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„Dass ihr Taqwa erlangen möget“: 3 Gelehrte über den Ramadan

Schaban Monate taqwa

Ramadan 2025: Ratschläge von 3 bekannten Gelehrten, die über Taqwa und andere Aspekte des Fastens sprechen.

(iz). Das verpflichtende Fasten im Monat Ramadan unterliegt verschiedenen rechtlichen Kriterien, die festlegen, was wir tun können und was nicht. Nach der rechtlichen Ebene folgen empfohlene Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die aus unserer Enthaltsamkeit mehr machen als nur Hunger und Müdigkeit. Durch die entstehende Perfektionierung unseres Verhaltens öffnen wir unsere Wahrnehmung für die Geheimnisse und Segnungen der Enthaltsamkeit in dieser Zeit. So erhalten wir Wissen von Allah, das seinerseits zu mehr Taqwa bei uns führt.

„Dass ihr Taqwa erlangen möget“: Qadi ‘Iyad über die äußeren Aspekte

Qadi Iyad Abu Fadl Al-Yahsubi (1083-1149) ist ein Gelehrter und Universalgelehrter aus Ceuta (im heutigen Nordmarokko). Er galt als führender Experte für malikitisches Recht und Hadithwissenschaft seiner Zeit. Er war ein ‘Alim, Richter, Historiker und Dichter und gilt als einer der „sieben Heiligen von Marrakesch“. Sein bedeutendstes Werk dürfte heute das „Kitab Asch-Schifa“ sein.

Aus der Feder dieses Qadis stammt ebenfalls der kurze Band „Al-I’lam bi Hudud Qawa’id Al-Islam“. Darin behandelt er bündig die „fünf Säulen“ des Dins, ihre Vorbedingungen, Obligationen und was sie verletzt. Im Kapitel über das Fasten legt er deren Parameter fest, was in ihm verpflichtend, empfohlen, verpönt und untersagt ist.

Demnach wird es dann zur Pflicht, wenn sechs Bedingungen erfüllt sind: das Erreichen der nötigen Reife, geistige Gesundheit, Zugehörigkeit zum Islam oder Eintritt in ihn, die Fähigkeit zum Fasten, Beginn seines Monats (Ramadan) und das Wissen von diesem Anfang.

Was dabei zwingend nötig ist: Die Ausschau nach dem Neumond, die Absicht zum Fasten, sein Vollzug während des gesamten Monats, sämtliche Stunden zu fasten, in denen dies Pflicht ist, zu vermeiden, dass irgendetwas Nahrhaftes oder eine Flüssigkeit den Magen erreicht, Verzicht auf die Ejakulation von Sperma oder das Herbeiführen dieser durch Gedanken, Körperkontakt und ähnliche Dinge, Unterlassung der Penetration des Geschlechtsverkehrs sowie kein willentlich herbei geführtes, unnötiges Erbrechen.

Das Ramadanfasten hat laut Qadi ‘Iyad acht Sunnas: Nachts zu beten, es gemeinsam in den Moscheen tun, Mahlzeit vor der Sonnendämmerung (Suhur) so spät wie möglich, sich beim Fastenbrechen zu beeilen, im letzten Drittel Itikaf in der Moschee, Zakat Al-Fitr spätestens vor dem Feiertagsgebet zu übergeben. Die Zunge und die Körperglieder vor Verderbtheit, Unwissenheit und dem, was nicht wertvoll ist, zu schützen.

In ihm sind einige Dinge empfehlenswert: Tägliche Erneuerung der Absicht, den Ramadan durch Dhikr, Qur’anrezitation und Gebet zu beleben, viel Sadaqa in ihm zu geben, nur mit einwandfreier Nahrung das Fasten brechen und das Iftar mit Datteln und Wasser zu machen.

Einige Dinge sind unerwünscht: Küsse und Körperkontakt im Falle von Männern, die um ihre Beherrschung fürchten, mit Lust auf die Gattin schauen, unnötiger Gebrauch der Körperglieder, etwas in Mund nehmen, Dinge auf die Augen auftragen, wenn sie in den Tränenkanal gelangen können, übermäßig langes Ausspülen von Mund und Nase sowie zu viel Schlaf am Tag.

