Eine dumme Debatte um das Stadtbild verdeckt die Chancen und Verantwortung von Muslimen, positiv auf den urbanen Raum einzuwirken. (iz). Es gibt Debatten, die zu Beginn schon in die Irre […]
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Eine dumme Debatte um das Stadtbild verdeckt die Chancen und Verantwortung von Muslimen, positiv auf den urbanen Raum einzuwirken. (iz). Es gibt Debatten, die zu Beginn schon in die Irre […]
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(iz). Muslime – ob Gelehrte oder nicht – betonen zu Recht, dass Allah, Sein Gesandter und Sein Din viele Argumente gegen Rassismus liefern. Und dass kein Gläubiger, alleine schon wegen unserer gemeinsamen Abstammung von Adam, Anspruch auf irgendeinen „rassischen“ Vorrang erheben kann.
Der US-amerikanische Gelehrte und beliebte Imam Schaikh Zaid Shakir sieht diese Ideologie und ihre Praxis als zentrales moralisches Problem, das im Widerspruch zu Allahs Din steht. Er betont, dass Rassismus im Islam nicht nur verboten, sondern theologisch mit der Haltung Satans identisch sei, der sich über Adam erhob, weil er sich aus „besserem Stoff“ erschaffen glaubte.
Foto: Archiv
Unser Herr habe die Verschiedenheit der Hautfarben als Zeichen Seiner Größe geschaffen, nicht zur Hierarchie. Der Schaikh erinnert bspw. in einem Interview daran, dass der Prophet Muhammad schwarze Gefährten wie Bilal ibn Rabah in hohe Positionen erhob und so soziale Barrieren aufbrach.
Er ruft Muslime in den USA dazu auf, Rassismus in eigenen Gemeinden offen anzusprechen statt mit Phrasen wie „Wir sind eine Umma“ zu verdrängen. Schwarze, so Shakir, litten noch immer unter subtiler und institutioneller Diskriminierung.
Islamische Ethik verlange, Machtverhältnisse zu reflektieren, Privilegien abzubauen und Solidarität aktiv zu leben – nicht nur in Worten, sondern in religiösem und sozialem Handeln.
Auch in Deutschland leiten manche Muslime – aus verschiedenen ethnischen Milieus – aus diesem Imperativ und Gebot des Antirassismus ab, dass sie deshalb keine Rassisten sein können, weil „der Islam“ das ja verbiete.
Die Realität sieht bei uns – ähnlich wie in den USA – anders aus. Schwarze Geschwister berichten von Diskriminierungen in manchen Gemeinschaften. Und insbesondere bei der Heiratssuche wird ihnen von eingewanderten Eltern nicht selten die Zustimmung verweigert.
PressF, ein Medien- und Kommunikationsprojekt der Nürnberger Bildungseinrichtung Tugendclub, hat vor Kurzem ein langes Hintergrundgespräch mit dem Aktivisten und Content Creator Suraj Mailitafi über antischwarzen Rassismus geführt – in der Mehrheitsgesellschaft wie unter MuslimInnen. Er beschreibt eindrücklich, dass es kein Randphänomen ist, vielmehr tief in Strukturen verwurzelt.
Er betont, dass die Mehrheit der Gesellschaft so sozialisiert sei – nicht zwangsläufig aus bewusster Feindseligkeit, eher weil rassistische Denkmuster und Narrative historisch, kulturell und institutionell weitergegeben werden. Rassismus beginne nicht mit Hass, sondern mit unbewussten Vorurteilen, die in Schule, Medien, Politik und Alltag fortbestehen.
Foto: Denisha DeLane, Shutterstock
Der aus Ghana stammende Aktivist und Naturwissenschaftler kritisiert die deutsche Neigung, Rassismus als überwunden zu betrachten. Viele Weiße reagierten defensiv, sobald sie auf rassistische Strukturen hingewiesen werden. Aussagen wie „Ich sehe keine Farben“ hält er für problematisch, weil sie bestehende Ungleichheiten unsichtbar machen.
Die Hautfarbe beeinflusse, wie Menschen wahrgenommen, behandelt und welche Chancen ihnen eingeräumt werden. Wer behauptet, „farbenblind“ zu sein, verweigere damit, reale Diskriminierung anzuerkennen.
Für Mailitafi ist Rassismus kein individuelles Fehlverhalten, sondern ein gesellschaftlich tief verankertes System. Von Bewerbungsverfahren über Bildung bis hin zur Polizeiarbeit prägen koloniale Kontinuitäten und institutionelle Vorurteile die Lebensrealität von Schwarzen.
Er beschreibt Racial Profiling als gängige Erfahrung, bei der sie häufiger kontrolliert oder verdächtigt werden, weil sie als Gefahr gelten. Dies sei kein Zufall, sondern Folge ihrer historischen Entmenschlichung im Kolonialismus, als sie als minderwertig dargestellt wurden, um Ausbeutung und Versklavung zu rechtfertigen.
Antischwarzer Rassismus, so erklärt Mailitafi, unterscheide sich von allgemeiner Diskriminierung durch seine besondere Verknüpfung mit kolonialer Gewalt und pseudowissenschaftlichen Ideologien. Diese Denkmuster wirken bis heute fort – etwa in der ungleichen globalen Wohlstandsverteilung, in der Afrika wirtschaftlich ausgebeutet und kulturell marginalisiert bleibt.
Ein besonders sensibler Teil des Gesprächs betrifft Rassismus in muslimischen Gemeinschaften. Mailitafi beobachtet, dass er auch hier existiert – obwohl sie selbst Ausgrenzung erfahren.
Viele Moscheegemeinden blieben ethnisch homogen, etwa türkisch, arabisch oder afghanisch geprägt, und unterschieden sich in Sprache, Kultur und sozialem Zugang. Das führe dazu, dass Schwarze sich oft ausgeschlossen fühlten. Bei manchen predige man über Gleichheit im Islam, praktiziere sie aber im Alltag nicht.
Mailitafi fordert die Moscheegemeinschaften deshalb auf, sich aktiv mit antischwarzem Rassismus auseinanderzusetzen. Der erste Schritt sei, offen über das Thema zu sprechen und es in Bildung und religiöse Praxis einzubetten. Moscheen sollten Workshops anbieten, Diversität fördern und Vorstände divers besetzen.
Er lobt als Beispiel eine Moschee in Osnabrück, eine Gemeinschaft mit über 30 Nationalitäten, in der Predigten auf Deutsch gehalten und interkulturelle Brücken betont werden. Solche Ansätze ermöglichten echte Begegnung und gegenseitiges Verständnis.
Foto: Reem Faruqi
Mailitafi nannte zusätzliche subtilere Rassismusformen innerhalb muslimischer Gemeinschaften – besonders bei der Partnersuche. Er beschreibt, dass in vielen Familien und Gemeinden ein tief verwurzeltes „ethnisches Sortieren“ existiere, das sich religiös rationalisieren lasse, tatsächlich aber rassistische Strukturen reproduziere.
So seien Schwarze – etwa aus afrikanischen Ländern bzw. mit afroeuropäischer Herkunft – oft nicht als gleichwertige Partner für arabische, türkische oder südasiatische Muslime akzeptiert.
