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Pulverfass am Horn von Afrika

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Pulverfass am Horn von Afrika: Drohende Konflikte verschärfen die Lage in der äthiopischen Wüstenregion. Andere Staaten der Region sind bereits destabilisiert.

(KNA/IZ). Klimawandel und politische Spannungen zwischen Äthiopien und den Nachbarländern verändern das Leben der marginalisierten halbnomadischen Bevölkerung. Das trifft vor allem die Wüstenregion Afar im Nordosten von Äthiopien. Von Clara Gehrunger

Der Boden schmatzt unter Hommad Barkats Füßen, bis zu den Knöcheln sinkt er im Matsch ein. Noch ein Schritt, dann kommt er ans Wasser heran und füllt ein Plastikgefäß auf. Zurück im Trockenen nutzt er es, um sich die Schuhe ordentlich sauberzumachen. Schließlich richtet er sich auf und lächelt.

Der 55-Jährige hat kurze, graue Haare. Wie die meisten Halbnomaden in Afar, der Wüstenregion im Nordosten Äthiopiens, hat der Hirte immer einen Holzstock bei sich. Damit kann er bei Bedarf seine Tiere vorantreiben oder sich notdürftig verteidigen. Aktuell ist das selten nötig – im Alltag hat er ganz andere Sorgen.

„Wasser ist knapp hier, aber dieser See staut Regenwasser auf“, sagt Barkat und deutet hinter sich. Den See hat die Zentralregierung ausheben lassen; natürliche Wasserquellen gibt es in der Region kaum noch. Solange Wasser vorhanden ist, lebt der Familienvater mit seinen neun Kindern und zwei Frauen gleich nebenan. Regnet es mehrere Monate lang nicht, trocknet der See aus und die Familie zieht übergangsweise an einen anderen Ort.

In den vergangenen 20 Jahren haben sich lange Dürreperioden gehäuft; im Anschluss kommt es manchmal zu heftigen Überschwemmungen. Dadurch sterben nicht nur massenweise Tiere, sondern auch der Alltag der Menschen ändert sich. „Mein Vater reiste zu seiner Zeit nur für den Handel durch die Gegend“, erzählt Barkat. „Ich mache das für die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln.“

Foto: yiannisscheidt, Shutterstock

Wie die meisten Menschen in Afar war Barkats Vater Halbnomade. Anders als sein Sohn war er länger und weiter unterwegs, reiste etwa oft in die Region Assab in Eritrea – um mit Salz zu handeln, das er mit seinen Weggefährten in der Salzwüste im Norden von Afar abbaute und auf seinen Dromedaren transportierte.

Noch heute ist Afar bekannt für den traditionellen Salzabbau. Für Hommad Barkat ist die Praxis aber längst keine Option mehr. „Damals konnten sich die Männer unterwegs ernähren, ihre Tiere waren dicker, deswegen hatten sie viel Milch und auch Butter. Ihre Ernährung machte sie stark, es regnete häufiger.“ Barkat zuckt leicht mit den Schultern.

Die Wüste verwandelte sich damals bei Regen in wertvolle Weideflächen. Heutzutage wird die Umgebung immer kahler.

Ausgerechnet eine Pflanze, die ursprünglich gegen die Wüstenbildung helfen sollte, trägt dazu bei: Die dornige Prosopis juliflora verbreitet sich rasant auf weiten Flächen – und trocknet mit ihren tiefen Wurzeln den Boden weiter aus. Tiere können ihre Blätter nur schwer verdauen. Kostspielige Bemühungen der Regierung, unter anderem von Deutschland finanziert, die Ausbreitung der invasiven Sträucher aufzuhalten, erwiesen sich als mühsam und wenig erfolgreich.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund dafür, dass sich die Handelsroute nicht mehr anbietet: Heutzutage wäre sie äußerst riskant. Assab liegt im heutigen Eritrea, das sich 1993 von Äthiopien abspaltete. Seitdem hat Äthiopien keinen eigenen Zugang zum Meer – ein entscheidender wirtschaftlicher und geopolitischer Nachteil für das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung Afrikas. Premierminister Abiy Ahmed macht kein Hehl daraus, dass er das ändern will.

