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Auf der Suche nach dem Super-Food

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Super-Food: Was heute auf vielen Märkten als der letzte Schrei angeboten wird, hat anderswo lange Tradition.

(IPS). In diesem Jahr ist Bienenpollen aufgrund seiner zahlreichen potenziellen Vorteile zum Superfood-Trend geworden. Im vergangenen Jahr stand Seetang an der Spitze der Superfood-Trends. Davor war es Kurkuma. Von Maya Rajasekharan & Selena Ahmed

Super-Food: Vieles davon ist nicht neu

Diese neu gefeierten Superfoods sind jedoch nicht wirklich neu, sondern werden in nicht-westlichen Kulturen schon seit langem verzehrt. Sie werden für ein paar Jahre zum Trend und verschwinden dann oft hinter dem nächsten „Superfood“.

Weltweit stammen die Hälfte aller Kalorien aus irgendeiner Form von Weizen, Reis oder Mais, obwohl es auf unserem Planeten über 30.000 essbare Arten gibt. Schätzungsweise 95 % der Biomoleküle in Lebensmitteln sind der Wissenschaft unbekannt – dies ist die „dunkle Materie“ von Lebensmitteln, Ernährung und Biodiversität.

Dennoch zeigt die häufige Entstehung von Trends, dass die biologische Vielfalt von Nahrungsmitteln in vielen Ortschaften und Regionen der ganzen Welt erhalten bleibt. In einer kürzlich in „Nature Food“ veröffentlichten Publikation haben wir zusammen mit 54 Kollegen begonnen, diese Diversität zu erfassen und zu priorisieren, und eine kuratierte Liste mit 1.650 Lebensmitteln erstellt.

Foto: Freepik.com

Viele Inhaltsstoffe bleiben unerforscht

Es ist bemerkenswert, dass mehr als 1.000 der auf der Liste aufgeführten Lebensmittel nicht in nationalen Datenbanken für Lebensmittelzusammensetzungen enthalten sind – mit anderen Worten: Wir haben keinen einfachen Zugang zu den Inhaltsstoffen dieser Nahrungsmittel, oder die Wissenschaft weiß noch nicht, was sie enthalten.

Dies deutet darauf hin, dass Ernährungsrichtlinien, die sich auf nationale Datenbanken für Lebensmittelzusammensetzungen stützen, die lange und koevolutionäre Geschichte der Menschheit mit Lebensmitteln nicht berücksichtigen.

Darüber hinaus sind selbst die Produkte, die üblicherweise verzehrt werden und in nationalen Datenbanken enthalten sind, kaum erforscht. Schätzungsweise 95 % der Biomoleküle in Nahrungsmitteln sind der Wissenschaft unbekannt. Das ist die „dunkle Materie“ von Lebensmitteln, Ernährung und Biodiversität. Wir wissen nicht, um welche Biomoleküle es sich handelt oder wie sie in Ökosystemen und in unserem Körper funktionieren.

Tipps & Tricks: Mutabal – das Beste aus der Aubergine Mutabbal – das Wort kommt vom arabischen „tabbala“, was „würzen“ bedeutet, und genau das macht man mit diesem Gericht. (MEMO). Eines der Dinge, auf die ich mich im Sommer am meisten freue, sind Grillabende. Ich liebe alles, was über dem Feuer gegrillt wird, sowie den rauchigen Geschmack, den das Essen dadurch bekommt. Von Maha Salah Wenn ich also im Winter Lust auf etwas Räucheriges habe, lege ich ein paar Auberginen auf den Herd und mache einen meiner Lieblingsdips, Mutabbal. Beliebte Variante von Mutabal Die beliebteste Variante von Mutabbal wird mit feuergerösteten Auberginen zubereitet. Aber auch viele andere saisonale Gemüsesorten wie Kürbis, Butternusskürbis oder Zucchini werden verwendet. So unterschiedlich die Gemüsesorten auch sein mögen, die Zutaten, also die Gewürze, sind im Wesentlichen die gleichen: Tahini, Knoblauch, Zitronensaft und Olivenöl. Einige Leute, darunter ich, fügen unserem Mutabbal gerne Joghurt hinzu, weil es ihm eine samtige Konsistenz verleiht. Manchmal, wenn ich in der Stimmung für etwas Schärfe bin, füge ich ein wenig gehackte Chilischote hinzu. Ich empfehle, die Auberginen auf offener Flamme zu rösten, weil das den besten Rauchgeschmack ergibt und sehr schnell geht. Sie können die Auberginen aber auch in Folie einwickeln und im Ofen garen. Wenn Sie das getan haben, müssen Sie nur noch die restlichen Zutaten untermischen und genießen! Ich empfehle, die Zutaten unterzumischen, solange die Auberginen noch warm sind, weil sie sich dann besser vermischen und alles so aromatisch wird. Ich lasse den Dip dann gerne 15-20 Minuten ziehen, damit sich die Aromen richtig vermischen. Die Schritte sind sehr einfach. Aber achten Sie darauf, dass Sie die bestmöglichen Zutaten verwenden, damit Ihr Mutabbal unwiderstehlich wird. Ich zerdrücke den Knoblauch gerne in einem Mörser und Stößel, anstatt gekaufte Knoblauchpaste zu verweden, da frischer Knoblauch in Dips viel besser schmeckt. Das von mir verwendete Mischungsverhältnis ist das, was ich bevorzuge, da ich mein Mutabbal eher würzig mag, aber für dieses Gericht ist es am besten, wenn Sie nach und nach die Zutaten in dem von Ihnen gewünschten Verhältnis hinzufügen. Wenn mein Mutabbal nach meinem Geschmack zubereitet ist und geruht hat, löffele ich ihn gerne mit heißem Fladenbrot oder selbstgemachten Pita-Chips und genieße den samtigen, würzigen Dip. Er passt auch hervorragend zu gegrilltem Fleisch, zu Huhn oder als Teil eines größeren Mezze-Tellers. Zutaten: 2 mittelgroße Auberginen 1-2 Teelöffel Knoblauchpaste (nach Geschmack) 1 Esslöffel Joghurt 1-1,5 Esslöffel Tahinpaste (nach Belieben) 2 Esslöffel Zitronensaft Salz und Pfeffer 1 Esslöffel Olivenöl, plus zusätzliches Olivenöl zum Beträufeln Legen Sie die gewaschenen und getrockneten Auberginen auf eine offene Flamme und wenden Sie sie regelmäßig, bis sie weich sind. Alternativ können Sie die Auberginen auch in Folie einwickeln und im Ofen weich backen. Platzieren Sie die gekochten Gemüse in eine Schüssel und decken Sie sie für 3-5 Minuten mit Plastikfolie ab. So löst sich die Haut und lässt sich leicht schälen. Die Auberginen öffnen und das Innere in die Schüssel schöpfen. Die Haut wegwerfen. Die Auberginen ein wenig pürieren und dann die restlichen Zutaten hinzufügen. Mischen Sie alles, bis es vollständig eingearbeitet ist, und schmecken Sie es ab. Den Geschmack anpassen und in eine Servierschüssel umfüllen. Großzügig mit Olivenöl beträufeln und mit dampfendem, heißem Fladenbrot genießen.

