte Kinder, gewalttätige Palästinenser, gerissene Islamisten: Wenn deutsche Medien über den Ramadan berichten, erfährt man oft wenig über die Fastenzeit der Muslime; dafür umso mehr über den Kompetenzmangel in […]
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Das Tech-Genie Elon Musk hat der Öffentlichkeit die illusorische Hoffnung gegeben, wonach Twitter ein Hort der Freiheit sei. (iz). Naruto ist ein weltweites Phänomen. Diese Generation ist von dem Anime […]
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(Islam.de) Vor rund einem Jahr hatte die Stadt Köln ein Pilotprojekt gestartet, wonach islamische Gemeinden unter Auflagen freitags für fünf Minuten den Gebetsruf ertönen lassen dürfen – in der Lautstärke eines Gesprächs. Nach der Vorstellung des Projekts war eine bundesweite Debatte entflammt. Von Ranya Nassiba
Foto: Fabian Goldmann
Die islamdistanzierende bisweilen feindliche Haltung in vielen Berichterstattungen verdrängt immer wieder das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Religionsausübung. So wurde ein genuin religiöses Thema, das ein selbstverständlicher Teil der Vielfalt in diesem Land bildet und zudem vom GG vollständig geschützt ist, problematisiert und verunglimpft, als wäre der Islam eine extremistische Ideologie.
Mehr noch zeigt die Debatte auf, wie selbstverständlich rassistische Motive in der Islamberichterstattung bedient werden. So waren verschwörungstheoretische Behauptungen einer „Unterwanderung“, „Islamisierung“ oder „Machtdemonstration des Politischen Islam“ das häufigste Argument gegen den Gebetsruf.
So wird der Gebetsruf, ein für Muslime alltäglicher und friedvoller Aufruf zum Gebet, zu einem Kampfprogramm umgeschrieben. Und das nicht etwa von muslimischen Fundamentalisten, die den Gebetsruf instrumentalisieren, sondern von sogenannten Islamexperten und Islamgegnern selbst. Damit stiften sie genau das, was sie angeblich bekämpfen wollen: die Politisierung der Religion.
Foto: Freepik.com
Fabian Goldmanns Analysen zeigen die Absurdität des Ganzen auf: negative Expertenstimmen kamen am häufigsten zu Wort. Betroffenen und Verantwortlichen wurde kaum Gehör verschafft, um die Thematik kompetent einzuordnen. Es scheint, als würde sich ein blinder Automatismus einschalten, sobald das Thema Islam auf der Tagesordnung steht.
Der Journalist untersuchte 135 Artikel aus über einem Jahr und schaute sich die Berichterstattung großer Zeitungen wie „Bild“, „Die Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), „Die Welt“ und „Die Tageszeitung“ sowie die vier auflagenstärksten Zeitungen in und um Köln an.
Goldmann ging der Frage nach, wer bei Islamdebatten zu Wort kommt und wer nicht. Wird nur über Muslime geredet oder auch mit ihnen? Werden Islamverbände hinzugezogen oder wird nur sogenannten Islamkritikern die Bühne geboten?
Auffallend ist das geringe fachliche Niveau deutscher Islamdebatten: Am häufigsten kamen Personen zu Wort, die in der Öffentlichkeit vor allem für Kritik am Islam bekannt sind oder ihm gar feindlich gegenüberstehen. Hingegen wurden Fachleute wie Islamwissenschaftler, Theologen oder Verfassungsrechtler kaum in Medien gehört.
Foto: Zentralrat der Muslime, Facebook
Das Gespräch mit Vertretern von Islamverbänden wurde ebenfalls kaum gesucht. Dass die SZ den ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek mit den Worten zitierte, Köln sende mit dem Muezzinruf „ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt“, blieb eine Seltenheit.
Stattdessen treten altbekannte Namen wie Ahmad Mansour und Necla Kelek in den Vordergrund. Ersterer hatte insgesamt dreimal so viele Erwähnungen (28) wie alle Islam- und Religionswissenschaftler, islamische Theologen und Verfassungsrechtler zusammen (9).