Zehn Handlungen bzw. Ereignisse brechen das Fasten: Erhebliche Ejakulation durch Absicht, Penetration mit dem Penis, etwas durch Mund oder Nase in Magen gelangen lassen (Essen, Trinken u.a.), ebenso das, was durch Augen oder Ohren eindringen kann, beabsichtigtes Erbrechen, Fasten ohne Absicht (außer im Ramadan, wo die Absicht am ersten Tag gefasst werden kann), den Islam zu verlassen, Menstruation oder Blutungen nach der Geburt, Ohnmacht oder Wahnsinn sowie die Unterbrechung der Absicht.

Sehnsucht Dua meinung

Foto: Shutterstock

Imam Al-Ghazali über Fasten jenseits des materiellen Verzichts

Imam Al-Ghazali ist einer der Giganten der islamischen Lehre und Geistesgeschichte. Viele seiner Gedanken und Erläuterungen haben bis heute nichts an seiner Gültigkeit verloren. In seinem Monumentalwerk „Die Wiederbelebung der Wissenschaften vom Din“ behandelt er die drei Elemente des Dins: Islam, Iman und Ihsan, welche durch die Hauptwissenschaften des Rechts, der Glaubenslehre und des Tasawwuf getragen werden. Es geht ihn mit dem Werk unter anderem um die spirituelle Unterfütterung unserer rituellen Lebenspraxis und ist bis heute einer der am häufigsten, rezitierten Texte.

In einem der vielen Kapitel spricht Abu Hamid Al-Ghazali auch von „inneren Bedingungen des Fastens“. Nach einer Beschreibung der allgemeinen Fastenregeln schreibt er vom Fasten der Tugendhaften. Diese würden sich auf Wegen von schwerwiegenden falschen Taten fernhalten:

1. Sich dem zu enthalten, etwas zu betrachten, das tadelnswert oder missbilligt ist. Jabir berichtete von Anas, dass der Gesandte Allahs, Friede und Segen seien auf ihm, sagte: „Es gibt fünf Dinge, die das Fasten brechen: Lügen, Verleumdung, Geschichten erzählen, Meineid, Habsucht und lüsterne Blicke.“

2. Die Zunge von Beschimpfungen, Lügen, Verleumdungen, üblen Nachreden, Obszönitäten, beleidigenden Äußerungen, Streitereien und Heuchelei freihalten. Vielmehr sollte man sich mit der Erinnerung an und der Verherrlichung von Allah sowie mit dem Rezitieren des Edlen Qu’rans beschäftigen – das ist das Fasten der Zunge.

3. Die Ohren vor allem verschließen, was verwerflich ist. Der Gesandte Allahs, Gottes Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Der Verleumder und sein Zuhörer sind Partner in der Sünde.“

4. Die übrigen Sinne an einer schwerwiegenden falschen Handlung zu hindern. Die Hand vom Bösen abhalten, den Fuß für das Streben nach Bosheit zügeln, fragwürdige Lebensmittel beim Fastenbrechen meiden. Der Gesandte Allahs, Friede und Segen seien auf ihm, sagte: „Viele bekommen vom Fasten nichts als Hunger und Durst.“

5. Übermäßiges Essen nach dem Fastenbrechen, selbst wenn die Nahrung halal ist. Sinn und Geheimnis des Fastens bestehen darin, das Fleisch zu schwächen, welches das Werkzeug Satans ist, um die Menschheit zum Bösen zurückzubringen.

6. Nach dem Iftar sollte das Herz in einem Zustand der Spannung zwischen Angst und Hoffnung verweilen, da man nicht weiß, ob das Fasten angenommen wurde.

spirituell

Foto: Mehmet Subasi, Unsplash

Schaikh ‘Abdulqadir Al-Jilani beschreibt jenseitige Aspekte

‘Abdulqadir Al-Jilani war ein großer islamischer Gelehrter und Jurist seiner Zeit. Er wurde 1077/8 im persischen Nif geboren und ließ sich später in Bagdad nieder. Er war bewandert im hanbalitischen Recht, Qur’anexegse (Tafsir), Hadithwissenschaften und arabischer Dichtung. Am bekanntesten ist er heute – obwohl er auch Recht unterrichtete und Fatwas gab – als Begründer des nach ihm benannten und einflussreichen Zweigs des Sufismus. 