Foto: Freepik.com

Viele enthalten einzigartige Moleküle

Vorläufige Daten aus den ersten 500 analysierten Nahrungsmitteln zeigen, dass viele „Vollwertkost“-Lebensmittel als „Superfood“ eingestuft werden können, da sie mehr einzigartige als gewöhnliche Biomoleküle enthalten. Jede Frucht und jedes Gemüse hat eine einzigartige Zusammensetzung von Biomolekülen, die je nach Umwelt, Verarbeitung und Zubereitung variiert.

Brokkoli, der vor einigen Jahren aufgrund seiner Antioxidantien und seiner positiven Wirkung auf die Darmgesundheit den Status eines „Superfoods“ erhielt, enthält über 900 Biomoleküle, die in anderen grünen Gemüsesorten nicht vorkommen.

Im 20. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft vereinfacht, was zu einer starken Konzentration auf den Ertrag und die Effizienz einiger weniger Getreidesorten führte. Die Erfolge waren beachtlich, aber sie gingen auf Kosten der Vielfalt, der Lebensmittelqualität und der Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft. Die Superfoods – die Trends, nicht die eigentlichen Lebensmittel – sind das kollektive Aushängeschild für dieses Problem.

Die Nahrungsmittelsysteme stehen an einem Scheideweg. Das 21. Jahrhundert kann das Jahrhundert der Vielfalt werden, wenn es zum neuen Eckpfeiler der Ernährungswissenschaft wird. Aber wir brauchen Hilfe, um die dunkle Materie in der Ernährung zu beleuchten und das komplizierte Zusammenspiel zwischen Ernährung, Ökosystemen, Klima und Gesundheit zu erforschen.

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Hitze in Deutschland: Was findet sich in der islamischen Lebenspraxis?

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Hitze in Deutschland hat ihre eigene Chronik: Flirrende Straßen, aufgeheizte Fassaden und das leise Surren der Ventilatoren in den Büros. (iz). Während Wetter-Apps vor „gefühlten 35 Grad“ warnen, wirkt es […]

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Syed Muhammad Naquib al-Attas – Vorbild in unklaren Zeiten

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Syed Muhammad Naquib al-Attas ist in der Nacht des 8. März 2026 im Monat Ramadan verstorben – mit ihm endet eine Epoche muslimischen Denkens. (Kasurian/IZ). Er galt als einer der […]

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Reiseblog Westbalkan: die Architektur von Sarajevo

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IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Ein Blick von Bergen auf die Architektur von Sarajevo.

(iz). Immer wieder beeindruckend, vor allem wenn man sich für den Islam in Europa interessiert: Sarajevo. Blickt man von den Bergen auf die Stadt, erzählt die lokale Architekturgeschichte, mit ihren, wie an einer Perlenkette aufgereihten Manifestationen vom Leben und Schicksal der Menschen.