Und das, obwohl die Mehrheit der sonstigen Fachleute ein positives Statement zum Muezzinruf gaben. Mansour nutzte diese ihm von Teilen des Mainstreams gebotene Plattform geschickt, um gleich sein neustes Buch mitzupromoten, das wie alle anderen seiner Bücher die Angst-Rhetorik über den Islam bedient, aber mit null Lösungsansätzen daherkommt.
Vor allem Medien des Springer-Verlags fallen mit überwiegend negativen Stimmen zur Thematik auf. Allen voran die „Bild“-Zeitung: 13 abfällige Statements stehen einer einzigen positiven Stimme gegenüber.
Foto: Alexander Khitrov, Shutterstock
islam.de befragte Goldmann zu den Missständen der Islamberichterstattung rund um den Gebetsruf. Dieser wies eindringlich auf den Mangel an Repräsentation hin.
So ist eklatant, dass die großen islamischen Religionsgemeinschaften wie DITIB, der Zentralrat oder Islamrat, die die überwiegende Mehrheit der Moscheegemeinden repräsentieren, in der öffentlichen Debatte kaum präsent waren. „Das zeigt: Die angebliche mediale Dominanz der großen islamischen Verbände ist lediglich ein rechter Mythos“, so Goldmann.
Die Analysen bestätigen nur, was seit jeher Praxis bei den sogenannten „Islamdebatten“ deutscher Medien ist. Goldmann fasste die Tragik dahinter pointiert zusammen:
Es ging in der Debatte um einen Ruf, der für fünf Minuten pro Woche in einem Kölner Innenhof zu hören ist (…), dass Medien darüber über ein Jahr in hunderten Beiträgen unter Überschriften wie „Ruf des Schreckens“ oder „Wie der Politische Islam unsere Demokratie unterwandert“ berichteten, zeigt wie akzeptiert und verbreitet Islamfeindlichkeit in vielen Redaktionen ist.“
* Erstmals auf der Webseite islam.de erschienen: https://islam.de/34571
Bonn (KNA). Religionsgemeinschaften werden in mehreren TV-Nachrichten einer Statistik zufolge so gut wie gar nicht dargestellt. Zwischen Januar 2021 und Juni 2022 hatten die katholische und die evangelische Kirche, das Judentum und der Islam einen Anteil von höchstens 0,5 Prozent an der Gesamtberichterstattung, wie aus einer repräsentativen Darstellung des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) und des Forschungsinstituts Media Tenor hervorgeht. Über den sogenannten Freiheitsindex 2022, der am Donnerstag vorgestellt werden soll, hatte zuvor bereits das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.
Untersucht wurden die Nachrichtensendungen ZDF heute, RTL Aktuell und Tagesschau. Die Zusammenhänge, in denen berichtet wurde, werden allerdings nicht genannt. In der Tagesschau lag der Anteil bei Islam und katholischer Kirche um 0,52 Prozent, beim Judentum bei 0,14 und bei der evangelischen Kirche rund 0,11 Prozent. In der Sendung ZDF heute lagen die Anteile bei rund 0,48 (Islam), 0,47 (katholische Kirche), 0,09 (Judentum) sowie 0,06 Prozent (evangelische Kirche). Am geringsten fällt der Anteil bei RTL Aktuell aus: Der Islam ist mit rund 0,4 Prozent vertreten, die katholische Kirche mit 0,37, das Judentum mit rund 0,1 und die evangelische Kirche mit 0,02.
In allen drei Nachrichtensendungen wurde der Islam am negativsten dargestellt, am neutralsten die evangelische Kirche. Diese hat bei RTL Aktuell den höchsten positiven Anteil. Bei der Tagesschau trifft dies auf das Judentum zu; das gilt auch für ZDF heute, allerdings nicht in so deutlichem Abstand zu anderen Religionsgemeinschaften, die in diesen Fernsehnachrichten beinahe gleich auf liegen.