Er betonte, dass diese Haltung nichts mit islamischer Theologie zu tun habe, sondern auf gesellschaftliche Hierarchien und koloniale Denkmuster zurückgehe, die auch in migrantischen Moscheegemeinschaften fortwirkten. Und erinnert daran, dass der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, die Ebenbürtigkeit aller Gläubigen unterstrich und Ehen zwischen verschiedenen Ethnien befürwortete.
Wenn aber in heutigen Moscheen oder Familien „Hautfarbe und Herkunft“ noch über Liebes- und Eheentscheidungen entscheiden, zeige das, wie stark unbewusste Überlegenheitsgedanken weiterleben.
Er ruft daher zu offener Selbstkritik auf: Muslimische Gemeinden müssten die Frage der Eheschließung und Partnerwahl nicht nur als private, sondern als gesellschaftliche und politische Fragestellung begreifen. Denn Rassismus beginne oft dort, wo Menschen sich einbilden, „keine Vorurteile“ zu haben – aber dennoch andere ausschließen.
Hier geht es zum ganzen Interview: https://www.youtube.com/watch?v=-GMRCGijKXc
(iz). Suizidalität ist eine tiefgreifende Krise, die alle gesellschaftlichen und religiösen Schichten betrifft. Obwohl der Islam ihn klar verbietet, ist auch die muslimische Gemeinschaft betroffen. Es handelt sich um ein komplexes Phänomen, das sowohl Moscheen als auch private Räume berührt. Ziel ist es, das Thema zu enttabuisieren, Menschen mit suizidalen Gedanken und ihre Angehörigen zu entlasten, Hoffnung zu vermitteln und Warnsignale besser zu erkennen. Von Amin Loucif
Gleichzeitig soll gezeigt werden, welche Schritte im Ernstfall wichtig sind, etwa professionelle Hilfe zu suchen, und was vermieden werden sollte, z B. abwertende Reaktionen oder das Verstärken von Schuldgefühlen. Suizidgedanken sind nicht einfach ein Zeichen mangelnden Glaubens, sondern ein Hilferuf eines Menschen in tiefer seelischer Not.
Häufig sind sie ein Symptom psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen bzw. die Folge traumatischer Erfahrungen und belastender Lebensumstände. Spirituelle Stärkung kann im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes (spirituell, biologisch, psychologisch, sozial) unterstützend wirken. Wenn wir Suizidgedanken als Hilferuf verstehen, können wir mit mehr Mitgefühl und Verständnis reagieren. Statt zu urteilen, sollten wir zuhören und Unterstützung anbieten.
Foto: Nik Shuliahin, Unsplash
Schweigen schafft Distanz, Reden kann Nähe und Entlastung bringen. Wer fragt: „Geht es dir wirklich gut?“ oder „Wünschst du dir manchmal am liebsten nicht mehr aufzuwachen?“, signalisiert: Du bist nicht allein. Diese einfachen Fragen können Leben retten, weil sie es Betroffenen ermöglicht, ihre Last mitzuteilen und Unterstützung anzunehmen.
Diese veränderte Haltung schafft eine Umgebung, in der Menschen sich sicher fühlen, um Hilfe zu bitten. Hilfreiche Hinweise und Unterstützungsangebote finden sich unter www.pzm.center/notfall.
Der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, sagte sinngemäß: „Keiner von euch soll sich den Tod wünschen. Wenn er (rechtschaffen und) wohltätig ist, könnte er (seinen Wohltaten) noch mehr hinzufügen, und wenn er ein Sünder ist, könnte er sich von der Sünde abkehren.“
Und auch: „Keiner von euch soll sich den Tod wünschen, weil er von einem Unglück heimgesucht wird. Aber wenn er es unbedingt tun will, dann lasst ihn sagen: ‘O Allah! Lass mich so lange leben, wie es für mich besser ist, und lass mich sterben, wenn der Tod besser für mich ist.’“ (Riyad As-Salihin)
Anas, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: „Wenn ich nicht den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagen gehört hätte ‘wünscht euch nicht den Tod’, so hätte ich ihn mir gewünscht.“ (Bukhari)
Allah verbietet Suizid eindeutig. Prophetische Überlieferungen betonen die Schwere der Tat: Wer sich selbst tötet, läuft Gefahr, im Jenseits die Art seines Todes wiederholt zu erleiden. Diese Warnung schützt das von Allah geschenkte Leben.
Gleichzeitig hebt die islamische Gelehrsamkeit die Bedeutung der Zurechnungsfähigkeit und des Verstandes (Al-Aql) hervor: Bei Menschen in massiven psychischen Krisen, etwa bei schwerer Depression, Psychosen oder Traumata, kann es vorkommen, dass sie nicht mehr voll verantwortlich handeln.
Allahs Urteil gründet allein auf seinem Wissen um den inneren Zustand. Hadithe verdeutlichen, dass jeder Fall individuell ist: Ein Sahaba, der nach der Hijra seinem Leben ein Ende setzte, erhielt Vergebung (Muslim), während ein anderer Kämpfer, der sich aufgrund seiner schweren und schmerzhaften Verletzung tötete, als Bewohner des Höllenfeuers bezeichnet wurde (Muslim). Dies zeigt: Das endgültige Urteil liegt bei Allah.
Angehörige dürfen auf Seine Barmherzigkeit und Vergebung hoffen, während die religiöse Warnung bestehen bleibt – Suizid ist kein Ausweg. Solche Gedanken entstehen oft aus komplexen Ursachen, u.a. chronische Krankheiten, seelisches Leiden, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schmerzen oder Überforderung.
Auch unter den Prophetengefährten gab es Lebensmüdigkeit, die sensibel und situationsbezogen behandelt wurde. Ebenso ist zu unterscheiden, ob man trauernde Familien begleitet oder präventiv die Gemeinschaft warnt, die prophetische Sprache war immer behutsam.
Muslime in Deutschland erleben zusätzlich spezifische psychosoziale Belastungen. Diskriminierung mindert das Zugehörigkeitsgefühl und erhöht psychischen Druck; Studien zeigen klare Zusammenhänge zwischen Islamophobie, Rassismus und seelischen Notlagen.
Auch globale Konflikte (z. B. Palästina, Afghanistan, Sudan, Syrien) wirken über kollektive Verbundenheit tief auf die Seele. Hinzu kommt die wachsende Einsamkeit, die sich zunehmend als Risikofaktor für mentale Krisen und Suizidgedanken erweist.
Foto: golibtolibov, Adobe Stock
Bei der Bewältigung solcher Gedanken kann ein ganzheitlicher Ansatz hilfreich sein. Das spirituell-bio-psycho-soziale Modell betont, dass verschiedene Lebensbereiche zusammenwirken und alle bei der Unterstützung eines Menschen mit suizidalen Gedanken berücksichtigt werden sollten.
Für gläubige Muslime kann die spirituelle Ebene eine bedeutsame Stütze darstellen: Der Rückgriff auf religiöse Werte, Gebet und die Verbindung zu Allah vermittelt Hoffnung, Sinn und Halt. Gespräche mit Imamen bzw. anderen Vertrauenspersonen dieser Ebene können die professionelle Hilfe sinnvoll ergänzen.