Hier erlebt man eine einmalige Gastfreundschaft und wird schnell Teil eines gelassenen Lebensstils. Nach den Schrecken des Bosnienkriegs in den 1990ern Jahre wahrlich keine Selbstverständlichkeit.

Fotos: Autor

Die Ghazi Husrev Beg Moschee – mit ihren für alle Besucher offenen Türen – wirkt wie eine Einladung in einen geistigen Innenraum, der das bunte Treiben der Gassen vergessen lässt. 

Mich persönlich fasziniert die Konstellation von religiösen, sozialen und ökonomischen Einrichtungen rund um das ehrwürdige Gebäude; ein Zusammenspiel, das die Möglichkeit einer Balance birgt. Man erkennt ein Modell, welches Muslime und Touristen aus aller Welt daran erinnert, dass die islamische Praxis nicht auf Politik reduziert werden kann.

Auf unserer Reise geht es nicht darum, die Vergangenheit zu romantisieren, sondern eher darum, die Grundprinzipien dieses städtebaulichen Ansatzes zu verstehen. Idealerweise ist eine Moscheeanlage nicht nur ein sakraler, geschlossener Raum. Die Bedürfnisse von Menschen, die nach Sinn und Bedeutung suchen, die Nöte der Armen, die Notwendigkeiten der Reisenden und Gäste sowie der Händler werden ebenso erfüllt. Wie wir diese Aspekte im 21. Jahrhundert aktualisieren, ist eine der wichtigsten Fragen an unsere Intelligenz.

Fotos: Autor

Es ist das Phänomen der Stiftungen, die die höheren Absichten der Muslime bezeugt. Im Museum der Moschee lese ich das Testament des Ghazi-Husrev-beg aus dem Jahr 1531. Es ist ein Aufruf zur Großzügigkeit, ein Bekenntnis zum Sinn und Zweck der Stiftungen, die auf Dauer angelegt sind und ausdrücklich der politischen Einflussnahme oder Instrumentalisierung entzogen werden.

Ihr Gründer lebte in einer anderen, vergangenen Zeit, aber diese soziale Idee bleibt bestehen. Eine friedliche Gesellschaft ist nur denkbar, wenn den Armen und Bedürftigen ein würdevolles Leben und Zugang zum Wissen ermöglicht wird.

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Tanzen für den Einen: eine Tradition aus Java

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Tanzen als Form des Respekt für das Erhabene. Die Tänzerin berichtet von ihrer Lerngeschichte. (iz). Wenn man heute vom Tanz spricht, kommen einem viele Bilder in den Sinn, die oft […]

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Kein „gelobtes Land“ – Kann das Matriarchat eine Lösung sein?

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Das „Matriarchat“ ist keine verheißungsvolle Vision, sondern für viele Frauen traurige Realität. Das zeigt unser Beispiel in den USA. Obwohl ich in einer anständigen schwarzen Nachbarschaft aufgewachsen bin, lebten viele […]

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Islam in Großbritannien – heutige Werte-Debatten ignorieren die spirituelle Geschichte des Landes

Wohnsiedlung in der Abenddämmerung; über den Dächern erheben sich die blaue Kuppel und das beleuchtete Minarett einer Moschee.

Vor einigen Jahren betitelte die „Times“ einen Artikel mit „Muslimischen Kindern wird Frauenfeindlichkeit eingetrichtert“. Die Überschrift und der folgende Text speisen die Vorstellung über Islam als einen unwillkommenen Eindringling in […]

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Der Tag der Offenen Moschee feiert 2021 seinen 25. Geburtstag

(iz). Dieses Jahr wurde in Deutschland verschiedener Gedenk- und Jahrestage gedacht. Dazu gehörten zu Jahresanfang 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, der 20. Jahrestag der verheerenden Anschläge vom 11. September 2001, 700 Jahre Dante Alighieri, 150 Jahre Deutsche Reichsgründung und viele andere historisch aufgeladene Daten.

Neueren Datums ist eine seit 25 Jahren am Tag der Deutschen Einheit stattfindende Tradition, die längst zu einer Institution der Bundesrepublik geworden ist: der Tag der Offenen Moschee (TOM). Unter Federführung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) öffnen auch dieses Jahr wieder bundesweit mehr als 1.000 Moscheegemeinden ihre Türen.

Nach einem wegen der Pandemie mehr oder weniger virtuellen TOM vom letzten bieten sich jetzt wieder direkte Möglichkeiten der Begegnung in und um mehr als 1.000 Moscheegemeinden, die am 3. Oktober unter Organisation des KRM ihre Türen öffnen.

Angesichts eines Vierteljahrhunderts TOM findet das diesjährige Event unter dem Motto „25 Jahre TOM – Moscheen gestern und heute“ statt. Als Auftaktort wurde die Kölner Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld bestimmt. Neben Repräsentant:innen der im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland befindlichen Organisationen werden auch viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Medien und Gesellschaft geladen sein. Wenn Sie unsere aktuelle Ausgabe in Händen halten, dürfte für viele Leser:innen der TOM hinter uns liegen.