In einem Text sprach Al-Jilani über die Eigenschaften des Ramadan und bezog sich darin auf Hadithe des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, um die Besonderheiten dieses Monats zu erklären.

„Schaikh Abu Nasr (Muhammad ibn Al-Banna, Autor und Gelehrter im Bagdad des 11. Jahrhunderts) unterwies uns, dass Salman Al-Farisi eine Predigt des Propheten vom letzten Tag des Scha’ban überlieferte:

‘O Menschen, ein mächtiger Monat hat seinen schützenden Schatten über euch geworfen. Ein gesegneter Monat, ein Monat, in dem es eine Nacht gibt, die besser ist als tausend Monate! Allah hat das Fasten in diesem Monat zu einer religiösen Pflicht gemacht, und das Nachtwachen darin zu einer freiwilligen Praxis. Wenn jemand versucht, sich (dem Herrn) darin zu nähern, indem er nur ein Beispiel für gutes Verhalten gibt, oder nur eine religiöse Pflicht erfüllt, wird diese Person genau dasselbe tun wie jemand, der in allen anderen Monaten des Jahres siebzig religiöse Pflichten erfüllt. Es ist der Monat der Geduld und die Belohnung für die Geduld ist der Paradiesgarten. Es ist der Monat des wohltätigen Teilens und es ist der Monat, in dem der wahre Gläubige mehr Nahrung erhält. (…)

(…) Es ist ein Monat, dessen Beginn eine Gnade ist, dessen Mitte eine Vergebung ist und dessen letzter Teil eine Befreiung vom Höllenfeuer ist. (…)’

Im Laufe dieses Monats müsst ihr daher vier Praktiken pflegen und sie dann häufig wiederholen. Zwei davon sind solche, mit denen ihr euch das Wohlgefallen eures Herrn verdienen werdet. Während die anderen zwei solche sind, auf die ihr nicht verzichten könnt.

Die beiden, mit denen ihr euch das Wohlgefallen eures Herrn verdienen könnt, sind das Bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt (‘La ilaha illa Allah’), und das Flehen zu Ihm um Vergebung.

Die beiden Praktiken, auf die ihr nicht verzichten könnt, sind das Flehen zu Allah, euch den Garten des Paradieses zu gewähren, und das Zufluchtnehmen bei Ihm vor dem Feuer der Hölle.

Laut einer Überlieferung von Al-Kalbi übermittelte Abu Sa’id Al-Khudri, dass Allahs Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, gesagt hat:

‘Die Tore des Paradiesgartens und die Tore des Himmels werden in der ersten Nacht des Monats Ramadan mit Sicherheit weit geöffnet und erst in der letzten Nacht wieder geschlossen. Jedes Mal, wenn ein Diener oder eine Dienerin (des Herrn) in einer beliebigen Nacht dieses Monats das rituelle Gebet verrichtet, wird Allah ihm oder ihr für jede Niederwerfung siebzehnhundert gute Taten gutschreiben. Für diesen Diener oder diese Dienerin wird Er im Garten des Paradieses ein Haus bauen, das aus einem einzigen roten Rubin besteht und siebzig Türen hat. Jede dieser Türen wird zwei Flügel aus Gold haben, die wunderschön mit Knäufen aus rotem Rubin verziert sind.’“

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Wie haben die Prophetengefährten ihren Ramadan gefastet?

Die Gefährten des Propheten, Allahs Heil und Segen auf ihm, haben den Ramadan in seiner Gegenwart gefastet. (iz). Der Prophet sagte: „Die besten Menschen sind diejenigen meiner Generation, und dann […]

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Ramadan: Das Fasten rund um die Welt

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Unsere Rituale des Ramadans sind überall gleich. Um sie herum entwickelten sich verschiedene Fasten-Traditionen. (iz). Wie die Redakteurinnen und Redakteure dieses Mediums seit 29 Jahren erfahren, ist es offenbar nicht […]

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Was mit der Nafs beim Fasten geschieht