Ebenso wichtig ist die biologische Seite. Körperliche Erkrankungen bzw. Störungen können depressive Symptome verstärken und sollten medizinisch abgeklärt werden. Auch wiederholte Bewegung, etwa Spaziergänge oder Sport, kann die Stimmung stabilisieren.
Auf psychologischer Ebene helfen Psychohygiene (einfache Maßnahmen zur seelischen Selbstfürsorge wie regelmäßige Pausen, bewusst wahrzunehmen, was einem guttut oder schadet, aktiv für Ausgleich im Alltag zu sorgen), psychotherapeutische Gespräche, belastende Gedanken und Gefühle zu ordnen und Strategien zur Krisenbewältigung zu entwickeln, wodurch Hoffnungslosigkeit reduziert und neue Perspektiven eröffnet werden können.
Abschließend spielt die soziale Dimension eine zentrale Rolle: Unterstützung durch Familie, Freunde, Gemeinde und Netzwerke kann Isolation verringern und Schutz bieten. Offene Gespräche und die Ermutigung, Hilfe anzunehmen, sind entscheidend, damit Betroffene nicht allein bleiben.
Sätze wie „ich bin für dich da“, „inscha’Allah schaffen wir das gemeinsam“ oder „wie kann ich dir helfen, soll ich dich z.B. zum Arzt begleiten?“ sind wichtige Signale.
Foto: Seventyfour, Adobe Stock
Die klinische Praxis in Deutschland und Europa basiert größtenteils auf westlichen Studien, die die einzigartigen kulturellen und religiösen Schutzfaktoren und Risikofaktoren muslimischer Populationen oft unzureichend erfassen.
Die Notwendigkeit einer kultur- und religionssensiblen Betrachtung ist unbestreitbar, insbesondere angesichts der abgezielten Belastungen durch Diskriminierung und Kollektivtrauma.
Nur durch die Integration dieser spezifischen Erkenntnisse kann eine effektive und akzeptierte psychosoziale Versorgung und Suizidprävention in muslimischen Gemeinschaften erfolgen. Auch müssen Imame und Multiplikatoren in Psychosozialer Erste Hilfe ausgebildet werden.
Deswegen sollten unbedingt Organisationen, Gemeinden, lokale Vereine und Projekte unterstützt werden, die sich darauf spezialisiert haben, beispielsweise das Psychosoziale Zentrum für Muslime (www.pzm.center), Parinova e.V. (www.parinova.de), Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe e.V. (www.iase-ev.de) und weitere wichtige Akteure.
www.islamundpsychologie.de/artikel_6_was_kann_ich_tun-a.htm https://www.islamundpsychologie.de/artikel_6_was_kann_ich_tun-b.htm (Artikel mit islampsychologischen Hilfestrategien und Anlaufstellen
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in- verschiedenen-facetten/suizidalitaet (Deutsche Depressionshilfe mit vielen Informationen für Betroffene und Angehörige)
www.moodgym.de (Begleitendes Selbsthilfeprogramm bei depressiven Symptomen)
Über den Autoren: Amin Loucif ist deutsch-algerischer Psychologe, psychologischer Psychotherapeut sowie Dozent und Berater, der sich auf die Verbindung von islamischer Seelsorge und moderner Psychotherapie spezialisiert hat. Nach seinem Psychologiestudium erlangte er 2014 den Master of Science an der Universität Düsseldorf und bildete sich danach weiter zum psychologischen Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Klärungsorientierter Psychotherapie in Bochum.
Er verbindet in seiner Arbeit klassische therapeutische Ansätze mit spiritueller Beratung und nutzt dabei auch Methoden wie die Emotionsregulationstechnik für Muslime (ERT-M). Seine Berufserfahrung reicht von klinischer Rehabilitation für Abhängigkeitserkrankungen über die Familienhilfe bis zur ambulanten Therapie für Jugendliche und junge Erwachsene.
Loucif engagiert sich auch in der islamisch geprägten Gesundheitsförderung, etwa als muslimischer Seelsorger, und gibt regelmäßig Seminare im In- und Ausland, u.a. an Studenten und Imame. Besonders prägend für seine therapeutische Arbeit ist sein Verständnis des islamischen Menschenbilds, das von Respekt, Wärme und Nächstenliebe geprägt ist. Loucif ist auch als Dozent im Bereich der Islamwissenschaften tätig und betreibt eine eigene psychotherapeutische Praxis in Düsseldorf und Wuppertal. Website: www.instagram.com/islamundpsychologie und pzm.center/
Muslime aus Europe: Überlegungen zu geteilter Geschichte und dem Alltagsleben. Ein Überblick von Yahya Birt (iz). Die Geschichte des Islam in Europa unter Berücksichtigung einer umfassenden geografischen Definition zu betrachten, […]
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(iz). Es gibt Bücher, die sind für die kommende Saison oder ein aktuelles Thema geschrieben. Daran ist nichts verkehrt, solange sie ihren Zweck erfüllen.
Daneben existieren Werke, die über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg relevant sind. Das trifft auf „islamische Texte“ ebenso zu. Allerdings ist die Einordnung eines Buches als „islamisch“ nur unter eng gefassten Kategorien möglich.
In unserer Sprache ist dazu (noch) nicht viel vorhanden. Ein bleibendes Werk ist das (zu Unrecht so benannte) „Hadith für Schüler“ – die jahrzehntealte Übersetzung der „Arba’in“ von Imam An-Nawawi durch Abdullah Bubenheim. Was diesen Titel unverzichtbar macht, sind seine Fundamentalkommentare aus der traditionellen Lehre – ein beinahe subversiver Akt angesichts der damaligen Dominanz ideologisierter Islamdeutungen.
Ebenfalls genannt werden muss das „Handbuch Islam“ von A. Reidegeld, das erste und beste Kompendium über die Ibadat und Glaubenslehre aus Sicht der vier Schulen. Schließlich wären die deutschen Übersetzungen des „Kitab Asch-Schifa“ und der „Muwatta“ von Imam Malik zu nennen (beide durch Abdulhafidh Wentzel).
Jenseits dessen wird die Luft auf dem heimischen Buchmarkt schon dünn. Jetzt hat der in Köln sitzende Verlag Plural Publications im Juni mit „Heimwärts“ von Schaikh Abdal Hakim Murad einen Titel von gleicher Relevanz veröffentlicht.
Die von Tariq Cviko übersetzte Sammlung der Essays des britischen ‘Alims und Professors erschien 2020 als „Travelling Home“. Das Buch ist kein klassisches Werk über Fiqh, Glaubenslehre, Hadithe oder einer der verschiedenen Wissenschaften des Islam.
Das macht „Heimwärts“ nicht weniger wichtig. Im Gegenteil. Es füllt eine riesige Lücke: eine erhellende, mutige und polemische Reflexion über den Daseinszweck der europäischen Muslime.
Das Buch erinnert uns an die die Rückbindung zu Allah und die Schicksalhaftigkeit unserer Existenz an diesem Ort, in dieser Zeit. Man merkt: Hier schreibt nicht nur jemand mit dem nötigen Wissen, sondern auch mit der gebotenen Leidenschaft und Ernsthaftigkeit.

Foto: Cambridge Muslim College
Seine inhaltlich verschiedenen Essays behandeln die Herausforderungen hiesiger Muslime im 21. Jahrhundert. Murad, selbst Europäer, betrachtet den westlichen Umgang mit Allahs Din als eine Geschichte, in der der Westen sich oft als Gegenpol dazu definiert hat.