Längst findet diese Einladung an die Öffentlichkeit nicht mehr nur in Deutschland statt. Es hat auch über unsere Grenzen hinaus Schule gemacht. Seit 2007 veranstalten muslimische Dachorganisationen in der Schweiz einen vergleichbaren Tag. Seit 2011 findet in Frankreich der „Mosquée porte ouverte“ statt und seit 2015 organisiert der Muslim Council of Britain ein vergleichbares Event unter dem Titel „Visit my Mosque“. In Teilen der USA öffnen seit 2000 jährlich die Moscheen.

Dabei handelt es sich beim TOM nicht nur um einen bloßen Tag der offenen Tür. Viele Moscheegemeinden sind auch an anderen Tagen für Interessierte und Besucher:innengruppen zugänglich. Im Rahmen der KRM-Kampagne finden sie auch jeweils im Rahmen eines thematischen Schwerpunkts statt. Zu den Zielen des einheitlichen Mottos gehöre es erstens nach Angaben des KRM, einen zentralen Aspekt des Islam beziehungsweise des muslimischen Lebens aus dem Selbstverständnis heraus darzustellen. Zweitens gehe es darum, dieses Thema in den öffentlichen Fokus zu setzen. Damit gehöre der TOM zu den öffentlichkeitswirksamsten, aber bei weitem nicht einzigen Angeboten der Muslime in Deutschland für Nichtmuslime.

Link: http://tagderoffenenmoschee.de/

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Mufti Abu Layth: „Das klassische Erbe lebendig halten“

(iz). Was ein muslimischer Gelehrter, insbesondere ein Faqih oder Mufti, zu tun scheint, hat oft mehr mit der Vorstellung vieler Muslime als mit der Wirklichkeit zu tun. Gerade in muslimischen Gemeinschaften, insbesondere denen im Westen, nehmen sie bisher noch nicht ausreichend an wichtigen Debatten teil und werden auch oft genug der politischen Kontrolle unterworfen.

Dabei gäbe es genug The­men, die eine Fusion aus der klassischen Lehrtradition mit einem Verständnis von Zeit und Ort nötig machten.

Dabei gibt es gerade im Westen eine wachsende Zahl von ‘Ulama, die sich um frische Zugänge zur islamischen Tradition und um eine authentische Rückbindung an die frühe Gemeinschaft bemühen, ohne dabei in das Stereotyp zu geraten, das heute damit in Verbindung gebracht wird.

Eines dieser Beispiele ist der junge britische Mufti Abu Layth al-Maliki, der in Birmingham unterrichtet. Seine grundlegenden Studien schloss er in Großbritannien ab, bevor er nach Damaskus ging, wo er die malikitische Rechtsschule annahm und das essenzielle Wissen des Islam studierte. Am Jamia’ah Muhammadiyyah Institut im pakistanischen Islamabad lernte er den Qur’an und dessen Kommentar auswendig. Nach weiteren Studienaufenthalten in Syrien und Pakistan erhielt er unter Mufti Abdullah Shoukat (hanafitisches Recht) und unter Mufti Salim Al-Tunisi (malikitisches Recht) eine Ausbildung, um Fatwas zu geben.

Seit seiner Rückkehr nach Großbritannien machte Mufti Abu Layth einen Abschluss als Schullehrer und schließt gerade ein Studium der Psychologie ab. Derzeit bildet er Schüler im Recht nach Imam Malik aus. Insbesondere sein Unterricht im Internet ist sehr nachgefragt.

Islamische Zeitung: Es gibt, gerade in Westeuropa, recht vielfältige, aber auch komplexe muslimische Gemeinschaften. Sind Sie, lieber Mufti Abu Layth, zufrieden mit der Rolle, die die muslimischen Gelehrten in ihnen spielen?

Mufti Abu Layth: Zufrieden? Nicht in dem Sinne, dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben. Um fair zu sein, die Muslime Europas, inklusive ihrer Gelehrten, stehen derzeit vor schwierigen Aufgaben, wenn es um Herausforderungen für die Muslime geht. Ganz abgesehen davon, dass sie die gleichen Probleme wie alle anderen Muslime haben, gibt es einige spezifische europäische Probleme.

Viele unserer ‘Ulama sind keine hier, organisch aufgewachsenen Gelehrte. Üblicherweise kommen sie aus einem anderen Teil der Welt. Weil sie oft nicht aus der gleichen Kultur kommen beziehungsweise in ihr aufgewachsen sind, sind sie sich manchmal unsicher, wie sie reagieren sollen. Sie tun natürlich ihr Bestes und wir bemühen uns, sie zu unterstützen.

Islamische Zeitung: Es lässt sich feststellen, dass es für die europäischen Muslime einige drängende Herausforderungen gibt. Es fällt schwer, mehr als eine Handvoll Leute auszumachen, die diese auf einem hohen Niveau ansprechen können…

Mufti Abu Layth: Mir sind die Verhältnisse in Deutschland nicht so gegenwärtig, obwohl ich kürzlich mehr über die sozialen Netzwerke von positiven Aktivitäten höre. Ich erfahre viele positive Rückmeldungen von deutschen Muslimen. Das zeigt mir, dass es dort ein hohes Maß an Aktivitäten gibt.