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Die Nafs im Fasten: Der Ramadan hat eine Wirkung auf unser Selbst. Es wird zeitweise vergeistigt. (Traversing Tradition). Der Ramadan ist da. Mehr denn je ist es für Muslime wichtig, […]

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Ramadan 2026: Das eigentliche Ziel ist Taqwa

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Auszüge aus einem Vortrag von Schaikh Sohaib Webb über Taqwa, Fasten, die Fallstricke des Materialismus und Zeitmanagement. (Zaytuna College). Es ist Ramadan. Das ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. […]

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Ramadan: Fasten als soziale Erfahrung

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Für ein angenommenes Fasten brauchen wir Gemeinschaft. In ihr entfaltet sich der volle Segen dieses Monats. (iz). Jedes Jahr etwas Neues über den Fastenmonat Ramadan zu schreiben, ist nicht trivial […]

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Ramadan 2025: Was das Fasten mit Freiheit zu tun hat

fasten gebet

Freiheit: Im Ramadan führt der Verzicht auch zu einer Befreiung von Dingen. Und ist ein Gegengift zur Angst.

(iz). In der Endphase des abgeschlossenen Bundestagswahlkampfs rief der deutsche Philosoph und Autor Peter Sloterdijk dazu auf, die FDP ins Parlament zu wählen. Wer es gut mit diesem Land meine, müsse für sie „mit zusammengebissenen Zähnen“ stimmen. 

Er argumentiert, dass eine Volksvertretung ohne eine Partei, deren zentrales Motiv die Freiheit ist, keine glaubwürdige Verkörperung eines demokratischen Gemeinwesens mehr wäre.

Foto: Paul Wong, Shutterstock

Freiheit ist ein zeitloses Thema

Man kann angesichts der heutigen Freidemokraten geteilter Meinung sein. Dass Freiheit ein zeitloses Thema für den je Einzelnen wie für alle Menschen ist, sollte unbestritten sein. Nicht nur in Deutschland, in der ganzen westlichem Welt, schafft sich ein illiberaler Geist Platz bzw. kommt an die Macht. Wie wir in der letzten Ausgabe gezeigt haben, leben heute mindestens zwei Drittel der Menschheit in mehr oder weniger unfreien Verhältnissen.

Das Thema steht – nicht ohne gewisses Recht – bei vielen Menschen in anderen Weltteilen unter dem Verdacht, ein Vehikel westlicher Machtausübung und Ideologie zu sein. Zu frisch sind die Erinnerungen an neoimperiale Kriege, die in ihrem Namen geführt wurden. Es bleibt drastisch aktuell, wenn der amtierende US-Präsident den Diktatoren des Erdballs Beifall klatscht.

Freiheit spielt im heutigen muslimischen Denken meistens eine untergeordnete Rolle. Dabei lassen sich in unserer Lebenspraxis Aspekte finden, die mit ihr in einen Zusammenhang gebracht werden können.

Fasten als Akt der Befreiung

Einer davon ist das verpflichtende Fasten im Ramadan. Wir lernen in den Phasen der Enthaltsamkeit, dass man weder ganz von Dingen dieser Welt, noch von den Gewohnheiten des alltäglichen Lebens abhängig sein muss.

Aus dem Akt des Gehorsams gegenüber der Göttlichkeit (was auf den ersten Blick als unfrei erscheint) entsteht für die Fastenden das Potenzial, ein gelassenes Verhältnis zu allem zu entwickeln, das anders ist als Allah.

Foto: sewcream | Freepik

Neben sämtlichen, freiwilligen, zusätzlichen Handlungen steht der Verzicht im Mittelpunkt des Ramadans. Die existenzielle Erfahrung des Fastens – die tief bis in unser Unterbewusstes reicht – zerschlägt alltägliche Abhängigkeiten und konfrontiert uns mit einer großen Angst.

Das ist die Sorge um den Fortbestand unserer Versorgung. Das lehrt, dass wir nicht den Dingen dieser Welt untergeordnet sind, sondern nur dem Schöpfer. Aus diesem Akt kann Freiheit entstehen.

