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Unternehmertum zwischen Glauben und Gewinn

Unternehmer

Wie eine neue Generation muslimischer Unternehmer Erfolg neu definiert. Von der Verzweiflung zur Vision: Wenn der Nine-to-Five-Job zur spirituellen Sackgasse wird. AutorInnen aus einem Sammelband berichten.

(iz). Es ist Montagmittag, 11:47 Uhr. Nadine sitzt im Großraumbüro und starrt auf ihren Bildschirm. In drei Minuten beginnt das Meeting. Das Mittagsgebet? Unmöglich. Wieder. Ihr Chef hat bereits beim letzten Mal die Augen verdreht, als sie nach einem Gebetsraum fragte. „Können Sie das nicht zu Hause machen?“, hatte er gefragt. Als wäre ihr Glaube ein Hobby, das man nach Feierabend pflegt. Von Susann Uçkan

Nadine ist keine Einzelfall. Tausende Muslime in Deutschland erleben täglich diesen inneren Konflikt: Wie vereinbart man die Anforderungen der modernen Arbeitswelt mit den eigenen Werten? Wie bleibt man sich selbst treu, wenn das System einen immer wieder zum Kompromiss zwingt?

Die Antwort, die immer mehr Muslime für sich finden, lautet: Selbstständigkeit. Doch dieser Weg ist steinig, voller Zweifel und gesellschaftlichem Druck. „In meiner Familie galt nur eines als sicher: eine feste Anstellung“, erzählt Suleiman Kassem, heute erfolgreicher Unternehmer. „Als ich sagte, ich will mich selbstständig machen, hielten mich alle für verrückt. ‘Du hast doch studiert! Wirf das nicht weg!‘“

Das Playbook, das fehlte

Genau für Menschen wie Nadine und Suleiman haben 22 muslimische Selbstständige und Unternehmer unter der Leitung von mir, Susann Uçkan, etwas Einzigartiges geschaffen: „Business Muslim“ – ein umfassendes Handbuch für muslimisches Unternehmertum im deutschsprachigen Raum. Kein theoretisches Werk, sondern ein Playbook aus der Praxis, für die Praxis und von der Umma für die Umma.

„Wir waren alle an diesem Punkt. Wir hatten die Idee, den Willen, vielleicht sogar das Startkapital. Aber was uns fehlte, war ein Kompass. Wie macht man Business, ohne seine Seele zu verkaufen? Wie wird man erfolgreich, ohne die Gebete zu opfern? Wie navigiert man durch Steuern, Marketing und Preisgestaltung… halal?“

Das Buch ist keine spirituelle Abhandlung, die Business romantisiert. Es ist knallhart praktisch: Von der Wahl der richtigen Rechtsform über Buchhaltung und Steuerfallen bis hin zu Launch-Strategien und Preisfindung. Aber – und das macht es besonders – immer mit einem klaren ethischen Fundament.

Wenn die Absicht zum Geschäftsmodell wird

„Die Taten sind nur nach den Absichten“, zitiert Tarek Hazzaa, einer der Autoren, den Propheten Muhammad (Frieden und Segen auf ihn). „Das ist nicht nur ein frommer Spruch. Das ist die Grundlage von allem.“

Die Niyya, die Absicht, ist im muslimischen Unternehmertum der Kompass, der alle Entscheidungen leitet. Warum mache ich das? Um Geld zu verdienen? Um der Familie zu beweisen, dass ich es kann? Oder um der Umma zu dienen, halal Einkommen zu erwirtschaften, Zeit für die Familie zu gewinnen?

„Mit der richtigen Niyya wird dein Business zur Ibada, zum Gottesdienst“, erklärt Hazzaa. „Jede E-Mail, jedes Kundengespräch, jede Rechnung kann eine Form der Anbetung sein, wenn die Absicht rein ist.“

Das klingt spirituell. Ist es auch. Aber es hat ganz konkrete Auswirkungen auf den Geschäftsalltag. Ein Unternehmer, der sein Business als Ibada versteht, trifft andere Entscheidungen. Er verkauft nicht um jeden Preis. Er täuscht nicht. Er opfert nicht seine Gesundheit für den nächsten Deal.

Der Prophet als Geschäftsmann

Dabei ist die Verbindung von Glaube und Geschäft keine neue Erfindung. Der Prophet Muhammad (Frieden und Segen auf ihn) selbst war ein erfolgreicher Händler, bevor er seine Offenbarung erhielt. Seine Reputation? Al-Amin, der Vertrauenswürdige. Sein Geschäftsmodell? Radikale Ehrlichkeit.

„Stell dir vor“, sagt Anwar El Younouss, Experte für ethischen Verkauf, „du gehst zu einem Autohändler, und er sagt dir von sich aus: ‘Dieser Wagen hat einen Motorschaden. Ich rate Ihnen davon ab.’ Das ist das Prinzip von Amana: der Treuhänderschaft. Du bist nicht nur deinem Gewinn verpflichtet, sondern der Wahrheit.“

Diese Ehrlichkeit wird oft als Nachteil im rauen Business-Alltag gesehen. Ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Die Autoren argumentieren das Gegenteil: In einer Welt voller leerer Marketing-Versprechen, Fake-Bewertungen und manipulativer Verkaufstaktiken ist Ehrlichkeit der größte Wettbewerbsvorteil.

Vertrauen ist zur wertvollsten Währung geworden und wir haben das Betriebssystem dafür: den Islam.

Die Halal-Hürde: Zwischen Prinzipientreue und Pragmatismus

Doch der Weg ist nicht ohne Hindernisse. Die größte Herausforderung? Kompromisslos halal zu bleiben, auch wenn es wehtut.

Muhammet Güneş, der die Lackiererei seines Vaters übernahm, erinnert sich an einen Moment, der alles veränderte: „Ein Kunde wollte, dass ich sein Auto lackiere. Gutes Geld. Aber dann sah ich, dass auf der Motorhaube ein riesiges Bier-Logo stehen sollte. Werbung für Alkohol.“ Er lehnte ab. Der Kunde war fassungslos. Die Familie verständnislos. „Aber ich konnte nachts wieder schlafen.“

Diese Momente sind es, die den Business Muslim definieren. Momente, in denen Prinzipien wichtiger sind als Profit. Keine Zinsen, auch wenn die Bank mit „günstigen Konditionen“ lockt. Keine Kunden, deren Geschäftsmodell haram ist, auch wenn sie sechsstellige Aufträge versprechen. Keine Täuschung im Marketing, auch wenn „alle es so machen“.

„Das Schwierigste ist die Geschwister-Rabatt-Falle“, gesteht Gülcan Özdemir offen. „Du baust dir mühsam ein Business auf, kalkulierst fair und dann kommt jemand aus der Community und erwartet einen Freundschaftspreis. Als wäre es haram, von anderen Muslimen Geld zu nehmen.“

Das Buch geht auch dieses heikle Thema ohne Tabus an: Wie kommuniziert man klare Grenzen, ohne als geldgierig zu gelten? Wie dient man der Umma, ohne sich selbst aufzugeben?

Tawakkul: Die Kunst, loszulassen

Und dann ist da noch die Angst. Die lähmende, allgegenwärtige Angst. Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn ich meine Familie nicht ernähren kann? Was, wenn alle recht haben, die gesagt haben: „Bleib doch einfach angestellt“?

Hier kommt Tawakkul ins Spiel: das Vertrauen auf Allah nach eigener Anstrengung. „Tawakkul ist kein passives Warten“, stellt Nina Berthold klar, die selbst mehrere gescheiterte Versuche hinter sich hat. „Es heißt: Binde dein Kamel fest an, und vertraue dann auf Allah. Nicht andersherum.“

Das bedeutet: Du erstellst den Businessplan. Du lernst Marketing. Du sprichst mit Kunden. Du tust alles in deiner Macht Stehende, mit Exzellenz, mit Ihsan. Und dann, wenn du alles gegeben hast, legst du das Ergebnis in Allahs Hände.

„Diese Haltung hat mich gerettet“, erzählt Berthold. „Als mein erster Launch floppte, hätte ich aufgeben können. Aber ich sah es nicht als Scheitern, sondern als Prüfung. Vielleicht schützte Allah mich vor etwas. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt.“ Sie machte Istikhara, adjustierte ihre Strategie und beim zweiten Versuch funktionierte es.