Der zentrale Gedanke des Buches ist die Hoffnung auf sein Wachsen und Gedeihen selbst an Orten, die aus muslimischer Sicht kulturell entfremdet oder säkularisiert sind.
Eine wichtige Figur ist dabei für ihn Ismail. Der Sohn Ibrahims ist in Murads Denken ein Referenzpunkt. Und steht für eine tiefe Verbindung zu den ursprünglichen Quellen und zur Tradition des Islams, die im modernen Europa lebendig gehalten und neu interpretiert werden soll.
Dabei wird schon aus der furiosen Einleitung klar, dass sie für den britischen Gelehrten nichts Antiquarisches oder zu Bewahrendes ist, sondern ein Feuer im Kern, dass den Din vital erhält.
Gleich im ersten Aufsatz erinnert er die europäischen MuslimInnen, dass ein Verständnis für den sie umgebenden Ort Teil des abrahamitischen Maqam ist. Muslim zu werden, oder sich das traditionelle Bewusstsein von Allahs überwältigender Allgegenwart bewahrt zu haben, bedeute, das Land mit Verständnis zu betrachten.
Und daher Wurzeln zu schlagen sowie sich mit dem Ort auseinanderzusetzen. Murad selbst versteht seine „Sammlung polemischer Essays“, als Gegenentwurf zur heutigen Gewohnheit, Islam und Europa als fremde Phänomene zu begreifen.
Ein wichtiges Gegensatzpaar negativer Begriffe „Tanfir“ und „Assimiliation“, die den gesamten Text durchziehen. Der Grundgedanke ist, dass die exklusive Abgrenzung (Tanfir) der vermeintlichen „Reinen“ und die Aufgabe der religiösen Identität zugunsten einer Assimilation problematisch sind. Er plädiert stattdessen für einen ausgewogenen Weg, bei dem Muslime ihr Selbstverständnis bewahren und gleichzeitig in Europa verwurzelt sind, ohne sich entweder in Abgrenzung zu verlieren oder sich vollständig aufzulösen.
Die Relevanz seines Denkens zeigt sich in der begründeten Ablehnung politisierter und/oder postmoderner Begrifflichkeiten. So widersetzt sich Murad mutig der Gleichsetzung des Hasses auf Muslime mit einer „Form von Rassismus“.
Ihre Vertreter missachteten den Wunsch vieler religiöser Gemeinschaften, als Glaube wahrgenommen zu werden. Stattdessen würden sie als Ethnie oder Hautfarbe definiert; auch von ihren vermeintlichen FreundInnen.
„Da sich etwa neun Prozent der britischen Muslime bei der Volkszählung 2011 als ‘weiß’ bezeichneten, und die Mehrheit der Schweizer Muslime ebenfalls ‘weiß’ ist, könnte die Auffassung, dass Islamophobie mit Rassismus verknüpft sei, sich selbst als eine Form rassischer Diskriminierung erweisen. Denn sie de-islamisiert oder marginalisiert europäischstämmige Ismaeliten aus ‘rassischen’ Gründen.“
Darüber hinaus ignorierten diese „Antirassisten“ die Sicht des Qur’an, „der für die muslimische Debatte maßgeblich ist“. Die Feindschaft gegenüber dem Propheten ließe sich nur verstehen, wenn man erkenne, „dass sie ihrem Wesen nach auf dem Din beruhte, nicht auf der Stammeszugehörigkeit“.

Foto: Salsabil Morrison
„Heimwärts“ ist nicht nur ein Buch, dessen Inhalte zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Thema anregen. Es ist gleichermaßen ein Text, der Widerspruch herausfordert und zu ihm einlädt, ohne dadurch etwas von seiner Relevanz und Wichtigkeit zu verlieren: So hat sich sein Autor in meinen Augen für eine falsche Interpretation der abendländischen Geschichte entschieden.
In seiner Darstellung entstanden Liberalismus und alle säkularen Folgeideologien gegen das Christentum – letztendlich als die bösen Anderen. Stattdessen kann man Liberalismus und Moderne als Kinder der Tradition verstehen. Sie sind ihre Nachkommen und aus ihren Widersprüchen erwachsen.
Man muss nicht so weit gehen wie Heidegger und den Verfall bei Sokrates beginnen lassen. Nur, die Grundsteine für die wesentlichen Elemente der kapitalistischen Seinsweise bestanden in Mehrheit, bevor es mit der Reformation losging.
„Heimwärts“ von Schaikh Abdal Hakim Murad ist Pflichtlektüre für alle, die sich für die Möglichkeit und das Schicksal des Islams bzw. der Muslime in Europa interessieren. Und gerade für den aktivistischen Teil unserer Gemeinschaften, die hier an Gegensätzen mitbauen, wo es keine gibt.
* Abdal Hakim Murad, Heimwärts – Über den Islam in Europa, Plural Publications 2025, Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3949982712, Preis: EUR 17,95
Yangon (KNA). Anlässlich des 8. Jahrestags der Vertreibung der Rohingya am 25. August haben internationale Organisationen an die Lage der ethnisch-religiösen Minderheit in Myanmar wie in Bangladesch erinnert.
„Die Urheber und Täter des Völkermords an den Rohingya – das myanmarische Militär – agieren weiterhin völlig ungestraft“, kritisierte Marzuki Darusman vom „Sonderbeirat für Myanmar“ (SAC-M) in einer am 24. August veröffentlichten Erklärung. SAC-M ist eine Gruppe internationaler Menschenrechtsexperten und ehemaliger UN-Diplomaten zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Myanmar.
Foto: UNICEF/UN0119963/Brown
Bereits am 22. August hatte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros in Genf, Jeremy Laurence, betont: „Die Beendigung der Straflosigkeit und die Gewährleistung ihres Rechts auf Sicherheit, Staatsbürgerschaft und Gleichberechtigung sind unerlässlich, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.“
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind zwischen Anfang 2024 und Mitte 2025 rund 150.000 der rund 650.000 noch in Rakhine lebenden Rohingya nach Bangladesch geflohen.
Denn laut SAC-M sind im Rakhine-Staat im Westen Myanmars die Rohingya aufgrund des militärischen Konflikts zwischen Myanmars Junta und der Arakan Armee (AA) ernsthaften Gefahren ausgesetzt. Beiden Kriegsparteien werden Gräueltaten sowie Zwangsrekrutierungen vorgeworfen. Auch erlitten Hunderttausende Menschen Hunger.
Yanghee Lee von SAC-M sagte: „Wir wiederholen unseren Aufruf an die Arakan-Armee als De-facto-Behörde, die Einreise internationaler unabhängiger Ermittlungsteams in den Rakhine-Staat zu erleichtern, um diese mutmaßlichen Gräueltaten zu untersuchen, und uneingeschränkt mit ihnen zu kooperieren.“
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Rehman Asad
Die AA kontrolliert den größten Teil von Rakhine und hat in ihren Gebieten eigene Verwaltungen aufgebaut.
