Eine Rezitation der qur’anischen Offenbarung erfolgt nach überlieferten Regeln (iz). Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, dass die göttliche Offenbarung in sieben Dialekten (arab. […]
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Eine Rezitation der qur’anischen Offenbarung erfolgt nach überlieferten Regeln (iz). Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, dass die göttliche Offenbarung in sieben Dialekten (arab. […]
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Von Waffenlieferungen bis zu Erinnerungen an Solingen – Kurzmeldungen Deutschland der Ausgabe Nr. 347. Beamte fordern Ende von Waffenlieferungen BERLIN (IZ). Seit weit mehr als einem halben Jahr führen die […]
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(iz). Wahrscheinlich ist der Qur’an im 21. Jahrhundert nicht nur zum auflagenstärksten Buch, sondern inzwischen auch zum meistübersetzten auf dem Globus geworden. Allein im deutschen Buchhandel werden aktuell bis zu über 20 verschiedene Übersetzungen angeboten.
Für den westlichen Leser bleibt er nach wie vor eine große Herausforderung, die grundlegende Schrift einer Weltreligion inhaltlich zu erschließen. Um es mit den Worten von Bruce Lawrence zu sagen: „Der Qur’an ist ein Buch wie kein anderes.“ Das liegt vor allem daran, dass er im engeren Sinne nicht übersetzbar ist und deshalb die Bezeichnung „Qur’an“ nur der arabische Text verdient.
In der Tat ist jede Übersetzung streng genommen auch eine Interpretation des Übersetzers, was letztlich nur eine verkürzte Darstellung des Originaltextes ist. Weshalb auch in absehbarer Zukunft alle Übersetzungen zum Scheitern verdammt zu sein scheinen, wird von Hanz Zirker, der den Qur’an selbst ins Deutsche übertragen hat, nachdrücklich veranschaulicht:
„Nach islamischer Überzeugung erschließt sich der unvergleichliche Rang des Qur’an im ästhetischen Erleben. In dieser Hinsicht gerät jede Übersetzung schnell an ihre Grenzen. Die arabischen Wort- und Satzformen des Originals gehen in ihr verloren; der originale Klangkörper ist nicht übertragbar. Die Erfahrung, dass der Qur’an primär nicht geschrieben-gelesenes, sondern rezitiert-gehörtes Buch ist, kann in keiner anderen Sprache vermittelt werden.
Foto: Archiv
Dies heißt aber nicht, dass die Übersetzung sich darauf beschränken müsste, einigermaßen den semantischen Gehalt des Qur’an, das in ihm Gemeinte, zu treffen, als ob er ein dogmatisches Lehrbuch, ein Katechismus, eine Rechtssammlung oder ähnliches wäre.
Seine Sprache lebt entscheidend auch von ihren vielfältigen kommunikativen Strukturen, rhetorischen Gesten, paränetischen Ausdrucksformen, szenischen Skizzen, Rollenzitaten, antiphonischen Wechselreden, Zwischenfragen und Zwischenrufen, Satzbrüchen, kommentierenden Anmerkungen, emphatischen Klauseln usw. Dies soll möglichst deutlich zu erkennen sein.“
Demgemäß ist Allahs Buch einzigartig in seinem Stil, Syntax und Sprache, was ausnahmslos von allen Philologen anerkannt wird, die sich mit der arabischen Fachliteratur beschäftigen.
Selbst ein säkularer Qur’an-Wissenschaftler wie Nasr Hamid Abu Zaid (gest. 2010) musste nach jahrzehnterlanger Forschung schließlich eingestehen, dass die Sprache des Qur’ans nicht nur arabische Muslime sinnlich berührt, sondern dass auch arabische Christen von dieser unnachahmlichen sprachlichen Schönheit Iʿdschaz (dt. unfähig zu machen) ohnehin berührt sind.
Jacques Berque (gest. 1995), der ohne Zweifel zu den bedeutendsten Orientalisten des 20. Jahrhunderts gehörte, bemerkt dazu in Bezug auf den Iʿdschaz an: „Man muss jedoch nicht unbedingt Muslim sein, um die einzigartige Schönheit, den Reichtum und die universale Bedeutung des Qur’antextes zu empfinden.“
In der Tat kann sich auch ein Nichtmuslim von der Faszination der poetischen Sprachgewalt der Schrift nicht entziehen, wie dies unter anderem von Johan Wolfgang von Goethe (gest. 1832) wie folgt beschrieben wurde: „(…) grenzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses Heiligen Buches, das uns, sooft wir auch darangehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt.“
Foto: Osman Hamdi Bey, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0
Dennoch gab es seitens von traditionellen Muslimen in der Vergangenheit einen erheblichen Widerstand gegen jegliche Übersetzungen, da sie nicht dieselbe linguistische Wirkung wie das Original in arabischer Sprache vermitteln kann.