Im Februar stationierte Äthiopien Truppen rund um die äthiopische Region Tigray. Nach dem brutalen Bürgerkrieg (2020-2022), in dem Eritrea noch aktiv das äthiopische Militär im Kampf gegen die Aufständischen aus Tigray unterstützte, haben sich die historischen Machthaber der Region, die TPLF, überraschend mit Eritrea verbündet.

Auch der Krieg im angrenzenden Sudan wirkt sich auf die Frontenbildung aus: Während Eritrea mit der nationalen Armee verbündet ist, steht Äthiopien zusammen mit seinem wichtigsten Geldgeber, den Vereinten Arabischen Emiraten, auf der Seite der aufständischen RSF-Miliz. Dazu kommen innerstaatliche Spannungen in Äthiopien und ein schon lange schwelender Konflikt mit Ägypten.

Foto: FAO, via ipsnews.net

Das Risiko einer überregionalen Eskalation bewerten Beobachterinnen und Beobachter als zunehmend realistisch. Der Zugang zu Wasser spielt dabei am vom Klimawandel gezeichneten Horn von Afrika eine ebenso wichtige Rolle wie internationale Allianzen.

Der Vorsitzende der Hirtenvereinigung von Afar (Afar Pastoralists Development Association, APDA), Ismail Ali Gardo, sieht insbesondere in den geopolitischen Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea eine direkte Gefahr für die halbnomadische Bevölkerung der Wüstenregion. So würde ein erneuter Konflikt mit Tigray und Eritrea laut Ali Gardo die Menschen in Afar mit als Erste treffen.

Schon jetzt gebe es Probleme: „Es gibt keinen Grenzzaun“, sagt er. Einige Hirten würden deswegen weiterhin zum Handeln nach Eritrea ziehen. „Wenn sie erwischt werden, können sie für militärische Zwecke verpflichtet werden. Wir machen uns Sorgen angesichts eines möglichen Krieges.“ Dass dieses Gefühl auch in Afar verbreitet ist, zeigt sich daran, dass viele junge Männer in der Region Waffen mit sich herumtragen.

Auch in Hommad Barkats Umfeld tragen sie etwa Sturmgewehre anstelle der traditionellen Hirtenstöcke – lässig auf den Schultern. „Sie wollen sich verteidigen“, erklärt Ali Gardo, „vor allem in Grenznähe.“ Vor Ort wird man allerdings den Eindruck nicht los, dass Waffen unter jungen Menschen auch als cool gelten.

Im vergangenen Krieg im angrenzenden Tigray wurden laut Welthungerhilfe wichtige Wasserstellen in Afar zerstört, junge Männer vom Militär eingezogen; Binnenvertriebene suchten Schutz – in einer Region, in der immer wieder Menschen vor anhaltenden Dürren fliehen. In Afar profitieren sie von der Gastfreundschaft der Bevölkerung: Selbst in den trockensten Gebieten werden Wasser und Lebensmittel ganz selbstverständlich mit allen geteilt.

Doch die Vereinten Nationen warnen: Anhaltender Wassermangel könne durchaus Konflikte anheizen oder auslösen. So verschärfen die geopolitischen Spannungen die Situation in der Wüstenregion Afar, die durch den Klimawandel bereits seit Jahren äußerst prekär ist.

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Gewalt im Zeitalter der Straflosigkeit

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Die Gewalttätigkeit hat sich zum Normalzustand der Menschheit ausgebreitet. Supranationale Institutionen und die Politik versagen weithin. (IPS). Dennoch bleiben globale Institutionen durch Vetos und Rivalitäten gelähmt und geben nur hohle […]

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Als Muslim am Arbeitsplatz – aus der islamischen Lebenspraxis

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Der Arbeitsplatz ist längst mehr als ein Ort, an dem Leistung erbracht und Lohn gezahlt wird.

(iz). Für muslimische Beschäftigte ist er zusätzlich ein Raum, in dem sich berufliche Anforderungen, rechtliche Vorgaben und spirituelle Praxis kreuzen. Von Safia Bouchari

Fragen nach Gebetszeiten, Fasten, religiöser Kleidung oder dem Umgang mit Vorurteilen sind im Alltag ebenso präsent wie Termindruck und Leistungsbewertungen. Je sichtbarer muslimische Identität ist, desto eher kann sie Anlass für Neugier, Missverständnisse oder offene Ablehnung werden.