Eine UN-Konferenz zur Lage der Rohingya ist für den 30. September in New York geplant. In einer gemeinsamen Erklärung fordern nun mehr als 50 internationale Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International und Fortify Rights, die UN auf, eine Beteiligung der Rohingya sicherzustellen. Sie seien „besorgt über die mangelnde Vertretung der Rohingya auf der Konferenz“.
Notwendig sei „eine breitere Palette an Stimmen, darunter auch Rohingya-Frauen, junge Menschen und eine vielfältige, von Rohingya geführte Zivilgesellschaft aus Myanmar, Bangladesch und der weltweiten Diaspora“.
Am 25. August 2017 begann das Militär von Myanmar mit der brutalen Vertreibung von rund 750.00 muslimischen Rohingya aus Rakhine nach Bangladesch. Eine kleine Minderheit sind Hindus und Christen.
Mehr zum Thema Rohingya findet ihr hier: https://islamische-zeitung.de/category/themen/die-rohingya/
(iz). Nicht Klimawandel, hybride Kriegführung Russlands, Rechtsruck oder Wirtschaftskrise scheinen Teile der Deutschen so zu fürchten wie die Schreckwörter „Umvolkung“ und „Islamisierung“. Während das erste Phänomen eine extrem vage Verbindung zur Wirklichkeit hat – den realen demografischen Wandel –, entbehrt das Letztere jeder Grundlage.
Nicht nur Muslime hier wenden sich seit Jahren gegen das Zerrbild einer „Islamisierung“ und den damit verbundenen Generalverdacht. Ihre große Mehrheit lebt gesetzestreu und zeigt so, dass es keinerlei reale Bestrebungen gibt, ein solches Projekt zu verfolgen.
Renommierte Experten wie der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe, Direktor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, argumentieren seit Langem gegen diese weitverbreitete Verschwörungstheorie.
Der Begriff „Islamisierung“ ist ein zentraler Kampfbegriff in der Debatte, insbesondere im rechtskonservativen und -populistischen Spektrum. Der frühere AfD-Politiker Alexander Gauland etwa nutzte diese Terminologie regelmäßig, um eine vermeintliche Bedrohung der deutschen Kultur und Gesellschaft durch „den Islam“ zu beschwören.
So sagte er beispielsweise 2018 auf dem Bundesparteitag: „Wir wollen keine Islamisierung Deutschlands. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“
Auch seine Parteikollegin Von Storch sprach 2017 auf Facebook von einer „schleichenden Islamisierung“ und „Unterwanderung“ der deutschen Werte: „Wir erleben eine schleichende Islamisierung unseres Landes, die von der politischen Elite nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert wird.“
Foto: Nicolaus Fest, via flickr | Lizenz: CC BY-ND 2.0
Der einflussreiche Psychologe und Publizist Ahmad Mansour nutzt diese pauschalisierte Markierung nicht. Er kritisierte seine Nutzung 2018 in einem Interview: „Der Begriff ‚Islamisierung‘ wird von Rechtspopulisten benutzt, um Angst zu schüren. Es gibt Herausforderungen durch den politischen Islam, aber eine pauschale Islamisierung findet nicht statt.“
Frei von verschwörungstheoretischen Sprachbildern ist er hingegen nicht. Differenzierter und in Abgrenzung zu plumpen Rechtsextremen warnte er wiederholt vor „Unterwanderung“ in der Bundesrepublik durch den „politischen Islam“.
Dieses Vokabular taucht in seinen Texten wie bei öffentlichen Auftritten auf. „Unterwanderung bedeutet nicht, dass wir in zehn Jahren ein Kalifat in Deutschland haben. Ich meine damit, dass der Einfluss von Jahr zu Jahr größer wird. (…) Wir sehen es in den letzten Monaten, beispielsweise daran, wie DITIB-Moscheen genehmigt werden; zuletzt in Wuppertal, ohne dass Politiker eine Ahnung haben, was die Imame dort predigen“, sagte er im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“.
Dass muslimische Gemeinschaften von der rechtlich einwandfreien Möglichkeit Gebrauch machen, Gebäude zu errichten, scheint schon problematisch.
Mit einer solchen Rhetorik lässt sich nahezu jede Alltagspraxis als potenziell gefährlich interpretieren, ohne sich allzu offen im rechten Spektrum zu positionieren. Mansour sagte etwa 2022 dem Magazin „Cicero“:
„Die Islamisten sind nicht kurz davor, unsere Gesellschaft zu übernehmen, sie haben aber Macht. Vor allem auf lokaler Ebene haben sie schon einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Und in manchen Parteien sind die dritten bis vierten Reihen bereits besetzt durch Islamistenunterstützer oder Verharmloser.“
Während sich die Rhetorik am rechten Rand häufig verschwörungstheoretischer Sprachbilder bedient, greifen solche bürgerlichen Stimmen auf Techniken wie Assoziation, Generalverdacht oder den Verweis auf Extremfälle zurück.
Nicht selten muss dabei das Beispiel Berlin stellvertretend für alles Muslimische herhalten. Abgesehen von fragwürdig zitierten Umfragen mangelt es beiden an der empirischen Grundlage, die für eine seriöse Debatte unerlässlich wäre.
In vielen deutschen Landesregierungen und in der Bundesregierung sitzen eine Handvoll von Ministern und Staatssekretären mit Zuwanderungsgeschichte. Keiner von diesen wie Staatsministerin Güler ist dafür bekannt, praktizierende Muslimin oder gar „Islamistin“ zu sein.
Nach Jetztstand gibt es im Bund und den Landtagen zwar Abgeordnete mit muslimischem Hintergrund. Unter ihnen – darunter den 19 MandatsträgerInnen des Bundestags mit „muslimischem Migrationshintergrund“ – gibt es kaum, bis gar keine Parlamentarier, die praktizieren würden.
Schauen wir auf die Bereiche Staat, Bürokratie und Ämter, zeigt sich ein ähnliches Bild: Selbstverständlich arbeiten im öffentlichen Dienst, in der Verwaltung und bei der Polizei praktizierende Muslime.
Gleiches gilt für die Bundeswehr, in der Schätzungen zufolge zwischen 1.600 und 6.000 Menschen islamischen Glaubens ihrem Land dienen. Einzelne Angehörige der Streitkräfte sind dafür bekannt geworden, wie sie ihren Militärdienst mit ihrer Religionspraxis in Einklang bringen.
Foto: Bundeswehr/Rolf Klatt
Bei Parteien und deren Organen zeigt sich ein ähnliches Bild: Es gibt zwar prominente Mitglieder mit Migrationshintergrund, doch es mangelt an sichtbaren Vertretern, die offen für die Belange religiös praktizierender Personen eintreten oder entsprechende Gesetzesinitiativen anstoßen.
Dieses Defizit wird von Beobachtern und Teilen der Community kritisiert, da sich viele dadurch politisch nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Auch bei den Parteistiftungen ist die Lage vergleichbar: Sichtbare und bekennende Muslime in Führungspositionen sind nur selten zu finden.
Ein Grund dafür ist, dass Parteien ihre Repräsentanten in erster Linie wegen der Wählbarkeit und weniger nach identitätspolitischen Kriterien auswählen.
Bei der Wissensproduktion und -vermittlung – an Universitäten, in Forschungseinrichtungen, Stiftungen und Massenmedien – sind bekennende und praktizierende Muslime vertreten. Abgesehen von einer kleinen Gruppe, die überwiegend in den Fachgebieten Islamwissenschaft, Theologie oder Migration tätig ist, bleibt ihre Zahl begrenzt.