Die gefährliche Mitte

Eine der schärfsten Analysen im Buch betrifft die Positionierung: Für wen mache ich mein Business eigentlich? Die muslimische Community? Den Mainstream-Markt? Beide?

Die gefährlichste Position ist die unentschlossene Mitte. Wenn du versuchst, es allen recht zu machen, sprichst du am Ende niemanden richtig an.

Ich beschreibe dabei drei Optionen: Den klaren Fokus auf die muslimische Community, mit tiefem Verständnis, aber begrenztem Markt. Die universelle Positionierung, mit größerer Reichweite, aber ohne den USP der geteilten Identität. Oder den Hybrid-Ansatz, der beides verbindet, aber absolute Authentizität verlangt.

Was auch immer du wählst, versteck dich nicht. Dein Muslim-Sein ist kein Makel, den du kaschieren musst. Es ist deine Superkraft.

Ramadan im Business: Realität statt Romantik

Das Buch romantisiert nichts. Es spricht auch die harten Wahrheiten an. Nadine Ben Kahla widmet ein ganzes Kapitel dem Thema „Business im Ramadan“ und räumt mit frommen Illusionen auf.

„Vergiss den Gedanken, dass du im Ramadan genauso produktiv bist wie sonst“, sagt sie unverblümt. „Du fastest. Du betest mehr. Du schläfst anders. Das ist okay.“ Ihre Empfehlung: Reduziere deine Arbeitszeit auf 50-60 Prozent, kommuniziere das klar mit Kunden, fokussiere dich auf Routine statt Innovation und halte die letzten zehn Tage komplett frei für Ibadah.

„Das ist kein Schwächezeichen“, betont sie. „Das ist Respekt vor dem, was wirklich zählt.“

Foto: Freepik.com

Wenn Frauen führen: Das Vorbild Khadidscha

Besonders bewegend sind die Abschnitte über Khadidscha, die erste Ehefrau des Propheten, Frieden und Segen auf ihm. Eine erfolgreiche Geschäftsfrau ihrer Zeit, die Karawanen führte und internationale Handelsbeziehungen pflegte und gleichzeitig eine spirituelle Führerin war.

„Khadidscha zeigt uns“, schreibt Hatice Avci, „dass Spiritualität und Geschäftssinn keine Gegensätze sind. Sie war nicht erfolgreich, obwohl sie spirituell war. Sie war erfolgreich, weil sie spirituell war.“

Für muslimische Frauen, die sich selbstständig machen wollen, ist das eine kraftvolle Botschaft. In einer Gesellschaft, die sie oft unterschätzt, und manchmal auch in einer Community, die ihnen Steine in den Weg legt, ist Khadidscha der Beweis: Es geht. Und es ist erlaubt. Und es ist ehrenwert.

Der Weg ist das Ziel und die Prüfung

„Business Muslim“ ist kein Erfolgs-Garantie-Schein. Es ist ehrlich genug, um zuzugeben: Der Weg wird hart. Es wird Momente geben, in denen du an dir zweifelst. In denen die Familie dich nicht versteht. In denen Kunden ausbleiben und das Konto leer ist.

Aber es bietet etwas anderes: Einen Rahmen. Eine Community. Ein Betriebssystem für wertebasiertes Unternehmertum.

Suhila Thabti-Megharia, Gedächtnistrainerin und Mutter von drei Kindern, fasst es so zusammen: „Ich habe zwischen Windeln und Vorlesungen angefangen. Keine Zeit, kein Geld, keine Sicherheit. Aber ich hatte eine klare Niyya und die fünf Gebete als Anker. Und jeden Tag, wenn ich nach dem Fajr-Gebet am Schreibtisch saß, spürte ich: Das hier ist richtig. Das hier hat Barakah.“

Die obere Hand

Am Ende geht es beim muslimischen Unternehmertum um mehr als nur Geld. Es geht um die „obere Hand“: das Prinzip, zu geben statt zu nehmen, zu dienen statt nur zu verdienen.

„Wenn dein Business läuft“, sagt Jamal Faièz, „bist du in der Position zu helfen. Du kannst Arbeitsplätze schaffen. Junge Menschen ausbilden. Projekte unterstützen. Du wirst vom Konsumenten zum Creator. Das ist deine Verantwortung als Teil der Umma.“

Diese Vision – eine Generation muslimischer Unternehmer, die nicht nur erfolgreich sind, sondern die Gesellschaft aktiv mitgestalten – zieht sich durch das gesamte Buch.

Ein Manifest für die nächste Generation

„Business Muslim“ ist fast schon eine Art Manifest. Ein Weckruf an all jene, die in Büros sitzen und spüren: Das kann nicht alles sein. An diejenigen, die eine Idee haben, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen. An die, die gescheitert sind und Mut für einen zweiten Versuch brauchen.

Es ist die Botschaft: Du kannst erfolgreich sein, ohne deine Seele zu verkaufen. Du kannst Gebete halten und trotzdem Deals machen. Du kannst halal leben und trotzdem prosperieren.

Nadine, von der wir am Anfang sprachen? Sie hat gekündigt. Vor sechs Monaten. Heute berät sie Unternehmen zu inklusiver Arbeitsplatzgestaltung und betet, wann sie will. „Ich verdiene weniger als früher“, sagt sie. „Aber ich fühle mich reicher. Weil ich wieder atmen kann.“

„Business Muslim“ von Susann Uçkan und 21 weiteren Autoren ist ein umfassendes Handbuch für muslimisches Unternehmertum und ab sofort erhältlich. Es deckt alle Bereiche von der ersten Idee bis zur Skalierung ab, immer mit islamischen Werten als Fundament. Für alle, die aufhören wollen, sich anzupassen und anfangen wollen, zu gestalten.

Mehr Infos zum Buch: https://halalmediasolution.com/business-muslim-das-buch/

Buch hier kaufen: https://www.epubli.com/shop/business-muslim-9783565083985

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Muslimisches Jahr 2025: Zwischen Zeitenwende und leiser Normalisierung

2025

2025 war für die muslimische Community in Deutschland ein Jahr der Widersprüche. Mit Verweisen zum Weiterlesen!

(iz). Während auf Bundesebene die Islampolitik weiter in Richtung Sicherheitsdiskurs kippte und Muslimfeindlichkeit messbar zunahm, entstanden zugleich neue Formen politischer Teilhabe – und auf Länderebene mit dem Staatsvertrag in Rheinland‑Pfalz ein positives Signal, das fast aus der Zeit gefallen wirkt.[1][2][3]

2025 als Wahljahr, das Misstrauen hinterlässt

Der Ton war gesetzt, bevor der eigentliche Wahlkampf Fahrt aufnahm. Ende Januar warnte die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman, die Migrationsdebatte im Bundestagswahljahr 2025 nehme „verstörende“ Züge an – ein Alarmzeichen auch für muslimische Minderheiten.[4]

Wenige Tage später beschrieben muslimische Verbände die Radikalisierung des Wahlkampfs als reale Bedrohung: Hetzerische Zuspitzungen in Talkshows und Kampagnen seien nicht folgenlos, sondern korrelierten mit Übergriffen und Hasskriminalität.[5]

Die Islamische Zeitung nahm den Wahlkampf ernst – aber aus Perspektive derjenigen, die darin meistens Objekt, selten Subjekt sind. In einer Serie zu Wahlprogrammen fragte die Redaktion, „was sie Muslimen zu sagen haben“, und arbeitete heraus, wie wenig Religion und Muslimfeindlichkeit in vielen Programmen konkret vorkommen.[6][7]

Nach der Wahl zeigten Analysen, dass viele muslimische Wählerinnen und Wähler zwar weiterhin links der Mitte verortet sind, sich aber zunehmend entfremdet fühlen – von Parteien, die zwar Antirassismus im Programm führen, aber ihre Lebenswirklichkeit selten wirklich abbilden.[8]

politik muslime entfremdet

Grafik: IZ (Foto: Adobe Stock)

Von der Dialogrhetorik zur Problemgruppe

Die bundespolitische Islampolitik verfestigte diesen Eindruck. Der neue Koalitionsvertrag, den die Islamische Zeitung im Frühjahr seziert, markiert einen weiteren Schritt weg von der dialogorientierten Linie der frühen Deutschen Islamkonferenz.[9] Muslime tauchen überwiegend im Umfeld von Islamismus, Prävention und Sicherheit auf; als Religionsgemeinschaften mit Rechten und Ansprüchen kommen sie nur am Rand vor.