Zugleich bleibt der Arbeitsplatz ein empfindliches Gefüge. Unterschiedliche Bildungswege, kulturelle Hintergründe und Glaubensüberzeugungen treffen auf enge Deadlines, Konkurrenzdruck und hierarchische Strukturen.

Spannungen entstehen oft schleichend: ironische Kommentare zum Fasten im Ramadan, spitze Bemerkungen über Kopftuch oder Bart, genervte Reaktionen auf den Wunsch nach einer kurzen Gebetspause.

Was manche als harmlosen „Spaß“ verbuchen, erleben andere wie eine gezielte Abwertung. Entscheidend ist, dass solche Dynamiken früh erkannt und nicht bloß abgetan werden.

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Foto: Adobe Stock

Rechtlich ist klar: Niemand muss Diskriminierung aufgrund von Religion hinnehmen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Bewerber und Beschäftigte vor Benachteiligungen wegen der Religionszugehörigkeit. Schutz vor Mobbing umfasst auch muslimische Beschäftigte – etwa bei der Verteilung von Aufgaben, der Bewertung von Leistungen oder der Gestaltung von Dienstplänen. 

Gleichzeitig sind Mitarbeiter verpflichtet, ihre Arbeit sorgfältig zu erledigen und betriebliche Abläufe nicht mutwillig zu stören. In der Praxis bedeutet das: Religiöse Bedürfnisse wie das Gebet können häufig in Pausen oder nach Absprache integriert werden, solange der Betriebsablauf nicht erheblich beeinträchtigt wird.

Arbeitsrechtler verweisen darauf, dass die Religionsfreiheit aus Artikel 4 Grundgesetz auch am Arbeitsplatz gilt, der Betrieb aber kein „religionsfreier Raum“ ist. Kurzfristige Gebetspausen gelten grundsätzlich als zulässig, wenn sie sich in die Arbeitsorganisation einfügen.

Um Konflikte zu vermeiden, empfehlen Fachleute, Gebetszeiten und Rückzugsorte frühzeitig mit der Führungskraft abzusprechen und für transparente Lösungen zu sorgen. Wo Unternehmen flexible Arbeitszeiten oder neutrale Ruheräume anbieten, fällt es muslimischen Beschäftigten leichter, religiöse Pflichten mit beruflichen Anforderungen zu verbinden.

Auf betrieblicher Ebene haben sich präventive Maßnahmen bewährt. Schulungen zu Vielfalt und Anti-Diskriminierung, Leitlinien zum Umgang mit religiöser Pluralität und klare Meldewege können helfen, Konflikte zu entschärfen, bevor sie eskalieren.

Für Beschäftigte ist zentral zu wissen, an wen sie sich wenden können: Vertrauenspersonen, Interessenvertretungen, Gewerkschaften oder externe Beratungsstellen. Ob solche Strukturen tragen, zeigt sich daran, ob Beschwerden ernst genommen und nicht ins Private abgeschoben werden.

Foto: Freepik.com

Gleichzeitig bleibt die individuelle Ebene entscheidend. Viele Konflikte lassen sich entschärfen, wenn muslimische Beschäftigte ihre religiöse Praxis knapp und sachlich erklären – ohne Rechtfertigungszwang, aber mit der Bereitschaft zu praktischen Lösungen.

Ebenso wichtig ist Selbstreflexion: Wird Arbeitszeit konsequent für Arbeitsaufgaben genutzt, werden Zusagen eingehalten, werden Kolleginnen und Kollegen fair behandelt. Professionelles Auftreten, Verlässlichkeit und fachliche Qualität nehmen Vorurteilen die Grundlage und verschieben den Fokus auf das, was jedes Arbeitsverhältnis tragen muss: Leistung, Kooperation, Respekt.

So entsteht ein Spannungsfeld, das keine einfache Formel kennt. Betriebe erwarten Flexibilität und Teamgeist, während muslimische Beschäftigte möchten, dass ihre religiöse Identität respektiert und nicht zur Belastung erklärt wird.