Wir haben in Großbritannien viele Madrassen. Sie bringen insgesamt 100 ‘Ulama pro Jahr hervor – vielleicht sogar viele mehr. In Wirklichkeit brauchen wir aber nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Es muss Gelehrte geben, die diese Rolle annehmen, und nicht nur das System von sechs Studienjahren absolvieren. Es ist großartig, dass so viele Menschen die Zeit aufwenden, um den Din zu studieren. Wir brauchen aber Leute, die nach ihrem Abschluss in Kontakt mit der Realität stehen und die Probleme vor Ort verstehen. Wir haben in Großbritannien einen ebenso großen – wenn nicht gar größeren – Mangel wie im Rest Europas.

Ich würde Ihnen zustimmen, da es auch bei uns schwierig sein dürfte, mehr als zehn solcher Gelehrte in Großbritannien zu finden, die zeitgenössische Mitglieder unserer Gesellschaften sind. Ohne eine solche Qualifikation fiele es leicht, zehn zu benennen. Vielleicht könnte man sogar den Namen hunderter ‘Ulama erwähnen. Aber das war ja nicht unser Thema. Wir reden über Leute, die als Einheimische aktiv sind.

So wie bei Ihnen auch, haben wir viele Gelehrte – was nicht deren Fehler ist –, die an eine andere Kultur, an eine andere Gesellschaft gebunden sind. Sollten sie diejenige Kultur fördern, mit der sie mehrheitlich in Kontakt stehen, oder vielmehr die britische beziehungsweise europäische? Manchmal passiert das sogar mit Gelehrten, die hier geboren wurden.

Viele von ihnen bewegen sich ausschließlich in der indopakistanischen Kultur und sind nur in einer Madrassa gewesen, die eine Miniversion von Indien oder Pakistan darstellt. Wenn sie diese Bildungseinrichtungen verlassen, mögen sie ausgestattet sein, um mit Themen aus dem pakistanischen oder indischen Kulturraum fertig zu werden, aber haben mit Themen in Großbritannien oder gar in Europa zu kämpfen. Dafür wurden sie gar nicht ausgebildet.

Islamische Zeitung: Heute haben wir Gelehrte, die bezahlte Angestellte muslimischer Organisationen sind. Glauben Sie, dass es eine Frage der intellektuellen Unabhängigkeit ist, wenn Gelehrte im Sold bestimmter Organisationen stehen?

Mufti Abu Layth: Mit ziemlicher Sicherheit. Hier liegen enorm wichtige Faktoren für wahre Gelehrsamkeit vor. Das eine ist wahre Leidenschaft für das Wissen; vielleicht die erste Sache, die wir oft nicht antreffen. Wir haben vielleicht hunderte von ‘Ulama, die von ihren Eltern an die Madrassen geschickt wurden. Sie sind nur selten dort, weil sie tieferes Interesse am Din haben. Sie bleiben natürlich im Din und sind vorbildlich praktizierende Muslime. Aber diese ‘Ulama hatten niemals eine wirkliche Leidenschaft für ihre Wissenschaft. Das ist die erste wichtige Zutat beziehungsweise ihre Abwesenheit, von der wir hier sprechen müssen.

Der andere Punkt ist Unabhängigkeit. Selbst wenn sie diese Leidenschaft haben, wie können Sie diese dann nicht entwickeln? Die Leute haben bestimmte grundlegende Bedürfnisse. Ich weiß natürlich, dass Versorgung von Allah kommt, aber wir leben im Dar Al-Asbab und die Leute brauchen Arbeit. Wer zehn Jahre in einer Madrassa verbringt, hat keine anderen Qualifikationen mehr. Also schließt man sich einer anderen Schule an, um dort zu unterrichten. Das gilt für Institutionen hier in Großbritannien und in Europa. Ich weiß, dass es in den USA ein bisschen anders ist.

In Großbritannien sind Gelehrte enorm unterbezahlt. Sie erhalten nur Minimalbeträge für eine Arbeit, die eigentlich ein ehrwürdiges Amt sein sollte. Wird jemand Imam, dann ist das heute nichts Würdevolles mehr. Neben einer mickrigen Bezahlung muss man sich ständig darüber sorgen, ob man gefeuert wird, wenn einmal den Anweisungen des Vorstands widersprochen wird. Das Komitee besteht zumeist aus lokalen Geschäftsleuten, üblicherweise aus der ersten Generation, die nicht in Großbritannien geboren wurden. Im Normalfall sind es kleine und mittlere Geschäftsleute, die genug Geld haben, um ein Gebäude zu kaufen und es in eine Moschee umzuwandeln.