Im Spätherbst verdichtete sich diese Entwicklung programmatisch. Unter der Überschrift „Und noch eine Zeitenwende?“ deutet die IZ die neue Islampolitik als Beerdigung des Schäuble‑Erbes: Statt langfristigem Vertrauensaufbau dominieren Expertengremien zu Islamismus, Sicherheitslogiken und ein Diskurs, der über Muslime spricht, aber selten mit ihnen.[10]

Die Botschaft, die viele Leserinnen und Leser daraus ziehen müssen, lautet: Der Staat interessiert sich für euch – vor allem als Risiko.

Muslimfeindlichkeit als Struktur, nicht Ausnahme

Parallel dazu verdichtete sich 2025 das Bild einer Muslimfeindlichkeit, die längst kein Randphänomen mehr ist. Das Lagebild von CLAIM zu Muslimfeindlichkeit 2024, auf das die IZ im Sommer eingeht, dokumentiert einen deutlichen Anstieg antimuslimischer Vorfälle und beschreibt ein „grundsätzlich feindseliges Klima“.[11]

Regionale Berichte, etwa zu Berlin, zeichnen dieselbe Linie: Mehr Angriffe, mehr Drohungen, mehr alltägliche Herabsetzung.[12]

Die Redaktion spitzt diese Diagnose analytisch zu. In einem Beitrag mit dem Juristen und Islamwissenschaftler Mathias Rohe heißt es zugespitzt: Jeder Zweite habe antimuslimische Vorurteile.[13]

Muslimfeindlichkeit ist damit kein Randproblem mehr, das sich bequem an „Extremisten“ outsourcen lässt. Sie ist Normalitätserfahrung – sichtbar in Umfragen, in den Kommentarspalten und auf der Straße.

Dass die Kategorie „Muslimfeindlichkeit“ auf islamische‑zeitung.de zum Jahresende prominenter strukturiert wird, ist Ausdruck dieses Befunds: Das Thema ist nicht mehr Episoden‑, sondern Leitmotiv.[14]

Foto: Ö. Mutlu/X

Diskurse, die Wirklichkeit schaffen

Das Jahr 2025 war zugleich ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie Sprache Realitäten formt. In einer Analyse des Schlagworts „Islamisierung“ arbeitet die IZ heraus, wie der Begriff als politisches Schreckgespenst funktioniert:

Er markiert Muslime pauschal als Gefahr und verknüpft sehr unterschiedliche Phänomene – von Migration bis Kleidungsstil – zu einer angeblichen kulturellen Bedrohung.[15]

Solche Narrative sind, so die Argumentation, kein Zufall, sondern zentraler Bestandteil rechtspopulistischer Mobilisierung.[14][15]

Auch jenseits klar rechter Akteure verschieben sich Grenzen. Wenn in der Asyldebatte der Ton immer schärfer wird, wenn vom „Problem im Stadtbild“ die Rede ist, dann werden bestimmte Körper – sichtbare Minderheiten, häufig muslimisch gelesen – zu Störfaktoren erklärt.[16][17]

Die Islamische Zeitung kommentiert das nicht nur, sie hält fest, wie sich diese Sprache in kommunale Politik übersetzt: bei Kommunalwahlen in NRW, in Sicherheitsdebatten, im Gefühl vieler muslimischer Bürgerinnen und Bürger, nicht wirklich gemeint zu sein.[18]

Community

Foto: Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland

Community zwischen Selbstkritik und Selbstbewusstsein

Vor diesem Hintergrund wirkt der Blick nach innen überraschend nüchtern. In Beiträgen wie „Welche Wege soll die Community nehmen?“ wird innerhalb der muslimischen Verbandslandschaft darüber diskutiert, wie zukunftsfähige Strukturen aussehen können: weniger reine Lobby‑Politik, mehr professionelle Bildung, soziale Arbeit, Öffentlichkeit.[19]

Gleichzeitig betont die IZ, dass „die Community viel Potenzial“ besitzt – von Bildungsinitiativen über lokale Projekte bis hin zu neuen Formen muslimischer Zivilgesellschaft jenseits der klassischen Verbandslogik.[20]

Symbolisch verdichtet sich dieses Potenzial jedes Jahr am 3. Oktober. 2025 wird der Tag der offenen Moschee gleich in mehreren Stücken aufgegriffen: als „deutsche Tradition“ im Kontext des Einheitsfeiertags und als konkreter Ort der Begegnung in Gemeinden, die Besuchergruppen empfangen, Nachbarschaftsprojekte vorstellen und theologische Diskussionen mit nichtmuslimischen Gästen führen.[21][22]

Inmitten einer aufgeheizten Debatte inszenieren sich Moscheegemeinden hier nicht als Problemzone, sondern als lokaler Anker.

staatsvertrag

Foto: DITIB.org

Rheinland-Pfalz: Ein anderes Modell ist möglich

Vor diesem Hintergrund bekommt eine Entwicklung besondere Strahlkraft, die formal bereits Ende 2024 stattfand, 2025 aber politisch nachwirkt: der Staatsvertrag zwischen Rheinland‑Pfalz und mehreren muslimischen Verbänden.[23][24]

Die IZ ordnete ihn als „Meilenstein“ ein – nicht nur, weil hier islamische Feiertage, Religionsunterricht, Bestattungen und Seelsorge vertraglich geregelt werden, sondern weil das Land Muslime als gleichberechtigte Religionsgemeinschaften adressiert.[23][25]

Der Vertrag bekräftigt die Religionsfreiheit, stellt die Zusammenarbeit explizit auf die gemeinsame Grundlage der freiheitlich‑demokratischen Grundordnung und verpflichtet beide Seiten, gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und antimuslimischen Rassismus ebenso entschieden zu bekämpfen wie Antisemitismus und religiösen Extremismus.[26][27]

In einer bundespolitischen Landschaft, in der Islam vor allem als Sicherheitsrisiko verhandelt wird, setzt Rheinland‑Pfalz damit einen Kontrapunkt: Muslime erscheinen hier als Partner des Staates, nicht als seine potenziellen Gegner.

Fazit: Ein gespaltenes Jahr – mit Hinweisen auf die Zukunft

Der Rückblick über die Seiten der Islamischen Zeitung zeigt ein gespaltenes Jahr: oben der harte Diskurs – Wahlkampf, Sicherheitswende, anhaltende Muslimfeindlichkeit –, unten die kleinteilige Praxis von Gemeinden, Aktivistinnen und Verbänden, die Zugehörigkeit täglich leben.[5][11][21][22]

Die Bundesebene sendet vielfach Signale des Misstrauens, die Landesebene – exemplarisch Rheinland‑Pfalz – zeigt, dass eine vertraglich abgesicherte Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften möglich ist.[10][23]

Für die muslimische Community bleibt 2025 damit ein ambivalentes Jahr. Es verschärft das Bewusstsein für strukturelle Feindseligkeit – aber es liefert zugleich Argumente dafür, dass ein anderes Verhältnis zwischen Staat und Muslimen nicht nur denkbar, sondern schon Realität ist. Die Frage, die 2026 auf dem Tisch liegt, lautet: Welche Linie setzt sich durch?