Und Angst ist einer ihrer größten Feinde. Die Ängste von Bürgern überall vor Armut oder Unsicherheit treibt viele derzeit in die Arme von populistischen Rattenfängern. Ihr Geschäft besteht aus ihrer Instrumentalisierung.

Vergesst den Leistungsdruck! Über eine sinnvolle Organisation im Ramadan 2025

ramadan Leistungsdruck

Vergesst den Leistungsdruck! Über Wege und Möglichkeiten, sich Arbeit und Belastung des Haushalts im Ramadan 2025 zu ersparen.

Ca. vier Wochen bis Ramadan: Diese gesegnete Zeit bringt den Fastenden Segen. Sie bedeutet aber für einige – allen voran Frauen und Müttern – reichlich Arbeit davor und währenddessen.

Ramadan 2025: Wider den Zwang zur Selbstoptimierung

Mittlerweile gibt es reihenweise Ratgeber, Webseiten und Blogs, die sich dem einen Ziel widmen: Ersparnis an Kraft und Zeit, um die eh schon geringeren Ressourcen dem eigentlichen Zweck dieses Zeitraums zuzueignen.

Dabei geht es hier mitnichten um die seit einigen Jahren virulente Fetischisierung von „Produktivität“ und „Leistung“ im Ramadan. Nach US-amerikanischem Vorbild wird von manchen Muslimen die im Arbeitsleben gegenwärtige Selbstoptimierung auf die Anbetungsform des Fastens übertragen. In dieser Perspektive haben die fastenden MuslimInnen auch ihre Enthaltsamkeit und Abkehr von der diesseitigen Welt noch nach deren ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zu organisieren; idealerweise in einem Ramadan-Planer. Hauptsache, man bleibt produktiv.

Dabei bedeutet der zeitweise Verzicht von den Dingen dieser Welt mitnichten nur aus dem Weglassen von Nahrung, Flüssigkeit, Nikotin bzw. gelebter Sexualität. Und er heißt auch, nicht ausschließlich negative Verhaltensweisen, Umgangsformen oder Zeitverschwendung ins Auge zu nehmen.

Das Ramadanfasten ist – wie Rumi betonte – das temporäre Fernbleiben von der materiellen Welt als einer „Brust“, an der das niedere Selbst gesäugt wird. Es geht um die Dunya als solche. Die Vorstellung, den Ramadan nach den Gesetzmäßigkeiten ihres „Erfolgs“ organisieren zu wollen, ist ein Widerspruch.

Tipps können das Fasten erleichtern

Muslime üben in diesem Monat, damit sie umfassendes Bewusstsein und Respekt vor Allah (arab. taqwa) erlangen mögen. Das ist ein großes Ziel. Um es möglichst einfach (im Qur’an heißt es bzgl. des Ramadans ausdrücklich, dass der Herr der Welten es uns leicht machen will) zu erreichen, können Ratschläge und Hinweise zur sinnvollen Vorbereitung in Haushalt und Familie währenddessen hilfreich sein. Das betrifft insbesondere jene Familien mit Kindern, in die Haushaltsführung vorrangig bei einem Partner liegt oder nur ein Elternteil vorhanden ist.

Die US-Amerikanerin Yvonne Maffei betreibt bspw. seit 2008 ihre Webseite myhalalkitchen.com. Ihr geht es, wie sie im IZ-Interview vor einigen Jahren betonte, neben dem eigentlichen Kochen um all die Dinge drumherum: Backen, Zutaten und ihr Anbau, Halal-Lebensmittel sowie Tipps für den Haushalt im Allgemeinen. Maffei gehört zu den Autorinnen, die in den letzten Jahren regelmäßig Ratschläge für Organisation und Vorbereitung der Haushaltsführung im Ramadan geben.

Mit ihren Tipps rund um den Fastenmonat wollen sie und andere keinen irrational idyllischen Haushalt schaffen. Sondern ihr Ziel sei es, den Menschen Zeit für die Dinge frei zu machen, die dann bedeutsam sind: die Anbetung Allahs.