Ich möchte einen weiteren Faktor hinzufügen. Jene Gelehrte werden recht isoliert ausgebildet. Sie gehen in eine bestimmte Madrassa und bleiben dort. Die Schule gehört einer bestimmten Denkrichtung an. Das Problem hierbei ist, dass sie nur dem Unterricht dieser Meinung ausgesetzt sind. Selbst, wenn sie danach rausgehen und einen Job finden sollten, werden die Absolventen nur in dieser spezifischen Richtung Wurzeln schlagen können. Wollen wir intellektuelle Freiheit fördern, dann steht diese Art von ‘Ulama vor erheblichen Schwierigkeiten. Wollen sie einmal widersprechen, dann können sie das nur schlecht, weil dieses Umfeld die einzige Welt ist, in der sie sich bewegen. Stellen sie sich in diesem Feld gegen ihr bisheriges Umfeld, wären sie extrem isoliert. Wohin sollte ein solcher ‘Alim gehen, wenn er sich davon verabschiedet? Das ist ein weiterer einschneidender Faktor, der ganz besonders in Großbritannien vorhanden ist. Wahrscheinlich trifft er bis zu einem gewissen Grad auch auf den Rest Europas zu.

Islamische Zeitung: Oft bringen Organisationen ihre Gelehrten nur dann in die Öffentlichkeit, wenn es um die Distanzierung von negativen Dingen wie Terror oder Zwangsheirat geht. Bei anderen Anliegen oder konkreten Forderungen ist hingegen eher selten von ihnen zu hören…

Mufti Abu Layth: Ich würde es vielleicht etwas anders formulieren. Meiner Erfahrung nach ist es häufig so, dass die Gelehrten nur zu solchen Themen befragt werden. Bleiben wir beim Beispiel Großbritannien. Die Mehrheit der hiesigen Muslime hat einen indopakistanischen Hintergrund. In ihrer Kultur haben sie etwas, das dem Kastenwesen ähnelt, und beinahe hinduistisch zu sein scheint. Die Muslime haben die Unterschiede früher an Berufen festgemacht. Bei vielen ist das heute noch so und daher gibt es auch noch Diskriminierung. So könnten wir alle pakistanischen Ursprungs sein, aber trotzdem würde es heißen: „Oh nein, er ist von einer niedrigen Kaste. Du kannst nicht in diese Familie heiraten.“

Einige Gelehrte sprechen darüber und verurteilen das, aber tun es nicht im Allgemeinen. Es sollte eigentlich eine Welle der Distanzierung geben. Gelehrte selbst fürchten, dass, wenn sie mit solchen Themen anfangen, die Leute nicht mehr auf sie hören werden. Ich habe generell den Eindruck, dass die Leute sich nicht im Allgemeinen an ‘Ulama wenden, sondern das nur bei bestimmten Fragen tun. Sie gehen zu ihnen, um Terrorismus zu verurteilen, was die Gelehrten natürlich tun werden, aber fragen nicht bei anderen Themen um Rat.

Wir haben hier noch ganz andere Probleme und ich glaube, dass das auch anderswo der Fall ist. Die Gelehrten und die britischen Muslime insgesamt können sich nicht gut ausdrücken, wenn es um die Landessprache geht. Oft haben sogar geborene Briten kein gutes Englisch. Und die ‘Ulama beherrschen es unglücklicherweise nur sehr schlecht. Wahrscheinlich haben sie rund ein Drittel ihres Lebens in einer Madrassa verbracht, in der nur Urdu gesprochen wurde. Und selbst in ihren eigenen Gemeinschaften dürfte das Englisch nicht so gut sein. Daher haben sie erhebliche Schwierigkeiten, sich auszudrücken.

Was ist die Folge? Zum einen fällt es schwer, sich verständlich zu machen. Zum anderen wollen normale Muslime auch nicht, dass sie als ihre Repräsentanten auftreten, weil sie beinahe peinlich sind. Gelegentlich sind die Gelehrten zu entschuldigen, weil sie aus dem Ausland stammen oder nur seit wenigen Jahren hier leben. Aber wenn selbst gebürtige Briten, die hier auch aufgewachsen sind, noch schlechtes Englisch sprechen, wie können sie dann in einer Krise in den Medien sinnvolle Stellungnahmen abgeben? Wenn Gelehrte sich nicht klar artikulieren können, wird es für die normalen Muslime recht peinlich.

Islamische Zeitung: Und sie können auch nicht zum Islam einladen…

Mufti Abu Layth: Natürlich können sie so keine Da’wa machen. Nicht nur haben sie Schwierigkeiten damit, andere zum Islam einzuladen, auch wollen viele Muslime nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Ironisch ist, dass die Gelehrten des Islam – in der arabisch sprachigen Welt, in der indopakistanischen Welt oder auch im türkischen Raum – normalerweise die eloquentesten Leute überhaupt sind. ‘Ulama in der arabischen Welt sprechen oft das beste Arabisch. Das gleiche gilt für Gelehrte in Pakistan und das Urdu. Sie können durch Dichtung und viele andere Sprachformen argumentieren. Das ist sehr wichtig, denn Sprache ist etwas sehr mächtiges. Wir rufen zum Weg unseres Herren mit unseren Worten.

Islamische Zeitung: Sie unterrichten das Recht der Leute von Medina. Was fasziniert Sie daran?