Verweise zum Weiterlesen:

[1] Islamische Zeitung. (2025, 30. November). Islampolitik: Und noch eine Zeitenwende? https://islamische-zeitung.de/islampolitik-noch-eine-zeitenwende/

[2] Islamische Zeitung. (2025, 6. Juli). Muslimfeindlichkeit 2024: „Ein grundsätzlich feindseliges Klima“. https://islamische-zeitung.de/muslimfeindlichkeit-2024-feindseliges-klima/

[3] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Rheinland-Pfalz schließt Verträge mit muslimischen Verbänden. https://islamische-zeitung.de/staatsvertraege-mit-muslimischen-verbaenden/

[4] Islamische Zeitung. (2025, 30. Januar). Migrationsdebatte im Wahlkampf 2025: Ataman warnt vor Zunahme von Übergriffen. https://islamische-zeitung.de/ataman-warnt-vor-zunahme-von-uebergriffen/

[5] Islamische Zeitung. (2025, 3. Februar). Radikalisierung des Wahlkampfs? Muslime warnen vor Hass. https://islamische-zeitung.de/wahlkampf-2025-muslime-warnen-vor-hass/

[6] Islamische Zeitung. (2025, 11. Februar). Wahlprogramme 2025 im Test: Die Grünen lavieren. https://islamische-zeitung.de/wahl-test-programme-die-gruenen/

[7] Islamische Zeitung. (2025, 13. Februar). Wahlprogramme 2025 im Test: BSW und Linke. https://islamische-zeitung.de/wahl-test-programme-bsw-linke/

[8] Islamische Zeitung. (2025, 25. Februar). Wahlergebnisse 2025: Wie haben Deutschlands Muslime gewählt? https://islamische-zeitung.de/wahlergebnisse-wie-haben-deutschlands-muslime-gewaehlt/

[9] Islamische Zeitung. (2025, 9. April). Habemus Koalitionsvertrag: Von der Interaktion zur Problemgruppe. https://islamische-zeitung.de/koalitionsvertrag-muslime-bleiben-unerwaehnt/

[10] Islamische Zeitung. (2025, 30. November). Islampolitik: Und noch eine Zeitenwende? https://islamische-zeitung.de/islampolitik-noch-eine-zeitenwende/

[11] Islamische Zeitung. (2025, 6. Juli). Muslimfeindlichkeit 2024: „Ein grundsätzlich feindseliges Klima“. https://islamische-zeitung.de/muslimfeindlichkeit-2024-feindseliges-klima/

[12] Islamische Zeitung. (2025, 8. Dezember). Berlin: Muslimfeindlichkeit stark gestiegen. https://islamische-zeitung.de/berlin-muslimfeindlichketi-stark-gestiegen/

[13] Islamische Zeitung. (2025, 23. Juli). Rohe: Jeder Zweite hat antimuslimische Vorurteile. https://islamische-zeitung.de/rohe-jeder-zweite-muslimfeindlich/

[14] Islamische Zeitung. (2025, 8. Dezember). Kategorie: Muslimfeindlichkeit. https://islamische-zeitung.de/category/themen/muslimfeindlichkeit/

[15] Islamische Zeitung. (2025, 23. August). „Islamisierung“ – das instrumentalisierte Schreckgespenst. https://islamische-zeitung.de/islamisierung-erzeugung-schreckgespenst/

[16] Islamische Zeitung. (2025, 27. Oktober). Stadtbild: Wo sind wir eigentlich? https://islamische-zeitung.de/stadtbild-wo-sind-wir-eigentlich-debatte/

[17] Islamische Zeitung. (2025). Der Ton in der Asyldebatte wird immer schärfer. https://islamische-zeitung.de/ton-in-asyldebatte-verschaerft-sich/

[18] Islamische Zeitung. (2025, 28. September). NRW-Kommunalwahlen 2025: Der ängstliche Blick auf die AfD. https://islamische-zeitung.de/nrw-kommunalwahlen-angst-vor-der-afd/

[19] Islamische Zeitung. (2025). Welche Wege soll die Community nehmen? https://islamische-zeitung.de/community-welche-wege-soll-man-nehmen/

[20] Islamische Zeitung. (2025). Die Community hat viel Potenzial. https://islamische-zeitung.de/muslimische-community-viel-potenzial/

[21] Islamische Zeitung. (2025, 25. September). Tag der offenen Moschee – eine deutsche Tradition im Einheitsfest. https://islamische-zeitung.de/der-tag-der-offenen-moschee-2025-tradition/

[22] Islamische Zeitung. (2025, 5. Oktober). Auch 2025 lädt der Tag der offenen Moschee zur Begegnung ein. https://islamische-zeitung.de/begegnung-tag-der-offenen-moschee-laedt-ein/

[23] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Rheinland-Pfalz schließt Verträge mit muslimischen Verbänden. https://islamische-zeitung.de/staatsvertraege-mit-muslimischen-verbaenden/

[24] Islamische Zeitung. (2024, 19. Dezember). Staatsvertrag: Ein Meilenstein in Mainz. https://islamische-zeitung.de/staatsvertrag-meilenstein-in-main/

[25] Islamische Zeitung. (2025). Staatsvertrag: Ein Meilenstein in Mainz. https://islamische-zeitung.de/staatsvertrag-meilenstein-in-main/

[26] IslamiQ. (2024, 23. Dezember). Land und Muslime unterzeichnen Staatsvertrag – was steht drin? https://www.islamiq.de/2024/12/23/land-und-muslime-unterzeichnen-staatsvertrag-was-steht-drin/

[27] Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur RLP. (2024, 19. Dezember). Land unterzeichnet Verträge mit vier islamischen Religionsgemeinschaften. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/islamverbaende-vertraege-religionsunterricht-rlp-bestattungen-seelsorge-100.html

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Wohnungsmarkt: Neue Zahlen enthüllen Rassismus

Wohnungsmarkt

Musliminnen und Muslime werden auf dem Wohnungsmarkt nach Einschätzung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) benachteiligt.

(iz). Neue Studien des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) sowie Daten des Mediendienstes Integration belegen strukturelle Nachteile für rassistisch markierte Menschen bei Wohnungssuche, Mietkosten und Wohnqualität.​​

Auslöser der Kritik ist der aktuelle NaDiRa-Monitor des DeZIM-Instituts, der zeigt, dass muslimische und andere „rassisch markierte“ Bewerberinnen deutlich schlechtere Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben als nicht-markierte Personen.

Nach Darstellung der IGMG werden Menschen mit muslimischem Hintergrund selbst bei gleicher Bonität seltener zu Besichtigungen eingeladen, erhalten weniger Rückmeldungen und leben häufiger teurer, weniger geräumig und in stärker belasteten Wohngegenden.

Die IGMG spricht von einem „strukturellen Ausschluss“ und betont, dass Merkmale wie Name, Herkunft oder sichtbare Religiosität in Deutschland oft darüber entscheiden, ob Menschen überhaupt eine Chance auf ein Zuhause bekommen.

Ein Beispiel aus dem DeZIM-Bericht, das sie hervorhebt, vergleicht zwei Frauen mit gleicher Qualifikation und identischer finanzieller Lage: Die muslimische Bewerberin hat demnach eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, keine Einladung zur Besichtigung zu erhalten, als die nicht rassistisch markierte Frau.​​

Der Rassismusmonitor des DeZIM-Instituts zeigt laut Mediendienst Integration, dass Betroffene ihre Möglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt schlechter einschätzen als andere. So bewerten etwa 50 % der Befragten Muslime und 49 % Schwarze ihre Chancen, eine Wohnung zu finden, als sehr gering – gegenüber 25 % unter nicht rassistisch markierten Personen.​

Experimente mit Wohnungsbewerbungen machen diese Ungleichbehandlung messbar: BewerberInnen mit deutsch klingenden Nachnamen haben demnach mit 22 % die höchste Wahrscheinlichkeit, zu einer Besichtigung zu kommen, während solche mit Namen aus der MENA-Region oder afrikanischen Ländern deutlich seltener eingeladen werden.

Eine Testing-Studie der Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus zeigte zudem, dass die Hälfte der Anbieterinnen ausschließlich auf Anfragen mit deutschen Namen reagierte.​

MyEasyBusiness organisation

Foto: Jirapong, Adobe Stock

Neben der Zugangshürde verweisen die Daten auch auf ungleiche Wohnbedingungen und -kosten. Laut Statistischem Bundesamt zahlen Ausländerinnen im Durchschnitt rund 9,5 % höhere Quadratmetermieten als deutsche Mieterinnen; auch nach mehr als 20 Jahren Wohndauer liegt die Durchschnittsmiete für sie noch um gut 9 % höher.