Ähnliches gilt für andere öffentliche Institutionen: Zwar gibt es dort Mitarbeiter und Stipendiaten mit einem solchen Hintergrund, doch kaum jemanden, der eine einflussreiche Führungsposition innehat.
Das Bild in Qualitäts- und Massenmedien ist vergleichbar. Die Zahl muslimischer Journalistinnen und Journalisten – festangestellt bzw. freiberuflich – ist in den letzten Jahren gestiegen. Doch in Spitzenpositionen wie Ressortleitungen oder Chefredaktionen sind bislang keine Angehörigen der Community bekannt.
Stellungnahmen, etwa vom Zentralrat, kritisieren diese mangelnde Sichtbarkeit und Repräsentanz islamischen Lebens in zentralen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in der Medienlandschaft.
In der freien Wirtschaft – allen voran in den obersten Führungsebenen wie Aufsichtsräten, Geschäftsführungen oder dem Top-Management großer Konzerne – sind in Deutschland bislang keine praktizierenden Muslime öffentlich bekannt.
Weder die verfügbaren Quellen noch Berichte nennen Beispiele für Personen, die in DAX-Unternehmen, bedeutenden Mittelständlern oder in Aufsichtsgremien der deutschen Wirtschaft eine herausgehobene Rolle einnehmen. Aktuelle Analysen zur Diversität in Unternehmensführungen heben die geringe Repräsentanz von Menschen mit einem solchen Hintergrund – und insbesondere von offen praktizierenden Muslimen – hervor.
Zwar arbeiten Millionen als Arbeiter und Angestellte, doch in den höchsten Leitungsfunktionen sind sie bislang weder sichtbar noch öffentlich präsent.
Alleine schon dieser oberflächliche Blick auf die deutschen Verhältnisse zeigt, dass die Angst- und Schlagworte „Islamisierung“ bzw. „Unterwanderung“ nicht begründet sind, wenn es um relevante Schlüsselstellungen in Staat, Gesellschaft oder Wirtschaft geht. Die damit verbundenen Narrative mögen beim Zielpublikum ankommen, die Wirklichkeit bilden sie nicht ab.

Foto: FAU/Boris Mijat
Der Begriff „Islamisierung“ werde laut dem oben erwähnten Mathias Rohe häufig zur Beschreibung „islamistisch-extremistischer Entwicklungen“ genutzt, sei aber irreführend. Tatsächlich handele es sich dabei um eine politische Ideologie, die eine islamische Gesellschaftsordnung über den säkularen Staat stellen wolle.
Nur ein kleiner Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland unterstütze solche Positionen. Das zeigten zahlreiche Studien. Die Mehrheit lebe religiös im privaten Rahmen. Er warnte vor pauschalen Unterstellungen: Spirituelle Praktiken wie das Tragen eines Kopftuchs oder ein Verzicht auf den Handschlag sollten nicht vorschnell als Zeichen von Extremismus gewertet werden.
Wer Normalität mit „Islamismus“ verwechsle, betreibe eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr. Feindliche Pauschalurteile förderten nicht Sicherheit, sondern Radikalisierung.
Er wies darauf hin, dass zahlreiche seriöse Erhebungen (darunter die BAMF-Studien zum muslimischen Leben 2020 sowie die spätere Untersuchung zur Zusammengehörigkeit) entsprechende Erkenntnisse lieferten. Verschiedene Untersuchungen des Bertelsmann-Religionsmonitors kämen zu ähnlichen Ergebnissen.
Der Wissenschaftler betonte, dass manche Studien mit problematischen Fragestellungen im deutlichen Gegensatz zu seriösen stünden. So werde beispielsweise kritisiert, dass Befragte gefragt würden, ob ihnen die Regeln ihrer Religion – wie etwa „die Scharia“ – wichtiger seien als das deutsche Recht.
Durch eine solche Methodik werde ein fundamentaler Widerspruch suggeriert, der in Wirklichkeit nicht existiere. Dies bestehe zum größten Teil aus religiös-ethischen Vorschriften, die grundsätzlich durch die Religionsfreiheit geschützt seien.
Hinsichtlich rechtlicher Normen lehre diese, dass gläubige Muslime die Gesetze des Landes, in dem sie leben, respektieren müssten, was für die Mehrheit ohnehin selbstverständlich sei. „Wer tatsächlich vorhandene problematische Einstellungen z.B. zum Verhältnis der Geschlechter oder zu Körperstrafen erforschen möchte, muss dies mit konkreten Fragestellungen tun, die wissenschaftlichen Standards entsprechen. Dafür ist freilich Fachkenntnis erforderlich, und die Ergebnisse sind deutlich weniger spektakulär.“
Bei diesem Thema plädierte er für Minderheitenschutz. „Religionsfreiheit im säkularen Staat äußert sich in der Neutralität des Staates gegenüber Religionen sowie deren Gleichbehandlung, auch im Alltag.“ Wer diese zwar abstrakt begrüße, aber ihre Einschränkung im Falle von Muslimen und Musliminnen in Deutschland gutheiße, „stellt sich gegen rechtsstaatliche Grundsätze“.
Für ihn bewähre sich ein auf Rechtsgrundlagen agierender Staat im Schutz von Minderheiten. „Religionsfreiheit ist zudem dynamisch. Sie erstreckt sich nicht nur auf historisch etablierte Religionen. Deshalb ist die Errichtung einer religiösen Infrastruktur für die muslimische Bevölkerung eine schiere Normalität und hat nichts mit ‘Islamisierung’ zu tun.“
Rohe wies darauf hin, dass das Übernehmen von AfD-Parolen aus Angst durch die Mitteparteien letztlich „Islamismus“ und Rechtsextremismus begünstigen könne. Staatspolitische Verantwortung bedeute aus seiner Sicht, einerseits effektive Maßnahmen gegen tatsächliche Probleme radikaler Ideologien zu ergreifen und andererseits der destruktiven Agenda extremistischer Gruppen wie der AfD entgegenzutreten.
(iz). Die Hafen- und Hansestadt Hamburg zählt zu den dynamischen Metropolen Deutschlands. Ihre Weltläufigkeit zeigt sich auch in ihren muslimischen Communities, die seit Jahren beispielsweise im Rahmen der SCHURA Hamburg konstruktiv und auf regelmäßiger Ebene zusammenarbeiten.
Hierzu sprachen wir mit Kerim Tokicin, der in verschiedenen muslimischen Zusammenhängen aktiv ist. Derzeit ist der 30-jährige Ingenieur in der Islamischen Hochschulgemeinde (IHG) sowie im Vorstand der SCHURA engagiert.
Islamische Zeitung: Lieber Kerim Tokicin, Sie sind im Vorstand der Islamischen Hochschulgemeinde (IHG) an der Universität Hamburg. Können Sie uns kurz erzählen, wobei es sich dabei handelt und was Ihre Aktivitäten sind?
Kerim Tokicin: Als Islamische Hochschulgemeinde sind wir in vielen Tätigkeitsfeldern aktiv. Angefangen von Seminaren und Fortbildungen über religiöse Themen, aber auch gesellschaftspolitische Themen bis hin zur Vergabe von Stipendien und der Organisation von Bildungsreisen.