Für sie liegt der Schlüssel dabei in einer erfolgreichen Planung, bevor das Fasten beginnt. „Es ist überaus wichtig für den Ramadan, die Mahlzeiten, Einkäufe, die Treffen, Dekoration und Reinigung zu planen und uns dementsprechend zu organisieren, sodass wir das alles tun können. Wird es vor dem Ramadan gemacht: großartig.“

Organisation Fasten Ramadan herz

Foto: State Dpt., D.A. Peterson Photography

Bevor der Monat beginnt

Auch wenn sich in einigen Gesellschaften sowie bei muslimischen Gemeinschaften Vorstellungen von dem, wie eine Familie auszusehen hat, ändern und Männer einen größeren Anteil an den Lasten tragen, liegt bei vielen die meiste Arbeit weiterhin bei Ehefrauen und Müttern.

Dazu zusätzlich Verhältnisse, in denen Haushalt und Kinderbetreuung ausschließlich von Frauen geleistet bzw. einem einzigen Elternteil werden. In solchen Lagen kann es passieren, dass sie im Monat der Enthaltsamkeit und innerer Einkehr bspw. mehr Zeit in der Küche verbringen müssen als in anderen Phasen.

Von daher kann die richtige Vorbereitung vorab einen Teil der Belastung verringern bzw. auf einen größeren Zeitraum verteilen. Effizienz kann überall gesteigert werden. Im Ramadan ist es entscheidender denn je, rationaler vorzugehen, um weniger Zeit in der Küche zu verbringen und mehr für spirituelle Augenblicke zu haben.

Abgesehen von regelmäßig verwendeten Lebensmitteln, die sich in dieser Phase besser in großen Mengen kaufen lassen, empfiehlt es sich, Spülmittel, Schwämme, Papierhandtücher, Reinigungsmittel vorab zu besorgen. Das spart Zeit, da man ansonsten für kleine Dinge in den Laden müsste.

In Frankreich gibt es das Konzept Mise en place. Es bedeutet so viel wie „alles an seinen Platz bringen“. Das bezieht sich auf eine methodische Art der Vorbereitung in der professionellen Küche und ist ein wesentlicher Bestandteil der Küchenorganisation. Das spart Zeit beim Kochen, da die Dinge bereit und organisiert sind und verringert so Stress und Ärger, da Sie sich keine Sorgen machen müssen, etwas zu vergessen oder in letzter Minute vorzubereiten.

Ein Beispiel: Für die Basis von Suppen oder Eintöpfen muss man Gemüse wie Zwiebeln, Karotten sowie Sellerie schneiden. Es gibt eine Reihe von Zutaten, die lassen sich in größeren Mengen vor dem Ramadan vorbereiten und dann einfrosten.

Es gibt viele Gemüsesorten – grünes, Wurzelgemüse und Knollen, Fruchtgemüse wie Paprika sowie Kohlsorten –, die sich präparieren und einfrieren lassen. Ein Teil kann zuvor kurz (2-5 Minuten) blanchiert werden, um Textur und Farbe zu gewährleisten.

Ebenso kann es in der Haushaltsvorbereitung hilfreich sein, Wochen vor Ramadanbeginn einen gründlichen Hausputz durchzuführen, um sich diese Aufgabe beim Fasten zu ersparen. Auch lassen sich Haushaltstextilien wie Tisch- und Handtücher, Servietten etc. vorbereiten. Das Aufräumen von Speise- und Abstellkammern sowie die Aussortierung abgelaufener Zutaten wie Gewürzen erleichtert die Haushaltsarbeit im Ramadan.

Foto: Freepik.com

Erleichterung mittendrin

Im Fastenmonat selbst lassen sich einige Dinge und Verrichtungen so organisieren, dass man sich unnötige Arbeit und Zeitverluste erspart. 

Es gibt einen guten Grund, warum die besten Chefköche darin geübt sind, diszipliniert und reinlich zu kochen. Im Ramadan ist das wesentlich und man kann Zeitverschwendung nicht ausgleichen. Zwischen Iftar, dem Beten am Abend und Tarawwih in der Nacht bleibt wenig „Luft“.

Es erleichtert diese Momente, während des Kochens aufzuräumen. Das ist eine gute Übung für sämtliche Haushaltsmitglieder, ihren Anteil zu tun. Kinder und Partner können benutztes Geschirr reinigen, den Tisch decken und den Müll entfernen.