Gleichzeitig lebt ein Viertel ohne deutschen Pass in Wohnungen mit weniger als 60 Quadratmetern, während dies nur auf 12 % der Menschen mit deutschem Pass zutrifft.

Die IGMG verweist darauf, dass Wohnraum mehr sei als vier Wände, sondern ein Ort der Sicherheit, des Ankommens und der Würde – ein Anspruch, der in der islamischen Tradition eng mit Gerechtigkeit verknüpft sei. Ein geschütztes Zuhause gelte demnach als Teil der von Gott gegebenen Würde, die allen Menschen zustehe.

Formell soll das AGG vor Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt schützen, Verbände und Fachstellen kritisieren jedoch laut Mediendienst Integration erhebliche Lücken. Betroffene könnten ihre Rechte häufig nicht wirksam durchsetzen; zudem unterliegen Vermieterinnen mit weniger als 50 Wohnungen weniger strengen Vorgaben, obwohl zwei Drittel aller Mietwohnungen von privaten Kleinvermietern vermietet werden.​

Vor diesem Hintergrund forderte die IGMG seine Reform, damit Betroffene rassistischer Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ihre Rechte effektiver durchsetzen können.

Die Verantwortung ende nicht bei Appellen, so die Organisation. Wenn Menschen allein wegen ihres Namens oder ihrer Religion systematisch benachteiligt würden, untergrabe dies nicht nur das Vertrauen der Betroffenen, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Demokratie.​

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Interview: „Die ehrenamtliche Landschaft ist in Deutschland riesengroß“

Rückblick 2025 Muslime ehrenamt

Trotz aller Unwägbarkeiten ist das Ehrenamt in Deutschland weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer Zivilgesellschaft. Ein Gespräch mit der Muslimischen Ehrenamtsagentur Berlin. (iz). MuslimInnen dieses Landes haben einen steigenden Anteil daran, […]

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Das Bewusstsein der Bedürftigkeit

Bedürftigkeit

Von der Bedürftigkeit des Menschen: Wir müssen unsere existenzielle Abhängigkeit vom Schöpfer anerkennen.

(iz). Das wirtschaftliche System, das unsere heutige Epoche maßgeblich geprägt hat, ist der Kapitalismus. In unserer Zeit hat er gegenüber anderen ökonomischen Systemen eine nahezu uneingeschränkte Vorherrschaft erlangt. Von Dr. Muhammed Mustafa Yüksel

Doch er ist weit mehr als nur ein Wirtschaftssystem. Er hat den Gesellschaften und Kulturen der Welt auch ein eigenes Menschenbild und eine bestimmte Sicht auf die Wirklichkeit aufgeprägt. So ist die Welt, die unser Herr dem Menschen als anvertrautes Gut überlassen hat, mitsamt all ihren Ressourcen einer grenzenlosen und verantwortungslosen Ausbeutung preisgegeben worden.

Die Stellung des Menschen ist dabei auf eine rein sozioökonomische Kategorie reduziert worden. Innerhalb dieses geschaffenen Gefüges werden Menschen unabhängig von Religion, Sprache oder Hautfarbe in Reiche und Arme eingeteilt. In seinem Werk „Das Kapital“, unterzieht Karl Marx das bestehende System einer kritischen Analyse und bezeichnet diese Einteilung als die von Unterdrückern und Unterdrückten.

Der edle Qur’an wiederum weist auf dieselbe Wirklichkeit mit den Begriffen „mustarniler“ und „mustazaflar“ hin. Mustarni zu sein bedeutet im Allgemeinen, sich selbst als reich, mächtig, wissend oder von hohem Rang zu betrachten und dabei in Überheblichkeit zu verfallen. Mustazaf hingegen bezeichnet jene, die innerhalb der Gesellschaft geschwächt wurden, also die Unterdrückten.

In einer Welt, in der die Begriffe reich und arm eine so zentrale Rolle spielen, kommt einer bestimmten Weisheit des zeitlosen Vorbilds der Muslime eine besondere Bedeutung zu. Unser Prophet Muhammad (s) sagte: „Faqr ist mein Stolz.“

prophet medina grab Medina Al-Munawwara: Besucher an der letzten Ruhestätte des Gesandten Allahs. (Foto: Muhammad Afzan, Shutterstock)

Diese außergewöhnliche Aussage lässt sich so erläutern, dass die eigene Bedürftigkeit selbst zum Grund des Stolzes wird. In einer Epoche wie der unsrigen, in der Reichtum beinahe heiliggesprochen und zum eigentlichen Lebensziel erhoben wird, trifft uns dieser Satz wie eine deutliche Mahnung. Er ist mehr als eine bloße Aussage. Er verweist auf ein tief gehendes und besonderes Verständnis des Menschseins.

Die existentielle Bedeutung dieses Ausspruchs liegt darin, dass der Mensch seine grundsätzliche Bedürftigkeit gegenüber dem Schöpfer eingesteht. Er gelangt zu der Erkenntnis, dass der einzige, der keines Dinges bedarf, Allah, also das Göttliche, ist.

Auf Erden sind bis heute unzählige Menschen erschienen und wieder gegangen, denen man Stärke und Macht zugeschrieben hat. Und bis zum Jüngsten Tag werden weiterhin solche Menschen kommen.

Doch selbst der mächtigste Mensch ist für den Fortbestand seines Daseins auf jeden einzelnen Atemzug angewiesen. Während er sogar den Atem, den er nur kraft des göttlichen Ratschlusses empfängt, dringend benötigt, erweist sich die Größe, die er seinem eigenen Selbst zuschreibt, als die größte gedankenlose Verblendung des Menschen.

Wenden wir uns der sozialen Dimension dieser Frage zu, so zeigt sich, dass unser Herr den Menschen nicht nur in einer grundsätzlichen Abhängigkeit von sich selbst erschaffen hat. Ebenso offenkundig ist die Bedürftigkeit des Menschen gegenüber dem Menschen.

Zivilgesellschaft

Foto: SKIMP Art, Adobe Stock

Mehr noch, das Zusammenleben der Menschen sowie der Fortschritt und die Entwicklung ihrer Beziehungen gründen auf gegenseitiger Abhängigkeit. Durch technische Entwicklungen haben Menschen, insbesondere in den Städten, zunehmend die Möglichkeit erlangt, ihr Leben scheinbar unabhängig von anderen zu führen. Dies hat den Individualismus gestärkt.

Zu diesem Thema ließen sich umfangreiche Analysen anstellen. Doch soll hier folgende Feststellung genügen. Die wichtigste Ursache jener Einsamkeit, die den modernen Menschen in Melancholie und Depression führt, liegt in der irrigen Vorstellung, er habe seine Bedürftigkeit gegenüber dem Mitmenschen verloren. Möge Allah uns zu jenen zählen lassen, die sich ihrer Bedürftigkeit bewusst sind.

Dr. Muhammed Mustafa Yüksel lebt derzeit in Köln. Er arbeitete drei Jahre an der Goethe-Universität in Frankfurt als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seine Promotionsarbeit trägt den Titel „Zwei zeitgenössische liberale Abhandlungen über die politische Autorität Muhammads. Mehmed Seyyid Bey und ‘Ali ‘Abd ar-Raziq“. In dieser geht er der Frage nach, ob das Kalifat eine göttliche Institution oder ein menschliches Machtgebilde ist. Sie erscheint 2026 im Verlag Dr. Kovač, einem Fachverlag für wissenschaftliche Literatur.

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Unsere Intelligenz schärfen

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Muslime müssen sich um ihre natürliche Intelligenz bemühen. (iz). Mein Vortrag behandelt die Bedeutung der Förderung natürlicher Intelligenz. Das ist ein Thema, über das ich in letzter Zeit oft gesprochen […]

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Rückblick auf 2025: Doppelte Effekte wirkten auf die Mitte

Rückblick 2025 Muslime

Rückblick auf 2025: Ein Jahr zwischen Teilhabe, Stigmatisierung und dem Schweigen der Mitte.

(iz). Die Vereinten Nationen haben im Rahmen des vierten High-Level-Meetings der UN-Generalversammlung zur Prävention und Kontrolle nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) am 25. September 2025 erstmals die psychische Gesundheit zentral in den Fokus gerückt – und sie ausdrücklich schweren chronischen Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gleichgestellt. Einsamkeit, Depressionen und Burnout sind längst globale Probleme.