Mufti Abu Layth: Das ist eine sehr wichtige und interessante Frage. Viele Leute haben nicht nur gefragt, warum ich das Fiqh der Leute von Medina gewählt habe, sondern wollen auch wissen, warum ich es leidenschaftlich in Großbritannien und in Europa unterrichte. Mein Ziel wäre erreicht, wenn ich zur Verbreitung der Schule von Medina auf europäischem Boden beigetragen hätte.

Islam ist wie eine Substanz oder eine Essenz. Und jeder blickt durch eine Linse hinein – oder hinaus. Sie wird immer zu einer Art Färbung oder Brechung des betrachteten Objektes führen. Rechtsschulen sind auch so. Manche, wenn sie den Islam betrachten, haben bereits eine strikt festgelegte Blickweise; ein vorgefasstes Verständnis, bevor sie sich einem Text nähern. Fast könnte man sagen, sie haben eine Persönlichkeit entwickelt.

Wir respektieren alle Rechtsschulen, die auf die ihre je eigene Weise unglaublich sind. Ihre Interpretation aber, die sie alle haben, sind nicht immer notwendigerweise „Islam“. Der Din lässt sich nicht auf eine bestimmte Lesart beschränken. Manche Deutungen passen besser auf einige Kulturen als auf andere. Einige Schulen unterliegen einem starken Kontrollzwang. Sie ermutigen die Leute nicht zur freien Debatte und sind selbst in gewissem Sinne ein Kontrollmechanismus. Manche sind bei bestimmten Interpretationen sehr strikt. Vor die Wahl gestellt würden sie sich immer für Strenge und Vorsicht entscheiden. Es scheint, als seien die „Einstellungen“ ihres „Programms“ immer schon auf sehr streng gesetzt.

Ich sage nicht, dass das eine schlechte Sache per se ist; glaube aber nicht, dass es die förderlichste Einstellung für das heutige Europa ist. Viele hiesige Muslime haben mit einigen Interpretation wegen ihrer Lebensumstände hart zu kämpfen. Ihnen wird gesagt, sie müssten einen Bart mit einer bestimmten Länge haben. Wenn nicht, heißt es, verbrächten sie jeden einzelnen Tag ihres Lebens in „Sünde“. Oder Frauen müssten einen Niqab tragen. Viele Leute können damit nicht fertig werden.

Islamische Zeitung: Das Leben wird den Leuten erschwert…

Mufti Abu Layth: Die Vertreter dieser Interpretationen glauben, sie dienten damit dem Islam, verkennen aber dabei, dass Islam viel größer als das ist. Ihre Perspektive stellt nur eines von mehreren möglichen Fenstern dar, durch die wir auf den Din schauen. Islam ist viel größer und andere Blickweisen ermöglichten in unseren Umständen eine klarere Sicht, was den Menschen mehr Freiheit erlaubt. Ich habe nichts gegen traditionelle Kleidung und trage sie gelegentlich selbst. Der normale Muslim, der in Europa aufwächst, will diese Sachen aber nicht immer tragen. Manche Gelehrte zwingen ihnen das als Teil ihrer Interpretation vom Fiqh auf. Auch wenn dergleichen einige anzieht, stößt es viele andere ab.

Die Schule von Medina legt sehr viel Wert auf Natürlichkeit und auf ein harmonisches Dasein mit den jeweiligen Lebensumständen. Es gibt in der Schule selbst so viele verschiedene Interpretationen, die von ihr zugelassen werden. Sie heißt die Leute willkommen, anstatt sie abzuschrecken.

Für manche ist das zu tiefenentspannt. In Wirklichkeit aber wollen und brauchen die Leute in Europa genau das. Und durch dieses Fenster erhalten sie Zugang zu einer Botschaft, die sehr zugänglich ist. Und wenn die Botschaft das ermöglicht, dann frage ich: warum nicht? In einem Hadith riet uns der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, mit den Leuten entsprechend ihrer geistigen Fähigkeiten zu sprechen. Oft kommt es vor, dass Leute große Schwierigkeiten mit einigen Fatawa haben, die ‘Ulama im Fiqh aber es den Leuten nicht erleichtern werden.

Die Gefahr besteht, dass sich die Leute in dem Fall als Folge vom gesamten Din abgrenzen. Bei nüchterner Betrachtung war das nur eine simple Fatwa, kein Qur’anvers oder ein aussagekräftiges Hadith. Es war eine Fatwa auf Grundlage eines Idschtihads und es gibt viele andere Fatawa in der Scharia, mit denen man den Leuten entgegenkommen könnte, wenn man das denn wollte.

Islamische Zeitung: Derzeit lässt sich hier bei uns eine Auflösung unter Muslimen erkennen, bei der viele nur noch die eigenen Meinungen gelten lassen. Gleichzeitig schwindet der Konsens über essenzielle Fragen und über Prioritäten im Din.

Mufti Abu Layth: Wichtiger Punkt. Wir brauchen eine Verbindung zu unserem ‘Ilmi-Erbe, zu unserem Wissen. Das muss von den ‘Ulama am Leben erhalten werden. Wir müssen uns wieder mit den Wissenschaften der Scharia vertraut machen und immer das klassische Denken und Verständnis an vorderster Stelle im Blick behalten. Das heißt nicht, dass wir nicht wissen, wie wir mit neuen Situationen umzugehen haben, weil wir sie nicht in klassischen Quellen finden. Es geht darum, dass wir ihre Denkprozesse und ihr Verständnis der Sunna im Auge behalten.