Die Kunst, als Muslim am Arbeitsplatz zurechtzukommen, besteht selten in stiller Anpassung oder lautstarker Konfrontation, sondern in einem Zusammenspiel: klare rechtliche Rahmen, ernst gemeinte betriebliche Schutzmechanismen, eine offene Gesprächskultur – und die Bereitschaft, eigene Religion selbstbewusst, aber nicht aggressiv einzubringen.

Wo dieses Zusammenspiel gelingt, wird muslimische Präsenz im Betrieb zu einer selbstverständlichen Facette eines vielfältigen Arbeitsalltags, statt zum Daueranlass für Konflikte.

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Moscheebau in Deutschland: Längst Normalität

Moscheebau

Moscheebau in der Bundesrepublik längst kein Exotikum mehr. Seit Beginn der 2000er wurden und werden neue Zweckbauten errichtet.

(iz). Was bis weit in die 1990er Jahre hinein selten war, ist längst gewohnter Anblick im Stadtbild geworden: Moscheebauten, die im städtebaulichen Sinne als Zweckbauten errichtet wurden. Laut abweichenden Angaben sollen von den ca. 2.800-3.000 Moscheegemeinschaften ungefähr 200-300 in neuen Gebäuden in einem Neubau beheimatet sein.

Ein Beispiel ist die Ayasofya-Moschee, die jüngst im schwäbischen Kornwestheim eröffnet wurde. Für die anwesenden Gemeindemitglieder und geladenen Gäste war das ein Tag voller Emotionen. Nach Jahren des Wartens, gemeinsamer Bemühungen und des Wachsens ist ein Traum für die muslimische Gemeinde Wirklichkeit geworden.

Als der Imam Yıldırım Altay die Eröffnungszeremonie mit einer Qur’anrezitation eröffnete, spürte die Gemeinschaft, wie Sehnsucht und Hoffnung sich in diesem Moment manifestierten. Der Vereinsvorsitzende, Suat Özcan, sprach von einem Ort, „wo Respekt, Frieden und gegenseitiges Verständnis“ lebendig werden – geschaffen durch Engagement, Spenden und die Offenheit der Stadtverwaltung und der lokalen Politik.

Landrat Dietmar Allgaier hob hervor, dass Vielfalt ein Reichtum ist, und erinnerte an die lange Geschichte von improvisierten Gebetsräumen, bevor 2014 das eigene Grundstück erworben und 2019 der Grundstein gelegt wurde.

Ein Neubeginn nach 38 bewegten Jahren. Und Oberbürgermeister Nico Laumann bezeichnete den Neubau als ein Symbol für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und rief alle Bürger dazu auf, die Gemeinde kennenzulernen und den Dialog zu suchen.

Auch die anwesenden Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoğlu (SPD) und Steffen Bilger (CDU) lobten den Neubau als Zeichen von Zugehörigkeit, Integration und Verbundenheit der muslimischen Gemeinde mit Deutschland.

Vor Kurzem wurde in Kornwestheim die Ayasofya-Moschee unter großer Anteilnahme eröffnet.

Es gibt keine Statistik, die präzise angibt, wie viele Moscheen in den letzten 25 Jahren als „Zweckbauten“ (als eigenständige Sakralbauten mit erkennbaren Stilelementen usw.) neu errichtet wurden. Belastbare Quellen sprechen nur von Größenordnungen im niedrigen bis mittleren Hunderterbereich.

In Fachliteratur und Statistik wird oft zwischen „sichtbaren Moscheen“ (freistehende Gebäude mit spezifischer Moscheearchitektur) und Gebetsräumen in Hinterhöfen, Wohn- oder Gewerbebauten unterschieden.​

Weder das Statistische Bundesamt noch Länderbehörden führen ein Register, in dem „Moschee-Neubauten“ als eigene Kategorie erfasst würden; rechtlich sind das normale Bauvorhaben von Religionsgemeinschaften ohne besondere Meldepflicht.​ Forschungsprojekte (z.B. „Muslimisches Leben in Deutschland“ und Arbeiten zu Neubauten) dokumentieren Gemeinden und Gebetsräume, aber nicht lückenlos jede baurechtliche Baugenehmigung der letzten Jahrzehnte nach dem Kriterium „Zweckbau“.

Zu den Vereinfachungen und Verzerrungen der öffentlichen Wahrnehmung von Islam und Muslimen gehört die Vorstellung, die Errichtung eines Neubaus sei per se von Streitigkeiten begleitet. Die Problematisierung von Moscheeneubauten in der Debatte bildet die Realität nur verzerrt ab.