Wer auf das Jahr 2025 zurückblickt, versteht warum: Neben den großen Krisen treten politische Akteure auf, die einfache Lösungen propagieren. Die Abkehr von wissenschaftlichen Standards und die Rückkehr zum Nationalismus verspricht wenig Gutes.

Die Stimmung, die den Niedergang demokratischer Gesellschaften heraufbeschwört, wirkt auf alle Bevölkerungsschichten – unabhängig von sozialem Hintergrund oder Konfession. Für Religionsgemeinschaften bedeutete das die Herausforderung, trotz wachsender seelischer Not Zuversicht zu vermitteln.

2025 war für viele europäische Muslime ein Jahr der Ambivalenz. Auf den ersten Blick wuchs ihre gesellschaftliche Teilhabe: Sie beteiligten sich sichtbarer an Wahlen, nahmen stärker an öffentlichen Debatten teil und gründeten neue zivilgesellschaftliche Initiativen.

Gleichzeitig verschärften sich alte Muster der Stigmatisierung – befeuert durch globale Konflikte, sicherheitspolitische Debatten und eine rechte Rhetorik, die den Islam kollektiv zur Bedrohung erklärt. Es war ein Jahr, das sich als „Doppelspul-Effekt“ beschreiben lässt: Fortschritt und Rückschritt liefen parallel, verwoben und ohne sich gegenseitig aufzuheben.

Nicht zu übersehen ist die große Zahl von Einbürgerungen, die belegen, dass sich ein Großteil der zugewanderten Muslime in Deutschland wohl fühlt. Eine Sonderauswertung des Vielfaltsbarometers 2025 der Robert Bosch Stiftung zeigt: Menschen mit Migrationshintergrund bewerten den Zustand der deutschen Gesellschaft insgesamt positiver als Menschen ohne Migrationshintergrund.

Sie schätzen die wirtschaftliche Lage günstiger ein und haben mehr Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik. Bedenklich bleibt jedoch, dass sich fast drei Viertel von ihnen diskriminiert fühlen – vor allem aufgrund ihres Aussehens, Akzents oder ihrer Kleidung.

Zugleich zeigen diskriminierte Menschen mit Migrationshintergrund höhere Akzeptanzwerte gegenüber anderen marginalisierten Gruppen als Personen ohne Migrationshintergrund.

politik muslime entfremdet

Grafik: IZ (Foto: Adobe Stock)

Rückblick 2025: Sichtbarkeit an der Wahlurne, Unsichtbarkeit im Regierungsvertrag

Politisch war 2025 ein Schlüsselmoment für die in Deutschland lebenden Muslime. Die Bundestagswahl machte erstmals klar, wie relevant muslimische Wählerinnen und Wähler geworden sind – insbesondere in Großstädten, wo ihr Stimmenanteil bis zu sieben Prozent erreichte. Viele entschieden sich für Parteien links der Mitte, geleitet von Werten wie Gerechtigkeit, sozialer Verantwortung und Antidiskriminierung.

Der politische Ertrag blieb dennoch gering: Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD fanden muslimische Belange so gut wie keine Erwähnung. Für Organisationen wie den Zentralrat der Muslime bestätigte das ein verbreitetes Gefühl: politisch sichtbar, wenn Stimmen gebraucht werden – unsichtbar, wenn es um Mitgestaltung geht.

Europaweite Debatten über Radikalisierung und den „politischen Islam“ verschärften die Situation zusätzlich. Anschläge mit muslimischer Beteiligung lösten Sicherheitsmaßnahmen aus, begleitet von medialen Generalisierungen.

Der Extremfall verdrängte die Anerkennung alltäglicher Beiträge von Muslimen. Viele, die sich seit Jahren von radikalen Rändern abgrenzen, sprechen von einer „normativen Umkehrung“: Sie fühlen sich behandelt wie potenzielle Täter statt als Bürgerinnen und Bürger. Missverständliche Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum „Stadtbild“ verstärkten den Eindruck.

Zugleich wirkten globale Konflikte wie Gaza tief in muslimische Diaspora-Communities hinein. Friedliche Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen gegenüber den Palästinensern stießen oft auf ein Klima der Überwachung. Muslime kritisierten doppelte Standards und den Zerfall des internationalen Völkerrechts – ein Ausdruck ihres transnationalen Denkens: lokal verwurzelt und global betroffen.

Foto: KRM

Gesellschaft: Zwischen Basisarbeit, Panikmache und interreligiösen Brücken

2025 erlebte eine wachsende muslimische Zivilgesellschaft. Neue Moscheen, Jugendhilfevereine, Bildungsinitiativen und Demokratieförderungsprojekte entstanden in zahlreichen Städten. Podiumsdiskussionen zeigten, welche Verantwortung muslimische Akteure im Alltag übernehmen – im Sportverein ebenso wie im Sozialdienst.

Die Robert Bosch Stiftung verwies Anfang 2025 auf den wirtschaftlichen Erfolg muslimischer Unternehmerinnen und Unternehmer und die hohe demokratische Bildung von Muslimen. Solche positiven Meldungen gehen im öffentlichen Diskurs jedoch oft unter. Stattdessen dominieren alarmistische Erzählungen.

Islamfeindliche Übergriffe nahmen zu: Ein Imam wurde in London niedergestochen, eine Moschee in East Sussex brannte nach einem Anschlag, muslimische Mädchen wurden Opfer von Attacken.

In Deutschland und Frankreich stieg die Anzahl von Hassposts nach kursierenden Memes oder Kommentaren zur geopolitischen Lage. Parallel verbreiteten rechte Akteure demografische Panikszenarien einer vermeintlichen „Islamisierung Europas“, die als Begründung für Remigrationsforderungen und Zuwanderungsstopps dienten.

Gleichzeitig bot das Jahr seltene Momente des Dialogs. Durch die zeitliche Überlappung von Ramadan und christlicher Fastenzeit entstanden interreligiöse Initiativen, die zeigten, dass Europa mehr verbindet als trennt.

Konferenzen wie „Digital Islam across Europe“ oder „Europe’s Muslim Question“ erinnerten an die Beiträge des Islams zur europäischen Renaissance – und zeichneten das Bild einer Religion, die integraler Bestandteil des Kontinents ist.

Künftig wird es entscheidend sein, dass Religionsgemeinschaften gemeinsam ihre Positionen zu technologischer Innovation – von künstlicher Intelligenz bis Biotechnologie – klar formulieren.

Auch in diesem Jahr gelang es der muslimischen Community selten, Debatten jenseits politischer Fragen anzustoßen. Die Vielfalt einer ganzheitlichen Lebenspraxis stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, bleibt daher eine zentrale Aufgabe.

afd macht

Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek

Speerspitzenlogik der Rechten: Wie Extremisten zu Stellvertretern gemacht werden

2025 zeigte erneut, wie stark rechte Narrative davon leben, Muslime zu homogenisieren. Die „Speerspitzenlogik“ – radikale Minderheiten als Vorhut eines angeblichen Gesamtislam zu inszenieren – funktionierte wirkungsvoll. Die Logik ist so einfach wie wirkungsvoll: Straftaten einzelner Muslime werden der Religion an sich zugerechnet.

Rechte Influencer und AfD-nahe Stimmen erklärten Extrembeispiele zum Normalfall, verknüpften kulturelle Bedrohungsbehauptungen mit verzerrten demografischen Prognosen und schufen so ein Klima der Angst, das weit über ihre eigenen Milieus hinauswirkte.

Dabei ignorierten sie bewusst die empirische Realität: Die überwältigende Mehrheit der Muslime in Europa lehnt Gewalt ab, lebt demokratische Werte und ist gesellschaftlich eingebunden.

Auch Muslime stimmen der Haltung, Straftätern, die das Gastrecht in Deutschland ausnutzen auszuweisen, zu. Immerhin, in der AfD gab es im Jahr 2025 vereinzelte Stimmen, die langsam zu einer Differenzierung bereit sind. Wer am gesellschaftlichen Frieden interessiert ist, wird zustimmen, dass auf Dauer die Ausgrenzung einer bedeutenden Minderheit kaum möglich sein wird.