Wir kümmern uns auch um die Vergabe von Plätzen unserer Studenten-WGs. Die Arbeit ist sehr umfang- und abwechslungsreich, macht aber unfassbar viel Spaß. Unser Vorstand setzt sich aus ehrenamtlichen Studenten der verschiedenen Universitäten Hamburgs zusammen.
Islamische Zeitung: Muslimische StudentInnen und AkademikerInnen gehören in Deutschland mit zu den aktivsten Netzwerkern der Community. Was ist Ihrer Meinung nach deren Bedeutung und Beitrag für diese?
Kerim Tokicin: Studentische und akademische Netzwerke haben generell den Anspruch Diskurse anzustoßen und auch kritische Themen zu erörtern. Dies ist selbstverständlich auch in der muslimischen Community der Fall. Man tastet sich an Themen heran, die vielleicht in gewöhnlichen Gemeinschaften nicht so bekannt sind oder tabuisiert werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir die Speerspitze und Vordenker der muslimischen Gemeinden wären. Wir wollen unangenehme Themen nicht nur ansprechen, sondern diese auch in die Tiefe tragen und sie aus islam-theologischer Sicht betrachten. Das ist was anderes als die klassische Predigt beim Freitagsgebet, von der man sich wöchentlich berieseln lässt. Außerdem glaube ich daran, dass eine wachsende Zahl muslimischer Akademiker sich langfristig positiv auf die Gemeinschaft auswirken wird.
Islamische Zeitung: Zum Studienalltag gehört es auch, viel Zeit in der Uni zu verbringen. Wie wichtig ist es dabei für die StudentInnen, auch hier Zugriff auf religiöse Dienstleistungen und Einrichtungen zu haben?
Kerim Tokicin: Wir bekommen immer wieder Anfragen von Studenten, die auf der Suche nach Rückzugsorten für das Gebet sind. Einige Universitäten sind in dieser Hinsicht vorbildlich und stellen Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen sich Studenten zurückziehen können. Wir als IHG setzen uns dafür ein, bei Bedarf einen sogenannten Raum der Stille zu eröffnen. Allerdings sind wir da auf die Mithilfe beziehungsweise die Kooperation der jeweiligen Hochschulen und Universitäten angewiesen. Wir können nicht in die Uni gehen und einen Raum beanspruchen. Das funktioniert so leider nicht. Deshalb müssen wir immer auf die Uni und das Präsidium der jeweiligen Hochschule zugehen und unser Anliegen darstellen. Es ist kein Geheimnis, dass man in einer Gesellschaft lebt, in der 70-80 Prozent der Menschen nicht unbedingt tiefgläubig sind, sodass der Bedarf für einen Raum der Stille nicht dringend vorhanden ist. Deshalb sind Muslime meistens erst einmal die einzige Gruppe, die so etwas fordert. Allerdings lassen sich schnell weitere Mitstreiter finden, die so einen Raum sinnvoll finden und nutzen würden.
Islamische Zeitung: Sie sind nicht nur in der IHG aktiv, sondern sitzen auch im Vorstand der SCHURA Hamburg. Was zeichnet diesen Zusammenschluss muslimischer Gemeinden auf Landesebene im Vergleich mit anderen als Alleinstellungsmerkmal aus?
Kerim Tokicin: Seitdem ich Vereinsarbeit mache, gibt es die SCHURA und ich habe sie als selbstverständlich wahrgenommen. Ich war mir der Besonderheit nicht bewusst. Erst, nachdem ich mich mit Freunden aus Berlin oder Köln ausgetauscht habe, merkte ich, wie wertvoll sie ist. Die haben sich beschwert, dass man bei ihnen vor Ort nichts Vergleichbares hinbekommt.
Die SCHURA Hamburg hat etwas Wichtiges geschafft. Das sollte man aufrechterhalten und mit aller Kraft weiterführen, sodass man die Gemeinden weiter zusammenschweißt. Es gibt wie überall auch Uneinigkeiten bei einigen Themen. Im Großen und Ganzen kann man doch von einem erfolgreichen Projekt sprechen. Sie ist die politische Stimme der Hamburger Muslime geworden. Letzten Endes saß sie mit am Tisch, als der Staatsvertrag ausgehandelt wurde.
Islamische Zeitung: Seit beinahe zehn Jahren bestehen eben dieser Vertrag zwischen dem Hamburger Senat einerseits und andererseits der DITIB, der VIKZ und der SCHURA. Könnten Sie eine Bilanz ziehen?
Kerim Tokicin: Da mein Vater Bestatter ist, habe ich die Auswirkungen des Vertrags unmittelbar zu spüren bekommen. Auf dem Friedhof gab es plötzlich einen Bereich um die Waschung zu vollziehen und eine Fläche um das Totengebet zu verrichten. Das klingt selbstverständlich, war es jedoch bis zum Staatsvertrag nicht. Vieles hat sich verbessert.
Die Wahrnehmung der SCHURA sowie der muslimischen Gemeinden in der Hamburger Politik gewann auf ein anderes Niveau. Um nur einen Punkt zu nennen: Die Anerkennung der muslimischen Feiertage in Schulen und auf den Arbeitsstätten ist zur Normalität geworden. Früher wurde über so etwas hitzig bei Lanz diskutiert. Nach zehn Jahren Staatsvertrag kann man sagen, dass mindestens eine Generation damit aufgewachsen ist, es kennt und für selbstverständlich hält. Das hinterlässt Eindruck bei der nichtmuslimischen Bevölkerung als auch bei der muslimischen. Es gibt immer wieder Dinge, die dazu führten, dass einige politische Parteien meinten, sie müssten das Ganze revidieren. Man sollte sich zusammensetzen und die letzten Zehn Jahre bewerten, aber niemand hat gesagt, dass das einfach wird. Es ist ein wichtiger und richtiger Schritt, mit dem man ein gemeinsames Miteinander in Deutschland gestaltet.
Islamische Zeitung: Zu den gewohnheitsmäßigen KritikerInnen des Staatsvertrages gehören CDU-Politiker. Wie gehen Sie mit den Vorwürfen um und bestehen direkte Kontakte?
Kerim Tokicin: Der Staatsvertrag wurde damals mit dem ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) ins Leben gerufen, unterzeichnet wurde er von dem jetzigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), damals noch Bürgermeister Hamburgs. Wichtig ist, dass man den Staatsvertrag nüchtern bewertet und auswertet. Wir nehmen ernstgemeinte Kritik auf und bewerten dies natürlich. Wer hier allerdings verzichtet an einem Tisch über die Dinge zu diskutieren, betreibt Populismus.
Islamische Zeitung: Ein großer Anteil der politischen Arbeit von MuslimInnen findet auf Bundesebene statt. Aber interessanterweise finden viele für Muslime relevante Entscheidungen – von Baurecht zu Schulrecht, Seelsorge, Friedhofsordnung etc. – auf Länderebene statt. Hamburg hat den Vorteil, Kommune und Land in einem zu sein. Haben Sie das Gefühl, dass die muslimischen Communities das ausreichend miteinbeziehen?