Das Thema ist interessant. Manchmal wurde mir vorgeworfen, Modernist zu sein. Ich habe ernsthaft gefragt, was mit „modernistisch“ gemeint sei, wenn es nicht nur um die bloße äußere Erscheinung geht. Philosophisch beschreibt es aber die Sache nicht. „Modernismus“ ist die Zurückweisung des traditionellen Denkens, der Anspruch, ganz von vorne anzufangen und die Zurückweisung der Ansichten von Gelehrten wie Imam Malik. Oder auch, die Relevanz der Sunna in Frage zu stellen.

Wir als Muslime sollten das klassische Erbe lebendig halten. Der Qur’an, die Sunna und die Scharia müssen uns als Wissenschaft sehr am Herzen liegen. Unsere Kenntnisse sollten es uns auch ermöglichen, hier und heute mit neuen Fragen umzugehen. Das erlaubte es Leuten wie Imam Malik, Qadi ‘Ijad, Ibn Ruschd oder Sidi Khalil in ihren Zeiten, auf unbekannte Situationen zu reagieren.

Wir brauchen nicht nur eine Verbindung zu unseren Gelehrten, sondern auch zum Wissen. Ich garantiere, dass jeder Schüler der islamischen Wissenschaften bei seinem Studium der Geschichte der frühen Generationen sowie der Rechtsprinzipien (den Usul) feststellen wird, dass ein Geist des Fragens und der Debatte herrschte. In gewisser Weise waren Imam Malik, Imam Abu Hanifa und auch Imam Asch-Schafi’i bei bestimmten Aspekten sehr „revolutionär“. Das gilt auch für die Salaf, die ihnen vorangingen.

Ich würde jenen deutlich widersprechen, die unser Erbe zurückweisen. Es ist für mich eine Lebensader. Sie zu durchtrennen, bedeutet ein sicherer Niedergang dieser Umma. Wir müssen diese Persönlichkeiten verstehen und ihr Vorbild zum Leben erwecken. Wie bei einem Staffelrennen gibt es eine ununterbrochene Kette, über die der Din an uns weitergegeben wurde. So werden wir ermächtigt, uns mit den Anforderungen dieser Zeit und dieses Ortes auseinanderzusetzen. Wir haben das klassische Erbe der Imame, aber nutzen es, um mit dem Hier und Heute umzugehen.

Betrachten wir die andalusischen Gelehrten, eröffnet sich uns ein massives Erbe. Das ist ein weiter Grund, warum ich die Schule von Medina studiere. Sie bestand beinahe acht Jahrhunderte auf europäischem Boden. Die Gelehrten setzten sich mit ihren Gesellschaften auseinander und dienten ihnen, was uns das nötige Selbstbewusstsein geben sollte, das gleiche zu tun.

Islamische Zeitung: Imam Malik sprach vom Wissen als Licht, das Allah in die Herzen legt…

Mufti Abu Layth: Das ein sehr wichtiger Aspekt. Imam Malik sagte tatsächlich, dass Wissen „nicht nur das Auswendiglernen von Überliefererketten“ oder Quantitäten an Wissen sei, sondern vielmehr „ein Licht, das Allah in die Herzen“ legt. Diese Aussage lässt sich auf zwei Arten verstehen. Zum einen auf die offenkundige, wonach Wissen ein Licht ist, dass Allah in ein Herz legt und das zu einem erleuchteten Herzen führt. Die Deutung, die sich mir mehr zueignet, meint eher eine Art Aufklärung, Erhellung. Wissen ist nicht nur die Fähigkeit, Information wiederzugeben, sondern eine intellektuelle Aufklärung.

In der Psychologie sprechen Leute wie Piagetti über die vier Stadien der Entwicklung unserer geistigen Fähigkeiten. Sie werden auch sagen, dass ein Erwachsener nicht einfach ein Kind mit mehr Informationen ist. Ein 18-jähriger ist nicht einfach ein 10-jähriger mit mehr Wissen, sondern hat vielmehr eine qualitative Entwicklung seiner kognitiven Fähigkeiten durchlaufen.

Meinem Verständnis nach bezog sich Imam Malik darauf. Dieses Wissen ist nicht etwas, das sich einfach nur wiedergeben lässt. Es ist ein erleuchteter intellektueller Ausblick, den Allah den Menschen gibt. Es ist ein Geschenk von Allah. Und jeder, der die Wissenschaften der Scharia studiert, wird erkennen müssen, dass diese Form der Aufklärung gegenwärtig ist, aber manchmal lernen wir dieses Wissen nur, ohne danach zu streben, es zu verkörpern. Wissen ist praktisch.

Es besteht einerseits in seiner praktischen Umsetzung, aber auch darin, dass wir uns mit seiner Hilfe praktisch mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen. Es muss zu einer Wirklichkeit werden.

Islamische Zeitung: Lieber Mufti Abu Layth, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

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