Als prominentes Beispiel für die Unzulänglichkeit einer Übersetzung, kann hier die Anekdote des ehemaligen CDU-Politikers Christian Abdul Hadi Hoffmann (gest. 2015) angeführt werden. Aus Interesse, um den Islam besser zu verstehen, kaufte dieser in einer Buchhandlung eine deutsche Qur’an-Übersetzung. Nach geraumer Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Übersetzung alles andere als gut war:
„Schon beim Kauf machte ich aus Unwissenheit einen schweren Fehler: Ich kaufte eine völlig unkommentierte Ausgabe, in der Annahme, ich könne die Aussagen schon verstehen und in ihrer Bedeutung richtig erkennen. Heute weiß ich, dass auch der deutsche Text schlecht war, und ich kann nur dankbar sein, dass ich durch dieses Experiment nicht in die Irre gegangen bin.“
In diesem Zusammenhang kritisiert der Islamwissenschaftler Stefan Weidner die Übersetzungsarbeit dahingehend, dass die deutschen Übersetzungen fast ausnahmslos von keinem fachspezifischen Übersetzer übersetzt wurden: „Alle Qur’an-Übersetzer, die neuen wie die alten, Rückert ausgenommen, sind keine Übersetzer, geschweige denn erfahrene. Sie sind immer nur und allein Qur’an-Übersetzer und ansonsten Akademiker (…).“
Foto: Madrassa Wazzania, Larache/Norwich
In diesem Fall sollte noch berücksichtigt werden, dass die arabische Sprache im Vergleich zu der deutschen besondere Merkmale aufweist, deren Kenntnisnahme von grundlegender Bedeutung ist. Denn im Qur’an sind Wörter und Sinn derart verbunden, dass keine Übertragung den wahren Sinn im eigentlichen Sinne erfassen kann.
Das Arabische kann verschiedene Bedeutungen beinhalten, wobei jedes Wort auf andere Begriffe hindeuten und somit inhaltliche Beziehungen zu anderen Begriffsebenen ausgedrückt werden können.
Aufgrund dieser Vielschichtigkeit seiner Bedeutungsebene werden die Ritualgebete nur auf Arabisch rezitiert. In seinem Buch „Der Islam im 3. Jahrtausend – Eine Religion im Aufbruch“ bringt Murad Wilfried Hofmann in wenigen Sätzen diese Begebenheit treffend auf den Punkt: „Das Arabische ist fähig, zeitlich unbestimmte Aussagen zu machen, wofür wir uns etwa mit ‘es war’, ‘es ist’ und ‘es wird sein’ behelfen müssten. Ferner kann man in dieser Sprache künftige Ereignisse, deren Eintreten gewiss ist, als bereits geschehen in der Vergangenheitsform aussagen. Schließlich kann jedes arabische Wort in acht verschiedene Modalitäten gebracht werden, ob die dabei entstehende Bedeutung in der realen Welt möglich ist oder nicht. Dies qualifiziert das Arabische besonders für philosophisch-spekulatives und wissenschaftlich-hypothetisches Denken.“
Obwohl die Nestorin der deutschen Islamwissenschaft Annemarie Schimmel (gest. 2003), sämtliche Bücher und Texte aus dem Arabischen übersetzte, gestand sie sich unverhohlen ein:
„Ich bin immer wieder gefragt worden, ob ich nicht den Qur’an übersetzen wolle. Doch das traue ich mir nicht zu. Um wirklich so weit wie möglich den Ton zu treffen, müsste ich die gesamten Kommentare gelesen und mein ganzes Leben ausschließlich den Qur’an studiert haben. Allein vor dem Hintergrund meiner philologischen und islamkundlichen Erfahrungen würde ich es nicht wagen.“
Der Qur’an ist das erste Buch, das in arabischer Sprache geschrieben wurde. Die Verehrung in seiner Originalsprache hat ohne weiteres bewirkt, dass sich das Arabische seit Beginn der Offenbarung nicht ausschlaggebend verändert hat. Sein Wortschatz ist nach wie vor auch heute noch Umgangssprache.