Auffällig sichtbar werden meist Konfliktfälle, während zahlreiche Projekte geräuschlos und kooperativ mit Kommunen und Nachbarschaften laufen. Studien und Praxisberichte zeigen, dass Konflikte eher die mediale Ausnahme im Sinne einer „Skandalisierungslogik“ sind, auch wenn sie – wo sie auftreten – sehr intensiv ausgetragen werden.

Gebäude der Abu Bakr-Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen zählt zu den eigens für die Nutzung konzipierten Bauten. (Foto: Archiv)

Die kommunale Praxis und Projekte wie „Der Bau von Moscheen in NRW“ oder „Moscheen für Integration“ dokumentieren zahlreiche Beispiele, in denen Gemeinden frühzeitig mit Stadtplanung, Kirchen, Vereinen und Anwohnern kooperieren, Informationsabende anbieten und architektonisch anschlussfähige Lösungen wählen.

Solche Verfahren führen häufig zu akzeptierten Moscheebauten, die sich in Stadtteile einfügen und als Orte von Beratung, Jugendarbeit oder Stadtteilarbeit wahrgenommen werden – allerdings ohne medienwirksame „Story“.

In der Summe sprechen Forschung und kommunale Praxis dafür, dass die dominante Problemwahrnehmung von Moscheeneubauten ein Produkt selektiver öffentlicher Aufmerksamkeit ist: Sichtbar werden vor allem jene Fälle, in denen Moscheeprojekte zum Projektionsschirm für größere Identitäts- und Islamdebatten werden.

Die vielen still realisierten oder sogar integrativ wirkenden Neubauten zeigen, dass Moscheen Teil einer normalisierten religiösen Infrastruktur sein können, wenn Planungsprozesse transparent, inklusiv und konfliktsensibel gestaltet werden.

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5 Mal am Tag: Das islamische Gebet im öffentlichen Raum

Gebet

5 Mal am Tag: Das Gebet ist kein politisches Statement. Es ist auch keine kulturelle Show. Betrachtungen über das Verhältnis von Alltag, Identität und Akzeptanz.

(iz).  Fünfmal täglich richtet sich der gläubige Muslim innerlich und äußerlich nach Mekka aus. Das Gebet, im Arabischen „Salat“, gehört zum Herzstück des islamischen Lebens (Şahinöz, 2018, 2023).

Es beginnt nicht irgendwann, sondern orientiert sich am Lauf der Sonne. Morgens vor dem Sonnenaufgang. Mittags, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht. Am Nachmittag, bevor sie untergeht. Dann zum Sonnenuntergang. Und schließlich in der Nacht, wenn alles still wird.

Diese fünf Abschnitte strukturieren den Tag. Und das ist kein Zufall, sondern Teil des spirituellen Aufbaus. Es geht um Achtsamkeit, Unterbrechung, Erdung.

Foto: imago images

Das Gebet als Anker im Tag

Im Gegensatz zum westlichen Verständnis von Religion ist das islamische Gebet kein privater Rückzugsmoment. Es ist ein öffentlicher, sichtbarer Akt, auch wenn er still ausgeführt wird.

Das beginnt mit der rituellen Waschung, der Wudu, und endet mit dem Gruß nach rechts und links. Jeder einzelne Schritt hat Bedeutung. Jeder Schritt macht deutlich, dass hier jemand betet, bewusst und in Richtung eines absoluten Ziels.

Was viele nicht wissen ist, dass man für das Gebet keine Moschee aufsuchen muss. Das Gebet ist an keine Architektur gebunden. Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte, die ganze Erde sei ein Ort der Niederwerfung, solange sie sauber ist:

„Die Erde ist für mich zu einem Ort der Anbetung und zu einem reinen Ort gemacht worden. Wer aus meiner Gemeinde zur Gebetszeit irgendwo ankommt, kann dort beten“ (Nasai, Mesacid, 42; vgl. bu Huraira, 2977).

In der Praxis bedeutet das, dass Muslime überall beten können. Auf einem Parkplatz, im Wald, im Büroflur. Wichtig ist, dass man nicht gestört wird und sich konzentrieren kann. In Deutschland stellt das viele Gläubige vor eine Herausforderung. Denn das öffentliche Gebet ist nicht immer selbstverständlich.