Kerim Tokicin: Von Hamburg aus betrachtet kann ich sagen, dass man hier versucht, viele Bereiche abzudecken. Dinge wie muslimische Grabfelder oder islamische Seelsorge entwickeln sich hier. Das ist ein Punkt der Vereine, die hier arbeiten, dass sie sich in diesen Bereichen klare Ziele setzen und versuchen, ihre Wünsche und Forderungen durchzusetzen. Viele Punkte wurden auch im Staatsvertrag festgehalten.
Wie das im Rest von Deutschland, vor allem in den flächenmäßig größeren Bundesländern ist, kann ich nicht bewerten.
Islamische Zeitung: Nach verschiedenen Angaben leben in Hamburg derzeit rund 140.000 MuslimInnen. Mit 8,9 Prozent der Einwohner ist ihr Anteil an der Stadtbevölkerung nicht viel kleiner als der in Berlin. Im Gegensatz zur Hauptstadt stehen die Communities und Kieze seltener im Blickpunkt negativer Aufmerksamkeit. Woran könnte das liegen?
Kerim Tokicin: Schwierige Frage… das könnte viele Gründe haben: einer davon ist sicherlich, dass die SCHURA sehr früh entstanden ist. Seit 1999 versuchen die muslimischen Gemeinden sich unter einem Dach zu formieren. Man hat hier früh den Kontakt zu Politikern aufgenommen. Ich kann mich erinnern, dass Ole von Beust damals als erster Bürgermeister mit Ramazan Ucar und Ahmet Yazici zum Iftar-Empfang in der Merkez Camii war. So was befördert das gegenseitige Vertrauen und baut Vorurteile auf beiden Seiten ab. Ich weiß gar nicht, seit wie vielen Jahren es schon den Iftar-Empfang des BIG gibt. Dort kommen die Freunde und Kooperationspartner zusammen und tauschen sich bei einer schönen Atmosphäre aus. All das sorgt dafür, dass Spannungen abgebaut werden und Politik auch früher auf Hilferufe reagiert, bevor es dann so endet wie in Berlin.
Islamische Zeitung: Lieber Kerim Tokicin, Hamburgs MuslimInnen machen – so zumindest unsere subjektive Wahrnehmung – einen frischen und dynamischen Eindruck. Profitieren sie von den maritimen und weltstädtischen Traditionen der Hansestadt?
Kerim Tokicin: Das freut mich zu hören. Wir versuchen das Hamburger Mantra „die schönste Stadt der Welt“ zu leben. Ich habe das von vielen Muslimen gehört, die von außerhalb kommen. Woher die „Frische und Dynamik“ kommt, kann ich so pauschal nicht beantworten. Sicherlich gehört dazu, dass man zum Beispiel in einer ursprünglich türkisch geführten und gegründeten Gemeinde mal einen pakistanischen Imam hatte. Das war selbstverständlich und keiner hat sich beschwert. Vielleicht bin ich auch Teil dieses Wandels. Ich bin so aufgewachsen und habe es nie anders kennengelernt. Hamburg ist keine große Großstadt wie Berlin. Jeder geht in jede Moschee, man kennt sich. Auch das steigert die Dynamik.
Islamische Zeitung: Vielen lieben Dank für das Interview.

Lange Zeit war funktionierende Öffentlichkeitsarbeit ein Nice-to-have für muslimische Gemeinschaften. Heut ist sie ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. (iz). Von einer „schlechten Presse“ zu sprechen, greift zu kurz, wenn man […]
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(iz). In Nordrhein-Westfalen haben Steuerfahnder gerade Wohnungen und Geschäftsräume zahlreicher professioneller Influencer durchsucht, die im Verdacht stehen, rund 300 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Grundlage der Razzien war ein Datenpaket mit 6.000 Datensätzen aus Social-Media-Plattformen, das auffällige Erlöse aus Werbung, Abo-Zahlungen und Sponsoring dokumentiert.
Nach Angaben der Behörde laufen bereits rund 200 Verfahren – meist wegen fünfstelliger, in Einzelfällen sogar millionenschwerer steuerlicher Fehlbeträge.
Ist jeder, der einen erfolgreichen Account bei Instagram bzw. auf TikTok unterhält ein Influencer oder gehört mehr dazu? Laut einer Definition handelt es sich dabei um eine Person, die auf Social-Media-Plattformen durch regelmäßige Inhalte eine definierte Zielgruppe aufbaut und ihre Meinungen, Interessen bzw. Kaufentscheidungen gezielt beeinflusst. Grundsätzlich gilt, dass sie ihren Betrieb als Werbung kennzeichnen müssen, wenn sie eine Gegenleistung für ihren Content erhalten.
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Wie lohnend das Betriebsmodell sein kann, zeigt der Fall NRW. Das Schlüsselwort dabei ist Monetarisierung. Hierbei handelt es sich um die Umwandlung von Reichweite und Interaktion in Einnahmen. Dazu zählen bezahlte Kooperationen, Affiliate-Links, Abonnement-Modelle oder der Verkauf eigener Produkte und digitaler Inhalte.
Innerhalb unserer Community hat sich in den letzten Jahren eine reichweitenstarke und diverse Landschaft aus Influencern entwickelt. Dazu gehören beliebte Kanäle von Contentmachern wie den Datteltätern, individuelle, informierende Accounts wie die von Dr. Hatun oder Kopftuchmädchen. Hierzu zählen leider ebenso extremistische Köpfe, ebenfalls mit hunderttausenden Followern im Netz.
Solange sich das Angebot dieser Eigendarsteller auf den Verkauf von Pülverchen bzw. Lifestyletricks beschränkt, werden höchstens die im Negativfall glücklosen Kunden getäuscht. Negativ kann sich die Branche auswirken, wenn sie bspw., wie es seit Jahren geschieht, Schwurbel und Unfug beim Thema Gesundheit erzählt.
Ein Beispiel dafür waren Desinformationen, die von bekannten Influencerinnen und anderen digitalen It-Girls bei schwerwiegenden Fragen wie Depressionen veröffentlicht wurden.
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Wie bei verwandten Themen rund um soziale Netzwerke, Kommunikation und Medienkompetenz ist nicht nur die allgemeine Gesellschaft unvorbereitet auf den Umgang mit Gefahren. Das Gleiche lässt sich über die muslimische Community sagen.
Wir haben nicht die nötigen Begriffe, Diskurse und Ethik entwickelt, ob und wie eine negative Ausübung dieser digitalen Macht durch Einzelne eingehegt oder begrenzt werden kann.
Drei mögliche, teils (noch) hypothetische Szenarien eröffnen sich hier. Sie verlangen nach einer kritischen Reflexion durch uns. Wie umgehen mit etwaigen betrügerischen Influencern, die ihre muslimisch verbrämte Reichweite nutzen, um ihre Follower bspw. durch gefälschte Spendensammlungen bestehlen?
Die zweite Option sind Stimmen, die dank ihrer unzähligen Anhänger Definitionshoheit, Repräsentation und letzthin Macht innerhalb der Community beanspruchen. Wie wollen Verbände und Gremien hier etwaige Machtansprüche durch digitale Selbstdarsteller beantworten?
Drittens ermöglicht das symbolische Kapital im Netz allen möglichen Charakteren, die Followerschaft zum Schlechten anzuhalten.
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