(iz). Zum Abschluss der Fifa-WM in Katar hat der Politologe und Medienwissenschaftler Kai Hafez der deutschen Berichterstattung zum Emirat schlechte Noten erteilt. Diese sei „einseitig“ und „selektiv“ gewesen. Man habe […]
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(iz). Niemand käme auf den absurden Gedanken, sich beispielsweise bei seinem Mechaniker des Vertrauens nach einer Zahnbehandlung zu erkundigen oder umgekehrt seinen Zahnarzt zum besten Zeitpunkt für einen Wechsel des […]
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München (KNA). Der Politologe und Medienwissenschaftler Kai Hafez kritisiert die deutsche Fernsehberichterstattung von der Fußball-WM in Katar als einseitig und selektiv. Man habe sich von Anfang an nicht wirklich auf Land und Leute eingelassen, sondern mit einer neokolonialen Attitüde die negativen Aspekte, die es natürlich gebe, bestätigen wollen, sagte Hafez der Wochenendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.
„Es gibt in Katar wirklich viel zu kritisieren, die schlechten Arbeitsbedingungen, das Vormundschaftssystem, die Rechte von Homosexuellen, aber diese Kritik muss auch eingebettet und kontextualisiert werden“, betonte der Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt, der seit 25 Jahren die Berichterstattung über den Nahen Osten beobachtet und bekennender Fußballfan ist.
Unter anderem, so Hafez weiter, habe er einen angemessenen historischen Überblick vermisst: „Katar war vor 50 Jahren ein Dorf. Die grandiose Modernisierungsleistung dort ist in keiner Weise gewürdigt worden. Dabei sind die Golfstaaten heute ein internationaler Motor für Handel, gleichzeitig investieren sie Milliarden in Medien, Kultur und Bildung.“
Hafez weist auch auf etliche reißerische Titel hin wie etwa „WM der Lügen“, „Geheimsache Katar“ oder „Die Skandal-WM „. Mit so einer „geballten Vehemenz“ habe man über die WM in Russland nicht gesprochen: „Dabei war Russland schon damals der größere Schurkenstaat.“
Aus der Sicht von Hafez wäre es sehr leicht, auch über Deutschland „eine tendenziöse Berichterstattung zu betreiben, die Deutschland als Land von Rassisten und Europa als Heimat einer illegalen Schattenwirtschaft mit schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen für Migranten erscheinen ließe“. Insgesamt hätten die Öffentlich-Rechtlichen aus seiner Sicht eine ausgewogenere Berichterstattung über die erste WM in der arabischen Welt gestalten müssen. International habe man sich damit jedenfalls ein Eigentor geschossen. „Wir stehen jetzt als quasi neokoloniale Lehrmeister da, die bei aller berechtigten Kritik eine Chance zur Völkerverständigung verpasst haben.“
(iz). Es war eine große Idee: das Internet, ein weltumspannendes Netzwerk, das die wissenschaftliche und kulturelle Kompetenz eines ganzen Planeten zusammenführt. Soziale Medien, die gesellschaftliche Gruppen und Personen vernetzen und die Methode der Schwarm-Intelligenz in Form einer Orientierung in einer komplizierten Welt einführt.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden diese Errungenschaften mit einer gewissen Skepsis angesehen. Schlimmer noch, es besteht der Argwohn, dass die neuen Medien das moderne Leben eher vergiften als verändern und den Einzelnen entweder in den Narzissmus des „Selfie“, der permanenten Selbstdarstellung, oder aber in allgegenwärtige Formen der Identitätspolitik verstricken.
Nicht selten wird die wachsende Zahl der Depressiven dadurch erklärt, dass die Informations- und Bilderflut ein ungesundes Ausmaß angenommen haben und eher zu einer Flucht aus der Realität und weniger zu einer gesunden Wahrnehmung der menschlichen Lage führt. Die Statistiken der Mediennutzung zeigen, dass wir eine immer größere Zeitspanne vor unseren Smartphones und Computern verbringen.
Bevor man sich an einer Einordnung versucht, sollte man sich klar machen, dass die Innovationen der Technik meist jenseits von gut und böse einzuordnen sind. Was auf der einen Seite eine Segnung ist, ist auf der anderen ein Fluch. Unter dem Stichwort digitale Gesundheit kooperieren tausende Mediziner international zum Wohl der Kranken, während das Bild des gläsernen Patienten ein Wortspiel einführt, dass die Gefahr dieser Entwicklungen anzeigt.