Schule: Zwischen Pausenklingel und Gebetszeit

Für muslimische Schüler, die ihre Religion ernst nehmen, ist das Gebet in der Schule ein heikles Thema. Gerade im Winter fällt das Mittagsgebet oft genau in die Unterrichtszeit. In vielen Schulen gibt es keine festen Räume dafür.

Manchmal dürfen sie in der Pause einen leeren Raum nutzen. Manchmal auch nicht. Dann wird in einem Gang gebetet oder auf der Toilette, aus Mangel an Alternativen. Das letztere entspricht in vielen Fällen weder dem islamischen Reinheitsgebot noch dem menschlichen Würdegefühl.

Schulen sind kein Ort der Religion, heißt es oft. Aber Schule ist ein Ort der Bildung. Und Bildung bedeutet auch, mit Unterschiedlichkeit umgehen zu lernen. Wo Toleranz nicht praktiziert wird, bleibt sie ein leerer Begriff.

Wer es Schülern ermöglicht, ihre Gebete zu verrichten, stärkt nicht die Religion, sondern die demokratische Kultur. Wichtig ist, dass die Schule den Rahmen vorgibt. Niemand soll missionieren, niemand soll stören. Ein neutraler Raum, eine saubere Ecke in einem Gang oder Flur, klar geregelt, reicht vollkommen aus.

Arbeitsplatz: Zwischen Termindruck und Gottesbewusstsein

Auch im Berufsleben gibt es Konflikte. Einige Gebetszeiten liegen meist mitten in der Arbeitszeit. Wer in einer großen Firma arbeitet, hat es oft einfacher.

Dort gibt es inzwischen Ruheräume, Stille Räume oder sogar Gebetsräume. Vor allem in Unternehmen mit internationalem Personal. In kleineren Betrieben sieht das anders aus. Da fehlt oft das Verständnis oder schlicht der Platz.

Viele Muslime lösen das pragmatisch. Sie beten in der Mittagspause. Oder kurz am Ende der Schicht. Aber nicht jeder Beruf lässt das zu. Wer im OP steht, im Einzelhandel arbeitet oder am Fließband, kann nicht einfach den Arbeitsplatz verlassen.

Hier hilft nur eins: Kommunikation. Wer frühzeitig erklärt, worum es geht, stößt meist auf Verständnis. Arbeitgeber, die mitdenken, ermöglichen Pausen, wo sie möglich sind. Denn sie wissen, ein zufriedener, respektierter Mitarbeiter arbeitet besser.

Und Gebet braucht nicht viel. Fünf Minuten Ruhe und einen kleinen, sauberen Ort. Mehr nicht.

Krankenhaus: Ein Ort voller Grenzen – und Möglichkeiten

In Krankenhäusern gibt es oft Gebets- oder Andachtsräume. Sie sind neutral gehalten, ohne Symbole. Für viele Muslime ist das hilfreich. Denn nicht nur Personal betet, sondern auch Patienten und Angehörige.

Der Wunsch nach Gebet ist in Krisensituationen besonders stark. Das Gebet gibt Halt, wenn medizinische Worte versagen.

Problematisch wird es, wenn der Raum nicht zugänglich ist oder nur bestimmten Gruppen offensteht. Es braucht klare Regeln. Wer den Raum betritt, muss ihn so verlassen, wie er ihn vorgefunden hat.

Kein Ort für Debatten oder religiöse Auseinandersetzungen. Einfach ein Ort der Stille, offen für alle. Dann klappt das auch im Krankenhausalltag.

Flughäfen: Orte des Transits und der Spiritualität

Reisende Muslime erleben oft, wie wohltuend es ist, an Flughäfen Gebetsräume vorzufinden. Überall gibt es inzwischen Rückzugsorte. Nicht aus Gefälligkeit, sondern aus Anerkennung der Realität. Millionen Muslime reisen jährlich.

Und viele von ihnen beten. Wenn sie einen stillen Ort finden, erhöht das nicht nur ihre Zufriedenheit. Es zeigt auch, dass ihr Glaube Raum findet, ohne die anderen zu verdrängen.