Dennoch ist seine Übersetzung von wesentlicher Bedeutung, um zumindest seine „ungefähre Bedeutung“ den nicht Arabisch sprechenden Menschen in seinen wesentlichen Zügen zu vermitteln. Die Bandbreite dieser Übersetzungen scheinen eine enorme Herausforderung zu sein, indem zwischen poetischen und nichtpoetischen Übersetzungen zu unterscheiden ist. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Auch die gelungenste Übersetzung könnte nicht die rhetorische Wucht, die Dynamik seiner Alliteration und die Beschleunigung oder Verlangsamung des Rhythmus auch nur adäquat wiedergeben.
Ein weiteres Jahr ist vergangen und wir stehen wieder einmal kurz vor dem Ramadan, des glorreichen Monats, auf dessen Beginn wir sehnsüchtig warten (iz). Allah sagt in Seinem edlen Buch: […]
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Der Umgang mit dem Qur’an, dem Wort Allahs, erfordert ein angemessenes Verhalten und folgt Regeln. (iz). Auch wenn der Umgang mit ihm Teil des täglichen Lebens ist und sein sollte, […]
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Zeit: Prof. Dr. Enes Karic gibt einen Überblick über Aspekte und wichtige Begriffe. Ziel dieses Textes ist es, die wichtigsten qur’anischen Begriffe, die sich auf die Zeit oder einen ihrer […]
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Könnte eine KI ein Buch wie den Qur‘an schreiben? (iz). Wunder, die die Propheten bewirkten, orientierten sich immer am zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext. Zum Beispiel konnte der Prophet Moses eine […]
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Tugenden: In Qur’an und Sunna finden sich Verweise auf den guten Charakter. Genügsamkeit – je mehr man über sie (arab. qana’a) nachsinnt, desto weniger setzt man sich unter Druck. Was […]
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Bedauerlicherweise befindet sich Sprache in diesem Stadium der Geschichte im Niedergang. Das ist keine nostalgische oder sentimentale Aussage. „Und als dein Herr zu den Engeln sagte: ‘Ich bin dabei, auf […]
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(iz). Seit Menschen denken, beschäftigt sie das Phänomen der Schönheit. Warum findet man etwas schön, unter welchen Voraussetzungen erfahren wir das Schöne und wie stehen wir heute zu den Werken der Klassik? „Wer mit dem Schönen und Göttlichen umgeht, wird selbst schön und göttlich“, lehrte Platon. Nach seiner Philosophie erkennt der Mensch das Erhabene in sich und Anderen, dann in den Seelen und so findet er zu der übergeordneten, allgemeinen Idee des Schönen. Über viele Jahrhunderte waren diese Erfahrungen mit der Existenz des Göttlichen verknüpft. Bis in die moderne Dichtung war dieser Leitgedanke stets präsent. „Alle, die in Schönheit gehn, werden in Schönheit auferstehn“, heißt es in einem Gedicht Rainer Maria Rilkes.
In der heutigen Zeit, geprägt von der Entzauberung der Welt, sind die gewohnten Begriffe kompliziert geworden. Die Erfahrung des Schönen, die Beschreibung der Schönheit dreht sich um die Frage, ob sich das Phänomen allein aus der subjektiven Bestimmung des Individuums oder aus objektiven Kriterien heraus ableiten lässt. Die moderne Kunst spiegelt diese Verunsicherung, die mit den scheinbar allgemein gültigen Eigenschaften der Ästhetik einhergehen. Sie bietet keine verbindliche Definition an, sondern fordert auf, über das Wesen des Schönen nachzudenken. Die Objektivisten vertreten in diesem Kontext die Ansicht, dass Schönheit ein geistesunabhängiges Merkmal der Dinge ist. Die Gegenposition ist der Auffassung, dass der Einzelne oder eine Gruppe von Menschen dieses Urteil fällen.
Die Debatte um diese Fragen reicht weit zurück in die deutsche Geistesgeschichte. Ästhetische Urteile basieren nach Kant auf privaten, subjektiven Empfindungen des Gefallens oder der Abneigung, der Lust oder Unlust. Schönheit sei eine „Zweckmässigkeit ohne Zweck“. Der Philosoph stellt fest: Über das Angenehme lässt sich nicht streiten, denn jeder empfindet etwas anderes als angenehm. Ästhetische Urteile dagegen sind zwar persönlichen Ursprungs, sie haben jedoch Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Nach dieser Logik bedeutet es, über die Schönheit eines Gegenstandes zu richten, zugleich, ein Urteil zu fällen, dem auch andere zustimmen müssten. Die Kunst und der mögliche Konsens über das Schöne und Wahre, wird zu der eigentlichen kulturstiftenden Kraft einer Epoche. Sie tritt damit zunehmend in Konkurrenz zur Religion.