Die Kritik an den Neuen Medien hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts hat Walter Benjamin einen Grundlagentext verfasst. „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ führt in die Revolution ein, die der Fortschritt im Feld der Fotografie und der Filmkunst verursacht. Der Philosoph enthält sich dabei eines endgültigen Urteils, erwartet nicht nur die Veränderung von Sehgewohnheiten, überhaupt der Erkenntnis, sondern ahnt bereits das politisch-soziale Potential der Mediennutzung. Benjamin, der vor den Nationalsozialisten flüchtete, ist sich klar, dass die Möglichkeit der bewegten Bilder von den Ideologien eingesetzt werden.
Er stellt fest, dass das Kunstwerk immer kopiert wurde, aber die technische Reproduzierbarkeit etwas Neues eröffnet. Sie löst endgültig die ursprüngliche Anlehnung der Kunst am religiösen Ritual und ändert radikal die Art der Sinneswahrnehmung. Bei der Reproduktion fällt aus seiner Sicht eines aus, dass Hier und Jetzt des Kunstwerkes – sein einmaliges Dasein an dem Ort, an dem es sich befindet. Die Vervielfältigung setzt an die Stelle eines einzelnen Vorkommens das Massenhafte und wird dadurch politisch nutzbar.
Die Folgen sind ambivalent. Was im Zeitalter der Reproduzierbarkeit des Kunstwerkes beispielsweise verkümmert, beklagt Benjamin, ist seine Aura. Was er damit meint, kann man in seiner eigenen digitalen Bilddatenbank prüfen. Wir sammeln unzählige Bilder über die Dinge und Ereignisse, die wir wahrnehmen und festhalten, dabei verliert man nicht nur schnell den Überblick, sondern oft das Verständnis, wann etwas vor unsere Kameras geschah und warum. Es fällt schwer die immer wiederkehrenden Bilder, falls wir sie überhaupt nochmals anschauen, an eine bestimmte Entstehungszeit zu knüpfen. In den sozialen Medien verlieren sich die Abbildungen von privaten oder öffentlichen Katastrophen und Ereignissen in einer unheimlichen Beliebigkeit.
Die wachsende Zahl von Videos und kleinen Clips erinnern zudem an ein Bonmot des Kulturkritikers Georges Duhamel: „Ich kann nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt.“ Parallel zu dieser Analyse muss man sich die wissenschaftlich belegte Erkenntnis vergegenwärtigen, dass die meisten MediennutzerInnen längere Texte kaum mehr zur Kenntnis nehmen, nur auf Emotionen reagieren und die Standards aus der digitalen Welt in ihren Alltag übernehmen.
In der persönlichen Begegnung trifft man dann öfters auf Zeitgenossen, die alles wissen und sich kaum für das Argument des anderen im konkreten Gespräch interessieren. Noch seltener wird man auf Interesse stoßen, wenn der Gesprächspartner etwa Schnappschüsse von seiner Urlaubsreise oder seinen Stadtrundgängen zeigt. Der Fakt, dass wir fortlaufend von Informationen und Bildern überfüttert werden, lässt sich in eine Metapher übersetzen, die das Problem verbildlicht: Unser Glas ist stets voll.
Eine andere Revolution sieht Benjamin ebenso in seinem Text voraus: „Mit der wachsenden Ausdehnung der Presse, die immer neue politische, religiöse, wissenschaftliche, berufliche, lokale Organe der Leserschaft zur Verfügung stellte, gerieten immer größere Teile der Leserschaft – zunächst fallweise – unter die Schreibenden.“ Die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum ist im Begriff ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.
Ein Phänomen, das die sozialen Medien auf die Spitze treiben. In den diversen Foren des Internets mutiert inzwischen jede Persönlichkeit zum Autor, verbreitet religiöse Theorien oder gibt seine politische Meinung kund. Zu Beginn wurde diese Realität mit der Idee der Demokratisierung verbunden, heute wächst hier die Skepsis, denn Millionen von neuen Autoren publizieren regelmäßig Unsinn, Falschmeldungen und Beleidigungen.