Universitäten: Lernen und Beten – kein Widerspruch

Auch an Universitäten ist das Gebet ein Thema. Viele Studierende organisieren sich in Gruppen, sprechen mit der Hochschulleitung, suchen Räume. Manchmal klappt das sofort. Manchmal gar nicht. Doch wo gegenseitiges Verständnis herrscht, entstehen kreative Lösungen.

Ein Seminarraum in der Pause. Ein leerer Kellerraum mit sauberem Teppich. Es geht nicht darum, Moscheen an Universitäten zu bauen. Es geht darum, Studierende nicht zwischen Bildung und Glaube wählen zu lassen.

Foto: placesyoullpray.com

Wenn Religion auf Unverständnis trifft

Trotz all dieser positiven Beispiele gibt es Konflikte. Manche Menschen fühlen sich durch das Gebet gestört. Andere glauben, Religion gehöre ausschließlich ins Private. In manchen Fällen kommt es zu offenen Auseinandersetzungen.

Dann wird das Gebet als Provokation wahrgenommen. Oder als Zeichen mangelnder Integration. Doch solche Sichtweisen übersehen, dass Integration nicht Selbstverleugnung bedeutet.

Konflikte entstehen meist aus Unwissenheit. Wer noch nie gesehen hat, wie ein Muslim betet, kann es für fremd halten. Wer es aber versteht, erkennt darin etwas sehr Menschliches. Ein Moment der Ruhe. Eine Form der Disziplin. Eine Haltung der Demut.

Deshalb braucht es Aufklärung, nicht Verbote. Das Gespräch ist entscheidend. Wer fragt, bekommt meist auch eine ruhige Antwort. Wer dagegen urteilt, ohne zu verstehen, bleibt außen vor.

Wie man Konflikte löst

Lösungen beginnen mit Zuhören. Ein Arbeitgeber, der die Beweggründe kennt, kann individuelle Wege finden. Eine Lehrerin, die einem Schüler Raum gibt, zeigt pädagogische Größe. Eine Verwaltung, die Rückzugsräume schafft, beweist Weitblick. 

Niemand verliert etwas, wenn ein Mensch kurz innehält, um zu beten. Die Gesellschaft gewinnt an Tiefe, wenn sie Raum für Vielfalt lässt.

Was nicht hilft, sind Extreme. Weder das Verbot noch die unkontrollierte Öffnung. Es braucht Regeln. Es braucht Respekt. Wer betet, soll niemanden stören. Und wer gestört ist, sollte überlegen, ob es wirklich das Gebet ist oder das eigene Unverständnis.

Ein stiller Akt mit öffentlicher Wirkung

Das Gebet ist kein politisches Statement. Es ist auch keine kulturelle Show. Es ist ein stiller, regelmäßiger Akt. Er macht Menschen ruhiger, aufmerksamer, fokussierter. 

Fünfmal am Tag wird man aus dem Trott geholt. Nicht durch Push-Nachrichten, sondern durch einen inneren Ruf. Wer das verstanden hat, sieht das Gebet nicht als Störung. Sondern als Zeichen einer gelebten Überzeugung, die niemandem schadet.

Der öffentliche Raum ist groß genug für viele Wege. Auch für den Weg, der nach Mekka führt.

Literatur
Nasai: Sunan An-Nasai. Dar-us-Salam Publications: Riyadh, 2007
Şahinöz C.: Das Gebetsbuch. Handbuch zum Islamischen Gebet. Theorie und Praxis. 11. Auflage. Yediveren: Istanbul, 2018
Şahinöz C.: Das große Buch der islamischen Bittgebete. Astec: Bochum, 2023

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Im Nebel des Krieges – das neue Normal

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Im Nebel des Krieges: Werden bewaffnete Konflikte wieder zum Normalfall unserer Existenz? „S’ ist leider Krieg – und ich begehre, Nicht schuld daran zu sein!“ Matthias Claudius (iz). Zum Ende […]

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Wasser wird zur Waffe

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Wasser und sein Einsatz als Mittel: Es gibt nicht nur Konflikte um die Ressource, sie wird auch in Kriegen eingesetzt. (IPS/IZ). Die Katastrophe des Kachowka-Staudamms in der Ukraine am 6. […]

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Friedensverhandlungen: Vom Schlachtfeld an den Tisch?