Für Schiller ist die Kunst eine Tochter der Freiheit. „Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf, leiste deinen Zeitgenossen, aber was sie bedürfen, nicht was sie loben“, schreibt er in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung. Für den Dichter ist der Mensch ganz Mensch, wo er spielt, dichtet und erschafft und sich in seiner Freiheit von persönlichen Begierden, aber auch von den Machenschaften und den Zwängen des Politischen fernhält. Die Anschauung des Schönen schafft einen mittleren Zustand, in einer glücklichen Mitte zwischen den Gesetzen der Gesellschaft und den Bedürfnissen des Einzelnen. Seine Maximen führen ihn von der Schönheit zur Wahrheit und schließlich zur Pflicht. „Der Mensch in seinem physischen Zustand erleidet bloß die Macht der Natur, er entledigt sich dieser Macht in dem ästhetischen Zustand, und er beherrscht sie in dem Moralischen“, fasst Schiller seine Philosophie zusammen.
Wie kommt man aber in diesen Zustand? Der freie Mensch lässt sich möglichst unvoreingenommen von den herrschenden religiösen Überzeugungen auf die Objekte ein. In den Mittelpunkt der Erfahrung rückt dabei der Betrachter selbst, der, in aller Offenheit, seinen Blick auf das Ding an sich richtete. Der chinesische Maler Wang Yüan Ch’i ermahnte seine Schüler, die das Wesen einer Kiefer erfassen wollten, von der Kiefer selbst zu lernen. Dabei sollte nicht ihr Ego für eine Abwägung oder Kategorisierung gebraucht werden. Die Aufgabe war es vielmehr, in das Objekt einzudringen, bis ihnen ihr unergründliches Wesen offenbart wird. In seinem Text „Über die Seele“ (1917) ergänzt Herman Hesse, dass nur mit einem Schauen, das reine Betrachtung ist, die Seele der Dinge, also ihre Schönheit, erscheint. Diese Phänomenologie erlaubte eine Form der religiös anmutenden Erfahrung, ohne sich gleichzeitig auf eine konkrete Religion einzulassen.
Die moderne Kunst stellt mit dem Ende der Metaphysik und ihrer allgemeinverbindlichen Gewissheiten zunehmend die traditionellen Konventionen und Ursprünge der Welt in Frage. Françoise Gillot, Lebensgefährtin des spanischen Künstlers Picasso, berichtet („Mein Leben mit Picasso“) über das Kunstverständnis des Malers. Für ihn sei die Kunst der Griechen von ihren gemeinsamen Regeln und Traditionen bestimmt gewesen, diese Überzeugungen gerieten in Vergessenheit, es begann der Individualismus, der Impressionismus und damit das Ende der klassischen Malerei. Die Werke verstanden sich nicht mehr als Lobpreisung des Göttlichen, sie drückten eine individuelle Erfahrung aus. Die Kunst wurde zur Religion des Säkularen. Was sich dem Menschen in den Kunstwerken offenbarte, war nicht unbedingt Ausdruck der Nähe zu der Existenz eines Gottes oder einer transzendenten Idee.
Spätestens seit den Erfahrungen der Weltkriege verstanden sich die Künstler als Teil einer revolutionären Kraft. Ihre Überzeugung war es, dass eine wahre Kunst die erlebte Zerstörung durch die Ideologien reflektieren müsse. Pablo Picasso verewigt diese Sicht mit seinem Bild über Guernica, einer von einem deutschen Luftangriff zerstörten Stadt. Dadaisten und Surrealisten kämpften gegen das bürgerliche Verständnis der Kunst an. Die Entfernung zu den Ursprüngen aller Werke war nicht mehr zu übersehen.