Gelegentlich kocht man mehr, als gegessen wird. Wenn Sie genug für den nächsten Tag haben, lässt es sich entweder beim Suhur benutzen bzw. einfrieren, um später im Monat ein komplettes Iftar damit zu bestreiten. Übriges Gemüse können in ein Omelett getan werden bzw. verbleibendes Fleisch oder Reis in eine Suppe.

Zu einer rationalen Planung für und in dieser Zeit gehört die grundsätzliche Frage, was man braucht und will. Statistiken und Umsatzsteigerungen des Lebensmitteleinzelhandels in muslimischen Ländern zeigen seit Jahren, dass im Ramadan mehr Geld als üblich für Lebensmittel ausgegeben wird und deren Preise zu allem Überfluss steigen.

Was eine Zeit der inneren Einkehr und des Verzichts sein sollte, endet in vielen Haushalten mit mehrgängigen Menüs sowie einem erhöhten Fleischkonsum. Dabei haben Ernährungswissenschaftler und Ärzte seit Jahren dokumentiert, wie eine gesunde Ernährung (siehe S. 4 dieser Ausgabe) aussehen sollte.

Will man den Ramadan nachhaltig begehen, wozu Initiativen wie NourEnergy schön länger aufrufen, bedeutet das einen kritischen Blick auf die eigenen Konsumgewohnheiten im Haushalt. Keine Frage, viele wollen im Falle von Gästen „das Beste“ auftischen. Das kann im Abwägungsfall genauso ein nahrhafter Eintopf mit Gemüse- oder Salatbeilage und vollwertigem Brot sein, ohne dass man dadurch seine Pflichten als Gastgeber vernachlässigen würde.

Ein Magen voller reichhaltiger Speisen macht müde und erschwert das Tarawwih, das auf das Fastenbrechen folgt. Gerichte wie Suppen, Pastasaucen etc. lassen sich auf Vorrat kochen und einfrieren. So kann man mit einem Arbeitsgang gleich 1-2 weitere Iftare versorgen.

Foto: Freepik.com

Erschöpfung vermeiden – alle mit einbinden

Die Organisation des Ramadans im Haushalt sollte idealerweise zum Ziel haben, diejenigen zu entlasten, die dort am meisten zu tun haben. Sie haben wie alle anderen ein Anrecht auf ausreichend Zeit und Energie für die Hinwendung zu Allah. Und dabei geht es beileibe nicht nur um das Kochen und die Küche.

Ebenso wichtig ist für eine Erleichterung des Fastenmonats, alle Haushaltsmitglieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die Organisation miteinzubinden und in die Pflicht zu nehmen. Nutzen sie zur Verfügung stehenden Hände in Ihrer Familie, indem Sie sämtlichen Familienmitgliedern eine Aufgabe für das Essen geben – ob groß oder klein. Gleich, ob es Tischdecken ist, die Verpackung von Resten bzw. das Gemüseschneiden, jeder kann seine Rolle spielen, um die Effektivität der Abläufe zu steigern.

Ein praktischer Ratschlag zur Energiesteigerung am Tag sind erholsame Schlafpausen. Sie sollten 20-30 Minuten dauern und reichen aus, um neue Energie für die restlichen Stunden des Fastens zu tanken. Versuchen Sie ein kurzes Nickerchen, wenn Sie nach Hause kommen, bevor Sie ihre spirituellen Aktivitäten fortsetzen.

Gerade für Kinder im entsprechenden Alter kann die Einbindung in konkrete Arbeitsabläufe helfen, ihnen die Besonderheit des Ramadan nahezubringen. Und Erfolgserlebnisse vermitteln, wenn sie selbst zu einem harmonischen Fastenbrechen beigetragen haben.

* Dieser Text wurde mithilfe von Material aus unserem Archiv erstellt.

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Die Spiritualität des Ramadan entdecken

Tradition Ramadan id feiertag

Durch die Gunst Allahs befinden wir uns bald wieder im Monat Ramadan. Es ist eine gesonderte Phase im Jahr, in der die Teufel angekettet sind und die Tore des Himmels […]

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Unser täglich Brot – von Fasten und Übermaß

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