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Friedensverhandlungen: Längst fragen sich Akteure in aller Welt, wie Lösungen aussehen können (The Conversation/GFP.com). Anfang August begann im saudi-arabischen Jeddah ein Verhandlungsprozess über eine Friedenslösung für den andauernden russischen Krieg […]

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Konfliktbarometer 2022: Weltweit mehr Kriege und Konflikte

Krieg Dilemma Ukraine

Kriege und Konflikte sind nach Angaben des Heidelberger HIIK im letzten Jahr angestiegen.

Heidelberg (KNA). Die Zahl der gewaltsam ausgetragenen Konflikte und Kriege zwischen Staaten, Bevölkerungsgruppen oder politischen Gruppen ist laut dem Konfliktbarometer 2022 um 12 auf jetzt 216 gestiegen. Die vom Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) am Freitag veröffentlichte Studie listet 21 Kriege sowie 21 „begrenzte Kriege“ auf, zwei mehr als 2021.

Aggression Ukraine Geopolitik

Foto: kirill_makarov, Adobe Stock

Russlands Angriffskrieg heizte das Konfliktbarometer an

Mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine gibt es einen kriegerischen Konflikt der höchsten Eskalationsstufe in Europa. Die Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan werten die Forscher als limitierten Krieg.

Die beiden häufigsten Ursachen für gewalttätige Auseinandersetzung sind laut dem Konfliktbarometer der Kampf um Ressourcen wie Land, Wasser und Bodenschätze sowie ideologische und religiöse Gegensätze. Hinzu kommen beispielsweise Kämpfe um nationale oder regionale Vorherrschaft oder um Autonomie.

„Fast nie gibt es nur einen Konfliktgegenstand, sondern wir beobachten zumeist ein Bündel von Ursachen“, sagte Co-Autorin Tatiana Valyaeva bei der Präsentation des Berichts. Als Beispiele für auch religiös motivierte Auseinandersetzungen nannte sie den Nordirland-Konflikt, den Jemen-Krieg oder Kämpfe in Nigeria. Auch die Intensität islamistischer Gewalt durch die Terrorgruppe IS bleibe hoch.

Foto: Oxfam New Zealand, flickr

Klimawandel als Konfliktursache

Die Forscher beobachten eine wachsende Zahl von Konflikten, die durch den Klimawandel ausgelöst oder verstärkt werden. Weil sich etwa in Subsahara-Staaten Austrocknung und Wüstenbildung beschleunigten, werde die Lebensgrundlage von Bauern und Viehhirten zerstört.

„Folgen sind Fluchtbewegung und Kämpfe um die knapper werdenden Ressourcen“, sagte Co-Autor Hagen Berning. In den europäischen Polarregionen Europas kämpften die Sami um ihre Lebensgrundlage. Dramatische Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel seien auch im Amazonas-Gebiet zu beobachten.

Sudan

Foto: luzitanija , Adobe Stock

Afrika ist am stärksten betroffen

Globale Kriegs- und Krisenherde sind laut der Studie vor allem die afrikanischen Subsahara-Staaten mit 16 Kriegen. Betroffen sind etwa Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Mali, Somalia und Sudan. Allein für Nigeria werden drei innerstaatliche Kriegskonflikte beschrieben.

In Asien bezeichnen die Forscher die Auseinandersetzung in Myanmar als Krieg. Als Konflikt in China wertet die Studie Proteste gegen Corona-Maßnahmen der Regierung. Als begrenzte Kriege gelten in Lateinamerika die Konflikte mit Drogenkartellen in Mexiko sowie Kämpfe mit Paramilitärs in Kolumbien.

Das Konfliktbarometer ist eine Initiative Heidelberger Politologen. Seit 1991 gibt die Veröffentlichung einen Überblick über Krisen, Konflikte und Kriege. Weltweit arbeiten den Angaben zufolge rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an dem Bericht.

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2023 als Jahr der Polykrisen?

Großbrand Flüchtlingslager Rohingya

Zu Beginn des Jahres 2022 gab es Befürchtungen, was in mindestens zehn Regionen passieren könnte. Ganz oben auf der Liste standen Sorgen über Spannungen in der Ukraine, Afghanistan und Äthiopien. […]

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