In der Malerei, in der Dichtung, in der Musik wurde experimentiert, provoziert und schockiert. In den Museen trafen die Menschen auf Kunstwerke, die die Sehgewohnheiten vergangener Jahrhunderte in Frage stellten. Das Bürgertum empörte sich über die Zumutungen oft mit der Klage: Das ist nicht schön! Die Künstler selbst wurden Teil einer Avantgarde, ihre Werke mutierten nur wenige Jahrzehnte später zu teuer verkauften Konsumartikeln. Die Kommerzialisierung der Kunst war nicht aufzuhalten. „Kunst hat immer die Kraft, Menschen zu begeistern und kulturelle und geistige Transformationen zu beflügeln. Das wird aber nicht gelingen, solange der Kunstbetrieb total kommerzialisiert ist und sich, was Kunst ist, nicht durch Schönheit, sondern durch seinen Marktwert definiert“, kritisiert der Philosoph Christoph Quarch diesen Trend. Auch wenn immer mehr Museen gebaut werden, der Traum einer revolutionären, weltverändernden Kunst gehört heute längst der Kunstgeschichte an.
In der islamischen Welt war über Jahrhunderte die Kunst traditionellen Normen unterworfen. Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom hielt das muslimische Kunstverständnis zunächst für unmenschlich. „Es gibt kein Gesicht und keine Gestalt, an denen man sich festhalten kann, die Religion lässt keine menschliche Darstellungen zu, diese Kunst ist nichts als Form, Konstruktion und Geometrie.“ Später erkannte er bei einem Besuch der Alhambra in Granada eine andere Dimension, er entdeckte in den Verzierungen, den Arabesken, eine Schrift und damit einen Raum, der sich mit fließenden Worten selbst beschreibt. Auf diese Weise ergriffen, ahnte er, dass nicht nur die Menschen Reisende sind, sondern ebenso der Kosmos und die Buchstaben in steter Bewegung sind. Die Schönheit dieser Erfahrung spiegelt sich in jeder Zeile, die dem Dichter in seinem Text („Der Blinde und die Schrift“) zufließen.
Navid Kermani beschreibt in seinem Buch „Gott ist schön“ die Ästhetik des Islams und verweist darauf, dass der Qur’an selbst Zeugnis über seine ästhetische Wirkung gibt: „Gott hat herabgesandt die schönste Kunde“ (Az-Zumar, Sure 39, 23). Für Kermani dominieren die ethisch-moralischen und für die Gesetzgebung und die gesellschaftliche Normgebung relevanten Elemente den heutigen Eindruck über das Leben der Muslime. Der Qur’an ist keine Poesie, aber die Erfahrungen der Schönheit, insbesondere die Harmonie der Rezitation, gehört zu einer ganzheitlichen Lebenspraxis dazu. „Im kulturellen Gedächtnis der muslimischen Gemeinde tritt ihr Verlangen, den Koran zu hören, als ein ästhetisches auf, wird davon ausgegangen, daß es – nicht allein, aber doch als ein wesentlicher Faktor, die sprachliche Gestalt des Textes war, die auf die Zeitgenossen Muhammads wirkten“, schreibt er. In vielen Moscheen, unabhängig davon, ob die Gläubigen arabisch-sprachig sind oder nicht, ist das Wunder dieser Vermittlung heute zu beobachten. Liebe und spirituelle Erfahrungen sind für Kermani aus dem Mittelpunkt einer maßvoll ausgeübten Religion nicht wegzudenken. Ohne den Bezug zur Schönheit, argumentiert der Schriftsteller, droht die islamische Lebenserfahrung in einem kalten System von Gesetzen zu erstarren. Hier mag man sich wieder an die Philosophie Schillers erinnern und an seine Mahnung, die Lebenskunst und die Freiheit in ihrer Einheit zu verstehen. Unter den Verhältnissen des Zwanges entfaltet sich keine Schönheit.
Wer auf der Reise nach Mekka die Millionen Pilger gesehen hat, die um das Haus Allahs kreisen, wird dies mit dem Begriff der Harmonie verbinden. Mensch, Schöpfung und Schöpfer bleiben aufeinander bezogen. Es ergibt sich eine Gestalt, die aus mehr besteht als nur aus ihren Teilen. In ihrem Grundkern wirkt die ästhetische Erfahrung unverändert fort. In Qadi Ijads „Asch-Schifa“ findet sich ein Kapitel zur Schönheit des Propheten. Seine Erscheinung wird darin detailliert beschrieben und eine Beschreibung des Abu Huraira wiedergegeben: „Nie habe ich etwas Schöneres gesehen als den Gesandten Allahs! Es war, als strahle die Sonne aus seinem Gesicht, und wenn er lachte, strahlte es zurück von den Wänden.“
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