Das Kernproblem 2025: Die Verstummung der muslimischen Mitte

Das bedeutendste Phänomen spielte sich jedoch innerhalb der muslimischen Community ab: die stille Erosion der politischen und religiösen Mitte. Populismus ist kein Phänomen, das nur in der Mehrheitsgesellschaft zu finden ist. Die radikalen Ränder – salafistische Prediger, Hizb-ut-Tahrir-Aktivisten oder pro-Hamas-Stimmen – erzielen in sozialen Medien enorme Reichweiten, moderate Stimmen blieben dagegen nahezu unsichtbar.

Medien griffen bevorzugt extreme Beispiele auf, während alltägliche Predigten gegen Gewalt und Polarisierung kaum Beachtung fanden. Muslimische Verbände gerieten von zwei Seiten unter Druck: Rechtsradikale warfen ihnen „Taqiyya“ vor, während radikalisierte Jugendliche sie als „inkonsequent“ kritisierten. Viele Imame und Gemeindevertreter zogen sich daher bei kontroversen Themen zurück – aus Angst vor Angriffen von beiden Seiten.

Das Ergebnis ist ein gefährlicher Teufelskreis: Je leiser die Mitte, desto lauter erscheinen die Extreme. Und je dominanter Extremisten wahrgenommen werden, desto stärker frustriert oder entfremdet sich die moderate Mehrheit.

Besonders die junge Generation, geprägt von Influencern im Netz und enttäuscht von traditionellen Verbänden, sucht neue Identitäten – oft zwischen Polarisierung und Rückzug.

staatsvertrag

Foto: DITIB.org

Ausblick: Die Wahl zwischen Polarisierung und Partnerschaft

2025 machte deutlich, dass die Zukunft europäischer Muslime nicht allein von Islamfeindlichkeit oder internen Konflikten abhängt, sondern von der Fähigkeit, die moderate Mitte zu stärken. Dafür braucht es neue Plattformen für nüchterne Stimmen, faire politische Debattenregeln und unabhängige Förderung innovativer Bildungs- und Jugendprojekte.

Europa steht vor einer Entscheidung: Bleiben die Muslime Projektionsfläche für Ängste und Identitätskämpfe – oder werden sie, als das anerkannt, was sie längst sind: ein vielfältiger, dynamischer und demokratischer Teil Europas?

Muslime haben 2025 gezeigt, dass sie diese Zugehörigkeit leben wollen. Was fehlt, ist ein gesellschaftlicher Raum, der ihnen zuhört. Denn die wichtigste Stimme des Jahres war nicht die der Lauten – sondern die derjenigen, die kaum noch Gehör finden: die muslimische Mitte.

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Jahresrückblick 2025: Handeln statt nur zu klagen

Rückblick 2025 Muslime ehrenamt

Aus- und Rückblicke: Trotz aller Herausforderungen brachten sich Muslime 2025 positiv ein.

(iz). Fasst man die Stimmungslage vieler Muslime für das zurückliegende Jahr zusammen, lässt sie sich fraglos als „durchwachsen“ beschreiben.

Die anhaltende Gewalt gegen die Bevölkerung in Gaza und der Westbank, der begründete Vorwurf der Parteilichkeit gegenüber Leitmedien sowie wachsende Muslimfeindlichkeit sorgen verständlicherweise kaum für gute Laune. Aber ist das die ganze Wahrheit?

Zum einen gilt, dass sie nicht isoliert von der Gesamtstimmung der Deutschen sind. Seit der Bundestagswahl ist die politische Stimmung zu einem Gemisch aus Müdigkeit, Misstrauen und leiser Wut geronnen.

Meinungsumfragen zeigen einen drastischen Absturz der Regierungszufriedenheit; im Herbst 2024 sind rund 85 % mit der Arbeit der Regierung Merz unzufrieden. Parallel bröckelt das Vertrauen in Parteien und Institutionen.

Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek

Menschen empfinden die Politik als überfordert mit Krisen, sehen die Demokratie nicht am Ende, beobachten einen Vertrauensverlust. Hinzukommt die für viele entscheidende Ökonomie.

Die wirtschaftliche Verunsicherung frisst sich quer durch die Milieus: Während eine Mehrheit die persönliche Lage weiterhin als stabil beschreibt, dominiert die Angst vor Wohlstandsverlust, Deindustrialisierung und sozialen Verteilungskämpfen.

Manche übersehen angesichts solcher Herausforderungen andere Aspekte, die von der „Tagespolitik“ (so unser Feuilletonist in dieser Ausgabe) vergiftet werden.

Dazu gehören die wesensmäßige Dankbarkeit und der spirituelle Optimismus der islamischen Lehre. Hieran erinnert der prophetische Rat, selbst kurz vorm Ende einen Setzling zu pflanzen.

Ohne, dass wir es geplant hätten, finden sich in dieser Ausgabe zu Beginn des neuen Jahres positive Beispiele für aktive Muslime und Projekte, die es anders sehen.

Fotos: Benjamin Idriz/Facebook

Das ist der oberbayrische Imam, der weit über die Grenzen seiner Gemeinschaft hinaus seit Langem unermüdlich für eine Begegnung der Menschen arbeitet. Ein anderer Aspekt ist der Publizist, für den Moscheen wichtige soziale Räume sind. Oder wir präsentieren die Arbeit einer Beraterin, die Frauen hilft, Trennung und Scheidung zu bewältigen.

Trotz aller Veränderungen engagieren sich knapp 37 % der Deutschen im Ehrenamt. Spätestens seit 2015 nimmt es unter Muslimen ebenfalls an Fahrt auf, hier sind es ca. 28 %.

Wir beleuchten im Hintergrundgespräch mit einem Projekt in Berlin nicht nur, wie sich Engagement steigern lässt, sondern auch, dass Engagement ein wesentlicher Aspekt der Existenz ist. 

Und es steht für die existenzielle Erkenntnis, die wir aus unserer spirituellen Lebenspraxis ziehen, dass der Dienst am Nächsten kein Zwang ist, vielmehr am Ende dem häufig zitierten „Empowerment“ dient.

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Muslimische Science-Fiction auf Deutsch: „Der Weiße Lammbock“

Science-Fiction

Muslimische Autoren bereichern zunehmend die Science-Fiction-Landschaft und schaffen Geschichten, die spekulative Technologie mit eigenständiger Philosophie, Folklore und gelebter Erfahrung verbinden.

(iz). Dieses Subgenre, manchmal auch als „islamische Science-Fiction“ bezeichnet, erforscht Zukunftsvisionen, die von Glauben, kultureller Vielfalt und alternativen Geschichtsverläufen geprägt sind, hinterfragt Stereotypen und erweitert den kreativen Horizont über traditionelle westliche Rahmenbedingungen hinaus. Von Laila Massoudi

Autoren wie Somaiya Daud, Saladin Ahmed und Deena Mohamed nutzen das Genre, um Themen wie Migration, Gerechtigkeit und Identität anzusprechen, wobei sie oft arabische, persische oder südasiatische Einflüsse einfließen lassen.

Ihre Werke hinterfragen die Grenzen zwischen Wissenschaft, Spiritualität und Gesellschaft und bieten nuancierte Visionen von einer Zukunft, in der muslimische Stimmen den technologischen Fortschritt, ethische Dilemmata und interplanetarische Erzählwelten prägen.

Von deutschen bzw. deutschsprachigen AutorInnen wurde dieses Feld bisher kaum bestellt. Jetzt hat N. Alp Uçkan mit „Der Weiße Lammbock“ (im Selbstverlag) einen Anfang gemacht.

„Der Weiße Lammbock“ ist ein politischer Zukunftsroman, der eine dystopische Nah-Zukunft entwirft und diese konsequent als Spiegel gegenwärtiger gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen nutzt.

Im Zentrum steht Raschid, ein unspektakulärer, gläubiger Stadtbewohner, der zunächst unauffällig im Raster eines digital gesteuerten Überwachungsstaates funktioniert.