Verändern die sozialen Medien die Gesellschaft zum Negativen? Bevor man sich hier vorschnell eine Meinung bildet, erinnert man sich besser an die Weisheit, dass jede menschliche Tätigkeit, die ohne Maß betrieben wird, direkt oder indirekt krank macht. Aber, zweifellos, betrachtet man die wachsende Zeit, die der Konsument in den sozialen Medien verbringt, lässt sich das Gefahrenpotential kaum herunterspielen.
Die ganze Welt und ihre Krisen im Sekundentakt nachzuvollziehen, birgt offensichtlich die Gefahr, entweder zu verzweifeln oder sich in einer Parallelwelt mit simplen Wahrheiten zu versorgen. Stress, Angst und Panikattacken sind nach wissenschaftlicher Sicht der Preis, der das Überangebot von negativen Informationen mit sich bringt. Im Nachrichtenmagazin „Der SPIEGEL“ hat der Medienforscher McLaughlin aus seiner Untersuchung berichtet, die bestätigt, dass bei 1.100 Befragten etwa 16,5 Prozent zu diesem problematischen Medienkonsum neigen.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Nutzung der Medien oft mit der Einsamkeit der Nutzer einhergeht. Es fehlt oft an begleitenden Begegnungen, Gespräche, die die Erfahrungen und Einsichten des alltäglichen Konsums miteinander einordnen. Dass eine reale Situation nicht durch digitale Medien ersetzt werden kann, erkennt man an den Ermüdungserscheinungen, die die zahlreichen Zoom-Konferenzen in uns auslösen. Und jeder, der/die sich als RednerIn in einem virtuellen Forum versucht hat, wird schnell erkennen, wie der Mangel an direkt erfahrener Reaktion den eigenen Redefluss hemmt.
Das gleiche Phänomen werden diejenigen bestätigen, die auf eine sachliche oder Gewinn bringende Diskussion in einem sozialen Medium hoffen. Nicht zufällig endet diese Kontaktaufnahme meist schnell, es wird radikaler – im Vergleich zu einem direkten Austausch – geurteilt und verurteilt. Die Zahl der virtuellen Feindschaften dürfte in dieser Bilanz größer ausfallen, wie die Fälle des Beginns echter Freundschaft.
Natürlich gilt auch im Feld der sozialen Medien der alte Grundsatz, dass die Absicht zählt. Neben dem Rat der Mäßigung der Nutzung bietet sich hier eine weitere Ergänzung an. Wer für ein Thema mobilisiert, nach Gleichgesinnten sucht oder ein konkretes Projekt initiiert, wird in den Foren immer Erfolgserlebnisse verzeichnen. Die Theorie dazu leitet sich von einem Gedanken des Philosophen Slavoj Zizek ab, der das Virtuelle im Sinne einer Vorstufe des Realen ansieht. Dieser Mechanismus funktioniert, je nach Motivation, in einer guten und einer schlechten Dimension. Wer sich zum Ziel setzt, das Netz für ein Projekt zu nutzen oder echte Begegnungen einzuleiten, wird gesündere Erfahrungen verbuchen, im Vergleich zu denjenigen, die nur in einer imaginären Traumwelt von absoluten Wahrheiten das Spiel der Akteure beobachten.
Es ist an der Zeit für die muslimische Community, eine neue Strategie für die kreative Nutzung sozialer Medien anzudenken. Das faszinierende Potential der Mobilisierung, die das Internet ermöglicht, dürfte dabei kaum ernsthaft zur Debatte stehen. Seit Jahren gelingt es uns, in den neuen Medien die bestehenden negativen Assoziationsketten rund um das Phänomen der Muslime in Europa mit positiven Bildern zu konterkarieren. Hier seien drei weitere Beispiele genannt, die wir gemeinsam in den nächsten Jahren umsetzen können: die Neuformierung von Gilden, die Etablierung virtueller Marktplätze und die Finanzierung von richtungsweisenden Projekten durch das Crowdfunding. Die Wirkung der modernen Technologien sind ambivalent, im Ergebnis bleibt aber die Hoffnung, dass sich unsere guten Absichten letztlich durchsetzen.
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