Sein Weg aus der reglementierten Megacity, über den Untergrund der „Crows“ bis hinauf zur verborgenen Berggemeinschaft der „Weisen“, strukturiert den Roman als Initiations- und Bewusstwerdungsgeschichte.

Foto: Szenenbild aus dem 1. Teil von „Dune“, Warner Bros. Entertainment Inc.

Die Welt der Stadt ist dicht und anschaulich gebaut: Social Scores, allgegenwärtige Sensorik, KI-gestützte Verwaltung und militarisierte Polizeieinheiten bilden den selbstverständlichen Hintergrund einer scheinbar stabilen Ordnung.

Besonders gelungen ist, wie das Buch diese Normalität in kleinen Irritationen aufbricht – etwa durch das wiederkehrende Symbol des weißen Lammbocks oder durch die randständigen Figuren, die sich dem System bereits entzogen haben.

Die „Crows“, eine lose Gemeinschaft von Cyberpunks und Aussteigerinnen, sind dabei weniger romantisierte Rebellen, sondern Menschen mit Ecken, Brüchen und eigenen blinden Flecken. Hier gewinnt der Text an sozialer und psychologischer Tiefe.

Mit dem Ortswechsel zum Tal und zur Bergfestung verändert sich die Tonlage merklich. Die „Weisen vom Berg“ leben eine Mischung aus klösterlicher Disziplin, Widerstand und spirituell fundierter Strategiearbeit. Der Roman zeichnet diese Gemeinschaft weder als sektenhaften Erlösungsort, noch sieht er in ihr eine perfekte Gegenwelt.

Er betrachtet sie als ambivalentes Experiment: Hier wird hart gearbeitet, gestritten, gezweifelt – und zugleich wächst eine Kultur, die Spiritualität, Technik und politisches Kalkül miteinander verschränkt.

Raschids Entfernung seines Implantats, das Training, die Einbindung in konkrete Aufgaben und schließlich seine Rolle als Anführer markieren eine nachvollziehbare innere Entwicklung.

Stark ist das Buch immer dann, sobald Technik und Transzendenz direkt aufeinandertreffen: wenn Gebet und rituelle Waschung mitten in einer Hightech-Infrastruktur stattfinden, oder Neuroflux-Fallen und Datencores mit Begriffen von Verantwortung, Opferbereitschaft und jenseitiger Hoffnung verschränkt werden.

Die spirituelle Dimension bleibt dabei nicht abstrakt, sondern ist eng mit Alltag, Körperlichkeit und Gemeinschaftspraxis verbunden. Das unterscheidet den Text von vielen säkularen Cyberpunk-Varianten.

Sprachlich setzt der Roman auf eine Prosa, die vor allem in Natur- und Architekturpassagen überzeugt: das Smogdach der Stadt, das weite Tal im Spät- oder Altweibersommer, die kühle Marmorarchitektur des Bergs bleiben in Erinnerung.

Actionsequenzen – Überfälle, Fluchten, der finale Serverraumeinsatz – sind klar strukturiert und nachvollziehbar, ohne in reine Effektlogik abzurutschen.

N. Alp Uçkan, Der Weiße Lammbock, https://mslmdvlpmnt.com

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Neue Plattform will das Reisen erleichtern

plattform reisen dunya

Die junge Plattform Dunya Halalreisen will MuslimInnen mehr Möglichkeiten bei ihren Bedürfnissen auf der Reise bieten.

(iz). Für viele muslimische Reisende beginnt die Urlaubsplanung mit einer Herausforderung: Spärliches Angebot von halalkonformen Unterkünften, die gängigen Buchungsportale bieten kaum passende Filter, und häufig bleibt unklar, ob ein Hotel den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Genau an dieser Stelle setzt ein neues Projekt an, das seit Kurzem in der Community Aufmerksamkeit erhält: Dunya Halalreisen.

Die Plattform wurde 2023 von Sami und Noah gegründet, zwei Visionären aus Süddeutschland. Sie kamen auf die Idee, nachdem sie auf Reisen erlebt hatten, wie schwierig es ist, Unterkünfte zu finden, die mit ihren Werten vereinbar sind – selbst in mehrheitlich muslimischen Ländern.

Gemeinsam erkannten sie eine strukturelle Lücke, die weit über individuelle Erfahrungen hinausreicht: Es fehlt im deutschsprachigen Raum an einer zentralen, vertrauenswürdigen Anlaufstelle, die halalkonformes Reisen zeitgemäß ermöglicht.

Sami, gelernter Tourismusmanager, und Noah, ausgebildeter Entwicklungsforscher, bringen jeweils unterschiedliche Perspektiven ein – fachliche Expertise auf der einen Seite, analytisches Verständnis gesellschaftlicher Bedürfnisse auf der anderen.

Diese Kombination prägt die Plattform und erklärt, warum das Projekt nicht nur als technische Lösung, sondern auch als persönliche Antwort auf eigene Reiseerfahrungen entstanden ist.

Das Projekt versteht sich nicht als bloße Buchungsplattform. Es verfolgt einen umfassenderen Ansatz: Es soll muslimischen Reisenden perspektivisch Orientierung bieten, bei der Wahl der Unterkünfte, der Restaurants und der Freizeitmöglichkeiten.

Halal zu reisen bedeutet in dieser Perspektive, eine Umgebung zu finden, die islamische Prinzipien respektiert – von alkoholfreien Quartieren über Gebetsmöglichkeiten bis hin zu familienfreundlichen Angeboten und geschlechtergetrennten Bereichen.

Die Realität zeigt, wie selten solche Informationen auf großen Reiseportalen vertrauenswürdig verfügbar sind. Aktuell listet die Plattform ausschließlich Unterkünfte, die anhand definierter Kriterien geprüft wurden.

Damit möchten die Gründer eine Basis schaffen, auf der schrittweise ein verlässliches und stetig wachsendes Angebot entsteht.

Foto: Prostock-studio/Adobe Stock

Die Gründer setzen dafür auf Transparenz und eine sorgfältige Prüfung der gelisteten Unterkünfte. Ziel ist es, eine stetig anwachsende Auswahl an muslimfreundlichen Hotels, Ferienwohnungen und Villen zugänglich zu machen.

Die Plattform möchte langfristig zur zentralen Adresse für halalkonformes Reisen im deutschsprachigen Raum werden und dadurch Halalreisen auf Dauer kostengünstiger anbieten.

Perspektivisch soll Dunya Halalreisen zu einer vollumfänglichen Reiseplattform ausgebaut werden. Geplant ist die Integration weiterer Dienstleistungen wie Mietwagen und Flügen.

Darüber hinaus möchten die Gründer die Reiseerfahrung der Community durch eigene Blogbeiträge, Hinweise zu Reisezielen, Vorschläge für Reiserouten und die Vermittlung von Aktivitäten bereichern – ein ganzheitlicher Ansatz, der das Reisen insgesamt erleichtern soll.

Dunya Halalreisen steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren innerhalb der muslimischen Zivilgesellschaft verstärkt sichtbar wird: junge Akteure, die sich in Deutschland aktiv einbringen, um ein breites zeitgemäßes Angebot für die Gemeinschaften selbst zu kreieren.

Die Projekte, die aus der Community entstehen, verbinden auf moderne Weise islamische Werte mit technologischen Lösungen. So können Initiativen dort nachhaltige Strukturen schaffen, wo bisher Unsicherheit und Informationslücken herrschten. Die Gründer betonen zugleich, dass sie sich noch am Anfang befinden.

Die positive Resonanz zeigt jedoch bereits jetzt, wie stark der Bedarf in der Community ist und wie sehr der Wunsch nach verlässlichen Reiseangeboten, die den eigenen Wertvorstellungen entsprechen, wächst.

Die Initiative der beiden Gründer ist ein Schritt in Richtung einer Zukunft, in der halalkonformes Reisen nicht die Ausnahme bleibt, sondern zur Normalität wird, ähnlich wie solche Lebensmittel in deutschen Supermärkten normal geworden sind.

Für viele muslimische Familien könnte dies eine deutliche Entlastung bedeuten – und einen Beitrag zu mehr Selbstbestimmung und Spaß im Reisealltag leisten.

Link: https://commonsplace.de/project/dunyahalalreise unterstützen!